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r ' Ul'. 32 JHarßurg, Freitag, den 7. Februar. 1873.

Oterhessische Zeitung.

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Ulttamontane Drohungen.

In dem Augenblicke, wo die Lanoesvertretung ihre ersten Beschlüsse faßt, um in Uebereinstimmung mit der Regierung die Beziehungen zwischen Staat und jkirche auf festen Grundlagen zu regeln, kündigen die Stimmführer der römischen Kirche von allen Seiten »n, daß dieselbe sich den Gesetzen des Staates nicht fügen »erde. Die Bischöfe und ihr Capitel, die Redner ter katholischen Partei und die ultramontanen Blätter ^sichern einmüthig und wie im Wetteifer, daß die m Aussicht genommenen Gesetze für die Katholiken Preußens und Deutschlands da» Signal zum allsei­tigen heftigen Kampfe und Widerstande bis zum äußersten Märtyrenhum sein werde«. An dem Tage, wo jene Gesetze in» Leben treten, werde für die ka- lholische Kirche Deutschlands die Zeit eines ernst n und großen Kampfes und zugleich die Morgenröthe eines großen und herrlichen Martyriums anbrechen.

Diese übereinstimmenden Kundgebungen haben augenscheinlich vor Allem den Zweck, die Regierung und die LandeSvertrelung womöglich noch von den ent« scheidenden Beschlüssen zurückzuhalten. Die Leidenschaft­lichkeit, mit welcher das Borgehen der Regierung be­kämpft wird, und welche sich bis zur Drohung mit offener Auflehnung steigert, gibt zunächst den Beweis, wie sehr die Führer der ultramontanen Bewegung von ber Wirksamkeit der berathenen Gesetze für Stärkung der staatlichen Autorität überzeugt sind.

In ber Erregung des augenblicklichen Kampfes mögen sich manche unter den Wortführern und vol­lends ihr blinder Anhang kaum Rechenschaft darüber geben, inwieweit es mit jenen Drohungen dereinst wirklicher Ernst roerbcii kann und darf; die Drohung ist ihnen zunächst eine Waffe für den Augenblick und sie machen von derselben rückhaltlos Gebrauch. So­bald dir neue Gesetzgebung trotz des jetzigen Wiver flandeS zur Geltung gelangt jein wird, «erden die Qberhirten des katholischen BolkeS wohl von Neuem ernst mit sich zu Rache gehen, ob ihre Gewissens Pflicht und das Interesse der Kirche und der ihrer geistlichen Pflege befohlenen Bevölkerung in Wahrheit

den absoluten Bruch mit der Staatsgewalt und das Betreten revolutionärer Wege gebieten ober gestatten Die Entschließungen werben dann voraussichtlich an­ders ausfallen, als eS nach ber jetzigen brohenden Sprache scheinen mag.

Wäre es ober mit den Drohungen wirklich voller, unbedingter Ernst, so müßten die Hüter unseres Staats- rechtS darin von vorn herein eine noch dringendere Mahnung finden, um die unveräußerlichen und un theilbaren Rechte ber staatlichen Souveränetät gegen jene grundsätzliche Auflehnung ein für alle Mal sicher zu stellen.

Der Staat kann sich in Bezug auf die Souveränetät seiner Gesetzgebung und auf die verbindliche Kraft seiner Gesetze keiner anderen Autorität, keiner noch so mächtigen Korporation beugen; — mit je größerem äußeren ober inneren Aiispruche solche Versuche her­vortreten, besto dringender wirb bie Staatsgewalt ver anlaßt sein, ihre alleinige Souveränetät sicher zu stellen

Sie wird dabei freilich auch um des Staates selbst willen darauf Bedacht nehmen müssen, ihr gutes Gewissen zu "wahren; denn mit der rechtlichen Sou veränetät trägt sie auch bie höchste Verantwortung für bas Wohl und Gev.ihen des ganzen Volke». Sie wird sich beShalb sorgfältig davor hüten, in das eigentliche innere Gebiet ber Kirche, in bas Gebiet ber Gewissensfreiheit, beS Glaubenslebens und ber mit bernselbeN-zusammenhängenben kirchlichen Einrich tungen und Sitten einzugreifen.

Der Kultus - Minister hat bei ber jüngsten Be rathung wieberholt bie Zuversicht ausgesprochen, daß das katholische Volk, sobald die neuen Gesetze erst in Kraft stehen, in kurzer Zeit zu ber Uederzeugung ge langen werde, daß das kirchliche Leden durch dieselben nicht berührt und beeinträchtigt werde, baß von einer Unterdrückung der Kirche, von einer Vernichtung ihre.' Rechte durchaus nicht die 9t.be fei, daß dieselbe auch initerhalb dieser Gesetze sich völlig frei bewegen könne in dem, was ihr gehört, in der Lehre der Heilswahr­heit und in ber Verwaltung ber Heilsmittel

Von einem der Kirche auferlegten Märtyrerthum

kann nicht bie Rede sein. Die Krone der Märtyrer wird diejenigen schwerlich schmücken, welche sich nicht um des Glaubens willen, sondern zu Gunsten ber weltlichen Macht unb Herrschaft der Kirche gegen die von Gott gesetzte Obrigkeit auflehnen möchten. Wenn aus der Verfolgung des Glaubens zumeist ein tiefen» Glaubensleben erblühete, so haben dagegen die Kämpfe, welche durch die geistliche Herrschsucht heraufbeschwvren wurden, die Kirche selbst stets geschwächt und zerrüttet.

Diese Besorgniß haben die beu scheu Bischöfe auf dem vatikanischen Coucil auch in Bezug auf bie jetzigen Kämp'e unumwunden ausgesprochen, sie haben gegen das Verfahren ber Mehrheit beS Concils protestirt, „um die Verantwortung für bie unglücklichen Folgen vor den Menschen unb vor bem furchtbaren Gerichte GotteS von sich abzulehnen."

Dieselben Bischöfe, welche damals solches Zeugniß abgelegt haben, können nicht ber Staatsgewalt die Verantwortung für den Kampf zuweisen, nachdem sie idber im voraus verkündet hatten, daß die w ltlichen Regierungen nicht anders würden handeln können, als es jetzt geschieht.

Wenn cie kirchlichen Oberen trotzdem ihre jetzigen Anschauungen verwirklichen sollten, so darf die Regie­rung die Zuversicht hegen, daß jeder Versuch einer Auflehnung gegen das Siaatsgesetz an dem gesunken Sinn unb Bewußtsein unseres Volkes unb an ber Kraft unseres Staatswesens scheitern wird.

Die Regierung täuscht sich gewiß nicht darüber, oaß sie ihre jetzige Aufgabe nur mit ernsten und tief­gehenden Kämpfen un? Erregungen durchführen kann; aber sie weiß, daß sie, sobald die beabsichtigten G-setze in Kraft treten, einen ganz anderen Boden zur wirk­samen Geltenomochung ihrer Autorität hab.» wird. Dieser Thotsache werben sich auch bie Bischö'e und Die Wortführer der uliramontanen Sache bei ihren späteren Erwägungen nicht verschließen können, und oie heutigen Stimmungen und Ankündiguiigen werden deshalb nicht abiolut maßgebend sein für die späteren Entschließungen.

Das jetzige Werk soll im Sinne der Regierung

Die Bauernfänger.

Novelle von Ewald August König.

(Sortierung.) ?. «apitet Die Feuerprobe.

„Irre ich übrigens nicht, so sagten Sie mir am tage Ihres Eintritts, Sie seien nicht verlobt."

„Ganz recht, aber ich habe inzwischen —"

„So, so — eine Hiesige?"

„Ja "

„Ihr Name?"

Liebrecht zögerte.

„Sie dürfen unserer DiScretion vertrauen", sagte der Baron.

„Sie ist die Tochter des Küppermeisters, bei wel Hem ich gewohnt habe."

Der Baron wechselte mit seinem Vertrauten flüchtig sw«! bebeunamen Blick, es war ein Blick ber llnzu ikikdenheit und deS Mißtrauens.

„Wissen Sie auch, daß Sie durch diese Verlobung Gefahren für sich und für uns Alle herausbeschwöien?" faflte er schneidend. „Sobald Sie bie Rolle des Freiherrn von Wittgenstein übernahmen, mußten Sie l6*1 Ihrer Vergangenheit gründlich brechen —"

„Dos Mädchen weiß von dieser Rolle nicht» —" , „Einerlei, e» ist ein gewagte» Spiel, welche» ich

billigen kann. Machen Sie der Sache ein Ende "

„Sobald Sie sich entschließt, meinen Vorschlag ^unehmen, werde ich mit ihr abreifen."

Der Baron, ber sich schon ber Thür genähert Wie, wandte sich um.

„Eine Entführung?" fragte er.

»Ja; ber Baier will feine Zustimmung nicht Wen, unb das Mädchen hat viel Geld."

--Ich rathe Ihnen, verzichten Sie darauf. Sie sich nur Unannehmlichkeiten bereiten unb Löblich mit der Polizei in Collision kommen. Sie ?"uen mehr gewinnen, wenn Sie ruhig auf der bleiben, bie wir Ihnen eröffnet haben."

Ohne eine Antwort abzuwarten, ging er hinaus.

» Er staub schon im Begriff, die Treppe hinunter zu" steigen, als der Helle, schrille Klang einer Glocke ihn bewog, stehen zu bleiben

Es war das Warnungssignal, welche» Baumann seinen Gästen gab, wenn ein Polizeibeamter sein Haus betrat.

Ter Baron schritt rasch in den buntien Gang zurück, er öffnete eine geheime Thür, bie selbst oas Lpäherauge be» Commissärs noch nicht entbedt Halle und ftieg eine enge steile Treppe hinunter.

Diese Tr.ppe führte durch eine zweite geheime Lhür in bie Wohnstube des Wirthes, au» die)er konnte man auf bie Siraße hmansschiüpfen, ohne von den Gästen in der Schenkstube bemerkt zu w roeu.

Der Baron schlug den Weg zur Wohnung des Majors ein, Frau von Barnitz hatte ihn unb den Freiherrn v. Wittgenstein zum Theo etnge.oben.

Seit jener ersten Begegnung mit ihr war er be oeutend in ihrer Gunst g.fliegen, auch den Major hatte er durch kleine Aufmerksamkeiten für sich einzu nehmen gewußt. Nur Hermine blieb ihm fern, der Baron ahnte dcn Grund, er laö ihn in den, Blicken Warndorf'S.

Er sah auch, daß der Major den Premier-Lieute nant begünstigte, seinem Scharfblick konnte das so wenig entgehen, wie bie fteigenbe Unzufriedenheit der Frau von Bainitz über biete Haltung ihres Gatttn

Die Haltung bes Barons begünstigte diese Wahr nehmungen; drohte schon fein Verkehr mit bi.ser Familie den häuslichen Frieden zu stören, um wie Vieles rascher mußt) er zerrüttet werden, wenn der Baron mit seinen Machinationen begann.

Er wollte an diesem Abend feine ganze Liebens Würdigkeit entfallen, schon an einem ber nächsten Tage gedachte er offen um die Hand Herminens zu werben, welche Frau von Barnitz ihm gewissermaßen schon zu gesagt hatte. Daß er dabei auf den Widerstand Herminens und ihres BaterS stoßen werde, sah er

voraus, aber es lag ja in feinem Plane, einen tief- einschneidenden Zwist in dieier Familie zu stiften und seine Werbung war ber kürzeste und sicherste Weg, diese Absicht zu erreichen.

Jndeß für heute hatte er die Rechnung ohne den Wirth gemacht.

Der Major, die Absicht seiner Gattin durch- ichauenv, halte aus eigener Machtvollkommenheit den Premier Lieutenant eingelaben unb von dem Aerger seiner Gemahlin über diese Durchkreuzung ihrer Pläne keine Notiz genommen.

Warndorff hatte sich schon eingefunden, al» der Baron ins Zimmer trat, sein frostiger Gruß ton* iraftirte fchars mit der aalglatten Höfl chkeit de» Barons, der jein spätes Kommen und das Ausbleiben des Freiherrn entschuldigte.

„Der Arrestant ist Ihnen ja entsprungen?" wandte er sich zu dem Premier. Lieutenant, dessen Stirn sich bei dieser Frage in Falten zog. „Der Herr Polizei­director sagte es mir heute Mittag, während wir beim Kaffee eine Partie Domino spielten, ich wollte eS Anfangs nicht glauben, aber der Herr Director —"

„Der Herr Polizeibirector thäte bester, alle Hebel in Bewegung zu fetzen, um bi se Verbrecherbande auf­zuheben," unterbrach Warnborff ihn unwillig, „eS muß eine wohlorganistrte Bande sein, bas räthielhafte Verschwinden be» Arrestanten bew,ift, daß diese Ver­brecher für alle Fälle ihre Vorkehrungen getroffen haben "

„In der Thal eine sehr rächst lhafte Flucht," sagte der Major, während er mit großer Gewandtheit ein Ei von der Schale befreite, „bet arme Fähnrich hat seine Nase bafür erhalten."

„Hm — wer kann wissen, ob sich nicht unter der Wachtmannschaft ein guter Freund de» Arrestanten befand!" warf ber Baron ein.

„Herr Baron, Sie treten ber Ehre unserer Armee <u nabe, wenn Sie biefe Ansicht al» Behauptung aufstellen wollen!" ,