m Mr. 31
JRarÖurg, Donnerstag, den 6. Februar.
1873.
Oterhessische Zeitung.
bürg
4nen;
' Hen
uni Rect,r
H-n Reck, tt bn >r bi« in».
[ai
irenei Fr'f-
er.
Kuh-
[247 wiseü
tsthal, r bra
t zu« [208
73. tot
ir«j
Sgt
er.
, w be, ß ;en « [234
liintr, H-r-
[2991
61«.
ügel
1 vti> 213, J_183 feint ibliche le btt ; lanj Hai»
>atn»
lichte Stellt i mir t et* citiftt [197
—.—' ■
>rige» en<* hefdt
[23o
W Lhcr,. rectot it i* [249
o*,.:
Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckereil bezogen 32; Lgr., durch die Stempelsteuer), fttr das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnserlionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 ©ar.
ELMNltliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
Erscheint täglich autzer den Werktagen nach Sonn- und Postämter 27 Egr. (excl. Bestellgebühr und incl.
^g-gStg-g <• — ... ......... .
♦fir Die Monate Februar und März nehme« alle O Postaustalten Bestellungen auf die Oberheffische Zeitung zu Dem Preise von 15 Sgr., wozu der gewöhnliche Postaufschlag noch kommt, entgegen.
DeulschrS Strich.
#4 Berlin, 4 Febr. Im Abgeordnetenhaus hat heute die dritte Lesung der Abänderungsanträge zu
15 und 18 stattgefunden und wird hoffentlich hm e auch erledigt werden, denn Neues von bestimmendem Einfluß dürste wohl nicht mehr in der Verhandlung roegedracht werden; am wenigsten ist dies von dem alten Rundschauer Herrn v. Gerlach geschehen, der sich nunmehr dazu gebrauchen lägt, für die Feinde des evangelischen Bekenntnisses, für das terroristische Papst ihm», seine sehr stunchf gewordene Lanze einzulegen Man sollte eS taum für möglich halten, daß ein sonst hervorragend gewesener Jurist in der Parteileidenschasi seine Veistandesschärfe und Klarheit so weit verliert, um im Abgeordnetenhaus die Regierung zur Ablegung eines gewissen Glaubensbekenntnisses aulzufordern; Gerlach mochte sich die Situation ungefähr so vorstellen, als ob der Cultusminister ein Candidat der Theologie und die Cenirumsfraction mit Gerlach an der Spitze das examlirirende Consistorium sei. Der alle Rundschauer begreift nicht einmal, daß die Posi lion der Regierung gerade dadurch eine festere und unangreifbare ist, weil sie mit diesen kirchenpolitischen Lorlagiir ausschlietzlieb ein klares einfaches Reckt des Staates gegen Uebergriffe eines herrschfüchtigen Clerus gellend macht und sich auf keine kirchlichen Fragen einläßt Taktik der Ultramontanen ilt aber das Hereinziehen des GlaubeirSfanatismuS, der Staat sorgt dafür, daß diese Taktik nicht getmgen kann. — Denn Kriegeministerium ist ein Reichs^ejetz über die deutsche Heeresorganiiatibst aüsgearbeitet und dem BundeSrath übergeben worden, welcher sie dem Reichstag als Vor lagt zugehest lassen wird. — In Veranlassung des von der BubgetcomMtisioil erklärten Wuniches nack Bewilligung höherer Diäten für die Abgeordneten, hat die Regierung sich über die Grundlage einer bezüglichen Vorlage verständigt und wird eine Vorlage über bie Erhöhung dem Landtage zugehen. — Wr ver- «hmen, daß auch dek Staatsminifter a. D. v. Palow für einen der erledigten Oberpiästdenlen Posten tn Aussicht genommen ist. — Ent Erlaß des Cultus- «iuisters dringt auf unverzögerte Herstellung von Lebungsschulen, mehrklassigs und eistklaisigc, zur Aus bilvung der angeheiiden Lehrer in den königl. Lehrer-s
seminarien. Die gesetzlichen Aufsichtsbehörden für diese Schulen sind die königl Provinzialschuleollegien, ausnahmsweise jedoch soll vorläufig die Aufsicht an Deren Behörden belasten werden, wie dies bisher der Fall gewesen ist.
— Hr. v. Mühler soll seine literarische Thätigkeit gegen die jetzt in dem früher von ihm geleiteten Mi "isterium herschende Richtung wieder ausgenommen haben. Wie das „D. Wchbl." hört, stammen die scharfen Artikel, welche die „Neue Preußische Zeitung" kürzlich in Den kirchlichen Fragen gebracht hat, aus der Feder des früheren CultusministerS — Wie die - Oer -Ztg." auS dem Juftiziy>nisterium erfährt, sind gegenwärtig nicht weniger als 200 KreiSrichter Stelle» un preußischen Staate unbesetzt. — Die „Germania" veröffentlicht den Wortlaut einer Denkschuft des preußischen Episeopats an das preußische Ministerium bezüglich der Kirckenvorlagen. — Der „Spener'scheii Zeitung" zufolge wurde bas Börsensteuer Gesetz gestern ver Reicks Steuer Commission überwieien.
— Die dem Bundesralhe eingereichte Denkschrift der badischen Gemeinden gegen bie Tabaksbesteuerung hebt hervor, daß eine Steuer von 9 Thalern auf frifchen Tabak einer solchen von lli/4 Thalern per (Beniner auf den getrockneten Tabak, wie er vom Händler weiter verkauft wird gleichkomme. Hiergegen würden denn die 14 Thaler Eingangszoll aut fremden Tabak (die damals bekannten Sätze zu Grunde gelegt) ein geringes Gegengewicht bilden. Zugegeben wird daß feine Cigarreti Luxusartikel seien, nicht aber G- nutz d.S Tabaks im Allgemeinen; dieser sei ein duich Gewöhnung eingebürgertes Bedürsniß, was auch der Krieg gelehrt habe. Höher, als die Vertheueruug des Tabaks für 6en Unbemittelten, schlägt oie Denkschrift sie Bedrohung der weitverbreiteten Hausfavrikalion und die darin liegenbe Entziehung des Verdienstes fü> zahlreiche Familien an, ferner bie Beeinträ otigung des ipeculaticen Tabakshandels durch die Verdoppelung des Betriebscapitals und des Risico. Bebenkttch er- scheint sodann unter den neuen .Verhältnissen neben oer Concurrenz des überseeischen Tabaks jene des ms fischen und ungarischen. Nachlaß deS Baues müßte Dann die nächste Folge fein. Baden producirt, bei einer Durchschnitlsernle von 255,600 Ctrn. und einem Durchfchnittspreise von 15 fl, für 3 825,000 fl Tabak. An Arbeitslöhnen für. Fabrikarbeiter fällt allein auf Baden bei mäßiger Schätzung nach Angabe der Denkschrift der Betrag von 6 Millionen Gulden.
Aus dem gleichen Areal, daß jetzt den Tabak erzeugt, könnte künftig, fiele diese Production weg, eine Getreideernte von höchstens 2 Millionen Werth gewonnen werden.
— Rach dem dem Bundesrathe zugegangenen Gesetzentwurf wegen Umgestaltung der deutschen Festungen sind folgende Et weiierungen projeclirt: Beschlossen sind für Köln 9,159,000 Thlr., Koblenz 309,000 Tblr., Mainz 922000 Thlr., Rastadt 43,000 Thlr, Ulm 1 210,000 Thlr., Spandau 4,434,000 Thlr., Cüstrin 4,741,000 Thlr., Posen 7,023000 Thlr.. Thorn 5 280,000 Thlr., Danzig 773 OoO Tblr., Königsberg 7,837,000 Thlr., Glogau 278,000 Thlr., Ne,sse 242.000 Thlr, Memel 73,000 Thlr., Pillan 50000 Th r, Colberg 267,000 Thlr, Swinemünde 1,426 000 Thlr., Straisuw 275,000 Thlr,Frievrichsort 1,822,000 Thlr., Souderburg-Düppel 2,227,000 Thlr., Befestigung der unteren Elbe 4 373 000 Thlr, Befestigung eer unteren Weser 5 061000 Thlr., endlich WilheimS- haven 10,177,050 Thlr. Man ersieht hieraus, baß die stärksten Befestigungen für Köln, dann aber für Königsveig und Posen in Aussicht genom uen sind. Die Kostenberechnungen erfolgten nach Kostena ischlägen und örtlichen Ermittlungen. Die Entschädigungen, welche nach dem Rayougesetze den Grundeigeuthümern gezahlt werden müssen, deren Häuser in die RayonS hineingezogen werden, sind Nicht berechnet worden, weil diese Entichädigungeii zumeist als Renten zu gewähren sind, deren genaue Höhe sich bei Der kurzen Zeit deS Veilchens des Ges tzes nicht anführen läßt. Die an- gesteUten Berechnungen beziffern den Kapitalwerth aller zu gewährenden RiyonSeiltschädigungen auf ca. 4]/2 Million Thlr. Die Koiten für Geschütze und Munition beruhen auf Ausrüstungsentwürfen, welche oie Gejchützaussta.tung nach Zayl, Art und Kaliber festsetze,r, jo wie aut den e>sahrung»m.ßigen Kosten Der verschiedenen Geschütze. Die Landes LenheidigungS- Commifsion betont bei den Vorschlägen zur Verstärkung der artilleiiftischen Ausstattung der Festungen Die Erfahrungen deS letzten Krieges gegen Frankreich, wonach es außer allem Zweifel steht, daß der rasch und mit verhaltnißmägig geringen Opfern von nnS erzwungene Fall vieler kleineren französischen Festungen durch deren veraltete und gegen die heutigen Angriffswaffen nicht mehr genügende Ausstattung und AuS- rüstung wesentlich mit herbeigeführt worden ist.
Howburg, 1. Febr. Der Gemcinvevorstand hat in seiner jüngsten Sitzung (am 30. v. M.) den
Die Bauernfänger.
Novelle von Ewald August flCtti g.
iFonsetzang.)
Neuhoff schüttelte mißbilligend den Kopf.
„Dann mußtest Dst auslreten."
,^)ho!" fuhr der Baron auf. „Ich müßte? Wer mich dazu zwingen?"
„Ich — wir alle," erwiderte Neuhoff emst. „Unsere Cehejmnisss wären dann —"
„Hol' Euch alle der TeufelI Wäre ich daS einzige berhkirathete Mitglied r1
„Stein, aber es ist etwas Andere-, ob Dtt Fräu v. Barnitz oder —"
, „Ich verstehe, Du meinst, wenn ich einmal heirathe, Este ich ein Weib heimführen, welches mit Leib und ?eele sich an unserem Bunde betheilige. Sei unbe- stkgt, ich werde nie heirathen — Haffe die Weiber, Ikitdün ich — aber daS kümmert Dich nicht."
Der Blick Neuhoffs ruhte forschend auf dem Ge bcht des BaronS, welches finstere Schalten umdüsterten.
„Der Major soll ruinirt werden," fuhr der Baron einer Pause fort, „sein stolzes, hochfahrendes ~e'b muß vor mir im Staubs liegen, daß ich mit "erachlung üb'br sie Hinwegschreiten kann."
„ „Wenn da- Dein ganzer Zweck ist, so kannst Du M wt leichter Mühe erreichen. DaS Spiel —" . „Ich kenne den Weg, den ich einschlagen muß *at unser Freiherr die Banknoten erhalten?"
„Ja. <Sr will heute Abend die Wechsel bringen."
„Cs ist gut, er muß noch enger an uns gefesselt
**tben. Heute soll er die Feuerprobe bestehen."
„£tute schon?"
„Scheint es Dir zu früh? Er führt für unsere Rechnung ein sehr angenehmes geben; er soll verdienen, was er gebraucht. Es klopft — sieh nach."
Wenige Minuten später trat Liebiecht ein, der Baron emfing ihn kühl.
„Sie wollten schon gestern die Wechsel bringen," sagte er, „ich liebe die Pünktlichkeit."
Liebrecht öffnete achselzuckend seine Brieftasche.
„Zur Copirung einer fremden Handschrift muß man Zeit und Ruhe haben," erwiderte er, „das werden Sie auch wiffen, hier sind bie Wische. Und hier sind auch die Banknoten, ich befaffe mich nicht gern mit ihrer Umwechstung, übertragen Sie mir jedes andere Geschäft, nur dieses nicht."
Zn den Augen des BaronS blitzte eS jäh, auf.
„Was berechtigt Sie zu dieser Sprache?" fragte er. „Sie haben zu gehorchen; wir, das heißt der Vor- stand unserer Gesellschaft müssen am besten wissen, welche Geschäfte wir dem Einzelnen anvertrauen dürfen. Erinnern Sie sich meiner Warnungen, als Mitglied unserer Gesellschaft sind Sie verpflichtet, alle Aufträge auszusühren, die wir Ihnen übertragen. Sie »erden die Banknoten urnwechfeln und binnen acht Tagen dreiviertel des Betrages uns einhändigen."
„Ich kann eS nicht."
,.Sie können nicht?"
„Nein, ich bin zu ängstlich in diesem Punkte."
„Bah, dann hat die Gesellschaft auch keine Verpflichtung mehr, Sie zu beiolDen. Glauben Sie nicht, daß Sic mit uns spielen können, mein Herr Muster reiter; wenn Sie Miene machen, uns in den Weg zu treten, vernichten wir Sie."
„Ihre Drohungen sind überflüsstg," entgegnete Liebrecht ruhig, „ich habe Ihnen ja gesagt, daß ich jedes andere Geschäft übernehmen wolle."
„Jedes?"
„Ja"
„Wohlan, ich will Sie «äif die Probe stellen, Sie sollen mir nicht den Vorwurf machen können, daß ich hart unv ungerecht sei. Louiö, nimm die Banknoten zurück, Selbach und Schröder sollen das Geschäft befolgen. Werden Sie heute Abend den Major v. Barnitz besuchen?"
„Er hat mich eingeladen."
„So gehen Sie nicht hin."
„Sie wollen eS?"
„Dann werden sie eS übernehmen müssen, mich zu entschuldigen," entgegnete Liebrecht, „mir bleibt feine Zeit dazu, es schriftlich zu thun."
Der Baron nickte.
„Aber Sie werden ihn heute Nacht besuchen," sagte er.
Liebrecht blickte betroffen auf, er erschrak vor dem eisigen, strengen Blick deS Barons, der ihm verrieth, daß er sich ganz in der Gewalt dieses Mannes befand.
„Heute Nacht", fuhr der Baron mit sckarfer Betonung fort, „vor Tagesanbruch erwarte ich hier die Wappensammlung des Majors."
„Himmel, sind Sie wahnsinnig?" fuhr Liebrecht bestürzt auf. „Wollen Sie mich auf dem kürzesten Wege hinter Schloß unv Stiegel bringen ?*
„Es ist Ihre Sache, das zu verhüten."
„Ein nächtlicher Einbruch —"