Dre-den, 3. Februar. Die Königin ist an einem Lungenkatarrh erkrankt. Das gestrige Abendbullelin meldet ziemlich beträa tliche Fiebererscheinungen. Nach dem heutigen Morgenbulletin hat die Patientin die Nacht über ziemlich ruhig geschlafen; gleichwohl dauert das Fieber fast in gleicher Weise fort. Das Allgemeinbefinden ist befriedigend.
Darmstadt, 2. Februar. Der unlängst in der zweiten Kammer eingebrachte Antrag aut zeitgemäß, Erhöhung der Pensionen der Witwen und Waisen der Civilbeamten hat, obgleich der Staat bereits jetzi schon der betr. Casse jährlich 83,000 fl. zuschießt, dennoch begründete Aussicht aus baldige Realisirung. — Bei den meisten Realschulen deS Landes hat sich die nicht mehr länger ausichiebbare Nothwendigkeit der Errichtung von Parallel - Elasten herausgestelll und die wegen der desfallsigen BeitragSpflicht der betreffenden Gemeinden eingeleiteten Verhandlungen sind ihrem Abfchluß bereits nahe gerückt. — Bei der dem nächftigen Budgetberathung wird wiederholt der Antrag gestellt werden, das Landeögestüt, welches einen jähr liehen Aufwand von etwa 43,000 Gulden erfordert, ringchen zu lasten, da die erzielten Resultate diesem Koitenaufwvnd gegenüber nicht für entsprechend erachtet werden. — Die von Oberhessen schon so oft und dringend erwünschte Regulirung der Niedder, Nidda und Horloff, deren Urbersa wemmungen den anliegenden Gemernben belrächlliche Verluste verursachen, ist in Aussicht genommen. — Die Reorganisation des hie sigen PolizeiwesenS, welche von der letzten Kammer abgelchnt wurde, ist wiederholt in Anforderung ge bracht woreen. — Ter Castanonshof hat das freisprechende Unheil in der bekannten Anklagesachc gegen Hans Blum bestätigt. — Dieser Tage gelangte eine Regierungsvorlage an die zweite Ständekammer, einem Staalsvertrag mit Preußen wegen Erbauung einer Eilenbuhn von Mainz nach Wiesbaden (mir st hender Brücke unterhalb Mainz) und wegen Anschlusses dieser Bahn an die von Frankfurt durch daS Lorsbacher Thal nach Camberg zu bauende Bahn die Zustimmung zu geben. Die hefsische Luvwigöbahn soll beide Strecken bauen. Abg. Weicker wurde für die dem Finanzausschuß zugewiesene Vorlage als Referent bestellt. Der Ankauf der M a i n W e s e r b a h n ist nach der „W. Zlg." trotz aller Abläugnungen vollendete Thalsache
Ausland.
Wie«, 1. Febr. Die heutige „Wiener Zeitung" veröffentlicht in ihrem amtlichen Theile die Nachfolgen den kaiserlichen Verordnungen: 1) daß der Kaiser dem ungarischen Minislerp» äsidenten Szlavy die Geh,im rathswürbe verliehen habe, 2) daß der Kaiser die Er richlung einer selbständigen Merrpolie für die griechisch orientalischen Bislhümer in der Bukowina und in Dalmatien, sowie die Erhebung der bischöfllwen Kirche der Bukowina zur Metropolitankirche genehmigt und
„Gott sei Dank", sagte er, „der Schlaf stellt sich ein, — meine Herren, ich wünsche Ihnen einen guten Morgen."
„Na und Ihnen wünsche ich wohl zu ruhen", entgegnete der Hauptmann gähnend, „wahrhaftig schon sechs Uhr vorbei, warten Sie, ich gehe mit."
„Ich gehe auch heim", sagte Warndorff, nachdem die Beiden sich entfernt halten, „hier liegt der Rapport, Eduard, schicke ihn mit dem Morgenzettel zur Haupt wache und liefere den Arrestanten ab, ich komme im Laufe des Vormittag- noch einmal vorbei."
Der Fähnrich nickte fcblaftrrmken und sank auf da- harte Polster des SophaS zurück.
Eine Stunde später lag der Rapport in der Wohnung des Commanbanteu.
Der Fähnrich erhielt den Befehl, den Arrestanten der Polizeibehörde zu überliefern, ein Commistär, von zwei Gendarmen begleitet, erschien, um ihn in Empfang zu nehmen.
Aber al- die Thür des Arrestzimmers geöffnet wurde, fand man den Käfig leer, der Bogel war aus- geflogen.
Der Commistär blickte fragend den Fähnrich an, besten Wangen kreideweiß geworden waren.
Die Poften vor dem Gewehr wurden verhört, sie hattm das Entweichen des Arrestanten nicht bemerkt.
Der Fall war um so räthselhafter, weil es unmöglich schien, daß der Gefangene durch das aller ding- geöffnete, aber stark vergitterte Fenster entflohen sein tönne, und doch mußte man dies annehmen, da man ja die Thür fest verschlosten gefunden hatte.
Warndorff, der gerade hinzu kam, als der Commistär kopfschüttelnd die Entfernung der eisernen Stäbe betrachtete und an den letzteren rüttelte, um sich zu überzeugen, ob sie noch fest seien, schüttelte rathlos den Kops.
Auch er vermochte das Räthsel nicht zu lösen, der Schlüstel zu dem Zimmer hatte ja während der Nacht vor ihm gelegen. und durch daS Fenster konnte der Arrestant unmöglich entflohen sein.
den griechischen Bischof in der Dokuwina, Eugen Hackmann, zum Erzbischof-Metropolitan für die griechisch - orientalischen Bisthümer der Bukowina und Dalmatiens ernannt habe. — Die „Weltausstellungs Correspondenz" macht die Mittheilung, daß heute Nachmittag in Gegenwart des Generaldirectors, des Vorstandes und der Mitglieder des Jngenieurbureaus die Auflage des Daches der Rotunde aufgeschlagen worden sei, daß der ganze Rotundenbau nunmehr voll ständig auf feinen Beton-Fundamenten ruhe und bis aus einige unwesentliche Ergänzungsarbeiten glücklich vollendet fei.
Paris, 2. Febr. Das officielle Blatt widerlegt heute ebenfalls die Nachricht, daß in Paris 122 Per joneit als Anhänger der Internationale verhaftet wor den seien. Ihm zufolge waren es nur 11, von denen der größte Theil nach einer kurzen Haft wieder frei- gegeben wurden. Der Ministerralh versammelt sich morgen um 11 Uhr, um 2 Uhr begibt sich Thiers in die Dreißiger-Commission. Das officielle „Bien Public" glaubt fortwährend an eine Ausgleichung, welche die zugleich sehr festen und sehr versöhnlichen Erklärungen oes Präsidenten sichern dürften. — Die stürmischen Verhandlungen, welche drei Tage lang im Versailler Theater die National Versammlung beschäftigten, und die ganz tragisch zu werben vmprachen, haben nicht den Ausgang gehabt, welchen sich die Royalisten da von veriprachen, welche die ganze republikanische Partei brandmarken wollten, und sich damit begnügen mußten, „der rochen Fahne, von der im Augenblicke zum ne nigsten rn Frankreich fast Niemand etwas wissen will, einen Tarel zu erlheilen." Ten Royalisten ist dabei das Unangenehme, daß die ganze repub-ik.>iitsche Partei, mit Ausnahme von 41 Radicalen, die aber auch die rothe Fahne desavouirten, für ihren Antrag stimmten, so daß demselben eigentlich jede Bedeutung genommen wurde. Dir royalistischen Organe behaupten nun h-ute, daß man das Votum deS größten TheileS der Republikaner nicht für ernft aufnehmen könne, und die clerical-legitimistische „Union", die im Verleumdeir Meiflerin ist, gibt zu »erflehen, daß eS Herr Thiers gewesen sei, welcher der Linken das Losungswort ge geben und diese bestimmt habe, gegen ihre Ueberzeugung zu stimmen. Daß beut nicht so ist, liegt auf der Hand; denn alle Republikaner, welche sich gestern gegen die rothe Fahne erhoben, standen auf Seiten cer Regierung, als Paris bicjelbe erhoben hatte. Sie konnten daher sehr gut für eine Tagesordnung stim men, in welcher die roihc Fahne gebrandmarkt une oann nur bestimmt wurde, daß die fünf Berichte an die verschiedenen Minister verwiesen wurden, ohne daß man denselben voischneb, was sie zu thun hätten. Wie oem nun auch sein mag, jedenfalls Haden die Roya listen nicht beweisen körnren, baß die Lyoner, die jeden falls zu den schllmmsten Republikanern gehören, Staats
Sollte der Baron am Ende — aber nein, Warn vorff drängte den Gedanken zurück, es war ja Thor- heil, an die Möglichkeit dieser Verwegenheit zu glau den, überhaupt nur die Vermulhung zu hegen, daß der Baron von Menkstern, dieser reiche, feingebildete Herr, mit einem Raubmörder gemeinschaftliche Sache machen könne.
Der Commistär glaubte endlich die Lösung gefun den zu haben.
Nach seiner Ansicht hatte der Genoste des Gefangenen vermittelst f lscher Schlüssel das Ärrestzimmer geöffnet und bann wieder geschlossen und dazu einen Augenblick benutzt, in welchem der Posten vor dem Gewehr seine Aufmerkfamkeit nicht dem Eingänge widmete. Dieser Ansicht konnten die Offiziere nur beipflichlen. Warndoiff gab ein möglichst genaues Signalement deS Entflohenen und der Fähnrich machte sich auf einen Verweis von der Commanbanlur gefaßt.
Der Baron von Menkstern wanderte mit großen Schrillen in dem geheimen Gemach der Diebesherberge auf und ab.
„ES war ein ungeschickter Griff", sagte er, „ich gebe es zu, aber noch ungeschickter war es, daß Tu Dich fangen ließest."
„Du hättest ihr die Kehle zuschnüren sollen", er wiederte Neuhofs gelassen, während er mit Kennerblicken die Brillanten betrachtete, die vor ihm in einem kleinen Kästchen lagen. „Es wäre daS Werk einer Minute gewesen und Niemand hätte uns gestört."
Der Baron blieb stehen und.fuhr mit der Hand über Stirn und Augen.
„Ich weiß nicht, welche Schwäche in jenem Augenblick mich anwandelte", versetzte er, „ich dachte an meine Mutter, die auf dem Sterbebette —"
„Bah — zu solchen Erinnerungen muß man einen besseren Augenblick wählen."
„Und Du hast nicht einmal ein Wort des Dankes für mich?"
„DeS Dankes? Wofür?"
gelber unterschlagen haben, als sie an der Gewalt waren. Was die gestrigen Reben anbelangt,s;so verdienen dieselben nicht, daß man noch weiter auf fte eingeht. Hervorzuheben ist nur, daß der Herzog von Audiffret-Pasquier, berf eine Rebe zu Gunsten der Prinzen von Orleans hielt, bei dieser Gelegenheit auch davon sprach, daß diese Prinzen für die Vertheidigung der Gesellschaft eintreten würden, wenn diese in Gefahr sei. „Sw können" — so meinte derselbe — „den Söhnen derer, welche das Vaterland so groß und glorreich gemacht haben, nicht das Recht verweigern, es zu verthrivigen, so wie Sie dieselben nicht verhindern können, am Tage, wo die Gesellschaft in Gefahr ist, an die Spitze derer zu treten, weiche sich verthei- digen werden." Man legt diese Worte vielfach dahi» aus, daß die Orleans die Fusion wieder aufgegeben haben. Die gemäßigten Zeitungen bedauern tief die Scenen in der Kammer, die wohl die schlimmsten u.b tollsten gewesen, bie man seit dem Februar 1871 gesehen.
Rom, 2. Febr. Die „Agenzia Stefani" erklärt die Nachricht, daß der italienische Gesandte in Athen Die Beziehungen zu dem griechischen Minister bei Aeußern abgebrochen habe, für unrichtig; ber Gesandte habe nur die Instruction erhalten, sich bis zur Lösung der Laurion-Frage in dem officiellen Verkehr eine große Reserve aufzuerlegen.
Madrid, 1. Febr. In ber heutigen Sitzung bcS Congresses legte ber Conftitspräsident Zorilla einen Gesetzentwurf vor, burch welchen ein Cievit von 12 Millionen behufs Entwickelung beS Telegraphennetzer e-öffnet werben soll. Auf eine Anfiage Santa Mo- ria's, betreffenb den Carlistenaufftanb, erwiderte der Minister, die Regierung eniwickele in dieser Beziehung die möglichste Energie, die Banden Mäftrazo'« feien vernichtet, Sabella sei geschlagen; eine Bande von 1200 Carlisle» sei vollständig zersprengt und hab! 38 Tovte verloren, unter denen sich 2 Pfarrer befan- b.n. Man dürfe behaupten, daß die Jnjurrection bald beendigt jein werde. Die Eisenbahnverbindungen mit Frankreich würden in Kurzem wieder hergestellt jein Dem Deputieren Lagunero gegenüber wie« Zorilla jede Verdächtigung der französtichen Behörden, aia begünstigten Dieselben die carlsttische Bewegung, en schieden zurück und fügte hinzu, Frankieich habe vielmehr durch Jnlernirung ber über Die Grenze getretenen Carlisteu seine freundschaftliche Gesinnung gegenüber Spanien bewiesen.
Loudon, 3. Febr. Die Königin eröffnet ba# Parlament nicht in Person. Der Hof bleibt vermtuh- lich Die Woche in Osborne. — Dr. Hessel erhielt von ber Regierung sämmtliche VerlheiDigungskoilen e>stattet unD freie Passage für sich selbst und seine Frau nach Brasilien. — Bei Dem gestrigen Sturme geschah viel Schiffsunglück an Der ganzen Küste. Der
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Neuhofs machte eine geringschätzende Bewegung. „Es war Deine Pflicht", erwiederte er, „durch
«Ha — glaubst Du denn, es fei eine so leichte Sache gewesen, Dich zu zu befreien?"
„Ich verlange nichts", unterbrach der Baron ihu in barschem Ton. „Alle für Einen und Einer für
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Deine Schwäche hast Du mich in die Patsche gebracht, tägiid
Alle, das ist unsere Losung, ich werde ihr treu bleiben. WaS ist heute geschehen?"
„Nichts von Belang, so viel ich weiß. Die Po* lizei hat mein Signalement, ich werde den Barl ab- rafiren und eine Zeil lang den reisenden Engländer spielen, bis über die Geschichte Gras gewachsen ist.
„Nach Belieben. ES wird übrigens nichts darnach kommen."
„So — und die Juwelen? Die Polizei hat eie genaues Berzeichniß der Schmucksachen, die sich in der Schatulle befanden —"
„Du lieber Gott, das Alles sind ja Kleinigkeiten," unterbrach der Baron ihn ungeduldig, „ich meine doch, wir hatten mit derartigen Angelegenheiten schon so ost zu schaffen gehabt, daß wir endlich einmal gewohnt sein müßten, über sie hinweg zu sehen."
„Mich beschäftigen in diesem Augenblicke ändert Dinge."
„Wohl der Major v. Barnitz?" fragte Neuhof
„Richtig. Ich muß rascher an'S Werk gehen, att ich es Anfangs beabsichtigte."
„Weshalb?"
„ES gehen zu viele Leute in dem Hause aus unt ein, von denen ich Mißtrauen befürchten muß, vorzüglich der Lieutenant v. Warndorf scheint es M mich abgesehen zu haben." „
„Er soll mit Fräulein v. Barnitz verlobt sein-
„So sagt man, aber die Sache ist so weit nDw nicht gediehen."
„Hast Du am Ende selbst Absichten?"
„Und wenn ich sie hätte?"
(Fortsetzung folgt.)
größt Weift
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Kurhi
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Dann Kittel
beste Disch v-kl.c »kant hal.-i Oe»t_-
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