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zum 15. Februar das Ergcbniß der Veranlagung und macht zugleich bekannt, wie viel Silbergreschen auf jeden Thaler der veranlagten Jahressteuer ireiliger oder mehr zu entrichten sind, um den Normalbetrag zu erreichen. Dabei bleiben Beträge von 6 Pf und darunter außer Betracht, an Stelle höherer Pfennigs- betrage tritt 1 Sgr. Der durch die Abrundung der Pfennige ober durch die im Laufe des Jahres statt findenden Rcclamationen und Recurse enist-hende Ueberschuß über den Normalbetrag, sowie der Ausfall an demselben wird im nächstfolgenden Jahre ausge­glichen. Auf Zugänge im Laufe des Veramagungs jahres sind die berechtigten Steuersätze zur Anwendung zu bringen."

Flensburg, 28. Jan. Bei der Siurmflulb vom 13 Nov. wurde ein großer DreimasterStraßburg" durch die Gewalt der Wogen mitten auf unsere Straße am Hafen gesetzt und blieb liegen, als das Wasser rasch ablief. Seither wurde daran gearbeitet, das Schiff zu drehen und bei günstigem Wasserstaus vom Stapel laufen zu lassen, was mehrere tausend Thaler kostete. Gestern nun ist dasselbe glücklich ins Wasser gebracht worden. Nicht viel hätte gefehlt, so wäre es hängen geblieben und umgeschlagen, jetzt flattert die Fahne lustig am Mast; das Schiff im Werth von 30,000 Thlr. ist nach Hamburg verkauft.

Straßburg, 1. Fr-br. DieStraßburger Zei tung" vernimmt als sicher, daß das Gesuch des hie- sig"N GrmeinderatheS um erweiterte Zulassung des französischen Sprachunterrichts in den Elementarschulen von dem Reichskanzler abschlägig beschieden worden ist.

Ausland.

Wien, 1. Febr. Die hier erscheinendeGazette des Etrangers" bringt ein Telegramm aus Konstan tinopel vom gestrigen Tage, nach welchem am Hofe des Sultans die Reise desselben zur bevorstehenden Wiener Weltausstellung ernstlich erwogen wird. Im Fall der Reise beabsichtigt der Sultan für die Zeit seiner Abwesenheit von Konstantinopel seinen ältesten Sohn Jussuf Jzzedin zum Regenten cinzusetzen, und würde diese Kombination als ein Vorläufer zu der demnächst erfolgenden Proclamation dieses Prinzen zum Thronerben angesehen.

Pari-. 1. Febr. Die XIX. Siede theilt übet die neue Unterredung, welche de Larey, der Präsident der Dreißiger Commiffion, mit Thiers gehabt, Folgen­des mit: Herr Thiers verhehlte Herrn de Larcy nicht, daß die Ausgleichung zwischen ihm und der Com­mission will: 1) daß Herr ThierS mit der Versamm- lung nur vermittdst Botschaften verkehrt, welche durch einen Minister vorgetragen werben; 2) daß die Ver­sammlung erst an dem Tage berälh, der dem folgt, an welchem der Präsident der Republik erschienen iit, um leine Meinung auseinander zu setzen. Herr Thiers erklärt, baß er biese Bebrngung nicht annimmt, worauf Herr de Larcy erwidert, daß. er gerade auf diese halle. Herr ThterS will, daß man ihm antworte, und baß er das Recht habe, zu erwidern. Er giebt aber feine Zustimmung dazu, baß das Votum in seiner Adwe senheit Statt fiube. Die Commission schlägt vor, daß der Präsident die dringlichen Gesetze binnen drei Tage nach ihrem Volum und die übrigen binnen einem Mo­

nat veröffentlicht. Die Commission schlägt außerdem vor, daß der Präsident bei ben dringlichen Gesetzen eine neue Beralhung verlangen kann, wenner nicht angehört worden ist". Herr Thiers weist diese letz teren Worte zurück. Er will, baß sein Recht ein ab folutes sei. Was die Gesetze, welche ben brei Bera lhungen uitterworsen sinb, anbelangt, so verlangt ber Präsibenl bas Recht, eine neue Beralhung währens eines Termins zu verlangen, ber brei Monate nicht übet|teigen barf. Die Commission will, baß ber Prä­sident nur in. ben Interpellationen intervenirt, bei benen es sich um bie äußere Politik hanbelt. Herr ThierS kann bies aber nicht annehmen; er will sich bet allen Debatten betheiligen, welche bie allgemeine Politik interessiren. Was die Frage ber beiben Kam­mer» anbelangt, so wirb sie die Commission prüfe»; aber sie hat noch keinen Beschluß betreffs bieses Punktes gefaßt. Man behauptet, baß in Folge' ber Unterrebung, die zwischen be Larcy und Thiers statt fanb, bie einflußreichen Personen der Commission bie Idee gehabt haben, eine Unter Commission zu ernennen, welche mit Herrn Dusaure ein auf bie Interpellationen bezügliches Project recigiren solle. Diesem Entwürfe zufolge kann ein iitterpcllirter Minister bie Vertagung ber Sache verlangen, um bie Zeit zu haben, den Ministerrath zu befragen, ob er bie Cabinetsfrage stelltn will Hkrr Thiers würbe bann von Rechts - wegen in bie Discussivn interoeniren. Die(Sa zette bes Tribunaux" rebucirt bie Zahl ber in Paris vorgenommenen Verhaftungen auf elf. ImOrbre" beimntirt Clement DuvernoiS bie Nachrichten über Dlffibenzen innerhalb der exkaiserlichen Familie unb erklärt, Prinz Napoleon betrachte den kaiserlichen Prinzen unwanbelbar als ben Chef ber Dynastie.

Versailles, 1. Febr. In der Nalional-Ver sammlung werben in der fortgesetzten Debatte über die Lyoner Verträge noch mehrere Redner gehört; unter Anderen Auciffret - Pasquier über die Tag sorditung deS Abg. Paris, welche enthält: die Versammlung, die revolulionären Vorgänge nie billigend, unter welchen in Anwesenheit des Feindes die roihe Fahne zu Lyon erhoben worden, weist bett Bericht der Commission an bie Minister ber Justiz und ber Finanzen. Diese vom Unten Centrum und bett Fractionen der Rechten ge­billigte Tagesordnung würbe mit 559 Stimmen gegen 42 angenommen.

London, 2. Febr.Reuters Office" melbet: Der italienische Grsanbte in Athen hat die Bezichungen zu dem griechischen Minister bes Aeußeru wegen uu passend erachteter Stellt» in einem Briefe bcö Letzteren über die Laurionaffaire abgebrochen. . Das Schiff Murillo" i|t als ausschließlich spanisches Eigettlhurn conitanrt unb beshalb für bas auf ber Rhede von Tungeneß angerichtete Unglück hier nicht ftrafbar Die osfictelle Uitleriuchuttg des Unglücks von Seilen des Hanbelsarnles beginnt am Dienstag. Heute früh brach in der Miltlärakabernie von Woolwtch ein Feuer aus, bas ine bald wieber gelöscht war. 'Der an ben Gebäuden angerichtete Schaven wirb auf wenigstens 50.000 Pfunb veranschlagt. .je

Brnisel, 1. Februar. Die Deputirtenkarnmer

setzte in ihrer heutigen Sitzung bie Discussivn über

das Budget des Ministeriums fort. Der Deputirte Guillery forderte dabei die Reaierung auf, die äugen blicklich zu Gunsten der garde civique im Lar.de hertschenbe Bewegung ernst zu nehmen. Der Bürger-! meister Anspach von hier legte gegen bie Behauptung des Depulirten. Coomans, baß bie garde civique die Legislatur bes Jahres 1871 beschimpft habe, Ver. Wahrung ein.

Kopenhagen, 1. Febr. Das Folkething h«, am 31. Januar mit 40 gegen 28 Stimmen den Schul lehret Jagd, ber vom höchsten Gerichtshöfe wegen Verleumdung und falscher Anklage verurcheilt worden ist, durch Nichtanerkennung seiner Wahl von sich aus­geschlossen.

Stockholm, 31. Jan. In ber Zweiten Kammer des schwedischen Reichstages würbe am 27. Januar ber bie Krönung be« Königspaares betreffenbe Ver­schlag wegen ber Kostspieligkeit biefer mit so vielen längst veralteten Narrecheibingen umgebenen Ceremvn« lebhaft angefochten unb schließlich mit nur 90 gegen 87 Stimmen einem Ausschüsse überwiesen.

Petersburg» 29. Jan. Der G-Heimerach Fürst Obolenski, Hofmeister bes kaiserlichen Hofes um Director ber Hauptarchive zu Moskau, ist am 24. Jan, gestorben.

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A Marburg, 2. Febr. Unsere Spiegelslust soll nun wirklich den schon längst von allen Natur­freunden herbeigewünschten Aussichtsthurm erhalten. Wenn irgend etwas den Menschen zu erfreuen und in eine gehobene Stimmung zu versetzen vermag so ist es ber Blick von einem Berggipfel, der seine Umgebung überragt unb bem äuge gestattet, frei über Berg und Thal nach weiter Ferne hinzuschweifen und sich an ben mannigfachen Bilbern einer schönen Natur zu laben. Ader nicht dies Naturbilb allein ist es was unterhält unb begeistert, sonberu auch die Menge ber Ideen unb Gestihle bie außerdem hin mächtiger als sonstwo auflauchen und uns ergreifen, bie ben Wanberer in Gebanken über jene blauen Berge in seine Heimalh tragen, unb von jener mäch­tigen Neigung begleitet sinb, Lanb unb Leute kennen zu lernen, bereu Wohnstätten bas mit bem Fernrohr be­waffnete Auge in ber Ferne erspäht. Diese Sehnsucht nach einer ungehinberten Fernsicht ist eine so aUge- meine unb eine so starke, baß der Mensch auf un jähligen Berggipfeln, wo ihm zunächst Hinbernisse in Den Weg traten, auf künstliche Weise seinen Stand­punkt zu erhöhen suchte, unb Hal bie Wohlthätizkeit Einzelner wie ber (Semeinftun kleinerer unb g.ößem Vereine Bauten zu Stande gebracht, welche als Aus­sichtspunkte bie (Segeub beherrschen unb stets auf Wanberungen Hauptzielpunkle bilben. Wer sollte Thüringen durchwanbetn, nacb Ilmenau kommen und nicht hinaus aus ben, burch-ftliche Munificenz er­richteten Thurm des Kickelhahns steigen, um von Hirt aus bas weite Walbmeer Thüringens zu übersehen? Wer wanbeit an ber Bergstraße hin unb steigt nicht hinauf auf ben Thurm bes MelibocuS, bet einsam sich über bie Wipfel ber Bäume erhebt und einen großartigen Blick in bie Rheinebene mit hundert« von Städten unb Dörfern gestattet? Wer käme jetzt

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brückten Fluch, bann erlosch das Licht, welches neben meinem Bette auf dem Nachttischchen brannte. Ich sprang aus bem Bette unb riß bad Fenster auf, bet Mörber hatte schon bas Zimmer verlassen."

Erkannten Sie ihn nicht?" fragte Warnborf.

Nein, ich glaube mich zu erinnern, baß er eine seidene Maske trug."

Und Sie ahnen auch nicht."

Nein, nein, es wat ein Raubmörder, denn ich vermisse meine Sebmuckschatulle, welche in meinem Schlafzimmer auf einem Tischchen stand."

Warnborff befahl bem Calefactor, ben Gefangenen zu holen.

Trotzig, mit erhobenem Haupte, trat er ein, bie Dame betrachtete ihn lange, bann schüttelte sie das Haupt.

Ich kenne diesen Mann nicht," sagte fit.

Aber seine Kleidung"

Herr Hauptmann *

Premier Lieutenant v. Warnborff, Madame."

Nun beim, Herr Lieutenant, ich hatte keine Zeit, mir irgenb ein Erkennungszeichen zu merken, denn das Licht erlosch sofort."

Dann allerdings dürfte es schwer fein, einen Beweis gegen diesen Mann zu ftnben, sagte Warn­borff,inbeß hoffe ich, baß er ber Polizei nicht un­bekannt sein wird.

Schlafen Sie wohl, Madame, und versäumen Sie nicht, morgen früh unverzüglich der Polizei die An- zeige zu machen, ber Inhalt bei Schatulle kann jetzt allein bie verwegenen Bursche» verrathen."

Die Füsiliere nahmen ben Gefangenen zwischen sich, er machte keinen Versuch, zu entspringen, trotz-

bem er sich sagen mußte, baß ber Ausgang seines Prozesse« für ihn kein erfreulicher sein konnte.

AIS Warnborff bie Hauptwache erreichte, schlief ber Fähnrich, ber Hauptmann saß noch vor der Bowle unb freute sich bet Rauchwolken, die'ihn immer bichter umhüllten.

Mit wenig Worten berichtete er bas Abenteuer, bann traf er Anstalten, ben Bericht an bie Comman- bantur zu schreiben.

Der Gefangene war in bas Arrestzimmer geführt worden, ber Schüssel zur Thür des Gefängnisses lag vor bem Lieutenant auf bem Tisch.

Dieses Arrestzimmer lag von bet Wachtstube ganz abgejonbert, ber Posten vor ben Gewehre» konnte bie Thür beneiden Nicht beobachten.

Warnboiff harte eben ben Rapport unterzeichnet, als bie Thür geöffnet wurde und bet Baro» v. Menk stet», eine Arie trällernb, eintrat.

Ueberrascht blickten die Olfiziere zu ihm auf.

Warndorff erinnerte sich unwillkürlich ber Be gegnung.

Teufel, woher komme» Sie benn »och so spät in ber Nacht?" fragte ber HauptmannWissen Sie benn mcht, baß es nahe an zwei Uhr ist?"

He, bad könnte iw Sie auch fragen," lachte bet Baron, währenb er Hut unb Mantel ablegte,ich erwartete wahrhaftig nicht, Sie hier zu treffen."

Hm ich habe du jour."

Ganz recht, aber ber Offizier du jour barf die Nacht in seinem Bette zubttngen. Na, ich sehe schon, es fiel Ihnen schwer, sich von ber Bowle zu trennen."

Unb Sie?" fragte Warnborff scharf.

«Ich?" erwiberte ber Baron achfelzuckenb.

Wissen Sie, was Agrypnia ist?"

«Agtypnia?" fragte der Fähnrich, ber kurz vor-s her aus feinem Schlafe erwacht wat unb jetzt ver^ wirrt die Augen rieb.Warten Sie, bas weiß ich Eine römische Kaiserin, bu lieber Himmel, es ist ja schaubcrhaft leicht zu behalten, denken Sie nur an Colonia Agrippina."

Der Beno» hatte sich auf einen Sessel niedergelassen sein Falkenblick streifte verstohlen be» Rapport und den Schlüssel.

Ich sagte Agrypnia, unb ich wünsche Ihne» nicht, baß Sie bieses Leiben jemals kennen lernen- Zu Deutich nennt man es Schlaflosigkeit."

Ach so", sagte ter Hauptmann.Das soll mit* unter grauenhaft sein. Der General von Bassewitz litt auch baran, ber arme Herr hat furchtbar gelitten.'

Es gibt bagegen fein besseres Mittel, als heitere Gesellschaft", fuhr ber Baron fort, währenb er eine Cigarre anzündete unb fein Etui ben Offizieren anbot. Sehen Sie, ich lag vorhin im Bett unb konnte nicht etnschlafen, Sie werben vielleicht schon einmal erfahren haben, wie unangenehm uiib peinlich bad ist Holla, dachte ich, Herr von Schack ist auf der Wache, D» kannst ja mit ihm die Nacht verplaudern, wedhall willst Du hier Dich langweilen und bie Minuten zählen? Gedacht, gethan, ich kleidete mich an und ging hicher aber habt Ihr benn gar keinen Stoss mehr?"

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Der Hauptmann blickte in bie Bowle unb schüttelte sein eckiges Haupt.

(Fortsetzung folgt.)

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