Marburg, Sonntag, den 2. Februar.
1873
Oderhessische Zeitung
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Srlieint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei» bezogen 224 Sgr., durch die ' Postämter 27 Lgr. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland cxjcl. Stempel 22 Sgr. — Jnfertionsgedühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.
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11 sie Monate Februar und Mär; nehmen alle 1Postanstalten Bestellungen auf die Oberhessische ' Litong zu dem Preise von 15 Sgr., wozu »er ge- ! ützuliche Postaufschla« noch kommt, eutgegeu.
" Politische Wocheu-Uebersicht.
; Noch am Schlüsse der vorigen Woche hat Fürst 1! xjßmarck sich über die Bedeutung des jüngsten Wech ! i: im Präsidium des preußischen Slaals-Ministeri- ; utnS ausgesprochen. Er war — zur Bertretung seines i - preußischen auswärtigen Etats — zum ersten Male während dieser Session im Abgeordnetenhause er-. ^ -schienen und gab in Antwort auf Anfragen der Ab. > ^ordneten Lasker und Virchow bemerkenswerthe An- deumngen, sowohl rückwärts in Bezug auf die Vor- gänze der Krise, wie vorwärts in Bezug auf feine ! neue Stellung. -Im Donnerstag und Freitag der
lausenden Woche fand im Abgeordnetcnbause die erste 1 und zweite Lesung des von der XIV. Commission ! beantragten Gesetzentwurfs über Verfassungsänderung ! btt Art. 15 u. 18 statt. Die Abstimmung erfolgte am
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Freitag und wurde den CommissionSanträgeu unter Ablehnung aller Amendements die Majorität zu Theil. - In der Stuttgarter Abgeordnetenkammer fanden bie Anträge über Erweiterung der Aeichscompelenz des Zivilrechts und eines obersten Reichsgerichlshofs Annahme. — In Dresden haben sich die Ausschüsse der beiden Kammern in ihrer Mehrheit über mehrere
lischen Kirche des Großherzvglhums zu berathen.
Am 27. Januar traf der Kaiser von Oester- reich von Göoöllö wieder in der wiener Hofburg ein, und eö muß sich nun zeigen, wie er zu der Dahlreform steht. Von Seilen der Clerical-Feudalen wurden alle diesen Herren bei Hofe noch zustehenden Hebel in Bewegung gesetzt, um wenigstens bie Ver
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der wichtigsten der dem Landtage vorgelegten organisatorischen Gesetzentwürfe, namentlich Betreffs der Be Hvrden-Organisation, der BezirkSvertretung, des ©traf, berührens in Verwallungssacheu und Betreffs des GenieindegesetzeS, geeinigt, so daß die Annahme dieser Herl-gen in beiden Kammern jetz^ais wahrscheiillsch - keirachtel wird. — In Hessen rst etne UÄs|yM>e l berufen, um über eine Verfassungsresorm der evange
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Dir Bauernfänger.
Novelle von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
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„Ich glaube dem Freihelrn nicht", erwiederte er, ,es scheint mir denn doch, daß er gewaltig ausgeschnitten hat."
„Ho, ho, glaubst Du, es sei noch Niemandem ge- lungen, in den Harem des Sultans einzubringen?" hagle der Hauptmann.
„Weshalb findet man denn so oft die Leiche eines schönen Weibes im Bosporus?"
„Weshalb?", erniederte der Fähnrich träumerisch. «Tas we ß ich nicht. Es wird wohl ein Mädchen sein "
„Bewahre, wenn eine Bewohnerin des Harems !>ch einer Untreue schuldig gemacht, jo läßt der ©uh irn sie in einfn Sack stecken und in den Bosporus Versen"
,^)o(b nicht lebendig?"
„Natürlich."
„Auf Ehre, das ist eine barbarische Scheußlichkeit." „Türkische Justiz, Eduard," jagte der Hauptmann Klaffen.
„Die Weiber roiffen eS, sie können sich ja in Acht tUhlnen."
„Und da findet sich Niemand, der das unglück «che Opfer retht?" fragte der Fähnrich entrüstet. "Vicht einmal der, irelcfcer sie verführt hat?"
. „Dem wird das Haupt vor dir Füße gelegt, was **7 Dir zu beherzigen rathe."
, »Na, es wäre in der Thal eine nicht zu verwer- lende Speculation, wenn Du Dich dort ansiedeltest "Nd Dir die Aufgabe stelltest, die verurtheilten Damen belreien," sagte Warndorff ironisch. „Der Sultan für jeds- eine schöne Summe zahlen müsseit, Tu
schaff,r sie Dir gratis."
.Ter Fähnrich warf aus seinen wafferblauen Augen Spötter einen zürnenden Blick zu, dann leerte er
*1 ausseufzend sein GlaS.
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tagung, wenn nicht die gänzliche Beseitigung dieser Vorlage vom Monarchen zu verlangen; indeß sind die Aussichten hiezu nicht sehr ürosig, und das Mi» nisterium wie die Verfaffungspaffkei erwarten mit Zuversicht die Zustimmung des Kaisers. Die Polemik von Beust gegen Gramont Hal ihren Abschluß vor läufig wenigstens dadurch gefuWen, daß der Kaiser dem Grafen Beust Wie dem Firsten Metternich jede weitere Veröffentlichung untersagt hat, während fron zölischerseits eine Untersuchung Hegen Gramont wegen Unterschlagung von Staatspapichen im Gange ist.
nJn der Schweiz dauernTbic Zerwürfnisse mit dem CleruS noch fort, die Mehrheit der Diöcesan stände des BiSthums Basel —T fünf gegen zwei, Luzern und Zug — nahmen diHAnträge der Berner Regierung an, darunter Amtschtsetznng des Bischofs Lachat, Bestellung eines Bisthnstis Verwesers und Revision des Diöcejan-VertrageSL Eine Proclamation der Konferenz wird das Re^ltat dem Volke zur Kennliilß bringen.
Nach dem nunmehr volltndeten Entwurf des Dreißiger-Ansschuffes der französisch en Nationalversammlung soll dem Präsidenten der Republik nur gestaltet sein, bei Interpellationen über die auswärtigen Verhältnisse und über Fragen der allgemeinen Politik die Tribüne besteigen zu dürfen; am licbiten freilich machte die Majorität Thiers ganz mundtodt in der Nationalversammlung, weil sie fühlt, daß ihm in der öffentlichen Discussion kein Royalist gewachsen ist. Die Dreißiger-Eommiifion schlägt sodann vor, dem Wunsche des Herrn ThieeS wegen Bildung einer Zweiten Kammer zu euliprechen, aber über die Bildung derselben soll erst NäMes kurz vor Auflösung veL'"Nakkönalversammltin'g^che>chlcdst und ihre Thä tigkeit vertagt werden, so lauge die Nationalversamm lung beisammen ist Daß der Präsident der Republik in seine halbe Lahmlegung in der Naiionalverjamm lung eiiiwllligen werde, ist zweifelhaft, obgleich eS ihm jetzt vorzugsweise um Ruhe und Frieden zu ihun ist, damit der Moment der Räumung des Gebietes mög lichst beschlemugt werde; denn alsdann hat das letzte Stündlein der Rationalversammlung geschlagen und
Thiers bekommt freiere Hand. Die Royalisten machen aus demselben Grunde Austrengungen, daß dieser Moment biS auf das Jahr 1874 hinaus verschoben werde; es wird ihnen aber nichts helfen, und die Berichligung der Kriegsentschädigung an Deuischland wird, so viel wie es Thiers irgend möglich ist, beschleunigt werden.
Im italienischen Parlamente erklärte der Mi- nisterpläsident Lanza auf eine Anfrage, daß die Beschlüsse der verschiedenen administrativen Korporationen, sich an der Errichtung eines Monumenis für Na poleon III. zu betheiligen, nicht deren Zustimmung oder Beifall für dessen politische Acte bedeuteten, sondern seiner Mitwirkung an der Unabhängigkeit Italiens gälten, und das Land sei in dieser Kundgebung fast einstimmig. Die Commission für die Klosterfrage hat eine Subcommission ernannt, welche über die Kon« vertimng der Klostergüter berathen soll.
Während der spanische Kongreß mit dem neuen Militärgesetz beschäftigt ist, hat auch der Marine-Mi« nister einen Entwurf zu einer neuen Organisation per Flotte vorbereitet, wonach deren erste Stoffe 42 Dampfjchaluppen von 10, die zw.ite 26 Kanonen« boote von 60, die dritte nur Schraubendampfer von 250 Pferdekraft umfassen soll. Die Kosten werden auf 17 Millionen Pesetas veranschlagt. Gegen die Kadiften haben bie königlichen Truppen einige Vor- theile errungen. Die berüchtigte Bande des Priesters Santacruz ist geschlagen und zersprengt worden.
Nachdem die Gemüthsruhe der englischen Presse einmal durch den Besuch des Grasen Schuwalow gestört worden, vermag sie nicht das frühere Gleichgewicht wieder zu erlangen, zumal da es an be- unrubigenb#» ^rüdHen Asien sticht gefehlt hat. Der angebliche geheime russisch-persische Vertrag ist zwar von dem Gesandten Persiens bementirt worben; doch haben die Russen ihre Macht an der Ostküste des Kaspischen Meeres weiter nach Süden vorgeschoben, als den Engländern, welche die Abhängigkeit Persiens von Rußland befürchten, lieb ist; auch wollen indische Zeitungen wissen, daß zwei unter russischem Schutze stehende afghanische Prätendenten
„Du bist ein armer Kerl mit Deiner weichen Mädchenseele, die der Liebe bedürftig, sie sucht und nirgends findet," sagte der Hauptmann, „na, Ge duld, lieber Junge, wer sucht, der findet endlich doch einmal."
„Du gehst heute Abend nicht ins Kasino?" fragte Warndotff
„ Rein, seitdem die beiden Barone den Major v. Barnitz in Beschlag genommen haben, läßt sich mit dem alten Herrn kaum noch ein vernünftiges Wort reden Er denkt nur an fdre Wappenjamm lung, die der Freiherr v. Wittgenstein durch seltene Abdrücke bereichern soll."
„Versprechungen, auf btt er besser keinen Werth legte," erwiderte Warndorff.
„Wittgenstein maßt auf mich, natürlich unter un«, den Eindruck eines Schwindlers."
Der Hauptmann nickte.
„Mir gefällt er auch nicbt," sagte er nachdenklich, „aber bestimmte Gründe für meine Meinung kann ich nicht anführen"
„Wdist spielt er wirklich polizeiwidrig schlecht," warf der Fähnrich ein.
„Du hast wohl verloren?" fragte der Hauptmann.
„Zwei Louisd'ors."
„Auch sofort berappt?"
Ein leichts Roth ergoß sich über die blaffen Wangen des jungen Herrn.
„Das nicht — der Freiherr übernahm bie Schuld."
„Donner und Doria und Du —"
„Na ja, ich hatte nur noch fünfzehn Silbergroschen in meinem gat zeit Vermögen, und der Freiherr meinte, es sei seine Pflückt, für mied zu berappen, da er ja durch fein schauderhaftes Spiel mich in den Verlust hinemgezogen habe."
„Einerlei, das durftest Du nicht annehmen," sagte Warndorff.
„Du mußt bie Ehrenschuld tilgen, sobald Du e» kannst."
„Da wird er noch lange warten müssen."
Der Premier Lieutenant leerte noch einmal sein GlaS, bann erhob er sich. Z
Er öffnete ein Kästchen, welches an der Wand hing uns nahm aus demselben einen Helm und eine Schärpe, bann zog er an der Glockenscvnur.
„Der Kalefactor soll die Lampe anzüttben und sich bereit halten," befahl er dem eintretenden Gefreiten, „zwei Mann vom linken Flügel begleiten mich."
„Na, Gott segne Deine Studio," sagte der Haupt- inanii, „wenn der Kommandant nicht gar zu ungnädig mit Mr abfährt, wirst Tu wohl binnen einer Stunde zurück fein."
„Du bleibst so lange hier?" fragte Warndorff.
Der Hauptmann warf einen Blick auf die Uhr.
„Nahe an Mitternacht," erwiderte er, „ich bleibe, so lange noch ein T» opien in der Bowle ist, bis ein Uhr wirb sie voraussichtlich aushalten."
Warndorff nickte und ging hinaus.
Draußen erwarteten ihn schon zwei Füsiliere und der Kalciactor, wdcher bie Laterne trug, sie schlugen den Weg zur Kemmanbauiur ein."
Der Kalefactor öffnete bad Thor, im Hausflur hing ein venchloffenes Kästchen.
In bleiern Kästchen sand der Ronde Offizier in jeder Nacht einen Zettel mit der Bezeichnung derjenigen Wachen, welche er im Saufe der Nacht reoiciren mußte.
Warndorff öffnete und warf einen Blick auf den Zettel.
„Pulverschoppen Nummer vier," sagte er, „vorwärts I"
Er hüllte sich fest m feinen Mantel und folgte dem Kalefactor, der mit der Laterne vvranjchritt.
(Fortsetzung folgt.)