1873
Zllarkurg, Sonnabend, den 1. Februar
Ur. L7
Oterhessische Zeitung.
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ihrint täalicb außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Kochsche duchdruckerel) bezogen L2^ 8gr.. durch die Ersch g>or.=mter tzgx (enl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnserttonsgebühr für die gespaltene Zelle 1 vgr.
Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
(Fortsetzung folgt.)
sondern auch verfassungsmäßig verpflichtet, dasselbe zu publiciren. Wenn dagegen ein Theil der Prefle als angeblich conslitutionellen Brauch die Auflösung der Kammer verlange, so sei dem entgegenzustellen, daß die Versasiung nicht durch Gebräuche mcdificirt werden könne, sondern vielmehr die constitutioncUen Gebräuche sich nach der Verfassung richten müßten. Bei dem Schulgesetz handle eS sich übrigens in der Hauptsache um Erhaltung bewährter Zustände, nicht um Einsührung neuer Principien. Die einzige wesentliche Differenz sei die von der zweiten Kammer verlangte consessionell indifferente Gemeindeschule, fast alle anderen Abweichungen seien nur Consequenzen dieser Hauptdifferenz; aber gerade in diesem Hauptpunkte wcrve durch die Gesetzvorlage nichts geändert, der bisherige Zustand vielmehr aufrecht erhallen.
Cobnrg, 29 Jan. Die „Cob. Zeil." bezeichnet in einer anscheinend officiösen Mittheilung die Nachricht von der beabsichtigten Vermählung des Herzog- von Edinburgh als unbegründet.
Darmstadt, 27. Jan. Der in der zweiten Kammer erneute Antrag in Bezug aus die Steuer aus Wein und Obstwein geht dahin, dieselbe aufzuheben und der Regierung zu überlasten, Vorkehrungen zu treffen, oaß den Weinhändlern und Wirlhen bei der Einschätzung für die Einkommensteuer die gebührende Erhöhung zu Theil werde. Als neues Motiv für die in Aussicht genommene Aenderung machen die Antragsteller noch geltend, daß früher bei Versendungen in- Ausland keine gesichten Fässer nothwendig gewesen, daß aber nunmehr bei Ausstellung der Scheine auf jedes i/io Liier zu achten sei, da eS vorgekommen, daß ein Hauptzollamt i/z Ohm Wein in Beschlag nahm, weil in dem Absuhrschem 40 Liter standen, die Aiche aber nur 39,5 Liier auswieS. — Hinsichtlich der Katharinenkirche zu Oppenheim, eine Perle der deutschen Gothik, die aber dem gänzlichen Verfalle geweiht ist, wenn nicht eine schnelle und gründliche Restauration erfolgt, und der nicht minder beachten»- werthen, jetzt zu einem Holzstall benutzten Capelle zu Jhen, Hal der Abg. Dumont beantragt, Vorlage wegen der zu ihrer Erhaltung nöthigen Mittel zu machen.
^-ür die Monate Februar und März nehmen alle »V «oftanftatten Bestellungen auf die vberhcsfische Mau« $« v«« Preise von 15 Sgr., wozu »er ge- »il-nliche Postaufschlag «och kommt, entgegen.
„Sich', daran hatte ich nicht gedacht. Wäre ich so klug gewesen, Dir die Schönheiten eines türkischen Harems zu beschreiben, würdest Du gewiß auf die Lösung des Problems verzichtet haben. Donner, Deine Nase ist so rolh, wie eine Pfingstrose, gewöhne Dir doch die Untugend ab. Eduard, rothe Nasen lieben die Damen nicht."
„Je nun, ein Kammerkätzchen nimmt eS so genau nicht", spottete Warndvrff. „Hast Du nun Gewißheit erhalten?"
„Worüber?" fragte der Fähnrich. , , ■" „Nun, über daS Abenteuer im Theater."
„Nein, und ich glaube auch nicht, daß ich fie erhalten werde."
„Du denkst, eine reizende Ungewißheit sei Dir lieber, als die prosaische Gewißheit", fuhr Warndorff fort, „ich kann Dir das nicht verdenien, diese Ungewißheit erlaubt Dir wenigstens, die Kraft Deiner Phan- tafle zu üben.
„Das wäre unnöthig", tagte der Fähnrich gelassen.
„Das Bild der schönen Dame verliert seine Farbe nicht, und die Phantasie kann eS unmöglich schöner zaubern "
„Dennoch würdest Du es vergessen, wenn Du die Geheimnisse eines türkischen Harem kennen lerntest", erwiederte der Hauptmann, während er seinem jungen Freeunde eine mächtige Rauchwolke in's G«sicht paffte. „Die wundervollen Obalisken und tanzenden Scla- vlnnen, und dazu, Freundchen, in der schönen Natur —*
„Glaubst Du wirklich?" unterbrach der Fähnrich ihn und sein leuchtende- Antlitz nahm einen so neu» , gierigen AuSdruck an, daß die Beiden sich nicht enthaltm konnten, hell auszulachen.
„Ja, da mußt Du den Freiherrn von Wittgenstein i fragen, der wird's wiffen", sagte Warneo>ff.
Der Fähnrich ließ enttäuscht daS blonde Haupt sinken. ■ >-
Die vamrnfimzer.
Novelle von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
Warndorff laS den Befehl und gab ihn mißmuthig zurück. „Das ist mir gerade nicht angenehm", erwie bette er, aber der Soldat muß gehorchen. Ich werde sogleich den Dienst übernehmen." .
„Herr Hauptmann von Eberbach hat du jour, Fähnrich von Schack commandirt die Hauplwache", »arj der Feldwebel ein, „es ist also eine ganz ange nehme Wache." #
Der Lieutenant nickte und kehrte zu Henmne zurück, um Abschied zu nehmen, während der Feldwebel sich in die Küche verfügte, um sich einen Imbiß zu dwschaffen, bei welcher Gelegenheit er auch den Wein de- Herrn Majors zu prüfen gedachte.
Warndorff trat verstimmt den Weg zur Haupt- »ache an.
Weniger der erhaltene Befehl als die Unterredung eit Hermine hatte seine gute Laune getrübt.
Er blickte jetzt mit ernster Besorgniß in die Zu kauft, wußte er doch voraus, daß er sein Versprechen dicht halten konnte, daß er schon bei der nächsten Gelegenheit dem Baron v. Menkftern feindselig ent-- gegenireten werde. ,
Und waren die Feindseligkelten einmal eröffnet, so gab's nicht eher Frieden, bis der Gegner das Feld jeräumt hatte. ..
Er begriff nicht, daß der Ma;or feinem Kinde diesen Rath gab, daß er nicht kräftiger für die Rechte herminen'S in die Schranken trat und die hochfahrenden Pläne feiner Gattin so geduldig guthieß.
Mit umwölkter Stirn trat Warndorff in die vsfizierstube der Hauptwache.
Der Hauptmann v. Eberbach saß hinter der dampsenden Punichbowle an dem runden Tilche, sein eckiges Haupt ragte gespensterhaft aus dem blauen Nebel hervor, den er zu verdichten sich eifrig bemühte.
Der Fähnrich lag auf dem mit Ledertuch überzogenem Sopha und rieb so geschäftig seine Nase, als ob der Commandant ihm besohlen habe, sich ganz dieser angenehmen Beschäftigung zu widmen.
„Na, Gott sei Dank", sagte der Haupimann, wäh rend er seine Cigarre hinlegte und den Löffel ergriff, um die Gläser zu füllen, „die Langeweile hat mich beinahe zur Verzweiflung gebracht."
„Die Langeweile?" fragte Warndorff, der unwillkürlich über den Stoßseufzer lachen mußte. Ihr seid doch zu zweien, und Du, nimm rnir'S nicht übel, qualmst wie ein Schornstein."
„Verzweiflung, pure Verzweiflung, es ist wahrhaftig eine traurige Wirthschaft. Da liegt er und reibt die Rase, als ob er ein Problem lösen wolle, zu dem er den Sch.üffel in seinem edlen Riechorgan zu finden hoffe. Noch kein vernünftiges Wo« hat er mit geredet, und doch weiß er, daß ich nur ihm zu Liebe hier geblieben bin. Na, ich danke Gott, daß Sand erkrankt ist und der Commandant die glückliche Idee hatte. Dich zur Ronde zu commändiren.
Warndorff zuckte die Achseln und schnitt mit seinem Federmesser gedankenvoll die Spitze seiner Cigarre ab.
Der Schein del" Lampe fiel in diesem Augenblicke voll auf sein hübsches Gesicht, der Haupimann mußte die finsteren Schatten auf der Stirn des Freundes vemerken.
„Dir war das wohl nicht angenehm?" fragte er.
„Nein", erwiederte der Lieutenant, „wenn ich Dir sage, daß der Feldwebel mich, im Hause des Major von Barnitz aussuchte, um mir die Ordre zu überbringen, so wirst Du mich verstehen." .
„Du Glücklicher!" sagte der Fähnrich, sich empor richtend. „Kannst in süßen SchLserstunden schwelgen und in vollen Zügen ein Glück genießen, welches Andere entbehren müssen."
„Na, endlich!" rief der Hauptmann lachend.
Deutsches Keich.
•• Berlin, 30 Jan. lieber die Reisen Sr. Ma ichät des Kaisers nach Petersburg und Wien sind nähere Bestimmungen noch nicht getroffen, wie dies bekanntlich überhaupt nicht aus lange Zeit voraus aejchieht. Wahrscheinlich ist eS,. daß der Besuch in Petersburg Ende April oder Anfang Mai erfolgen wird' daß der Kaiser von dort direkt nach Wien reisen wolle, wie einige Blätter behaupten, widerlegt schon sich selbst; denn im April oder Anfang Mai »ird die Ausstellung noch nicht eröffnet fein. - Der Staatsanzeiger" hat gestern ein lange« Verzeichniß ber wegen ihrer Verdienste um die Krankenpflege wäh rend des Krieges Decorirten veröffenilicht. Die Verleihung ist auf Grund der bereits im Herbst durch den Fürsten Pleß gemachten Vorschläge erfolgt, und dieselbe ist ober noch nicht geschlossen, eS wird wohl demnächst eine weitere Veröffentlichung nach- solaen — Im Abgeordnetenhause ist heute die Verhandlung zu den beantragten VerfaffungS-Aenderungen eröffnet worden, wobei der Abg. Reichensperger natürlich gegen die Vorlage ein« lange Rede geredet hat; daß dieS eine reine Wortverschwendung ist und nicht eine einzige Meinungsänderung bewirken wird, darüber dürste wohl auch der Redner selbst im Klaren sein; sie ist wohl weniger an die Adresse deS Abgeordnetenhauses selbst gerichtet, als vielmehr für die Menge der „guten Gläubigen" außer dem Hause be- kechnet und gehört zu dem Actionsplan. Gleichzeitig läuft NUN die ultramontane Presse Sturm gegen die Vorlagen unter Führung der „Germania"; in den maßlosesten Kraftausdrücken sucht dieses, den Geboten der christlichen Liebe und Ehrsurcht gegen die Obrigkeit keineswegs Folge leistende Blatt, die fanatische Verblendung aufzuregen, unter dem lugnerlschen Vorwande, daß durch die neuen Gesetze die katholischen Gewiffen bedrängt werden würden. Unter diesem Vorhände veS Glaubens hat ein herrschsüchtiges Priester-
thum aber zu lange schon seine selbstsüchtigen Gelüste g ltend zu machen sich bemüht, als daß dies Mittel jetzt noch Wirkung haben könnte. Der Humbug des herrschsüchtigen Clerus, sich selbst immer zu identi- ficiren mit dem Chriftenthum und ihr menschliches Oberhaupt mit Gott, kann nut-ben Widerwillen und Unwillen aller wahrhaft gläuRgen Christen erregen. — Aus Grund der nunmehr vollständig eingegangenen Berichte über die Schäden an bet Ostseeküste finden im Ministerium des Innern jetzt kommissarische Berathnn- gen über die zur Abhülfe der Noth zu ergreifenden Maßregeln statt.
— Um der in der hessischen Kammer aufgetauchten Agita ion gegen die festgesetzte Richtung der Berlin Coblenzer Bahn entgegenzuwirkn, ist eine genaue Er mittelung der Verkehrsverhältnisse und der Montan- Jndustrie auf der Str.de Fronhausen Wetzlar ungeordnet. Das Ergebniß der Berichte der Landraths Aemter und de» Oberbergamt^Bonn wird der darmstädtischen Regierung vom Handelsministerium mitge- theill werden.
Wiesbaden, 29^Jan. Seitens kgl. Regierung dahier ist Termin zur landespvlizeilichen Prüfung des Projekts einer Eisenbahn Frankiurt-Rödelheim Cron- betg auf den 21. Februar c. Mittags 12 Uhr anbe- raumt und als Zusammenkunftsort der Commiffarien sowie der Unternehmer und der Vorstände der bethei- ligten Gemeinden der Bahnhof in Rödelheim bestimmt worden.
DreSde», 29. Jan. Ein ^officiöser Artikel im heutigen „Dresdener Journal" führt aus, daß das Schulgesetz in Gemäßheit der Bestimmungen der Ver- jassung publicirt werben müsse. Denn nach dem Inhalt der BerfassungSurkuudechtzi zur Verwerfung einer Gesetzvorlage eine Majorität von zwei Dritteln der Stimmen einer Kammer erforderlich; gegen das Schul- ge|e§ aber habe die zweite Kammer nicht mit einer Majorität von zwei Dritteln, sondern, wenigstens in den Hauptpunkten der Vorlage, nur mit einer Mehr heit von 4 Stimmen ihr Votum abgegeben. Das Schulgesetz sei also nicht verworfen, sondern angenommen und die Staatsregierung nicht nur berechtigt,