Einzelbild herunterladen
 

1873

Marburg, Freitag, den 31. Januar.

r. U6

weis! ihrn

bet ittich : bet itritt

an, betU ulten ibiej jebet eilen, )aei

Oderhessifche Ieitnng.

iirfAHnt täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerti) bezogen 22) Sgr., durch die Postämter 27 Sgr. lexcl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.

* Sämmtliche Annonccn-Büreaus nehmen Inserate an.

0

g

an,

*8«

irum feint ncht, Hei! itum von linit ege» ^ge, ;203

f)ien

162

186 l.

;eti- rn an« new ilie.

Ä

is ri

rg- ei- 4.

ie- it

Die vauernfanger.

Novelle von Ewald August König.

«fr die Monate Februar und März nehmen alle n Postanstalten Bestellungen auf die Oderheffifche 4eitmig zu dem Preise von 15 Sgr., wozu der ge- »Shuliche Postaufschlag noch kommt, entgegen.

das Allerhöchste Handschreiben voraus. Wir haben schon gestern die Reden des Reichskanzlers einer an­erkennenden Kritik unterirorfen und hervorgehoben, daß damit doch Allen, welche klar sehen wollen, jeder Vorwand zu weiterem Mißtrauen und Zweifeln entzogen worden ist, auch dieN. Fr. Pr." in Wien hat mit Recht und gewiß ohne Voreingenommenheit ihrem Erstaunen kürzlich Ausdruck gegeben, wie die deutsche Presse sich ohne allen reellen Grund vor dem Dazwischentreten des Reichskanzlers der von uns wiederholt getadelten Nörgeleien und pesiemistischen Auffassungen der politischen Situation häite hingeben können. Wer dieß jetzt noch sortsetzt, dem kann man nur unlautere Absichten unterschieben.

Wenn die Erklärungen des Fürsten Bismarck über die jüngsten preußischen Ereignisse die Bedeu lung eines endgültigen Abschlusses der bezüglichen Er­örterungen haben, schreibt dieProv.-Corresp.", so ist dagegen durch seine Andeutungen über die weitere Entwickelung der obersten Reichseinrichtungen ein Aus­gangspunkt für wkchtige neue Gestaltungen zu erkennen. Die bisherigen Institutionen der Reichsregierung sind aus dem früheren Norddeutschen Bunde unverändert in das deutsche Reich herübergenommen worden und haben sich in ihrer wesentlich praktischen Richtung und Gestaltung zunächst auch auf dem erweiterten Ge­biete des Reiches bewährt. Je bedeutender und um fassender aber die selbständigen Aufgaben des Reiches geworden sind, desto weniger kann die ursprüngliche Verbindung des Amtes des Reichskanzlers mit der oberen Leitung der gesammten preußischen Verwaltung aufrecht erhalten werden. Wenn in den Anfängen des Norddeutschen Bundes die unmittelbare Anlehnung an die preußischen Einrichtungen eine Nothwendigkeit war, so hat inzwischen das politische Leben in der erweiterten nationalen Gemeinschaft eine selbständige Kraft und Bedeutung gewonnen, welche auch in den Einrichtungen des Reiches zum Ausdrucke gelangen muß. Nicht daß die Politik des Reiches losgelöst werven sollte von dem innigen Zusammenhänge mit

zu, ich habe nie gesehen, daß er sich mit andern Dingen, als Spazierengehen, Rauchen, Esten und

Deutsches «eich.

.. Berlin, 29. Jan. ES bestätigt sich, daß man die erste Hätfie, die Mitte des März zur Er- rffnung der ReichstagSsesston bestimmt hat und daß demnach ein gleichzeitiges Tagen der beiden parla mentarischen Körper Landtag und Reichstag nicht zu umgchen sein wird, indessen giebt man sich der Er Wartung hin, daß bis zu diesem Termin die kirchen politischen Gesetzentwürfe im Abgeordnetenhaus bis dahin erledigt sein werden, so daß nur das Herren­haus mit dem Reichstag in Collision kommen und neben diesem die Verfassungsänderung (hoffentlich dem Antrag gemäß) zu beschließen haben würbe. Im Ab­geordnetenhaus wird man die zwischen erster und zweiter Berathung nothwendige 21tägige Pause zur Erledigung der wichtigste» finanziellen Vorlagen be­nutzen. Einige Blätter, welche im Eifer Neues zu bringen mit ihren Nachrichten den Thatsachen oft vorauSeilen, melden schon daß der Bezirks-Präsident »oh Metz Graf zu Eulenburg für daS Ober Präsi dium in Hannover bestimmt sei. Ohne nun in Ab­rede stellen zu wollen, daß sich diese Nachricht bestä tigen kann, weil allerdings in eiiigeweihten Kreisen Graf Eulenburg als Candidat für einen der erledig ten Ober-Präfidenten-Posten bestimmt genannt wird, für welchen aber? darüber ist noch keine Entscheidung getroffen. - Die heutigeProv. Corr." erwähnt unter ausdrücklicher Anerkennung der durch ihr man

nichfaltigeS Wirken erworbenen Verdienste der ver­storbenen Großsürstin Helene, daß unser Königshaus beu Verlust wahrhaft schmerzhaft empfinde, von der um den verstorbenen Kaiser Napoleon verfügten Hof­trauer hat dieKorrespondenz" keine Erwähnung ge- than. Im Uebrigen widmet dieProv. Corr." wie zu erwarten war, den Raum fast ausschließlich den «ichtiaen Erklärungen deS Fürsten Bismarck und an .

der Spitze des Blattes schickt sie diesen Erklärungen der preußischen Entwickelung; Fürst Bismarck betont

(Fortsetzung.)

tzr erschrack, als er den stechenden Blick des Be­amten bemeikte, der mit dem unverkennbaren Aus­druck des Mißtrauens lauernd auf ihm ruhte.

Wenn Sie mir nicht als eiu solider und fleißi­ger Mann bekannt wären, so würde ich in die Wahr heit Ihrer Behauptung starke Zweifel setzen/ sagte btt Eomrnissär,wer dieses Haus betritt, der"

Ich weiß daS," entgegnete Hugo ruhig,viel­leicht war es auch die Absicht jenes WeibeS, mir einen schlimmen Streich zu spielen."

Er hatte sich erhoben und rasch sein Glas ge­leert, der Beamte begleitete ihn bis auf die Straße.

Sagen Sie mir die Wahrheit," nahm er hier das Wort,ist Ihnen vielleicht eine der Personen be­kannt, wetche die Schenke besuchen?"

Nein, Herr Commiffär."

So sind Sie also nicht gekommen, um hier mit Jemanden zusammen zu treffen?"

Mein Ehrenwort darauf, daß"

ES ist gut. Apropos, in dem Hause Ihres Meisters wohnte noch vor einigen Tagen em junger Mann

Conrad Liebrecht."

Ganz recht. Womit beschäftigte er sich?"

Hugo blickte betroffen den Beamten an, eine fieber- Mte Erregung bemächtigte sich seiner; daß der Beamte f«ne besonderen Gründe hatte, diese Frage zu stellen, te<it keinem Zweifel unterworfen. r

Und wenn die Polizei sich veranlaßt sah, den handlungsreisenden zu überwachen, so mußten ja gegen diesen Verdachtsgründe vorliegen, die

Bitte, antworten sie mir", unterbrach der Com ^ffsir den Gedankengang des jungen Mannes.

. -Ich kann Ihnen in Wahrheit darüber keinen Aus- I-dluß geben", entgegnete Hugo.

Licbrecht brachte die meiste Zett außer dem Hause

Trinken beschäftigt hätte."

Und woher nahm er die Mittel?"

Das weiß ich nicht."

Hat Ihr Meister nie eine Aeußerung darüber fallen lassen?"

Nein. Er schalt freilich oft auf ihn, er nannte ihn Faullenzer und Windbeutel."

Hmvor vierzehn Tagen ist er ausgegangen?"

Za."

Hat er bis dahin Alles bezahlt?"

Am Abend vor seiner Abreise, er zahlte in Gold, der Meister zeigte mir am andern Morgen die Gold­stücke."

So so. Wußte er auch nicht, von wem Lieb- recht dieses Gold erhalten hatte?"

Liebrecht hatte an jenem Tage ein Engagement gesunden und das Geld von jenem Principal erhalten "

Wohnt dieser Principal hier?"

J>i Stettin."

Ah sein Name?"

Ich kenne ihn nicht."

Gut, gut, ich weiß genug." '

Der Commiffär wollte in die Schenke zurückgehen.

Erlauben Sie nun auch mir eine Frage", sagte Hugo, dessen Aufregung mit jeder Secunde wuchs. Liegen gegen diesen Mann Verdachtsgründe vor?"

Glauben Sie, daß ich jene Fragen an Sie ge richtet haben würde, wenn dies nicht der Fall wäre?"

Nein, mir aber liegt viel daran, diese Gründe zu erfahren."

Zu welchem Zweck?"

Um ein Mädchen zu retten, welches ihm sein ganzes Leden anvertrauen will."

Die Tochter Ihres Meisters?"

Ich verlaffe mich auf Ihre Diskretion, Herr Commiffär."

Uik ich beanspruche die Ihrige. Jene Gründe

vielmehr mit der größten Entschiedenheit, daß die inneren Bänder, welche die beiden Organisationen an einander befestigen, viel stärker seien, als man hier und da annehme, viel stärker zugleich, als daß eS des bisherigen äußerlichen Bandes zwischen dem Reichs­kanzler und dem preußifchen Ministerpräsidium unbe­dingt bedürfte. Die Einheit der Interessen Preußens und des Reiches liege in der Einheit des deutschen Kaisers mit dem Könige von Preußen; sie liege darin, daß der Reichskanzler ein Mann deS höchsten Vertrauens des Kaisers sein müsse, und daß der Kaiser und König nicht seinen Kanzler einerseits und seinem preußischen Ministerium andererseits eine ent­gegengesetzte und widersprechende Politik gestatten werde. Unter allen Umständen werde auch im preußischen Mi­nisterium stets ein Mitglied sein müssen, dessen Auf­gabe in der Wahrnehmung deS Zusammenhanges mit dem Reiche bestehe; aber die Verbindung durch einen gemeinsamen Präsidenten habe nur der Anfang lein können, auf die Dauer sei derselbe nicht durchführbar, weil keine Kraft der doppelten Aufgabe gewachsen sei. Füist Bismarck hat seine Gedanken über die weitere Entwickelung zunächst nur in allgemeinen Zügen, so­weit es zur Rechtfertigung seines jüngsten Entschlusses nöthig erschien, zugleich aber mit solcher Klarheit und Bestimmtheit hingestellt, daß dieselben unfehlbar den Ausgangspunkt neuer Erwägungen und Gestaltungen innerhalb der Reichsverwaltnng bilden werden. Inso­fern wird der jüngste Wechsel im preußischen Minister- Präsidium voraussichtlich eine bedeutsame Nachwirkung in der Entwick lung der Reichsangelegenheiten haben."

Königsberg i. Pr., 28. Jan. Eine Anzahl Geistlicher aus der Stadt und Provinz ist für heule und morgen hier zu einer Conferenz zusammenge­treten , in welcher kirchliche Fragen überhaupt, vor­zugsweise aber die Angelegenheit deS Dr. Sydow be­rschen werden sollen.

Weimar, 27. Jan. Ein außerordentlicher Land­tag zur Erledigung einiger dringender Angelegenheiten ist auf den 16. Februar einberufen worden.

Coburg, 28. Jan. Die dem neuen Landtage

stützen sich vorläufig allein darauf, daß ich den Rei­senden in dieser Schenke angetroffen habe."

Das ist Alles?" fragte Hugo enttäuscht.

Ja und nein. Wenn Sie glauben, der Mann sei in Stettin, so irren Sie, er ist hier. Sollten Sie etwas über ihn erfahren, so wird eS mir ange­nehm sein, wenn Sie es mir mittheilen wollen, Sie treffen mich an jedem Vormittage in meinem Bureau. Gute Nacht."

Kopsschütlelnd ging Hugo von bannen, nur so viel war ihm klar geworden, daß die Polizei sehr triftige Gründe haben mußte, auf Liebrecht zu fahnden, und daß es jetzt seine Pflicht war, die Augen offen zu halten und Über Helene zu wachen.

6. Kapitel.

Halt werda!

An demselben Abend, an welchem Helene die ge­heime Zusammenkunft mit Liebrecht hatte, erwartete Hermine den Lieutenant v. Warndorff.

Frau v. Barnitz war zum Theater gefahren, der Major saß im Offiziercasino hinter der Flasche, Her­mine durfte also unbesorgt dieser Zusammenkunft ent­gegensehen.

Warndorff erschien pünktlich, er fand ja so selten Gelegenheit, mit seiner Geliebten vertraulich zu plau­dern , ihr Alles das zu sagen, was seine Seele be­wegte, mit ihr Luftschlöffer zu bauen für die Zu­kunft, deren schwarze Nacht noch immer kein Sonnen­strahl erhellen wollte. Und heute sollte er erfahren, daß die finsteren Wolken noch drohender sich zusammen ballten.

Hermine iheilte ihm mit, was am Morgen vor­gefallen war.

Ihr gutes Gedächtniß ließ sie kein Wort der Un­terredung ihrer Mutter mit dem Vater vergessen, und wenn Warndorff erbittert auffahren wollte, dann legte sie ihre Hand aus seinen Arm und schaute ihm