Ülarfiutg, Dienstag, den 28. Januar
1873
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Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an-
Der achtzehnte Januar.
(Schluß.)
Eine kleine Geschichte aus^uter Quelle muß hier eingefügt werden, sie liefert einen Beitrag zur Charakteristik unseres Kaisers. Von zuständiger Seite wurde er darauf aufmerksam gemacht, daß er nach Den Ordensstatuten bei der Jnveftur auf dem Throne sitzen sollte; Friedrich I. und Friedrich Wilhelm IV. hätten das so gehalten, und der Kaiser schien nach diesen Präcedenzsälleu auch dazu geneigt. Aber wer sich im entscheidenden Augenblicke nicht auf den Thronsessel niederließ, sondern aufrecht in demselben stehen blieb, war der Kaiser. ES ginge gegen sein Gefühl, äußerte er später, in sitzender Stellung zu verharren, wo so viele verdiente Männer um ihn her standen.
Während diese Ceremonie mit Beobachtung derselben Formen, wie am 17. April 1701 zum ersten Male in Königsberg, hier nach 171 Jahren, auf der einen Seite im Rittersaal nach der Bildergalerie vor sich ging, hatte» sich sämmtliche zum Ordensfeste Geladene auf der andern Seite in den Gemächern nach dem Kurfürstensaale zu und von da nach dem Schweizersaale versammelt. In den Vorkammern standen die Inhaber der Ehrenzeichen, meistens vom Civil, gesellschaftliche Regionen, die sich noch nie bis zur Höhe eines Frackes erhoben hatte», Männer in langen Ricken und mit gespannter Aufmerksamkeit, denen
„Laß ihn, er geht ins WirthShans." „Wolltest Tu nicht mit ihm reden?* „Rein, eS führt mich eben nichts Wichtiges heim.' „Sv komm, wir können hinter dem Bierglase noch Stündchen plaudern, es ist erst acht Uhr." „Ich habe Urlaub bis zehn."
„Desto besser."
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vir Monate Februar und Mär; nehmen alle n Postanstatten Bestellungen auf die vbrrhcffifche Zeitung zu deut Preise von 15 Sgr., wozu der gewöhnliche Postaufschlag noch kommt, entgegen.
der letzten Zeit herrschte, beförderte allerdings das Wachsthum der Pflanzen, aber doch in geringem Maßstabe, da zutü schnellen Gedeihen derselben viel größere Wärme, mehr Licht und Sonnenschein erforderlich ist. Es kann Frost kommen, ohne daß die Saaten dadurch Schaden leiden.
Die „Nordd. Allg. Zellung" thdilt mit, daß der Zusammentritt des Reichstages wegen vielfacher und ernster Aufgaben Anfangs März ftattfiNdeN werbe. Vermutlich werde eine Collission mit dem preußischen Landtage cintreten. Dies sei zwar eine Schwierigkeit, aber keine Unmöglichkeit. Der Reichstag sei unaufschiebbar. „Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, das Reich habe die Vorhand vor Preußen, es gelte: Noblesse oblige. Gerade wir Preußen wollen damit das Beispiel geben, daß unS in erster Linie Deutschland steht, in zweiter Linie Preußen." Das alte Wort bewähre sich: Deutschland über Alles! — Dasselbe Blatt vernimmt, die Besetzung des Gesandtschaftspostens am italienischen Hofe werde nicht ver einzelt erfolgen, sondern in Verbindung mit andern Personalfragen des diplomatischen Corps, dem ein förmliche« Virement bevorstehe. Dies habe aber zur VoräuSsetzung die definitive Regulirung der Stellung deS Staatssecretärs, wozu die budgetmäßige Festste! lung von Seiten des Reichstages nothwendig sei.
— Die Rede des Fürsten Bismarck, welcher bei seinem Erscheinen im Abgeordnetenhause aufs Lebhafteste begrüßt wurde hat durch die Betonung des Nicht- vorhaNdenseins von Differenzen im preußischen Mi nifterium großen Eindruck gemacht. Heute findet bei dem Fürste» ein parlamentarisches Diner statt.
Darmstadt, 25. Jan. Das Ministerium hat die Wahl zur Landessynode angeerbnet; der Wahltermin ist ben Dekanen anheimgegeben. Hier erfolgt die Wahl, wenn es ausführbar ist, innerhalb der nächsten zehn Tage. — Wegen des Ablebens des Kaisers Napoleon und der Großfürstin Helene von Rußland JL------r-- i .............. ......
u plaudern, ihn zu fragen, ob er sich mit seinem Loose befreundet habe und wie es überhaupt ihm ergehe.
„Ich danke, man muß zufrieden {ein", ertoietertf Franz achselzuckend, „es ist eben nicht angenehm, im zweifarbigen Tuch zu stecken, aber ich denke, eS geht vorüber."
„Du hast den Feldwebel auf Deiner Seite?"
„Ja, aber den Dienst erleichtert er mir deßhalb doch nicht; er hat mir versprochen, später, wenn ich ausgebildet sei und meine erste Woche geschwitzt habe, für mich zu sorgen."
„Nu», mehr kannst Du nicht verlangen."
„Ich bin auch zufrieden, aber wie steht es mit Dir? Dll hast jetzt freies Feld."
„Der Windbeutel hats mir gründlich verdorben," entgegnete Hugo bittter. „Deine Schwester kann mich durch ihre Heiterkeit nicht täuschen. Früher hatte sie immer einen Gruß, einen Blick und ein Lächeln für mich, wenn sie in die Werkstätte kam, jetzt sieht sie mich nicht mehr an."
„Du mußt ihr Zeit lassen."
; „Zeit bis zum jüngsten Tage und darüber hinaus, icenrfS sein muß, ich fahnd ja nicht zwing, n. Dein Vater hat mich aufgemuntert, ich soll ben entscheidenden Schritt thun, aber ich kann'S nicht."
Franz machte seinem. Ingrimm in einem kernigen Fluche Luft.
„Wenn sie noch immer an ben Ausschneider denkt, dann werde ich ihr die Wahrheit sagen —"
„Was willst Tu damit auSrichte»?" unterbrach Hugo ihn mit gepreßter Stimme. „DeS Menschen Wille ist sein Himmelreich; er rennt lachend in den Abgrund hinein, wenn er sich das einmal vorgenommen hat. Sieh, dort kommt Dein Vater."
ist bis Ende dieses Monats — wie die »Darmst. Ztg.« meldet — Hoftrauer angeordnet worden.
Mannheim, 26. Jan. Der Aufsichtsrath der Rheinischen Hypothekenbank hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, bei der Generalversammlung die Vertheilung einer Dividende von 6 pCt. auf das eingezahlte Actieneapital für das Geschäftsjahr 1872 zu beantragen.
München, 25. Jan. Gutem Vernehmen nach hat der Kriegsmitiister Frhr. v. Pranh anläßlich der Schwierigkeiten, welche sich gegen die vertragsmäßig einzuführenden militärischen Bestimmungen zeigen, neuerdings seine Entlassung angeboten. Tie Annahme derselbe» ist noch zweifelhaft. Von patriotischer Seite werden als Canbidaten für bas Portefeuille bes Kriegsministers bie Generale Walther und Hütz genannt.
Straßburg, 25. Jan. Zu dem Gesetze über den Erwerb und Verlust der Staatsangehörigkeit hat der Oberpräsident eine Vollzugsordnung erlassen. Dieselbe bestimmt, daß die Aufnahmeurkunbe von ben Bezirkspräsidenten aubgefertigt werden und baß die beßfallsige» Gesuche schriftlich und zwar für Straßburg und Metz bei den Polizeidirectoren, im Uebrigen bei den Kreisbirectoren einzureichen stnb.
Metz, 23. Januar. Bor einem Monat wurde durch eine Haussuchung in der rue des lardins eine Falschmünzerbande entdeckt, welche seit dem Jahre 1867 ihr Geschäft trieb. Es wurden in bet von ihrem Besitzer verlassenen Wohnung falsche Rententitel bet französischen Anleihe von 1870 für circa 30,000 Franken Renten vorgefnnbcn nebst ben falschen Stempel» und anvere Utensilien zur Fabrikation tiefer Werthpapiere. Die zu gleicher Zeit saisirte Cortesponbenz lieferte die ganze Geschichte dieser Fälschung. Es sanden sich Verzweigungen derselben in England, Deutschland und Frankreich vor. Der Haupturheber und Besitzer der mit Beschlag belegten Gegenstände
Die beiden Freunde wollten gehen, als Franz bemerkte, baß auch seine Schwester bas Haus verließ.
Sie blickte so eben um sich unb eilte so flüchtig die Straße hinunter, daß es de» Beiden auffallen mußte.
„Was ist das?" fragte Franz überrascht. „Was mag sie vskhaben?"
„Ich weiß es nicht, vielleicht will sie eine Freundin besuchen."
„Das hätte sie am Nachmittage thun können, folgen wir ihr."
„Um zu fpioniren."
„Ich will wissen, wohin sie geht."
(Fortsetzung folgt.)
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Deutsches Reich.
•• Berlin, 25. Jan. Die General-Direction der Wiener Weltausstellung hat ben Laubes Commissionen mitgetheilt, baß bet niedetösterrtichische Gewerbeverein zu Wien anläßlich bet biesjährigen Welt- Ausstellung bett Beschluß gefaßt habe, eine Anzahl yon Medaillen an verdiente Werkführer deS Auslandes zu verleihen. ES ist dieser Mittheilung das für die Verleihung aufgestellte Programm beigelegt. Der genannte Gewerbeverein hat schon früher von Zeit zu Zeit derartige Medaillen an verdiente Werkführer der österreichischen Monarchie verteilt und wird nun diese Auszeichnung auch an Werkführer der in Wien ju Gast erscheinenden Industrie deS Auslandes ver- leihen. ES werden hierbei die Vorschläge der betreffenden AuSstellungS Commissionen maßgebend fein. Diese Pramiirung bezieht sich nicht auf außerordentliche industrielle Geschicklichkeit ober hetvotragenbe Leistung in Herstellung industrieller Erzeugniffe, sondern auf die Vorzüglichkeit, mit welcher die Werkführer ihre Stellung auszufüllen wiffen, indem sie sowohl Treue und Anhänglichkeit mit hingebender Thätigkeit dem Geschäfte widmen und für die Wohlfahrt de« Inhabers desselben bedacht sind, als auch ben Arbeiter in humaner Weise behandeln, an das Geschäft unb die Interessen desselben zu fesseln und die Vermittlung zwischen ihm und dem Arbeitgeber in gedeihlicher Weise auSzuüben verstehen. — ES wirb oft bie Besorgniß ver nommen, daß bei der außerordentlich milden Witte- tung dieses Winters die Saaten auf den Feldern zu weit gediehen wären, um einen noch eiiitretenben Frost ohne Gefahr ertragen zu können. ES kann jedoch die Versicherung gegeben werden, daß eine solche Besorgniß unbegründet ist. Die Warme, welche in;
Die vanernfanger.
Novelle von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
Der Küppermeister schüttelte abermals unwillig das Haupt.
„So weit sind wir noch lange nicht und werden nach meiner Ansicht nicht dahin fommen", erwiederte er, „die heitere Laune des Mädchens —*
„Verstellung, Meister!"
„Sapperment, Ihr seid ja rein vernagelt! Helene fennt keine Verstellung —"
„Oder Ihr kennt Eure Tochter nicht."
Hugo hatte bei ben letzten Worten da» Werkzeug hingelcgt, er band jetzt bie Leberschürze ab.
„Na, so versucht eS wenigstens, bann werben wir ja Gewißheit erhalten", sagte der Küppermeister, „ich benfe, bas ist der kürzeste und einfachste Weg —"
„Auf bem ich mir eutfii Korb holen kann." „Freilich, wenn Ihr gar keinen Muth —“ „Muth? Meister, ich kann einem Frauenzimmer in s Auge sehen, ohne verwirrt zu werden, aber ich mag «ich nicht gern abweifen lassen. Das thut web, wenn «<m's ehrlich meint, und etwas davon kommt immer an die Oeffentlichkeit. Soll ich mich hier von meutert Kameraden deshalb hänseln lasse»? Nun und ttimmer- «ehr dulde ich das, und ich kanu's ja vermeiden."
„Trotz alledem rathe ich Euch noch einmal, versucht eS, welche Antwort Ihr auch erhalten mögt, es stll ganz unter uns bleiben, und wehe bem, der sich über Euch luftig mache» will. Weist sie Euch ab, so ®«B sie ihre Gründe nennen, dann wissen wir Beide, woran wir sind."
„Wenn Ihr eS wollt —"
„Ich wünsche eS, Hugo, Ihr sollt sehen, daß Eure Brsorgnisse unbegründet flnd."
Hugo reichte, ohne eine feste Zusage zu geben, bem biedern Meister die Hand und ging hinaus.
Er hatte die Schwelle des Hanfes eben üben Witten, als er sich einem Füsilier gegenüber sah, in welchem er den Sohn seines Meisters erkannte.
Er blieb stehen, um einige Worte mit bem greunbe
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