Mr. 21
Zllarkurg, Sonnabend, den 25. Januar.
1873.
Oderheisische;icihiitt|.
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Deutsches Reich.
.. Berlin, 23. Jan. Aus der „Rhein. Ztg." ist wieder einmal eine gewaltige Anklage gegen einen knister auch in solchen Blättern ausgenommen worden welche nicht allein Anspruch darauf machen, in d,/Presse eine hohe Stellung einzunehmen, sondern ioaar ost sich berufen glauben, anderen Vertretern der «resse weise Lehren zu geben, wie sie sich zu verbalten haben, damit kein solches bevorzugtes Organ der öffentlichen Meinung sich durch solche Darstellungen aus angeblich „guter Quelle» irresuhren lasse, und hinterher zum „pater peccan“ genöthrgt werde. Ein solches hiesiges Blatt bringt aus der „Rhein, ata" die neue Enthüllung, daß in einem Vorzimmer des Abgeordnetenhauses ein Minister mit einem der bckauntesten hiesigen Journalisten belauscht worden sei und daß der Horcher aus dem Munde des bi- treffenden Ministers den Wunsch habe aussprechen hören, aus der Feder des Journalisten eine recht günstige Darstellung seiner Verdienste u. s. w. in den von diesem bedienten Blättern zu finden. Von der andern Seite war es dem stillen Beobachter oder „Horcher» auch angeblich gelungen, die Versicherung vollster Ersüllung dieses ausgesprochenen Ersuchens zu vernehmen. Wie ost bei derartigem vermeintlichem Erlauern von Geheimnissen ist etwas Wahres daran; alles nämlich, was die Augen wahrnehmen konnten, die Unterredung in fraglicher Art zwischen einem Minister und einem Vertreter der Presse hat wohl ftatt- gefunden; nur die Ohren haben bei dem „Horcher nicht den rechten Dienst gethan und das Taktgefühl oder der gute Geschmack haben den Erzähler im Siich gelassen; denn schon diese werthvoüen Eigenschaften könnten an sich Jedermann eingeben, daß schwerlich jemals ein Minister mit solchen Ausdrücke», wie die „Rhein. Ztg." meldet, Auftrag zu günstiger Darstellung persönlicher Angelegenheiten geben wird In Wirklichkeit hat der betreffende Minister einfach die Versicherung des Correspondenten entgegengenommen, daß derselbe nicht der Versasser deS vielbesprochenen Artikels der „Köln. Ztg." aus „guter Quelle« über die Vorgänge im Ministerium gewesen sei, und hat der Minister dagegen der Versicherung Ausdruck gegeben, ihn nicht für den Autor gehalten zu haben. Der Horcher hat eben die gewechselten Worte nicht verstehen können und statt dessen gemeldet, was ihm
Zweck und Interesse oder Phantasie an die Hand gaben.
— Die „Rordd. Allg. Ztg." veröffentlicht nachfolgendes Schreiben deS Kaisers an den Fürsten Re.chskanzler v. Bismarck: „Berlin, 1. Januar 1873: Sie wissen, mit wie schwerem Herzen Ich Ihren Wunsch erfüllt habe, indem Ich Sie vom Vorsitze im Staatsministerium entband; aber Ich weiß, welche geistige uub körperliche Anstrengungen zehn Jahre dieser Stellung von Ihnen verlangten, und will deß halb nicht länger anstehen, Ihnen Erleichterung zu bewilligen. Zehn inhaltsschwere Jahre liegen hinter Uns, seit Sie der Berufung, an die Spitze der Verwaltung Preußens zu treten, Folge leisteten; Schritt für Schritt hat Ihr Rath Mich in den Stand gesetzt, Preußens Kraft zu entwickeln und Deutschland zur Einigung zu führen; Ihr Name steht unauslöschlich in der Geschichte Preußens und Deutschlands verzeichnet und die höchste Anerkennung ist Ihnen von allen Seiten gerecht zu Theil geworden. Wenn Ich genehmige, daß Sie die mit so sicherer und fester Hand geführte Verwaltung Preußens niederlegen, so werden Sie mit derselben doch unter Fortführung der politischen Aufgaben in Verbindung mit denen der deutschen Reichskanzlerstellung im engsten Zusammenhang bleiben. Durch Verleihung der Brillanten-Jn- signien meines hohen Schwarzen Adlerordens will Ich bei diesem Anlasse den erneuten Beweis meiner höchsten Anerkennung und nie verlöschenden Dankbarkeit geben. Mögen die gewährten geschäftlichen Erleichterungen die Kräftigung der Gesundheit sichern, die Sie hoffen und Ich wünsche, damit Sie lange noch dem engeren und weiteren Vaterlande und Mir Ihre bewährten Dienste widmen können. Ihr treu ergebener, dankbarer König Wilhelm."
— Der Cultusminister, der Unterstaatssecretär Achenbach und vier Commissäre wohnten der heutigen Sitzung der Commission für die kirchenrechtlichen Gesetze an. Die Regierung erklärte sich mit einer den Gesetzen vorausgehendeu Verfassungsdeclaration (Art. 15 und 18), welche Anfangs der nächsten Woche zur Plenarberathung gelangen soll, einverstanden.
Königsberg, 23. Jan. Die von der „Ostpreuß. Ztg." veröffentlichte Rede des Generals Manteuffel, welche derselbe bei der Einweihung des bei Metz errichteten Grabdenkmals am 19. Jan. hielt, hebt die
Tapferkeit Bazaine's, seiner Generale und Truppen in den Kämpfen bei Metz hervor, welche den Deutschen vollkommen ebenbürtig waren; der General betonte ferner, daß das objective Urtheil fehle, wenn unmittelbar nach den letzten Kriegsereignissen die natürliche Leidenschaft mitspräche, hofft jedoch, die Geschichte werde Bazaine und dessen tapferer Armee Gerechtigkeit widerfahren lassen.
Wiesbaden, 23. Jan. Der „Rheinische Kurier" meldet, daß die Besserung deS Gesundheitszustandes deS Kronprinzen so weit vorgeschritten ist, daß derselbe für den nächsten Monat verschiedene Hof-Festlichkeiten im hiesigen Schlosse zu veranstalten beabsichtigt.
Chemnitz, 19. Jan. Seit mehreren Tagen ist Chemnitz der Schauplatz von Ruhestörungen. Es bildeten sich vor dem Hause eines Fleischers, dem der Volksmund nachsagte, er verwende Pferdefleisch, Zusammenrottungen, welche die bewaffnete Macht zum Einschreiten uöthigten. Die Polizei, welche zahlreiche Verhaftungen vornahm) wurde mit Steinwürfen bedient, so daß Infanterie den Platz, jedoch ohne Anwendung von Waffengewalt, säubern mußte.
Darmstadt, 22. Jan. Wie die „Mzr. Ztg." hört, sind die in der Thronrede zugesicherten neuen Gesetze, die Städteocdn'ung, das Gesetz über die Volksschulen und ein Gesetz, durch welches die rechtliche Stellung der Kirche zum Staate geregelt wirb, bereits vollständig ausgearbeitet und dürsten in aller Kürze an den Landtag gelangen. — Die neue KreiS- orbnung soll den Landstänbe» in aller Kürze gedruckt vorgelegt werden.
Stuttgart, 23. Jan. In der Abgeordnetenkammer kündigte der Justizminister v. Mittnacht bei Gelegenheit der Berathung über die Verhältniffe der Notariatsbeamten an, die Regierung werde über kurz ober lang eine Vorlage Über die durchgreisenbe Besserstellung des öffentlichen Dienstes machen. — Der König beauftragte den Prinzen Wilhelm, welcher derzeit in Berlin verweilt, ihn bei der Beerdigung der Großfürstin Helene zu vertreten Der General- adjutant des Königs, Frhr. v. Spitzemberg, ist nach Berlin abgereift, um den Prinzen nach Petersburg zu begleiten.
A»Sla«d.
Wie», 21. Jan. Heute hielt das Abgeordneten-
Die Bauernfänger.
Novell« von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
Hermine blieb lange in Gedanken versunken, als ihr Vater das Zimmer verlassen hatte.
Mit ihren Wünschen stimmte sein Rath freilich nicht überein, aber sie sah ein, daß es der beste Ralh war, dm et unter den obwaltenden Verhältnissen ihr geben konnte.
Nur EinS fürchtete sie, daß Warndorff die Bestrebungen ihrer Mutter sehr bald erkennen und seinen Groll auf den Baron werfen werde.
Aus diesem Groll konnte glühender Haß entspringen und bet Haß zu ernsten Verwickelungen, gar zu einer Herausforderung führen.
Dem mußte sie corbeugen, Theodor mußte wissen, daß jene Bestrebungen in keiner Hinsicht seine Liebe und Hoffnungen gefährdeten.
Sie ging in ihr Zimmer und schrieb einige Zeilen an ihren Geliebten, in denen sie ihm mittheilte, daß sie am Abend ihn erwarte.
Da Frau v. Barnitz daS Theater besuchen wollte und Hermine sie nur selten dahin begleitete, konnte diese geheime Zusammenkunft ohne Gefahr der Entdeckung leicht stattfinden; derartige Zusammenkünfte hatten schon ost stattgesunden; auf die Verschwiegenheit deS Dimstpersonals durste Hermine vertrauen.
5. Eapitel.
F a l l ft r i ck e.
Der Küppermeistet war wieder seelenvergnügt.
Seitdem der Commisvoyageur sein Haus ver- laffen hatte, war Helene wieder aufgethaut, und wenn auch dann und wann noch einmal sich ihre Stirn um-
büfterte und ein schmerzlicher Zug über ihr Antlitz glitt, so geschah das eben nur in den Stunden, in welchen der Vater in seiner Werkstatt beschäftigt war.
Daß Helene einen Brief aus Stettin erhalten hatte und daß der Inhalt dieses Briefes sie so heiter und ruhig stimmte, wußte er freilich nicht, ebensowenig konnte er ahnen, daß Frau Therese ihrer Tochter zu dieser Maske riech, die den Vater irre führen und seine Gedanken von dem HandlungSrei- senden ablenken sollte.
Die Heiterkeit seiner Tochter gab auch ihm die alte, heitere Saune zurück, er sang und arbeitete mit seinen Gesellen in die Wette und freute sich seiner Klugheit, die in dieser Angelegenheit wiederum das richtige getroffen hatte.
Und wenn er den Blick auf Hugo, seinem Meistergesellen ruhen ließ, der seit einiger Zeit so still und nachdenklich geworden war, bann erheiterte ein ver- ständnißvolles Lächeln sein rundes Gesicht und sein gedankenvolles Kopfnicken schien sagen zu wollen, daß er die Ursache dieser Einsilbigkeit sehr wohl kenne und die Ueberzeugung hege, sie dereinst auch beseitigt zu sehen.
Hugo Müller war ein ganz schmucker Bursche, eine tteue, biedere Seele, und Helene hatte ihn, ehe Liebrecht unter ihres BaterS Dache eine Wohnung sand, gern gesehen.
Damals hatte der Küppermeister nicht daran gedacht, daß die Beiden ein Paar werden könnten, die verstohlenen Blicke seines Gesellen waren ihm entgangen, erst später war er darauf aufmerksam je worden, als feine sorgenvolle Seele sich mit den unverkennbaren Absichten seines Miethers beschäftigte.
Weshalb rückte Hugo jetzt nicht mit der Sprache heraus?
Er mußte doch wissen, daß fein Meister ihm gewogen war, zudem besaß er ja auch die Mittel, eine eigene Werkstätte zu errichten, weshalb zögerte er noch immer, nachdem derjenige, der ihm bisher im Wege gestanden hatte, beseitigt war ?
Die Gesellen hatten eben Feierabend gemacht, als der biedere Küppermeister dieser Frage nachgrübelte, nur Hugo arbeitete noch an einem Fuderfasse, welches am nächsten Tage ab geliefert werben sollte.
(Fortsetzung folgt.)
Der achtzehnte Zauuar.
Dieser Tag ist derjenige, an welchem zum Andenken an die erste Krönung und die Stiftung des Schwarzen Adlerordens in Königsberg in Preußen, und nun auch zur Erinnerung an die Annahme der deutschen Kaiserwürde in Versailles daS Krönungs- unb Ordensfest am preußischen Hofe gefeiert wirb. Eine Reihe von Jahre wurde es an einem Sonntage begangen, vor oder nach dem Datum des achtzehnten Januar; in diesem Jahre hatte eS der Kaiser auf diesen selbst festgesetzt, in Rücksicht auf eine militärische Feier, welche des andern Tages, Sonntags, in der Garnison-Kirche in Potsdam stattfinden sollte. Die diesjährige Feier wich von der früherer Jahre auch noch darin ab, daß eine Investitur und ein Capitel des schwarzen Adlerordens damit vereinigt wurde. Bekanntlich könne» nur Angehörige souveräner Häuser oder Inländer die capitularische» Ehren dieses höchsten Ordens der preußischen Monarchie erhalten und mit Mantel und Kette bekleidet werden. Bei der diesjährigen Feier sollten der Erbgroßherzog von Mecklen-