a.
elbe
vige reit,
Ur 02.
Marburg, Freitag, den 24. Januar.
1873.
Oterhessische Zeitung.
it täalich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22z Sgr., durch die Postämter 27 Sgr. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland cxcl. Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.
* Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
[45
IM
g»
on
n.
ffund s-Ai
iten
$ro|
saG gegs
am»
[4
er.
, i Bell ), rrnod igom bei
g«
rfei ithe i uii
A» Acka lufei Kauf lder [13t
icrr
nd H hall [133
ildei Har fS int
ege« stch
1 b8 [151
!gli< vind mse» suchte imu* iege» zibeff wem s if
Deutsches Reich.
„ Berlin, 22. Jan. lieber die Dauer des Landtags und die Zeil der Berufung des Reichstags haben die Blätter bereits Meldungen gebracht, aus deren Verschiedenheit und Widersprüchen man schon abnehmen kann, daß sie verfrüht sind. Nach zuverlässigen Informationen wird die Erwägung über Feststellung des Termins für Berufung des Reichstags nach dem Verlauf der Verhandlungen über die kirchen- politischen Gesetzentwürfe sich richten. Die Einberufung wird nicht erfolgen, ehe man über die Erledigung der wichtigsten Ausgaben des Landtags eine sichere lieber; ficht hat. Wir haben zwar früher schon berichtet, daß auch in diesem Jahr die Wiederholung deS Nothbe- helfeS eines gleichzeitigen Tagens der parlamentarischen Körper in Erwägung gezogen worden sei; dies können wir auch aufrecht erhalten, aber mit der Beschränkung, daß man nur eine gleichzeitige Thätigkeit des Herrenhauses neben dem Reichstage für thunlich hält für kurze Dauer, wenn die Formen einer Verfassungsänderung auf die kirchenpolitischen Vorlagen Anwendung finden und dadurch die Erledigung lange verzögem sollten. UebrigenS sind bereits Vorschläge gemacht worden, deren Annahme gestatten würde, zwischen der Scylla lästiger Verzögerung und der Charybdis einer Möglichkeit der Anfechtung glücklich hindurchzuschiffen, indem man sofort neben der Berathung der betr. Vorlagen einen Artikel zur Verfassungsänderung die langwierigen Stadien passiren läßt; dieser Zusatz zu §. 15 d« Verfassung sollte dem Staate im Allgemeinen daö Aufstchts- und HoheitSrecht ausdrücklich Vorbehalten, als deren Ausfluß die neuen Gesetze zu betrachten find. — Die schon so vielfach zu Tage getretene Allianz zwischen der radicalen Demokratie und dem radi- calen UltramontanismuS wird jetzt durch die „Frankfurter Ztg." auf's Neue bestätigt. Dieses Blatt muß nunmehr zugestehen, von einem Correspondenten aus Wiesbaden „demokratisch" gefärbte Correspondenzen zu erhalten, welcher gleichzeitig für die extremsten dentalen Organe nach deren Bedarf Artikel liefert. Dies ist nicht der einzige Fall und nicht der eclatanleste; die „Frankfurter Ztg." kann möglicher Weise über die Chamäleonsnatur ihres clerical - demokratischen Mitarbeiters nicht unterrichtet gewesen fein; dagegen ist es hier ein öffentliches Geheimniß, wer hier Vormit
Die Bauernfänger.
Novelle von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
Der Major hatte seinen Weinschrank, seinen Ci- garren-Vorrath und seine Varinas-Rollen revidirt und, wie es in solchen Fällen, wenn einmal Verdacht vorliegt, fast immer zu geschehen pflegt, ganz und gar vergeffen, daß er selbst ein Glas Wein trank und eine gute Cigarre rauchte.
So schob er denn den größeren Theil des vorgefundenen Manko's seinem Burschen in die Schuhe, der sich manches unberechtigten Eingriffs schuldig gewacht hatte, aber doch nicht in dem Maße schuldig war, in welchem der Major ihn anklagte.
Schlag auf Schlag folgten die Donnerwetter in ben kernigsten Ausdrücken und nur Eins tröstete das tiefverlctzle Gemüth Johann's, die Aeußerung, daß er vicht entlassen, ober fortan der Aufsicht über den Weinschrank und das Cigarrenlager gänzlich enthoben jein solle. „Die schönen Tage von Aranjuez sind nun für Dich vorüber I" donnerte der Major, als er ihn endlich verließ. „An Dir allein wird es liegen, ob Du Dich später meines Vertrauens wieder erfreuen darfst. Hinaus, langohriges Ungethier, bitte Gott, daß er Dich für den Galgen reif werden läßt."
Der Major hatte sich so tief in den Grimm hineingeredet, daß er eine geraume Weile auf- und übwandern mußte, bevor er ins Wohnzimmer gehen konnte.
Während des Frühstücks hatte Frau v. Barnitz 4n gebeten, ihr vor Tisch eine halbe Stunde zu Renten, sie habe etwas mit ihm zu berathen, und der Major ahnte bereits, daß der gestrige Abend das Thema dieser Unterredung sein werde.
Die gnädige Frau beschäftigte sich mit ihrem
tags für die römischen Jesuitenorgane und Nachmittags für die „Augsb. Allg. Ztg." liberal angehauchte Raisonnements fabricirt zur vollsten Zufriedenheit des Organs süddeutsche» Liberalismus und antiinsallibilisti- scher Gesinnung.
— Wiederholt auftauchenden Gerüchten über Rückfälle oder bedenklichen Gesundheitszustand des Kronprinzen gegenüber kann bestimmt dessen zufriedenstellendes Befinden, sowie der Umstand hervorgehoben werden, daß die Familien - Telegramme, welche bisher regelmäßig über das Befinden des Kronprinzen ein- liefen, in Folge von dessen günstigem Befinden eingestellt worden sind. — Der Hof hat eine achttägige Trauer für Napoleon angelegt.
— Die neueste „Prov. - Corresp." sagt in ihrem Leitartikel „Die Einheit im Ministerium": Gerade in dieser Zeit großer und tiefgreifender Ausgaben kommt es darauf an, das Vertrauen der Bevölkerung zu der Klarheit und Einheit des Strebens der Staatsregierung in allen ihren Theilen nicht erschüttern zu lassen. Aus allen amtlichen Erklärungen der letzten Wochen geht übereinstimmend hervor, daß ungeachtet der früheren Meinungsverschiedenheiten über die zur Durchführung der Kreisordnung einzuschlagenden Wege und trotz des eingetretenen Personenwechsels im Präsidium des Staats- Ministeriums doch eine vollkommene Einigkeit über die weiter zu verfolgenden Ziele innerhalb der Regie rung obwallet, und es liegt keinerlei Thatsache vor, auf welche die Vermuthungen über innere Widersprüche und Gegensätze unter den Ministern sich stützen könnten. Im allseitigen Interesse einer gesunden und stetigen Entwickelung ilt dringend zu wünschen, daß diese Lage der Dinge nicht fort und fort durch leichtgläubige Verbreitung grundloser Tagesgerüchte verdunkelt werde.
Königsberg, 22. Jan. Der Gewerbeverein der Provinz Preußen richtete eine Petition an die Abgeordnetenkammer, um die Staatsregierung zu veranlassen, mehr als bisher die Hand zu bieten, um Ostpreußen auf eine entsprechendere Culturstufe zu heben. Die Petition legt die Handels- und Industrie- Verhältnisse der Provinz dar und sühn aus, daß die Entwicklung der Industrie bislang nicht über das Stadium ungeregelter Versuche hinausgelangte. Durch die bevorstehende Selbstverwaltung und die Dotirung
Hündchen, welches zum Erstaunen und zum großen Aerger des biederen Herrn ein seines Battisttuch zerraufte, Hermine saß am Stickrahmen.
„Du bist verstimmt," sagte Frau v. Barnitz, ihren Gatten anblickend.
„Hol's der Henkeri" fuhr der Major auf. „Der dumme Bursche hat —"
„lieber ihn ärgerst Du Dich? Gib ihm den Laufpaß, das ist das Gescheidteste "
Der Major schüttelte unwillig den Kopf.
„Rasch gesagt, meine Liebe, aber ich finde sobald keinen Anderen, der meine Pferde so sorgfältig pflegt und meine Tabacköpfeifen so sorgfältig in Ordnung hält. Der Esel hat auch seine guten Seiten. Also?"
„Ich wollte Deine Meinung über den Baron von Menkstern hören."
„Hm — ich meine, er schwadronire etwas sehr viel."
„Leberecht, das ist ein sehr oberflächliches Urtheil, ich finde ihn gediegener und liebenswürdige^ als den Freiherrn von Wittgenstein."
„Gediegener? Nun ja, ich will das nicht bestreiten."
„Er ist sehr reich."
„Mag fein."
„Aber Leberecht, ich begreife nicht, daß Du dabei so kalt und gleichgültig bleibst."
Frau von Barnitz hatte das Haupt stolz zurück- geworfen, ein zürnender Blick traf aus ihrem Auge den Gemahl, der neben dem Stickrahmen stand und gleichgültig der Arbeit seiner Tochter zuschaute.
„Es handelt sich um eine sehr ernste und wichtige Angelegenheit", fuhr sie fort, „wenn Du Dich nicht in der Stimmung befindest —"
„Gewiß, fahre nur fort. Du erlaubst wohl, daß ich mit meinem Urtheil über den Baron zurückhalte, bis ich ihn näher kenne."
mit Capitalsonds seien jetzt den Unternehmern unerwartete Mittel gegeben, die Industrie durch Prämiirung gewerblicher Fabrikate, durch Reise-Stipendien, Modell- fammlungen, geologische Untersuchungen und durch Einführung einer Gewerbe Statistik zu fördern. Die Provinz Preußen müsse darauf rechnen, daß endlich der Ausgleich mit ben übrigen Provinzen stattfände. Der Grund, weshalb die Industrie bisher zu einer entsprechenden Entwicklung nicht habe gelangen können, liege in dem Mangel an technischen Arbeitern und Fabrik-Dirigenten, welche mit der Provinz bekannt feien, sowie in der Schwierigkeit, das erforderliche Betriebs-Capital herbeizuschaffen. Dem könne durch Errichtung eines gewerblichen Centralorgans abgeholfen werden, dessen Aufgabe es sei, durch Anlage von technischen Gewerbeschulen für die Verbreitung gewerblicher Kenntnisse und die Entwicklung der Industrie Sorge zu tragen. Die Petition bittet das Abgeordnetenhaus, es wolle die erforderlichen Mittel bei der Aufstellung des Etats bewilligen und gleichzeitig der Staatsregierung anempfehlen, der Industrie in der Provinz Preußen durch den Bau von Eisenbahnen, Ermäßigung der Frachttarife, Aushebung der Eisenzölle für Betriebsmaschinen, und durch Erleichterung des Grenzverkehrs aufzuhelfen.
Wiesbaden, 22. Jan. In dem Befinden des Kronprinzen ist eine ungünstige Veränderung durchaus nicht eingetreten. Der Kronprinz befindet sich sehr wohl, macht Spaziergänge und besucht das Theater.
Frankfurt a. M., 21. Jan. In den heute fortgesetzten Verhandlungen der außerordentlichen Generalversammlung des Vereins deutscher Eisenbahn- Verwaltungen wurde die Taris-Commission zum Zweck der Durchführung der einheitlichen Güter-Clajsification um ein 20. Mitglied verstärkt. Ferner wurde nach Erledigung einiger Bedenken in die Berathung des Entwurfs eines Betriebs - Reglements des Vereins deutscher Eisenbahnen eingegangen und der Entwurf größtentheils nach den Vorschlägen der Commission gebilligt. Eine längere Debatte veranlaßte nur die Frage der Einführung einer Conventional-Strafe für nicht rechtzeitige Lieferung bestellter Wagen.
Darmstadt, 21. Jan. Die hessische Ständekammer ist seit gestern wieder hier versammelt, geht aber morgen schon wieder auseinander. Sie hat
Hermine legte die Nadel hin, sie wollte sich entfernen.
„Bleib", sagte Frau von Barnitz, „unsere Unterredung betrifft Deine Zukunft, es ist Zeit, daß wir an diesen Punkt denken, und Du bist alt und verständig genug, um unserer Berathung beizuwohnen."
Der Major machte eine Geberde der Ungeduld, aber setzte sich doch, und indem er dies that, wechselte er rasch mit seiner Tochter einen Blick, der sie ermu- thigte. „Der Herr Baron hat mir zu verstehen gegeben , daß er beabsichtigte, in den Staatsdienst zu treten", nahm Frau von Barnitz nach einer Pause wieder das Wort, „eine rasche Beförderung und der- einftige glänzende Stellung sind ihm sicher."
Der Major nickte, Hermine blickte schweigend in die Herbstlandschast hinaus.
„Er hat mir ferner gesagt, daß er wünsche, eine eigene Häuslichkeit gründen zu können."
„Dem steht ja nichts im Wege", warf der Major ein.
„Durchaus nicht, aber seine künftige Gattin soll jung, schön und geistreich sein. Sein Blick streifte, als er dies sagte, Hermine."
„Und daraus ziehst Du den Schluß, daß —"
„Leberecht, ich bin einstweilen von Schlußfolgerungen noch sehr weit entfernt, aber ich meine, es sei unsere Pflicht, über die Zukunft unseres Kindes nachzudenken. Man spricht schon in allen Kreisen der Gesellschaft offen über die bevorstehende Verlobung HerminenS mit dem Lieutenant von Wamdorff und ich verhehle Dir nicht, daß diese Gespräche durch Glossen illustrirt werden, welche unserer Ehre und dem guten Rufe unserer Tochter schaden."
In den Augen Herminen's blitzte die Gluth des Zornes aus.