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Ur. 19. Marburgs Donnerstag, den 23. Januar. 1873.
Oberhessische Zeitung.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22 Sgr., durch die Postämter 27 Sgr. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.
Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
Deutsches Reich.
## Berlin, 21. Januar. Die für den Monat Januar in Aussicht genommene Sitzung der deutschen Central-Commission für di« Wiener Ausstellung Hal immer noch nicht anberaumt werden können, weil das erforderliche Material aus Wien auch jetzt noch nicht eingetroffen ist. — Die Ausstellung des deutschen Katalogs für die Wiener Ausstellung geht ihrer Vollendung entgegen. Es ist hierbei zu beklagen, daß eine Anzahl von Ausstellern, obschon der hierzu festgesetzte Termin schon vorüber ist, ihre Beiträge noch nicht einge sendet hat. Diese können hierdurch ihren Concurrenten gegenüber, welche Mittheilungen gemacht haben, in Nachtheil kommen. — Mit Bezug auf die Bekanntmachung des „Reichsanzeigers- vom 18. d. M. wegen Errichtung einer Agentur zur Vertretung der deutschen Aussteller zu Wien hat die deutsche Central-Commission für die Wiener Ausstellung noch eine Circular-Mittheilung an die Landes-Commissionen gerichtet. ES wird darin gesagt, daß die Agentur, welche Herr George leiten wird, von jedem pekuniären Ge winn absehen wird. Ueberschüsse, welche sie etwa liefern sollte, werden, soweit sie nicht als Remunerationen für die Beamten derselben eine sachgemäße Verwendung finden, zu gemeinnützigen Zwecken bestimmt «erden. Verluste, mit welchen sie schließen möchte, wird die Central-Commission zu decken Sorge tragen. Es liegt hierin die Berechtigung, das Unternehmen als ein gemeinnütziges zu bezeichnen, demselben besondere Berücksichtigung zu Theil werden zu lassen und es dem Wohlwollen der deutschen Landes-Com- misfionen angelegentlich zu empfehlen. Je zahlreicher die Betheiligung der Aussteller an demselben wird, um so wirksamer wird sich dasselbe erweisen können. Es ist daher erwünscht, daß auch die Aufmerksamkeit der Aussteller darauf hingelenkl werde. Die Leistungen, zu welchen es sich erbietet, sind nicht geringer, als diejenigen anderer Ausstellungs-Agenturen, während die'von ihm in Aussicht genommenen Provisionssätze ungleich niedriger erscheinen. Herr George ist veranlaßt worden, seine Prospekte den deutschen Landes- Commissionen unverzüglich mitzutheilen
— Graf Schuwalow, der hier bei der Rückreise nach Petersburg von dem Kaiser empfangen wurde und mehrere Personen sprach, hat sich, wie allgemein versichert wird, über den Erfolg feiner Mission nach London, wegen Centralafiens, sehr befriedigt ausge- fprochen.
Frankfurt a. M., 20. Jan. In der heutigen außerordentlichen Generalversammlung deS Vereins
Die Bautrnfäxgtr.
Novelle von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
»Der Herr Oberstwachtmeister werden sich erinnern, daß wir vor einem halben Jahre ein Fäßchen Wein erhielten?"
.Ganz recht — nun?"
„Der Herr Oberstwachtmeister befahlen mir, den Wein abzusüllen und die Flaschen zu versiegeln, damit man ihnen nicht den Kutscher ansehe.
«Himmel —"
„Sie bemerkten dabei, dieser Kutscher sei für die gewöhnlichen Gäste gut genug und der Siegellack, an dem ich mir die Hände total verbrannt habe, gebe den Flaschen gleich ein ganz famoses Ansehen. Da dachte ich denn, eS werde ihm noch mehr Ansehen geben, wenn ich von unseren leeren Flaschen die Etiketts ablöse und
„Hinaus," donnerte der Major, kirschbraun vor Wuth. , Sofort den echten Rüdesheimer zur Stelle geschafft, oder —"
»Ja, Herr Oberstwachtmeister, ich kann jetzt die Haschen nicht mehr von einander unterscheiden und wir haben mit ihrer gnädigen Erlaubniß in der Küche d>e und da eine Flasche Kutscher getrunken, der mir Eigentlich gar kein Kutscher zu sein schien. Da weiß H nicht —"
Den Schluß des Satzes vernahmen die Gäste "icht, der Major hatte seinen Burschen hinauSgetrieben,
deutscher Eisenbahnverwaltungen wurde nach längerer Berathung die Errichtung eines statistischen Central bureaus als zur Zeit unausführbar abgelehnt und die ferneren Anträge auf Einführung einer gleichmäßigen Ciassification der Güter für alle Bahnen, sowie auf Annahme des elsässischen Tarifsystems nach langen Debatten ebenfalls verworfen.
Wiesbaden, 20. Jan. Dem Vernehmen nach dürfte sich der hiesige Aufenthalt deS Kronprinzen mit Familie bis in den Monat März verlängern.
Dresden, 20. Januar. Die Zweite Kammer- Hat in ihrer heutigen Sitzung die Landtagsordnung ziemlich unverändert angenommen. Für die Erbauung eines neuen Anatomiegebäudes in Leipzig wurde eine Summe von fast 140,000 Thalern bewilligt.
Braunschweig, 18. Jan. Gestern Nachmittag — schreibt man dem „Hann. Courr." — hat eine sehr stark besuchte, vom Vorsitzenden der Handelskammer berufene Versammlung der Corporation der Kaufmannschaft stattgesunden, in welcher beschlossen wurde, eine Pression auf die Regierung aus zuüben, um die Errichtung einer Filiale der preußischen Bank am hiesigen Platz durchzuführen. Die Vorschläge der Handelskammer wurden mit wenigen Abänderungen angenommen. Ebenso wurde der Antrag angenommen, aus der Landesversammlung bei ihrem Wiederzusammentritt im Laufe des nächsten Monats eine diesbezügliche Interpellation an die Regierung richten zu lassen, sofern bis dahin kein Bescheid auf die heute beschlossene Eingabe erfolgt sein würde.
München, 20. Januar. Bezüglich der Entwerfung eines Militär - Strafproceßgesetzes für das Deutsche Reich kann aus zuverlässiger Quelle mit- gelheilt werden, daß eine aus Militär - und Civil- Justizbeamten bestehende Commission zu diesem Zwecke am 17. Februar d. I. in Berlin zusammentreten wird. Das bayerische Kriegsministerum hat den Militärbezirksgerichts-Director Oberstabsauditeur Knözinz zum Mitgliede jener Commission ernannt, derselbe war auch bayerischer Commisiar bei der Bearbeitung des Militär- strafgesetzbuches für das Deutsche Reich. Auf Anregung des Reichskanzler-Amts hat die bayerische Regierung an die Verwaltung der Pfälzer Bahnen das Verlangen gestellt, bei Ausführung der Bahn von Germersheim nach Bruchsal die beiden Rheinufer in strategischem Interesse durch eine feste Brücke zu verbinden. Wie wir nun vernehmen, hat sich der Verwaltungsrath jener Bahnen zur Erfüllung dieser Forderung bereit erklärt in der Erwartung, daß auch die Staatsregierung der Gesellschaft für die Opfer, welche sie in Rücksicht auf
er war ihm gefolgt, um selber im Keller Revision zu halten.
Frau v. Barnitz war empört, sie wollte den Dummkopf sofort entlassen.
Der Baron suchte sie zu beruhigen, Warndorff benutzte die Verwirrung, um rasch einige Worte mit Hermine zu wechseln.
„So gehl's!" brummte der Oberst. „Ich habe meine liebe Roth mit meinem Burschen."
„Na, wir haben doch wenigstens die Macht, sie zu bestrafen," bemerkte der Hauptmann. „Drei Tage Mittelarrest oder die Drohung, sie in die Compagnie zurückstellen zu wollen, wirken rascher und besser, als grobe Worte." ,
Der Baron hatte eine Krachmandel geöffnet, sie enthielt einen Doppelkern.
„Darf ich um die Ehre bitten, gnädige Frau?" fragte er.
Die Züge der Dame erheiterten sich, mit freundlichem Lächeln nahm sie einen der Kerne.
„Ihre Güter liegen in Mähren?" wandte der Fähnrich sich zu dem Baron.
„In Nicderösterreich," erwiderte der Baron. „Ich besitze dort nur noch mein Stammschloß, welches ich nicht veräußern darf. Meine übrigen Güter habe ich nach dem Tode meines Vaters verkauft und die Summen bei der englischen Bank deponirt, eS war mir unangenehm und zu lästig, stets mit meinen Verwaltern in Briefwechsel zu stehen."
Der Major war inzwischen zurückgekehrt, er hatte
das Reich bringt, einige Gegenzugeständniffe machen werde. — Der Entwurf zur Reform der Handelsund Gewerbekammern wird nach den von diesen Körperschaften kundgegebeuen Wünschen umgeändert. — Die Untersuchung auf Hochverrath gegen Hrn. Zaitder, Redacteur des „Volksboten", und gegen Frhr. v. Linden, beide flüchtig, ist durch Beschluß deS Bezirksgerichts eingestellt worden.
Nürnberg, 21. Jan. Dem „Nürnb. Corr." wird aus München gemeldet: Die Abberufung des Grafen Tauffkirchen von Rom wurde im Minister- rathe in Anregung gebracht, begegnete aber dort nicht übereinstimmendet, Anschauungen. Unter Umständen wird das Verbleiben des einen oder anderen Ministers von der Lösung dieser Frage abhängen.
AxSlaxd.
Wien, 19. Jan. Die Erwartung, daß Kaiser Wilhelm sich unter den Ehrengästen befinden wird, welche unser Hof während der Weltausstellung zu bewillkommnen hat, erhielt in den letzten Tagen ihre officielle Bestätigung. Die betreffenden Hofämter wurden auf Befehl des Kaisers Franz Joseph mit dem Zeitpunkte bekannt gemacht, zu welchem das Eintreffen des kaiserlichen Gastes zu erwarten ist, um die erforderlichen Vorbereitungen danach zu treffen. Kaiser Wilhelm scheint seinen hiesigen Besuch für die ersten Tage deS Juli angekündigt zu haben. Außerdem dürfte der Deutsche Kaiser auch heuer, wie im Vorjahre, und zwar im Monate August, die Badecur in Wilvbad-Gastein gebrauchen, also zweimal auf öfter - reichvschem Boden verweilen.
Paris, 20. Januar. Laut dem „Courrier de France" sind die Unterhandlungen gescheitert, welche Rothschild in London angeknüpft hatte, um die finan- ciellen Basen für den Vertrag aufzustellen, welcher wegen der Bezahlung der 5. Milliarde zwischen Deutschland und Frankreich abgeschloffen [werden muß. — In Versailles ist das Gerücht verbreitet, daß man gestern einen Mordversuch gegen den Erzbischof von Paris gemacht habe. — Die bonapartistischen Blätter enthalten folgende Note: Eine Messe für die Ruhe der Seele des Kaisers Napoleon III. findet Mittwoch 22. Januar präciS 10 Uhr in den folgenden Kirchen statt. (Hier folgen die Namen von zehn Kirchen.) In Saint Cloud wird nächsten Donnerstag ein Trauergottesdienst für Napoleon IIL gefeiert. — Die Dreißiger- Commission versammelte sich gegen 1 Uhr. De Larcy präsidirte nicht, er ist in Folge seines Falles krank. Thiers wohnte der Sitzung nicht an.
Berfailles, 20. Jan. Bei der Diskussion in
noch mehrere Flaschen echten Rüdesheimer vorgefunden, einige waren in der Küche geleert worden.
Die Unterhaltung zersplitterte sich; Warndorff und der Fähnrich hatten ein Gespräch mit Hermine angeknüpft, die gnädige Frau unterhielt sich mit dem Baron, der so galant war, sie das „Vielliebchen" gewinnen zu lassen, der Freiherr v. Wittgenstein erzählte den älteren Herren einige Anekdoten.
Da schlug die Baronin eine Partie Whist vor, die Herren gaben ihre Zustimmung, Warndorff that es nur zögernd. Auf einen Wink der Mutter traf Hermine die nöthigen Vorbereitungen, bald darauf hatte die Gesellschaft sich um den Spieltisch versammelt. ,
Liebrecht verstand den Wink, den der Baron ihm gab. Der Oberst, der Major, der Baron und die Frau v. Barnitz spielten den ersten Robber, dann folgten Warndorff, Liebrecht, der Hauptmann und Der Fähnrich.
Hermine hatte die Einladung zur Theilnahme abgelehnt.
Als man beim vierten Robber angelangt war, hatte Frau v. Barnitz zehn LouiSd'or gewonnen, sie ahnte nicht, daß sie diesen Gewinn nur der Absicht des Barons, sich in ihrer Gunst festzusetzen, verdanke.
Kcpfweh vorschützmd, verließ sie den Spieltisch, der Baron setzte sich zu ihr, um mit ihr zu plaudern.
Niemand beachtete sie, die Herren waren mit Karten beschäftigt, der Oberst sprach mit Hermine und der Major blickte dem Spiele Warndorffs zu, der eben-