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Gesellschaft eingeleiteten Ankauf der Samana-Bucht auf S. Domingo.

Bermischtes.

Berlin, 13. Ian In einem Restaurationslokale der Jnvalidenstraße, so erzählt das „Fremdenblatt" kam neulich das Gespräch auf die burch fortgesetztes Kitzeln unter den Fußsohlen bewirkten Morbe. Ein anwesender acclimatisirter Pole, der sich mit großer Lebhaftigkeit an der Unterhaltung detheiligt hatte, versicherte, daß er nicht kitzlich wäre, und daß ihm selbst das Kitzeln unter den Fußsohlen weder empfindlich noch peinigend sei. Dieser Behauptung wurde allgemein widersprochen, und der Pole ging darauf mit seinem Nachbar, einem in der Nähe wohnenden Milchhändler, eine Wette ein, deren Ausführung lebhaft an den dreißig­jährigen Krieg erinnert, wo man bekanntlich die Gefangenen dadurch zum Geständniß zu bringen suchte, daß man ihnen Salz auf die Fußsohlen streute, diese dann an irgend einen Gegenstand festband und das Salz von einer Ziege ablecken ließ. Die so Gemarterten fielen sehr bald in Lachkrämpfe, die dann häufig den Tod herbeiführten. Kurz, die Wette wurde acceptirt: der Pole wollte sich Salz auf die Fuß­sohlen streuen lassen und eine Ziege des Milchhändlers sollte dieses ablecken, ohne daß er dabei eine Miene verzöge; die Wette galt eine Achtel Tonne Bier. Die Ziege wurde sofort geholt und mit der Ausführung der Wette begonnen. Kaum hatte jedoch die Ziege einige Male feinen Fuß beleckt, als er in ein schallendes Gelächter ausbrach und zur allgemeinen Belustigung der Umstehenden denselben zurückzog und auch fernerhin nicht mehr Lust verspürte, ihr denselben noch einmal hinzuhalten. Er gab sein verwettetes Achtel und versicherte jetzt, diese Tortur nicht zum zweiten Male ertragen zu wollen.

Der Rothe Adler-Orden dritter Klaffe mit der Schleife wurde verliehen: an Landes-Director v. Bischoffshausen zu Gaffel; der Rothe Adler - Orden dritter Klaffe an Ober- Appellationsgerichts-Rath Scheffer zu Gaffel; der Rothe Adler-Orden vierter Klaffe an Bau - Jnspector Arend zu Eschwege, Landrath Bernstein zu Frankenberg, Profeffor Dr. Cäsar zu Marburg, Landrath Cornelius zu Fulda, Zoll-Inspektor Cramer zu Gaffel, Hauptmann ©erlaub von der Artillerie des 1. Bataillons (Cassel) 1. Hessischen Landwehr-Regiments Nr. 81, Kreisgerichts-Director Gleim zu Rotenburg, Geheimer Justiz- und Oberappellationsge- richts-Rath Grandidier zu Cassel, Consistorialrath Kratz, Militär-Ober- und Divisions-Pfarrer bei der 22. Division, zu Cassel, Regierungs-Rath v. Motz zu Gaffel, Gyrnnafial- Director Dr Münfcher dahier, Major int Generalstabe der 21. Division v. Sobbe, Oberstlieutenant im 3. Hessischen Infanterie-Regiment Nr. 83 v. Sodenstern, Hofrath und Secretariats - Vorstand der General-Verwaltung des Kur­fürstlichen Haus-Fideikommisses Werner zu Gaffel; der Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohcn- zollern an Stadtschul-Rector Jordan zu Rotenburg; das Allgemeine Ehrenzeichen an Bote bei der General-Kommission Berndt zu Gaffet, Hauptsteueramts-Diener Dehnhardt zu Hanau, Förster Eigenbrodt zu Asel, Reg.-Bez. Gaffel, Förster Heckmann dahier, Zugführer bei der Main-Weser- Bahn Illert zu Cassel, Feldwebel-Gendarm Markert zu Gudensberg, Steuer - Executor Blomberg zu Gieselwerder, Feldwebel Reuschel im t. Hessischen Infanterie-Regiment Nr. 81, Zugführer bei der Hessischen Nordbahn Ritter zu Gaffel, Wachtmeister in der Schutzmannschaft Rudolph zu Gaffel, Regierungs-Botenmeister Schell zu Cassel, Post­schaffner Scheuffler zu Gaffel, Regierungs-Bote Spil­ling zu Gaffel, Weichensteller bei der Main-Weser-Bahn Stamm zu Nauheim, Büchsenmacher beim Hessischen Füsilier - Regiment Nr. 80 Stöckenius, Förster Werner zu Wellerode bei Gaffel, Directorats-Kanzleidiener Wissen- d'ach zu Gaffel.

Telegraphische Depesche« per Ober- hesftschen Zeit««g.

Berlin, 20. Jan. AbgeorbnelenhauS. Erste Bera-

tliung des Gesetzentwurfs über die kirchliche Diseiplinar- gewalt unb bie Errichtung eines Gerichtshofes für kirch­liche Angelegenheiten. Das Haus ist sehr gefüllt. 11 Rebner waren für, 7 gegen die Vorlage eingeschrieben, unter lederen Gerlach, welcher, nachdem Holtz gegen, Junk (Göln) für bie Vorlage gesprochen, bas Wort ergreift. Nach einer Entgegnung Windthorst's (Dortmund) für bie Vor­lage wird die Generalbiscussion geschlossen. Die Vorlage wirb ber am letzten Freitag beschlossenen Commission von 21 Mitgliebern gleichfalls überwiesen. Die Sitzung dauert fort.

Potsdam, 19. Januar. Heute Vormittag fand bie feierliche Aufstellung von 86 französischen Fahnen unb Slanbarten in ber hiesigen Garnisonskirche statt, welcher Feierlichkeit ber Kaiser unb bie Kaiserin, bie Prinzen, die sämmtlichen Feldmarschälle, viele Gene­räle, sowie Deputationen aller Regimenter anwohnten. Der Kaiser sprach den Vertretern der Armee seinen tiefgefühlten Dank aus für den int letzten Kriege be­wiesenen Heldenmnth, wodurch die Armee in Gemein­schaft mit ihren Verbündeten jene Siege erkämpft habe, deren Erfolge ewig auf den Tafeln der Geschichte ver­zeichnet bleiben werden.

Petersburg, 19. Januar. Dem heute ver­öffentlichten Reichsbudget für das Jahr 1873 zufolge sind die Staatseinnahmen auf 617,349,834 Rubel die Staatsausgaben auf 517,322,162 Rubel festge­setzt, so daß sich ein Einnahme-Ueberschuß von 27672 Rubel ergibt.

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Telegraphische Cours- und Marktberichte.

Frankfurt a. M-, 20. Januar. (Schluß der Börse). Staatsbahn-Actien 357%, Elisabeth 2674, Galizier 245, Lombarden 201, Nordwestbahn 230£, Credit actien 354, Silberrente 65% Papierrente - 1860r Loose 96% National-

bank 1070, Spanier 27% 1882r Amerikaner —, Darmstädter Bank —, Effectenbank —.

Berlin, 20 Januar. (Anfcmgscourse). Gredilactien 20.3% Staatsbahn 205% Lombarden 115% Amerik. 97%

Wien, 20. Januar. (Anfangscourse). Greditactien 340.25, Lombarden 197.50, Napoleons 8.65.

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Die Börsenwoche.

Frankfurt, den 18. Januar 1873.

Die Börse stand in der abgelaufenen Woche wieder einmal unter dem Einfluffe von politischen Befürchtungen- Die Auslassungen der „Times", daß England ein weiteres Vorgehen Rußlands in Central-Asien als Kriegsfall betrach­ten würde, wirkten verstauend, die überladene Speculation schritt zu Realisationen, und auch die Baiffe-Partei unter­ließ nicht, ihre Positionen weiter auszudehnen. Die Course mußten sich unter diesen Umständen erhebliche Reductionen gefallen kaffen, während der Markt selbst in Folge des so unverhofft eingetretenen Reinigungsproceffes sich wesentlich günstiger gestaltete. Die ängstlichen Gemütber beruhigten sich bald wieder, indem die Ueberzeugung Platz griff, daß die Politik nur den Vorwand gebildet, in Wirklichkeit aber die eigenthümlich geartete Situation der Börse den Rück­gang hervorgeruscn hatte. Die Medio - Liquidation ließ darüber keinen Zweifel. Anstatt der früheren Geldnoth herrschte die größte Abundanz, und an Stelle des starken Angebots machte sich ein empfindlicher Stückemangel fühlbar. Damit war auch das Signal zur Befferung gegeben. Die Haussiers suchten rasch die aufgegebene Position wieder ein­zunehmen, und die Contremine entschloß sich nothgedrungen zu Deckungskäufen. Das Geschäft gewann an Lebhaftigkeit und Ausdehnung, die Stimmung an größerer Festigkeit. Fast alle Gebiete profitiren von dem plötzlichen Umschwung. Der meisten Beachtung auf speculativem Gebiete erfreuten sich

Staatsbahnactien obwohl die neuesten Daten, welche über das Unternehmen vorliegen, nicht gerade sonderlich er- muthigend erscheinen. Die Mindereinnahmen dauern fort, die vorwöchentliche betrug 146,000 st. Minus, die dies- wöchentliche allerdings wesentlich weniger, 32,000 st. Zu­nächst soll keine Befferung derselben zu erwarten sein. Als Beleg dafür hofft man die jüngste, auch im „Actionär" enthalten gewesene Publication der Staatsbahn - Direction, die Veröffentlichung der Ausweise betreffend, auf. Nach derselben wird die Wocheneinnahme künftighin nur approxi­mativ festgestellt und eine definitive Aufstellung allmonat­lich, und zwar erst nach Ablauf von zwei Monaten statt- sinden. Als Grund dieser Neuerung gibt die Direction die schwierigen Verrechnungen mit den anderen Bahnen an. Die Börse glaubt dagegen darin ein Manöver zu erblicken, um eventuell allzugroße Mindereinnahmen zu maskiren und dieselben erst später an's Tageslicht treten zu laffen. Staats­bahn, von der Berliner Arbitrage in großen Posten aus­genommen, schließen 10 fl. über den Cours am Sonnabend Abend. Auch Credit avancirten gegen denselben um 9 fl. und Lombarden um 6 fl. Dem Geschäft in Banken fehlt immer noch die alte Spannkraft und dürfte es noch längere Zeit dauern, bis dieselbe, wenn überhaupt, wieder zum Vor­schein kommt. In der abgelaufenen Woche waren es nur Specialitäten, welche sich besonderer Beachtung erfreuten, und zwar waren es die älteren Institute, wie Darmstädter, die 14, österreichische Nationalbank, die 16 fl. und Meininger, die 34»/° gewannen. Von den jüngeren Gattungen stiegen Proviuzial-Disconto 5% Frankfurter Bankverein 3, württem- bergische Vereinsbank 4% deutsche Vereinsbank 2% öster­reichisch-deutsche 2| und Hahn'sche Effectenbank l%/o, ferner zogen Amsterdamer \ unb Reichscontinental 4°/« an. Für Eisenbahn - Actien stellte sich im Gegensatz zu: Vorwoche wieder festere Stimmung ein, wenn auch die Umsätze in ziemlich bescheidenen Grenzen blieben. Elisabeth, Galizier und Nordwest waren die beliebtesten Sorten und stiegen je 34 fl-, 3 und 2% Auch Böhmen besserten sich um 2 fl., ebenso Alföld unb Donau-Drau um je 1 fl. Franz-Joseph, Elbthal und Rudolph 4 fl. beffer schließend. Albrecht, Buschtiehrader, Lit. B., unb Raab - Grazer 4 fl. schwächer. Deutsche Sorten, mit Ausnahme von Rhein-Nahe, die 2°/o höher schließen, matter, namentlich junge baierische Ostbahn, hessische Ludwigsbahn, Bexbacher und Oberhessen. Die vom Januar - Coupon erwartete Besserung für Prioritäten läßt bis jetzt noch auf sich warten; die Cour e zeigten diese Woche fast auf der ganzen Linie Neigung zum Weichen, indeß betragen die Differenzen doch nur Bruchtheile. In 3- unb 5°/o Lombarden waren die Umsätze sehr erheblich, und zeigten sich namentlich viele Liebhaber für die 3»/«- Gattung, welche sich stets mehr bei unseren Capitalisten ein­bürgert. Dagegen haben wir von guter Tendenz für Staats­papiere zu berichten, die sich namentlich in steigenden Courscn für 5°/o Württemberger, Badische und Darmstädter aus­drückte Auch 4°/o Nassauer, Kurhessen, Baiern und Badische beliebt. Oesterreichische Renten verkehrten in steigender Ten- d.nz. Ungarn und Italiener fest. Spanier schließen trotz der Verminderung des Couponwerthes auf Pariser Noti­rungen %>/o höher. Russen um Bruchtheile billiger, Türken desgleichen. Auch amerikanische Staatenbonds hielten sich gut int Cours- Stadt Washington - Bonds 1 4% höher. In amerikanischen Prioritäten herrschte etwas regeres, wenn auch auf einige bevorzugte Gattungen begrenztes Geschäft. Von Preisveränderungen constatiren wir eine Befferung von l°/o für Grand Rappids und Oregon; ferner stiegen Lexing- ton 2% Pacific-Missouri 3|, Süd-Missouri 4»/o, wogegen Alabama 1, California-Oregon 1, Rokford 14 und Union- Pacific |»/o schlechter schließen. Von Loosen standen öster­reichische 60er im Vordergrund, da sich für dieselben lebhafte Kauflust bemerklich machte. Sie gewannen !%>/o. Auch 64er waren beliebt unb stiegen l%/o. Ungarn l»/o höher. Sodann waren baierische 100er gefragt und besserten sich um l|°/o. Darmstädter 25er gewannen 2 ft., Schaumburger 14 Thlr., Raab - Grazer 3°/o. Madrider verloren 1 fl. Pfandbriefe fest, aber still. Wechsel ziemlich unverändert. Prima-Disconto unter Banksatz willig anzubringen. Friedrichs- d'or's und Napoleons 4 Kr. niedriger.

ber Beisetzung an ber Seite ber Leiche ihres Gatten in Gebet zuzubringen.

Die Beisetzung der Leiche des verstorbenen Ex­kaisers hat heute Vormittag ftattgefunben. Telegramme aus Chislehurst melden darüber Folgendes:

„Von schönem Wetter begüftigt, hatten sich über 50,000 Zuschauer in Chislehurst eingefunden, um den Obsequien des verstorbenen Kaisers beizuwohnen. Unter denjenigen, die Zutritt in den Garten von Camden-House erhielten, befanden sich fünfzig Pariser Handwerker, die einen riesigen Jmmortellenkranz mit der Inschrift „Souvenir de Paris a Sa Majeste l’Empereur Napoleon III.“, trugen. Um 11 Uhr wurde der Sarg unter deut Vorantrilt eines Priesters, bet ein mächtiges goldenes Crueifix trug, auf bett von acht prächtigen Trauerpferben gezogenen Leichenwagen gehoben. Jebes Haupt entblößte sich, als ber Sarg sichtbar würbe. Der Leichenwagen war mit Jmrnor tellenkränzen, Veilchen unb Cameliensträußen und einer Cammethülle bedeckt, die das kaiserliche Wappen unb bett kaiserlichen Namenszug, in Silber gestickt, zeigte. Die Kaiserin wohnte ber Beisetzungsfeier nicht bet; sie hatte fast die ganze Nacht in Thränen und Gebet neben ber Leiche zugebracht Eine Trieolore, von Pariser Hanbwerkern getragen, eröffnete den Zug. Fast un- mihelbar hinter dem Leichenwagen schritt der kaiserliche Prinz ganz allein, blaß und traurig, aber gefaßt auö- schenb. Dann folgten die Prinzen Jerome Napoleon, Lueian Bonaparte, Charles Bonaparte, Joachim und Achille Murat, Herr Rouher, der Herzog von Gramont, ®raf Palikao, Marschall Canrobert, die Generale de Failly und Fleury, Mitglieder des kaiserlichen Hof­staates, Senatoren des Corps - Legislatif, und viele

andere hervorragende Bonapartisten, ferner ber Lorb mayor von London mit den Sheriffs, Lord Ranelagh, Lord Buckhurst, und zahlreiche Deputationen vom Jn- unb Auslände, darunter eine Deputation italienischer Osficiere in voller Uniform. In der Prozession schritten ungefähr 500 Personen, sämmtlich entblößten Hauptes. Den Schluß derselben bildeten die Equipagen des Kaisers unb ein königl. Hofwagen, in welchem bie Repräsentanten ber Königin unb bes Prinzen von Wales, Oberstkämmerer Viseount Sybney unb Lord Susfielb saßen. Die gewaltige Zuschauermenge ver­hielt sich äußerst ruhig unb ordentlich. Die Prinzes­sinnen der Familie Bonaparte hakten sich vor ber Prozession in einem Privatwagen nach ber Kapelle begeben. Die Leichenfeier in ber Kirche leitete Pater Godbarb unter Assistenz mehrerer Geistlichen. Der kaiserliche Prinz, der im Betstuhl des Kaisers saß, zeigte sich standhaft, bis ber Sarg in die Gruft ge­tragen wurde und die Thüren sich hinter demselben schlossen, worauf er in lautes Schluchzen ausbrach. Unter den lebhaften Acelamationen ber Zuschauermenge kehrte er mit betn Prinzen unb der Prinzessin Jerome Napoleon zu Wagen nach Camden-House zurück. Als im Lause des Nachmittags der kaiserl. Prinz sich von den bonapartistischen Anhängern verabschiedete, riefen letztere in enthusiastischer Weise aus „Es lebe der Kaiser!", ein Ruf, der bis zu der außen befind­lichen Menge drang unb von derselben wiederholt wurde."

Als Zeichen ber Achtung für den dahingeschiedenen Kaiser hatte der Army- u. Navy-Club dessen Mitglied Napoleon war, sowie viele Privathäuser im Westende von London ihre Fensterrouleaux herabgelassen.

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Landwirthschastliches.

Die gelinde Temperatur dieses Winters weckt viele Feinde unserer Felder und Gärten früher aus ihrem Winterschlafe auf, als dies sonst die belebenden Frühlingslüfte thun. Vor einigen Tagen sand ich zu meinem grüßten Erstaunen die sog. Heckenraupe (Li- paris crysorrhoea) in vollem Fräße. Nach der Raupe ves Kohlweißlings ist dieses Thier die schädlichste, ge­fräßigste Raupe unserer Gegend, ein schrecklicher Feind aller Obstpflanzungen, der sich zuerst auf die Blüthen- theile wirft, um erst nach bereu Vernichtung Obst bäume unb Weißbornhecken zu entblättern. Die Heckenraupen überwintern zu Hunberten, kaum 11/2'" lang, in einem Gespinust, welches an einem ober meh­reren Zweigen befestigt ist. Dieses Nest, welches wegen seiner weißen Farbe leicht aufgefunden werden kann, wird bei normaler Temperatur von den Raupen Ende März bis Mitte April verlassen und bald zer­streuen sie sich gänzlich über ihre Futterpflanzen. In diesem Jahre fangen dieselben aber ihr Zerstörungs­werk weit früher als sonst an den stark in der Ent­wicklung vorgeschrittenen Blüthenknospen an, und es ist daher sehr wichtig, mit dem Entraupen der Hecken nicht bis zum Frühjahre zu warten, sondern damit schleunigst zu beginnen. Sind die Raupen einmal dem Neste entschlüpft, so ist deren Vertilgung eine ungleich schwierigere, während das Abschneiden und Verbrennen der Nester im Herbste ober auch noch jetzt das beste Schutzmittel gegen biefe Landplage sein würde. Dr. Kalender,