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Marburg, Donnerstag, den 16. Januar.
Mr. 13
1873
Oberhessische Zeitung,
vämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
Deutsches «eich.
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Und damit endet dieses Abenteuer?" fragte der
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urocr junge, man ’®6at «n Orchester gehört haben,
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Die Schöne gab dm Zettel mit dankbarem Lä-
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>^baß Offenbach in dieser Oper Manches aus Hovens „Ton Juan" gestohlm habe, worauf sie bUr^ bif^e @t6erbc sk'ner Ansicht bei-
Dik Bauerufanger.
Novelle von Ewald August König.
(Fortsetzung.) f ■
„Freund Eduard, Ihr wißt eS, ist ein schüchterner Ingling," fuhr Warndorf fort, „er befindet sich noch m lener Periode, in der man sein höchstes Glück in nner platonischen Liebe finden kann. Er würde nimmer gewagt haben, die schöne Dame anzureden, ste brach bas Eis, indem sie ihn um den Theaterzettel °at. Daß ihre Stimme und ihre Bewegungen' mit 'yrer äußeren Erscheinung nicht so ganz im Einklang Mnden, bemerkte er nicht, er schaute ihr tief in'S n-nkle Auge hinein und überreichte ihr seufzend den
„Ja, damit endet es", erwiederte der Fähnrich aber der Lieutenant schüttelte ablehnend das Haupt
. «^^t einen anderen Schluß", sagte Warndorff, „einen Schluß, den Freund Eduard nicht gelten lassen Will, weil er ihn nicht befriedigt."
„Heraus damit!" gebot der Major.
„Freund Eduard machte in den nächstfolgenden Tagen Fensterparade, aber er konnte hinter den blen- denden Vorhängen den schönen Kopf seiner Juno nicht entdecken Er hingegen blieb nicht unbemerkt. Eines ^.ageS redete ihn der Kammerdiener an, sein maliciöses r.acheln bewies, daß er jenen Blick noch nicht vergeffen hatte. Wenn der Herr Fähnrich am Abend wieder kommen wolle, werde Fräulein Marie seinen Besuch gern empfangen, Vormittags müsse sie die gnädige ^rau Geheimrath und die jungen Damen frisireu. Abends sei die Herrschaft nicht zu Hause, und schwerlich werde Marie an einem der nächsten Abende wieder
Eduard zog seine weißen Glacs Handschuhe an und bot Mit klopfendem Herzen der Dame seine» Arm an. Sie sagte zwar, daß der Kammerdiener sie draußen erwarte, aber sie lehnte die Begleitung nicht ab, und so war Eduard völlig berechtigt, dem Kammerdiener, der in der Vorhalle die junge Schöne erwartete, einen Blick souveräner Verachtung zuzu- schleudern." 8
„Hilf Himmel, ich hätte nimmer geglaubt, daß unser Eduard dem zarten Geschlecht so gefährlich werden könne!" rief der Hauptmann erstaunt. „Donner und Doria, ich hätte Dich sehen mögen in jenem Augenblick." K
■. ,"$'rer Blick soll wahrhaft vernichtend gewesen sein , fuhr W-rndoiff fort, „der Kammerdiener zog sich in seine Nichts durchbohrenden Gefühle zurück- Itolz, wie ein Spanier, führte Eduard seine Göttin hinaus."
r ^Iib? 2^' lieber Freund, wie wenig Ursache habe ich dazu. Freund Eduard gab seiner Dame Strecke das Geleite, sie blieb vor einem hohen schönen Hause stehen und dankte ihm für seinen Schutz. Darauf entschlüpste sie ihm, und ehe Eduard sich ,o weit gefaßt hatte, daß er den kühnen Entschluß fassen konnte, sie zu fragen, wann er sie wieder sehen werde, war sie hinter der Hausthür verschwun- bc". 2L°s er ihr in der stillen Mondnacht zugeflüstert hatte, ist bis zur heutigen Stunde ein Geheimniß ge-
fÄ VS - £,C Hauptfrage für unsere Klein- staaten ist aber gegenwärtig die, ob es sich bestätigen >vud, daß der Reichsmilitäretat so erhöht werden soll S,i rr Soldaten statt seither 225 fortan 257 M"'- Vis jetzt haben die Eonventiouen m,t Preußen eine gewiffe Erleichterung gewahrt, die jedoch mit diesem Jahre aufhört Wenn L A unsere Finanzen 7uf d^.. "vollen Betrag von 225 -t-haler vorbereitet sind, so. würde doch eine Er- wabren ä! für jeden Soldaten einen
wahren Schrecken Hervorrufen. Das Verlangen nach allgemeinen Reichs steuern an Stelle der Matriknla?- Betträge wird daher mit immer größerer Entschiedenheit sich geltend machen - In Weimar steht die Berufung emeSaußerordentlichen Landtags bevor. 9
, 13. Januar. Norddeutsche Blälter
hatten schon vor einiger Zeit von der ungnädigen Ausnahme zu berichten gewußt, welche die Gemeinde- bem S Tk ^sse» bei ihrer jüngsten Audienz bei ? ^bnig Ludwig von Baiern gefunden hatte. Man sprach damals davon, der König habe sich sehr ungehalten über die dem Kronprinzen von Deutschland vorigen Sommer zu Theil gewordenen Ovationen ge- äußert. D,e Sache scheint in der Thai ihre Richtigst zu haben. Wir finden nämlich heute im „Rh.
0116 bestunterrichteter Quelle stam- !U'"b'.M'tthe'lung, der wir Nachstehendes entnehmen. (,s heißt daselbst: „Der König empfing anfänglich die Deputation sehr freundlich, wenn auch in der Form gemessener als es sonst seine Art ist, erst als der Bürgermeister in etwas bombastischer Weise den König der unwandelbaren Treue der hier vertretenen scherte, welche fest und unerschütterlich zum Thron und zum Vaterland stehen wolle, bemerkte der Kömg etwas gereizt: „Ich will das recht gerne glaubeii, aber es wäre doch wünschenswerth, daß statt der Worte Thaten sich zeigen würden." Als der Bürgermeister um Erläuterung dieser königlichen Worte bat, wies König Ludwig auf die übertriebenen Ova- S.“ ' "^che dem preußischen Kronprinzen im
taufe des vergangenen Sommers erwiesen worden und fuhr dann fort: „Man kann nicht ein guter Baier und Preuße zugleich sein. Eines oder das Andere! - Gut baierisch sein schließe allerdings nicht aus, gut deutsch zu denken und zu fühlen, das habe ich und das hat mein ganzes Volk bewiesen. Der
,ouf die Oberhesflsche Zci- 11 tung, erstes Quartal 1873, werden von allen Postanstalten angenommen. Auf »em Lande uehmeu auch die Postboten Bestellungen an.
Schwerin, 12. Jan. Die Gehälter der unter surstiichem Patronate stehenden Gymnasial- und Real- schullehrer sind in der Weise aufgcbessert worden daß nunmehr die Stellen mit 1200 Thlr. 1400 Thlr.' mit 100 ) Thlr. 1200 Thlr., mit 800 und 650 Thlr' 1000 Thlr und mit 500 Thlr. 800 Thlr. betragen. Wie verlautet, sollen auch die Lehrer an den ©lernen tarschulen desselben Patronats nächstens erhöht werden
Aus Thüringen, 12. Jan. Der seit dem 8. in Rudolstadt versammelte Landtag hat sich hauptsächlich mit dem Etat und der Domänenfrage zu beschäf- tigen, über welch letztere die Regierung eine Denkschrift
„Also auch das hat Deine Quelle gehört? Auf Ehre, wenn ich dieser Quelle einmal begegne —"
„Eduard, werde nicht fürchterlich! Also dieses Kopfnicken eimuthigte' unfern Freund und er schritt weiter auf der betretenen Bahn, fällt über jede Nummer sein Urtheil —"
„Wie hätte ich das gekonnt, ich kenne ja keine Notel"
. „Der Neid redet aus Dir!" warf der Fähnrich sparen Sarcasmen könntest Du wenigstens
„Freilich, lieber Junge, man will diesen Seufzer _ Orch.st.. vchörl habe.., von Parterre und Sperrsitz nicht zu reden."
«Donner und Doria, da muß eS ja förmlich ge- knallt haben!" lachte der Major. ' -
Fähnrich zuckte gekränkt die Achseln.
„Theodor übertreibt Alles," sagte er, „mich wnn- nvw, baß er nicht behauptet, die Polizei hat mich °'0er Ruhestörung wegen hinausgewiesen."
-44 b-'ty0' tt,riter M Text!" forderte der Hauptmann
—55 Lieutenant auf.
J . „Seufzmd?" fuhr der Fähnrich aus seinem Sin < °Ul- „Hat Deine zuverlässige Quelle dm Seufzer ; Lkyort
ju ermächtigen. — Der Reichskanzler hat ferner beim Bundesrath beantragt, die von der preußischen Regierung vorgeschlagene Ausdehnung der von letzterer im Oktober erlaffenen Vorschriften über die zollfreie Ein- iuhr von Reis zur Stärkefabrikation auf das deutsche Zollgebiet seine Zustimmung zch-gebm,
Göttingen, 13. Ja». Der hiesige akademische Senat hat eine etwas peinliche Frage zu entscheiden gehabt. In der nächsten Zeit wird Heinrich Ewald sein fünfzigjähriges Doctorjubiläum feiern, und da fragte es sich, in welcher Weise der Senat sich daran beteiligen sollte. Nun ist es hergebrachte Sitte, daß benen, die Mitglieder des Senats sind, bei einer solchen Gelegenheit durch eine aus dem Prorector und den Decanen bestehmde Deputation die Glückwünsche ber Universität persönlich überbracht werden. Aber Ewald ist nicht mehr Mitglied deö Smats, ist im Gegentheil unfreiwillig in Ruhestand gesetzt, und zwar wegen Verweigerung des HuldigungSeideS im Jahre 1866 Was wäre da nun zu thun? Die Frage hat lebhafte Verhandlungen hervorgerufen, indem die Einen den Jubilar haben ehren wollen wie,Einen, der noch im Dienste sei, die Anderen dies aber nicht für thunlichl erachtet haben, da er ja längst außer Dienst gesetzt worden. Doch hat die erstere Partei den Sieg davon getragen, und Ewald wird also seine Glückwünsche bekommen. Bemerkt muß jedoch werden, daß auch entschiedene Anhänger der neuen Ordnung für diesen Beschluß gestimmt haben, und wohl entsprach es ja auch der Humanität, hier die politischen Gegensätze nicht maßgebend sein zu lasim, sondern bloß dessen (iii gedenken, daß Ewald ein namhafter Gelehrter der Universität und ein langjährtzes Mitglied deS-Senats gewesen ist.
•* Berlin, 14. Januar. Die Ordre über die Entlassung des Herrn von Selchow und die Ernen- nmig des Grafen Königsmark zum landwirthschaft- lichen Minister sind gestern vom Könige unterzeichnet und heute bereits dem Abgeordnetenhause mitgetheilt worden. Die Entlassung ist unter Vorbehalt einer künftigen Wiederverwendung erfolgt, ebenso wie schon früher die Entlassung Mühler'S und Lippe's. Hieran ist zu erinnern, weil von verschiedenen Seiten das Gerücht verbreitet wurde, Herr von Selchow werde sofort ein Ober-Präsidium übernehmen. — Durch die Ernennung des Grafen Königsmark ist nun auch Has Ober-Präsidium von Posen vacant geworden. DaS selbe dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach aber am ersten wieder besetzt werden, und zwar ist, wie man hört, ein in letzter Zeit viel genannter Beamter, Herr von Nordenflycht, dafür in Aussicht genommen. Auch über die anderen vacanten Ober-Präsidien dürfte scbon in naher Zukunft eine Entscheidung getroffen werden. — Zn der „Elberfelder Ztg." erzählt ein Correspondent! wieder Langes und Breites über den angeblichen Gegensatz zwischen dem Reichskanzler und dem Grafen Eulenburg; letzterer sei nur durch den Reichskanzler verhindert worden, sich in den Besitz des von ihm erstrebten Minister-Präsidiums zu setzen. ES lohnt sich nicht der Mühe, bitfg Mitteilungen ausführlich zu widerlegen. $)iefelbeiFentftammen offenbar der gleichen Quelle, wie die vor eiMgen Tagen von hier signalistr- ien Enthüllungen der „Kölnischen Ztg.", wenn sie auch dort ein wenig drastischer auSgeführt sind. Es genügt das wohl, um ihren ganzen Anspruch Glaubwürdigkeit vollständig zu charakterisiren. — Handelsminister hat den Eisenbahn - Directionen allgemeine Bestiminungen über die Beschäftigungen zur Nachachtung mitgetheilt, mit der Ermächtigung, bei eintrctendem Bedürfniß nach Maßgabe derselben zu verfahren. — Die russische Regierung hat sich bereit "klärt, auf Grundlage ber bereits abgeschlossenen Vermöge mit Deutschland einen Schifffahrtsvertrag abzu- schließen. Der Reichskanzler hat deshalb beim Bundes- ratbe beantragt, ihn zur Verhandlung über einen solchen
. "Die Schöne gab den Zettel mit dankbarem Lä- W r* ^rück. Eduard faßte sich ein Herz und bemerkte
„Das beweist nicht, daß Du es nicht gethan hast heutzutage hält sich sogar ein Schusterlehrliitg berechtigt , eine Oper zu critisiren. Wenn Du das bezweifelst, so wirf einen Blick in die Zeitungen und forsche der Naturgeschichte der Rezensionen nach. Hört y...... . weiter. Die Schöne schwieg, aber durch Blicke und l blieben Geberden bekundete sie ihren Beifall, Freund Eduard „U.„ tnDfI oiqe ftwebte im siebenten Hunmel. Der Vorhang fiel, Hauptmann erwartungsvoll.