Marburg, Mittwoch, den 15. Januar.
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1873
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seinen Auffasiungen umzugestalten. ES werden deshalb demnächst die drei liberalen Minister, unter ihnen Graf Eulenburg, ihre Entlassung nehmen. Die ganze Nachricht beruht auf Eifindung. Es ist niemals von solchen Bedingungen die Rede, sondern stets an allen betheiligten Stellen durchaus zweifellos gew sen, daß daS Ministerium in seinem jetzigen Bestände erhalten werden solle. — Die Wahl des CultuSministers zum Reichstagsabgeordneten für Bunzlau, welche mit allen gegen eine Stimme erfolgt ist, darf als ein Ereigniß von bedeutender Tragweite angesehen werden; sie be^ weist die Einmüthigkeit aller Konservativen und Liberalen in Bezug auf die Kirchenpolitik der Regierung. Der „Kreuzztg." paßt daS freilich schlecht, da sie er Tlärt hatte, Dr. Falk sei nur für die Liberalen ein annehmbarer Candidat. Hoffentlich wird der Borgang >n Bunzlau das ultraconservative Blatt ein wenig ernüchtern und ihm begreiflich machen, wie daS Land von ihm denkt. — lieber die in der Presse vielfach discutirte Frage, ob der hiesige Hof wegen Ableben Napoleons III. Trauer anlegen wirb, schweben augenblicklich »och BerhandluiDien zwischen der StaatSre- gierung und Sr. MajeM dem König.
— Bon Seiten desMrswärtigen Amtes ist soeben ein neues Berzeichniß der zur Zeit bestehenden Kaiser lich deutschen Consulate herausgegeben worden. Als vor einem Jahre die erste derartige Zusammenstellung erschien, war die Einrichtung des deutschen Consulats- wesens bereits im Wesentlichen vollendet. Jndeß ein so vielgestaltiger Organismus, wie unsere Consulats Einrichtung erleidet fortgesetzt Acnderungeu, welche zur allgemeinen Kenntniß zu bringen um so nothwendiger erscheint, je reger die Beziehungen der Inlandes zum Auslande werden, und je größer daher das Interesse des Publikums wie der Behörden ist, die Organe zu kennen, an welche sie sich in ihren Angelegenheiten zu wenden haben. Eine Vergleichung des diesjährigen mit dem vorjährigen Berzeichniß läßt ersehen, daß die Zahl der Conmlarämter im Laufe deS letzten Jahres um ungefähr 50 vermehrt worden ist; sie beträgt jetzt in runder Summe 600; die Zahl der besoldeten Aemter ist gegenwärtig 38; eS fungiren bei denselben fast 150 Beamte.
Rudolstadt, 8 Januar. Heute ist der Land-
DkutschrS Strich.
•• Berlin, 13.,Januar. Die Dauer der Land- tagSsession wird in parlameittarischen Kreisen sehr »«schieden berechnet. Daß die Sitzung, sollte auch Alles nicht so glatt abgehen, dennoch noch geraume Zeit erfordern wird, unterliegt keine» Zweifel. Zu nächst ist der Staatshaushalt und im Anschluß an denselben eine Reihe wichttger Finauzgesetze zu erledige». Von diesen werden die Vorlagen, welche die Steuerreform, die Errichtung von Provinzialfonds «ud die Miethentschävigungen für Beamte betreffen, augenblicklich noch in den Commissionen berathen, die Budgetforverung für Eisenbahnen ist bis jetzt über Haupt noch nicht auf die Tagesordnung gekommen Hieran schließen sich alsdann die Seitens deS Cultus- mimsterS eingebrachten Entwürfe, bei denen man sich auf einen zähen Widerstand der Ultramontanen gefaßt machen muß, und deren formelle Behandlung außerdem nothgedrungen eine bedeutende Verzögerung veranlassen wird. Um alle umstürzlichen Berufungen auf den Artikel 15 der Verfassung unmöglich zu wache», läßt die Staatsregierung dieselben bekanntlich «IS Verfassungsänderungen behandeln; hierdurch ist eine zweimalige Brrathung beider Häuser mit einem Lltägigen Zwischenraum erforderlich geworden. Es scheint so fast unmöglich, alle diese Aufgaben noch diS Ostern zu bewältigen, und ist deshalb bereits die Frage aufgeworfen, ob eS sich nicht mit Rücksicht auf den Reichstag empfehlen würde, dieselben Maßregeln zu treffen wie im hörigen Jahre. Irgend welche defi niriven Vorschläge sind übrigens noch von keiner Seite in dieser Beziehung gemacht. Jedenfalls erklärt et sich auS dieser Situation ganz von selbst, daß man von. der Civilehe für diese Session Abstand genommen und aUch Fürst Bismarck hierfür gestimmt har, wie nochmals, anderen Personen gegenüber, versichert werben soll. — „Daily News" lassen sich auS Berlin telegraphiren, Ministerpräsident v. Roon habe bei seiner Amtsübernahme die Bedingung gestellt und such die Vollmacht erhalten, das Ministerium nach
tag durch den Ministerpräsidenten v. Berirab eröffnet worden. Unter der großen Anzahl von Vorlagen, welche demselben zugegangen find, nimmt der Etat für die nächste Finanzperiode, ein neues Einkommensteuer» gcsctz und eine Denkschrift über die Domänenfrage das Interesse am meisten in Anspruch.
Darmstadt, 10. Januar. Die Kronprinzesfitt des deutschen Reichs ist soeben zu einem kurzen Besuche am hiesigen Hofe hier eingetroffen. — Die Abgeordnetenkammer ist nunmehr auf den 20. Januar einberufen worden.
Srüruü-rg, 13. Januar. Nach Meldung des „Nbg. Korr." ist die Frage der Verlegung der Aschaffenburger Forstschule nach München bezw. der Vereinigung dieser Anstalt mit der Münchener polytechnischen HoLschule, und zwar noch in diesem Jahre, bejahend entschieden. Statt der Forstschule erhält Aschaffenburg eine Industrieschule.
Ausland,
Wie», 10. Jan. ES ist selbstverständlich, daß an der neuerdings in verschiedenen Blättern aufgetauchten Nachricht kein wahres Wort ist, Kaiser Franz Joseph habe durch ein eigenhändiges Schreiben an den deutschen Kaiser den etwaigen üblen Eindruck verwischen wollen, den die Gramom'fchen Enthüllungen in Berlin hätten erzeugen können. Derlei Erfindungen richten sich selbst. Wahr dagegen ist, daß Herr ThierS hier sein tiefstes Bedauern hat auSdrücken laffen ob der JndiScretionen eine« ehemaligen französischen Mi nifters der auswärtigen Angelegenheiten. Und dazu hatte er auch von seinem Standpunkte auS vollsten Grund. Was aber Deutschland und Oesterreich anbe- trifft, so war bei der offenkundigen Politik deS Grafen Anvrassy, welche ihre Spitze in einem engen Zusammengehen beider Reiche findet, jede officieüe Kundgebung, welcher Art immer, durchaus über flüssig. Diese Seite der Andrassy'schen Politik wirkt eben so auch zurück auf die cisleithanischni Zustände, da einem guten Einvernehmen mit Deutschland nach Außen auch eine Zufriedenstellung des deutschen Elements nach Innen parallel laufen muß. Diese Erwägung ist gerade vom Grafen Andrassy dem Kaiser in der einschneidenden Frage der Wahlreform und ihrer Ausdehnung auf Galizien nahe gelegt worden. In dieser
°uf die Dberhesfische Sei» eOVjllUllllljt II tung, erste«Quartal 1873, werden von allen Postanstalten angenommen. Auf lew Laude nehmen auch die Postboten Bestellungen an.
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Die Bauernfänger.
Novelle von Ewald August König. >.- (Fortsetzung.)
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Liebrecht schob die Papiere in sein Portefeuille und 1 legte die Siegelabdrücke hinzu.
„Und wenn, ich das erreicht habe?" fragte er.
„Dann werden Sie mich einführen."
Ludrecht blickte überrascht den Baron an.
„DaS ist Alles?" . . . .
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„Vorläufig — ja." >- ■> Hl{e- W
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»Sie denken, e« fei je viel einfacher und kürzer, wenn ich mich durch den Oberst vorstellen ließe und selbst die Abdrücke benutzte, um —"
„Allerdings!"
»Ich könnte eS, ich hätte eS schon längst gekonnt, serr ich habe meine Gründe dafür, daß ich den Um *tg wählte."
»Darf ich diese Gründe wissen?"
„Wozu? Es find Privatangelegenheiten, welche sich vergangene Ereignisse stützen. Und an diese letz «ttn bin ich nicht gern erinnert."
sind also nicht Angelegenheiten unserer Ge- lEschaft?" forschte Liebrecht.
_ und nein. Die Auslagen, welche gemacht «rden, um diesen Zweck zu erreichen, soll Barnitz er- Wn, vielleicht auch noch größere Opfer bringen, die autunft wird es lehren. Bemerken Sie sich übrigen«, aB, sobald Sie mich eingesührt haben, Ihre Rolle ^ullch zu Ende ist, vor alle» Dingen hüten Sie sich, vertrauliche Annäherung an Fräulein von Barnitz
.„Seien Sie ohne Sorgen. Wenn Sie selbst , werde ich Ihnen nichts den Weg
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sage ich nicht, halten Sie sich streng an
meine Worte und ergehen Sie sich nicht in Vermu- thungen. Sehen Sie dort die beiden jungen, elegant gekleideten Herren, die mit dem Kürassier-Offizier plaudern?"
„J°."
„Es sind Mitglieder unserer Gesellschaft, der Offizier ist ein sehr reicher Graf, seine Börse wird morgen früh sehr leicht geworden sein. Und nun kommen Sie, morgen Abend erwarte ich Sie hier, um zu erfahren, ob und welche Fortschritte Sie gemacht haben."
Der Oberst von Hom empfing die beiden Edelleute sehr höflich, der Baron von Menkstern empfahl ihm seinen Freund und bat ihn, sich seiner anzunehmen, da der Freiherr von Wittgenstein fremd sei und er leider diesen Abend ihm nicht widmen könne.
Der Oberst erwiedene daraus, daß er feine Abende im Militär Casino verbringe und es ihm sehr angenehm fein werde, wenn der Freiherr ihm dort Gesellschaft leisten wolle„ welche Einladung der letztere mit einigen Worten deS Dankes annahm. '
Der Baron von Menkstern entfernte sich; der Oberst knüpfte mit dem Freiherrn eine Unterhaltung über Zweck und Ziel seiner Reise und andere nahe liegende Fragen an und forderte ihn endlich, nachdem er seine Uhr zu Rathe gezogen, auf, ihn zu begleiten.
Der Major von Barnitz saß schon seit einer Stunde im Casino hinter der Weinflasche.
Der Hauptmann von Eberbach, da« getreue Cottter- fei des etilen Ritters von Manchs, der Premier-Lieutenant von Warndorf, dessen schlanker Wuchs und intelligentes Gesicht schon manche Dame bezaubert hatten, und der Fähnrich v. Schack, eine schmächtige Gestalt, leisteten ihm Gesellschaft.
„Ja, ja, die Frauen!" sagte der Hauptmann, bedenklich daS Haupt wiegend. „Wenn ich Alles vor
ausgewußt hätte — na, geschehene Dinge lassen sich nicht ändern!"
Der Major nickte, der Premier-Lieutenant blickte sinnend in sein Glas.
„ES ist mir auch schon oft so ergangen," fuhr der Hauptmann nach einer Pause fort, „wenn die- gnädige Frau ihre Visite hielt, mußte ich daS Feld räumen, oa gab’« hundert Gründe und Vorwände, die man nicht bekämpfen konnte. Traurige Wirthschaft!"
„Im Grunde kann man'« ja den Damen nicht so sehr Übelnehmen," warf der Lieutenant entschuldigend ein, „es ist ja das einzige Vergnügen, welches sie haben."
„Und welches Vergnügen," erwiderte der Haupt-' mann, „da wird geschwätzt über die Mode, Mägde, Burschen —"
„Lieber Himmel, wenn'S dabei allein bliebe!* unterbrach der Major ihn. „Aber auch übet unS fallen Sie her, alle unsere Handlungen und Gewohnheiten werden der Kritik unterworfen und verurtheist und nachher muß man'« mit eigenen Ohren hören, wie grundschlecht mott ist."
„Und dennoch!" seufzte der Fähnrich der, daS femmelblonbe Haupt auf die Hand gestützt, aus seinen wafierblauen Augen wehmüthig vor fick hin blickte.
„Dennoch möchten Sie mit vollen Segeln in diesen reizenden Hasen hineinsteuern!" lachte »er Hauptmann. „Armer Eduard, Sie laboriren wie e« mir scheint, an einer unglücklichen Liebe."
„Umgekehrt, die Liebe laborirt an ihm," erwiderte der Lteutenant, „er sucht Liebe unv findet sie nicht."
„Spötter!" sagte der Fähnrich vorwurfsvoll.
„Eouardl" fuhr Warnvorff scherzhaft drohend fort. „Glaubst Du, Deine Theatergeschichte sei mir unbekannt?"
Eine jähe Röthe überzog das bleiche Gesicht des