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nähme 60103 Millionen ansetzt, mit großer Stimmen-? Mehrheit genehmigt und ist dann in die WeihnachtS- ferien gegangen, um sich am 22. Januar wieder ein zufinden. - H

TeutschrS Strich.;

Berlin, 10. Jan. In der gestrige» Abendsihustg der Sieuerkommission kam eö nach rinee mehiMnoigen DiScu sion zu der Abstimmung über dir? für die ganze Sleucrvoriage entscheidenden Paragraphen. D<it Rück sicht aus dle in der vorletzten Sitzung abgegebenen Erklärungen deS Finaazministers, welcher auch der gestrigen Sitzung der Commission beiwohnte, waren dir bisherigen die CoutingenlirungSfcage betreffenden Anträge zurückgezogen und lag heute nur noch der Antrag vor: „Der Normalbetrag der jährlich zu er hebenden Klassensiener mied auf 10,800,000 Thlr. sestgestellt. Tie Veranlagung erfolgt ohne Rücksicht hierauf nach den allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen Ter Finanzminister veröffentlicht alljährlich bis znm 1. Februar durch die Gesetzsammlung das Ergebniß dieser Veranlagung. Ei gibt sich hiernach ein die ge­nannte Summe übersteigender Betrag, so sind von den veranlagten Steuerbrträgen nur soviel Hundertstel zu entrichten, wie nach Maßerabe der Veranlagungl zur Erfüllung des Nvrmalbeirages erforderlich sind. Dieser Nachlaß tritt bei der letzten bezw. den letzten Monatsraten ein-, sofern ihn nicht der Finanzminister schon bei den vorhcrsälligen Monatsraten stitthaben läßt. — Bleibt das Ergebmß der Veranlagung hinter dem Nvrmalbelrage zurück, so kann curch Königliche Ver­ordnung, welche in der Gesetzsammlung zu veröffentlichen ist, die Erhebung von sc viel Hunderistel über den ver­anlagten Betrag hinaus verfügt werden, wie zur Er-.- reichung des Normalbetrages nach Maßgabe ker Veran lagung erforderlich sind. In dieser Verordnung ist mich Bestimmung darüber zutrefsen, mit welchen Monatsraten der Zuschlag zu erheben ist. Der Abg. Graf von Wintzingerode schloß sich im Wesentlichen diesem An trage an, stellte jedoch den Unterantrag, die Summe, auf welche die Klassensteuer fixirl werden foH* auf 11,400000 Thlr. festzusetzen und dieselbe, um den: natürlichen Zuwachs, welchen die Steuer bisher er­fahren, zu berücksichtigen, jährlich um '/2 Procent zu erhöhen. Der Finairzminister wiederholte auch die Erklärung, daß die Slaalsregierung zwar nach wie vor kein Bedürfniß der Comiageniirnng bei dieser? Gelegenheit anerkennen könne, daß er persönlich indeß im Allgemeinen kein Bedenken gegen den heute vor­liegenden Antrag habe. Wünschen muffe er jedoch, daß der zu fixirende Klassensteueibetrag etwas höher angenommen und dem Anträge Wintzingerode ent sprechend ein jährlicher Zuwachs hinzugetügt werde. Bei her Abstimmung wurde bas Unteramendemeiit des Abg. v. Wintzingerode abgelehnt, der oben mitgetheilte Haupt antrag im Ganzen mit 11 gegen 8 Stimmen angenommen Bei der darauf folgenden Abstimmung über die'Klassen steuer Skala wurde, nachdem mehrere Amendements zurückgezogen, der Antrag b. Bodelschwingh und eben­so der Antrag Zuckielwerdt welcher die unterste Stufe 160 Thlr. bis 220 Thlr. Einkommen mit 1 Thlr. Steuer jährlich vorschlägt, abgelehnt, der Antrag da

gcfleit, 140 bis 220 Thlr, mit 1 Thlr., 230 6i6 3^01 Thlr. mit 2 Thlr., 300 bis 350 Thlr. uiitT Thlr. rc -u besteuern, mit großer Majorität angenommen | Nach dieser Abstimmung erscheint eine Einigung über daS wichtige Steuer, esormgesetz nicht mehr zweifelhaft.

6«3- Fürst Bismarck ist heule mit seinem jüngsten Sohne zu einem mehrtägigen Aufenthalte nach seinen lauenburgischen Besitzungen abgererft

Homburg, 9. Januar. In der heute iHch- ntktlag adgehalnnen Generalversammlung der Acticßäre ter hiesigen KurhauS-Pachtgejellschast wurde daS An gebot der Stabt auf Cie noch im Besitz der Gesell­schaft befindlichen Objecte des Kur Etablissements zu 300,000 st. zurückgewiesen, dagegen daS Angebot aus sämmtliche Pflanzen eiuschließlich der Orangerie und auf sämmtliche zu den im Besitz der Stadt befind sichen Bauten und Plätzen gehörige Mobilien 72,500 ft. genehmigt, wozu noch der für Musikalien und In-' nrumente, sowie sür Brunnengeräihschaften-besonders vereinbarte Betrag von 7500 fl kommt. 62,000 fl Remunerationen wurden sür Beamte und Bedienstete

Sterbebett. 91(6 das eine Zeit lang geschwundene Bewußtsein momentan wieberkehrte, sprach der Kaiser zweimal leise zur Kaiserin. Der Tod trat plötzlich ein, anscheinend schmerzlos-, und wurde sür eine Olin macht gehalten. Der kaiserliche Prinz trat erst nach Dem Ableben des? Kaisers eip. Tie Leichenseclioii findet wahrscheinlüh heute statt. Die vorläufige Bei- letzung erfolgt in der Marienkirche.

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Kassel, 9. Jan. In Betreff der Bekanntmachung der Directiou der. LanceS-Credltkasse wonach dieselbe nunmehr gleichzeitig zwei Serien ihrer Seitens des Inhabers unkündbaren, verlvosbaren Schnldverschrei- vungen, jede über eine Million Thaler lautend, die eine zu 4, die andere zu 4*/2 Procent verzinslich, zur Ausgabe -bringen wils, schreibt. Has hiesige „Tage­blatt", sind wir durch verschiedene Anfragen zur Ein­ziehung näherem Erkundigung veranlaßt, in Folge deren wir überdie Ursachen und Absichten jener Maß­regel unseren Llsern Folgendes Mtheiten können. Die Ausleihungen aus der Landes Creditkafse, die schon

bewilligt. Die Stadt ist nun in der Lage, den (Betrieb1 sämmtlicher Kur - Etablissements ungestört sottzu führen, da für Thebter, Casäs und Bäder ander weitiae entsprechende Localitäteu zur Disposition stehen.

Darmstadt, 10- Jan. Die „Darmst. Zeitung' public,rt die Grunbzüge der neuen landständischen Ge schäflsordnung, welche dem am 15. d zusammentre lenden Landlage vorgelegt werben soll. Dieselbe er- weitert wesentlich Die Selbständigkeit der Kammer unc läßt einen beschleunigteren Geschäftsgang wie die Be ralhnng von Regierirngsvorlagen und Anträgen ohne Verweisung an die Ausschüsse zu.

Ausland. -

Wien, 10. Jan. Die „Presse"- erfährt > daß Thiels den französischen Boischaftercheim österreichische,' Hose, Marquis de Baiineville, beauftragt habe, dem Grafen Andrässy das tiefe Bedauern der französischen Regierung über den Gramonl'schen Jncidenzfall auö zuvaücken.

Bern, 10. Jan. Der Bundesrath dementirt offi ciell die Gerüchte, wonach die Tirection der Gott hardbahn beabsichtige, dir Linie Bellinzona-Magadino Piuo aufzugeben;'dieselbe soll vielmehr zweispurig an gelegt werden, wozv im Vertrage keine Verpflichtung ausgeiprochen ist. '

Paris, 9. Januar. Sei der Nachricht voll dem- Tode Napoleons, welche Rouher zuerst in Versailles erhielt, verließen die bonapartistifchen Abgeordneten sogleich- die Kammer.' Paris ist vollkommen ruhig. Man versichert, daß Napoleon unmittelbar vor der Operation ein neues für die Oiffeinlichkeit bestimmtes politisches Testament gemacht habe. — Der Schluß- der heutigen Sitzung verlief sehr stürmisch. Gambetta, von Mgol Wege« seiner Stellung zur Commune in lerpellirl, nannte diesen einen unverbefferlichen Ver sorger des Parquets alias Denuncianien- Dupanloup wurde ebenfalls oft unterbrochen.

London, 10. Jan. Napoleons Ableben erregt! Hierselbst allgemeines Bedauern. Fast alle Morgen- zeitungen bringen Artikel wärmster Theilnahme. Die Kaiserin und der kaiserliche Haushalt umflanven das

im Jahre 1871 .sehr beträchtlich waren, haben im Jahre 1872 eine weitere unerwartet große Steigerung erlangt. Im Jahre 1871 wurden überhaupt in 633 Posten 915,789 Thlr., im Jahre 1872 dagegen in 1046 Posten 1,933,817 Thlr. au-geliehen. Von letzterer Summe entlallen auf 645 kleinere kündbare Baardarlehen 186,667 Thlr., auf 401 größere, mittelst unkündbarer Obligationen gewährte, uickündbare Dar­lehen 1,747,150 Thlr., und zwar wird diese letztere Summe gebildet durch 878,300 Thlr., welche zu 5 Procent in 4t/sprocentigen Obligationen der Serie II, und 868/350 Thaler / welche zu 4>/r Procent in 4- proceniigen Obligationen der Serie III auSgeliehe» wurden. Von der letzteren Serie kamen schon in den ersten Tagen dieses Monats weitere ca. 60.000 Thlr. zur Ausleihung. Die Möglichkeit, diese Ausleihungen zu bereit kn, wird durch den Absatz der dazu zu ver­wende,tdeir unkündbaren Landes Creditkassen-Ooligatio- uen bedingt.' Der Absatz der 4i/2ptccentigen Obli­gationen der Serie II, welche ja fortwährend mit Agio gehandelt werden, vollzog sich im vorigen Jahre so rasch und leicht, daß die Auszahlung der bewilligten Darlehen kaum gleichen Schrill halten konnte. Auch oer Absatz der 4procetttigen Obligationen der dritten Serie hat bisher zu dem für die Erborger günstigen Course von ca. 94 Procent staltgefundeu, welcher den-' selben bei 4Vsproce»tiger Verzinsung des Darlehen« das Geld erheblich billiger stellt, als wenn sie von dem Nominalbetrag 5 Procent zu zahlen gehabt hätten. Auch besteht schon heute kaum ein Zweifel, daß der Rest der dritten Serie ungefähr zu dem seitherigen Comse Abnahme finden wird. Allein aus den bei der Landes- Credilkasse eingehenden Darlehensgesucheu und den all­gemeinen Verkehrsverhältnissen ergibt sich, daß das Bedürfniß, Geld auf Hypotheken zu erlangen, in großem Umfange sortbesteht. 'Nach dermaliger Lage des Geld­marktes , natnemlich nach der seil der französischen Milliarden Anleihe eing tretenen Aenderung der Bötsen- verhäi misse, muß es zweifethafl erscheinen, ob eS, falls int Jahr 1873 etwa abermals nahezu zwei Millionen Thaler an Darlehen zur Reatisirung kommen sollten,

wider, als eine Dametiversammlung unter dem Vor sitz seiner Gemahlin. Er hatte nur ein einziges Mal, durch Umstände dazu gezwungen und auch, weil Frau, v. Barnitz cs wünschte, an einem solchen sogenannten „Theekränzchen" thetlgenommen, an jenem Abend aber sich zugeschreoren, daß es das erfte‘,unb letzte Mal gewesen'sein solle. Und Frau v. Barnitz wünschte and) seit diesem Abend seine Theilnahme nicht mehr.

Sie hatte vorgehabt, ihm die heutige Visite zu verheimlichen, weil sie entschlossen war, bei derselben die Zukunft ihrer Tochter zur -Sprache zu bringen, und sie voraussehen mußte, daß der Major seine bei­ßenden Bemerkungen über den Rath „der guten -Freun binnen und' schwatzhaften Klatschbasen" nicht sparen merde, wenn sie am nächsten Morgen, eben durch diesen Rath in ihren Ansichten bestärkt , ans jenes Thema zurückkam.

Nun hatte Johann sie dennoch verrathen und Frau v. Barnitz nahm ihm das sehr übel.

Hermine konnte sich eben so wenig wie ihr Vater mit diesen „Kränzchen^ befreunden, sie war nicht eitel, putzsüchtig und schwatzlustig genug, um an ihnen Ge, fallen zu finden.

Eine schlichte, harmlose Natur, mit einem tiefen, weichen Gemüth, einem offenen Verstände und einem edlen Herzen mußte ihr das Vergnügen an der Chronique scandaleuse und das Bestreben, über die Verhältnisse und Handlungen anderer Personen ein scharfes, mitunter boshaftes Unheil zu' fällen, wider­lich und verhaßt sein)- aber sie durfte der Mutter wegen ihre Theilnahme nicht oerweigern.

Und dann erforderte eS ja auch der gute Ton, daß die Tochter des HausrS den Thee servirte und

aus den sehr interessanten Gesprächen der älteren Damen Erfahrungen und gute Lehren sammelte.

Sie saß auch heute hinter der silbernen Thecma- schine und der bläuliche Schein der SpirituSfl.imme ließ ihr schönes, seines Antlitz mit der hohen Stirn und den großen dunkleU Augen bleicher erscheinen, als eS in Wirklichkeit war.

Ihre Hände waren emsig mit einer Häkelarbeit beschäftigt und diese Arbeit gab ihr eine willkommene. Gelegenheit ihre Aufmerkfamkett mehr dieser, als dem Gespräch widmen zu dürfen.

Ein Seufzer der Kammergerichts-Präsidentin schreckte- sie aus ihrem Sinnen auf.

„Es ist erschrecklich I Und diePolizei hat tie Thäter noch immer nicht entdeckt!" il;.

„Ah — Stc reden von dem Raubmord?" erreiferte fie Frau Polizeibnectorin spitzig. „Nun, sie können doch auch »zcht von der Polizeibehörde verlangen, daß sie allwissend sein soll."

„Von einem Raubmord?" fragte Hermine bestürzt.

„Und davon wissen Sie gar nichts, liebe# Kind?' entgegnete die Präsidentin überrascht.

„Hermine lebt still für sich," bemerkte Frau von Barnitz entschuldigend, „sie bildet sich ihre eigene Welt und kümmert sich um daS, was um sie vorgeht, unk iwiefern, als cs sie selbst betrifft "

Die Präsidentin schüttelte mißbilligend ihr etfiged , Haupt und die Fräü Oberst konnte die Bemerkung nicht Unterlässen, baß diesi Gleichgültigkeit gegen die Außenwelt, in der und mit der man lebe, ihr unbe arrulich fti. , - - - ' r

- „Also Sie wissen davon nichts?" fuhr die Prä

sidentin in mütterlich wohlwollendem Tone fort. „Wik glücklich sind Sie zu preisen, meine Siebe."

„Glücklich?" fragte H rmine erstaunt.

„Ja, ja, die Angst, daß Ihnen dasselbe begegnen könne, drängt sich Ihnen nicht auf, diese Angst, die meine Seele- feit diesim Verbrechen foltert."

Die Frau Polizei - Direktorin lächelte ironisch, während andere Damen die silbernen Löffelchen klirre« ließen, als ob sie durch dieses Geräusch daS Gespenst der Furcht verscheuchen wollten.

-'N „Sie wissen also nicht, daß hie russische Gtäfi« von Padkewitsch in ihrem Bette ermordet worden ist? O, Sie Glückliche! Im Schlaf hat der Mörvn sie erdrosselt und sämmtliche Juwelen geraubt. Und das ist in einem Privathause geschehen, in welcher« die unglückliche Gräfin einige Zimmer bewohnte!"

„Emwtzlich!" sagte Hermine. „Und die Mörder sind noch niebt entdeckt?" --

„Meine Liebe, das ist noch nicht Alles", nahm die Präsidentin mit wichtiger Miene wieder daS Wort „In dem letzten halben Jahre sind dieser Raubmord« mehrere verübt worden, alle in derselben Weise mit derselben Sicherheit und derselben Straflosigkeit"

Bei den letzten Worten, die sie mit gehobener Stimme sprach, warf sie der Frau Polizeidirecioril einen Blick zu, der darauf berechnet zu sein schien dieser würdigen Dame die Galle änS Blut zu treibe«

„Und was das Entsetzlichste ist, der Mörder schein es nur auf unS, ans die Damen abgesehen zu haben' fuhr die Präsidentin fort, „und ich wiederhole Ihne«, « verübt seine Verbrechen mit einer Sicherheit, die keinem Zweifel unterwerfen, daß er in den Wohnung«* seiner Opfer sehr genau bekannt sein muß." (Frts-H