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Marburg, Sonntag, -en 12. Januar

1873

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"Ui We Lberhesfische 8et- iOVftt UllHfl* 11 tuitg, erstes Quartal 1873, Wer»cn von allen Postaustaitcn angenommen. Auf »em Laude nehmen auch die Postbote» Bestellungen an.

iich wird die Regierung, welche den General MorioneS als Oberbefehlshaber »ach Navarra und dem Basken lande geschickt hat, mit aller Energie dem unsinnigen Treiben endlich ein Ziel setzen. Auch ist der Minister des Innern beauftragt worden, ein Gesetz über die öffentliche Ordnung auszuarbeiten, mit besten Hülfe es leicht werbe, Ruhestörungen zu unterdrücken.

Die portugiesische Landesveriretung ist am 2. ds. mit einer Thronrede eröffnet woreen, welche der Finanzresorme» und der Zunahme deS Wohlstandes gedenkt. Die Präsidentenwahlen in beiden Kammern

Johann war schon damals, al« der Major noch den Degen trug, sein Bursche gewesen und in diesem Dienstverhältnisse auch nach Ablauf seiner Dienstzeit

Wollte gehorsamst fragen, ob der Herr Oberst Wachtmeister heute auszureiten gedenken?"

Bei diesem Hundewetter?" erwiderte der Major, einen Blick hinaus werfend. '

Nebel, Herr Oberst Wachtmeister, nur Nebel!"

Jawohl, Nebel, der bi« auf die Knochen durch­dringt."

Der Herr Oberst-Wachtmeister haben schon so oft in solchem nebeligen Wetter bivouakirt und deßhalb keinen Schaden an der Gesundheit gelitten."

Schcckichwerenoth, saft scheint eS mir, als ob Du mich hinaustreiben wolltest!" erwiederte der Ma­jor, die Gürteltroddel deS DchlafrockS fester bindend. Weißt Du denn so genau, daß ein solcher Ritt meiner Gesundheit nur zuträglich sein kann?*

Die gnädige Frau

Ah die hat sich hinter Dich gesteckt? Ra, nur heraus mit der Sprache!" ,

Johann war verwirrt, er hatte sich verrathen und besaß nicht die Geistesgegenwart, seinen Worten sofort eine andere Deutung zu geben.

Also die gnädige Frau möchte gern da« Feld hier frei haben he?"

Herr Oberst Wachtmeister, zu Befehl!"

Der Major blickte dem Burschen lange in. das verlegene, verdrießliche Gesicht, dann lachte er hell und lustig auf.Na, dann wird sie auch ihre Gründe dafür haben?" meinte er.

Natürlich, aber ich kenne sie nicht."

Holla, der Ton, in welchem Du daS sagst, ver- räth Dich, Johan», wer hat Dich engagirt?"

Der Herr Obcrstwachmeister!" entgegnete Johann

Politische Wochen-Ueberficht.

Im preußischen Abgeordnetenhause hat CultuS- Minister Dr. Falk nunmehr die schoiz. länger erwarteten Gesetzentwürfe eingebracht, die man als einen wirk samen Damm gegen die hierarchisch-ultramontanen Be­strebungen ansehen darf. Gleichzeitig hat auch der Ministerpräsident Roon im Abgeordnetenhause über seine neue Stellung eine offene Darlegung abgegeben. ES ist anzunehmen, daß dieselbe zur vollständigen Klärung der Verhältnisse und Beseitigung der Zweifel, beiträgt, Gras Roon erstrebe eine rückgängige Bewegung m der Leitung der Staatsgeschäfte. Die Rede deS Ministerpräsidenten fand den Beifall de« Hauses. In Würtcmberg hat die Kammer der Abgeordneten' am 4. d. M. mit 67 gegen 6 Stimmen einen Antrag auf Verleihung deS parlamentarischen Jnitiativrechts beschlossen. Und an demselben Tage beschloß die deutsche Partei" in Ulm eine öffentlicheErklärung" zu Gunsten einer weiteren Fortbildung der deutschen RechtSciuhrit. Die seit November an den betreffenden deutschen Grenzen geübten Repressalien Kegen die übel wollende sranzösifche Paßplackerei hat gewirckt; der Ober - Präsident von Elsaß - Lothringen verkündete die erreichte beiderseitige Beseitigung der Paßfvr derung.

Und wenn auch gerade nicht seines beschränkten Vorstände«, so doch seiner Ehrlichkeit wegen hatte der Major ihn lieb gewonnen, so daß Johann sich manches Dort erlauben durfte, welches der alte Herr jedem Ordern sehr übel gedeutet haben würde.

rung an den BundeSrath gewandt. Im Canton So­lothurn sucht die Geistlichkeit die verfassungsmäßig nothwendigen 3000 Unterschriften zu erlangen, um die Frage betreffs Einberufung eineS Verfassungs- rathes zur Volksabstimmung zu bringen.

Außer den officiellen und diplomatischen Empfän­gen in Paris und VersalIleB, die in diesem Jahre einen durchaus gedämpften, jedoch versöhnlichen Charakter nach Jnn«t und Außen zeigten, hat die NcujahrSwochc den Stand der Dinge durchaus nicht verändert; in der Bourgoingffchen Angelegenheit zeigt sich schließlich von Seiten der fronzösifchen Regierung und deS BaticanS das Streben, den etwas getrübten Modus vivendi In seiner bisherigen Unklarheit her- zustellen, und auf einen Mod«» vivendi ist trotz aller Enttäuschungen auch jetzt noch da« Streben des Prä­sidenten der Republik und ds« Dreißiger-Ausschusses gerichtet, ja, in der letzten Sitzung der ersten Unter- Commission will man. einer Verständigung näher als bisher gekommen sein, während die zweiteim Prin zs^c" die Zweite Lämmer zuzukasien beschloß, die be­kanntlich eyje derJdexn* von Thier« ist. Vom Pcin- zipe bis zur Verwirklichung eitzer Sache ist aber in Frankreich kein leichter Weg.

Nachdem die Zeit der offiziellen Beglückwünschung« Reden und Gegenreden vorüber ist, beschäftigt sich daS italienische Ministerium augelegentlichst mit dem Klostergesetz Der König sowohl wie die Mehrzahl der Minister wünschen die retigiöscn Körperschaften dabei möglichst zu schonen, sie «erden aber den Papst damit doch nicht versöhnen.

Ein Aufruf von Don Carlo«' Bruder Also»« an die getreuen Catalonier und einige Nachrichten von zerstörten Eisenbahnen in den baskischen Provinzen

haben einen Sieg der RegierungScandidaten ergeben, so daß daS Ministerium aus eine Mehrheit für seine Vorlagen rechnen kann.

Aus England kommt die Nachricht von de« Tode eines DianiK«, der ohne den ehrenvollen Bei­namen de«Großen" zu verdienen, doch der Geschichte unserer Zeit seine« Stempel so mächtig aufgedrückt, wie neben ihm >tur^ noch einer der Lebenden. Der Ex-Kaiser Napoleon starb, nachdem er in den letzten Tagen zwei schmerzliche Stein-Operqtionen bestanden hatte, am Morgen des 9. Januar in Chislehurft.

Dem dänischen Reichstage wurde am 8. d. der Entwurf zum treuen Armeegesetz vorgelegt, welche« die Kosten deS Laudheeres (im letzten Jahre ungefähr 4t/3 Mill.) um 220,000 Rdl. und di« der Flotte (etwa l4/& Mill.) um 73,000 Rdl. jährlich steigert, und außerdem 17 (auf acht Jahre zu vertheilende) Millionen für Befestigungen und Schiffe et fordert. Die Vorlage ist, nach der Versicherung des KriegS- Ministers Thomsen, auf eine Politik deS Friedens und ccr Neutralität gebaut, welche man wahren wollen und können muffe, wenn auch das kleine Dänemark in der Wagschale Europas picht sonderlich mitwiege.

Der Großfürst-Thronfolger von Rußland ist noch immer krank, die ärztlichen Tagesberichte lauten etwas günstiger.

Der Führer des griechischen Ministeriums, De- ligiorgis, der die Kammer aufgelöst hat, angeblich wegen der bei den Wahle» zahlreich vorgekommenen Fälschungen, soll sich neuerdings in der Laurioufrage etwas gefügiger gezeigt und gegen ein Schiedsgericht grundsätzlich nichts mehr einzuwenden haben. Die seit einiger Zett erle­digten Mtnifterftelleu für Justiz, Cultus und Marine sind wieder besetzt worden.

Zur Vollendung des türkischen Eisenbahnnetze« dieSseits deS Bosporus soll eine Anleihe von 25 Mill. Pf. St. gemacht und ein Syndikat eingesetzt werden, welches die richtige Verwendung dieser Summe zu überwachen hat. Die Pforte soll die Großmächte aus die militärische» Vorkehrungen, welche Serbien treffe', aufmerksam gemacht, Serbien seinerseits aber erklärt haben, der Vorwurf, daß es rüste, sei ganz unbegründet. Eine Spannung scheint allerdings obzu- walten, aber nicht wegen Zwornik, sondern wegen deS Eisenbahnanschluffes bei Risch.

Die rumänische Kammer hat daS Budget für 1873, welches auS Tabak uny Stempel eine Mehreta-

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und sich eifrig bestrebte, in den Zügen feines Herrn zu forschen, wie weit dieses Examen sich erstrecken würde.

Und wer zahlt Dir den Dvld?"

Der Herr"

Na, also ist es auch Deine verdammte Pflicht, und Schuldigkeit, mir zu gehorchen verstanden?"

»Zu Befehl."

Und nun befehle ich Dir, mir zu sagen, wes­halb die gnädige Frau mich hinaustreiben will?"

Sie hat einige Damen auf den Abend einge­laden, und da soll ich noch Verschiedenes Ht der Stadt cinkaufen." ..

Hol's der Teufel!",

Und nachher hier den Tisch decken und servireu."

Beneide Dich nicht darum." e

Ich auch nicht, Herr Oberstmachtmeister; Thee und Butterbrod, nichts Reelles für den Magen eine« FüssilierS."

Hm na, und welche Damen futb denn ein- geladen?"

Die Frau Kammergericht«-Präsidentin"

Herrgott, auch die? Dann ist es wahrhaftig ge­raten, daß ich mich aus dem Staube mach«; wenn sie mich erwiichl, muß ich wieder ein langes Capitel aus der Leidensgeschichte ihres gichtbrüchigen Herr» Ge­mahls anhören."

Der Herr Oberstwachrmeister «erden alfp Aus­reiten ?" fragte Johann, darüber triumphirend, daß er seine Absicht dennoch erreicht halte.

Nein, mein Sohn, ich werde in« Casino gehen und eine Partie Whist spielen."

Während die Borberathungen über die Wahlre- ferm ihren stillen Gang gehen und die Zuversicht auf einen bedeutenden Fortschritt tat cisleithani- schen VerfastungSleben wächst, wurde die öffentliche Meinung lebhaft durch die Gromom'schen Enthüllun gen und Beust'« Schweigen deschLstizt. Der jetzige österreichische Gesandte in London weilt- seit Mitte Dccember in Attenberg, hatte am 2. Januar eine Audienz beim Kaiser, und man wollte wiffen, er er­strebe die Erlaubniß, in den Pariser Blättern eine Abfertigung Gramont's veröffentlichen zu dürfen. Ob diese erlangt oder abgeschlagen, stehe dahin. Erschienen ist der angekündigteBrief an einen Freund" so wenig, wie »eineauthentische Erklärung" in der» Wiener Zeitung."

In der Schweiz stehen die kirchlichen Streitig- keürn »och immer im Vordergründe. Der Nuntius Hal sich deschwerdeführend gegen die Genfer Regie-

Die Bauerusliuger.

_ Novelle von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

Wenn die Wahl Hermiue's auf einen reichen, adligen Gutsbesitzer fiel, so war dies für die Sicher heil ihrer Zukunst eine ganz andere und bedeutend brffere Bürgschaft, abgesehen davon, daß auch der Stolz de« Majors für einen höheren Rang und eine ange- sehmere Stellung seine« einzigen Kindes nicht unem pfindlich war.

Der Major mochte wollen oder nicht, er muffte Über die Worte seiner Gemahlin sehr ernstlich nach­denken und da fand er noch Vieles in ihnen was vom Standpunkte der Vernunft nicht ganz zu ver werfen war.

Hermine war schön, geistreich, gebildet und reich, und der Premier-Lieutenant besaß nicht« al« feine Ehre und seinen Degen.

Der Major von Barnitz schüttelte einigemal sehr bchenklich sein Haupt und strich, stehe» bleibend, in Gedanken verloren, seinen Schnurrbart.

Aus seinem Brüten schreckte ihn der Eintritt seine« Burschen empor.

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OdeMsische Zeitung

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. . _ . Fünf Minuten später hatte er schon da« Hau­

verblüfft, der wie eine Statue an der Thür stand (verlassen; nicht« war ihm in der Seele so sehr zu-

>3-0 b Sieben , weil ihm dasselbe bester behagte, als die 31-5 schwere Arbeit hinter dem Pfluge.

20$-» ........

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