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der Ministerpräsivenl: ES sei undenkbar, baß der prenstliche Ministerpräsident nach Osien steuere, wäh reud der Reichskanzler nach Westen lenke. Er habe zehn Jahre opferfreudig mit dein Fürsten BiSmailk gearbeitet und solle das Land heule sa ädigen können,? Solches Mißtrauen habe er nicht verdient; er habe d>e Verfassung beschworen und wolle daS Wohl des Landes so ehrlich wie nur irgend Jemand. Die Partei

8o» Landtage. Kau» der Adgearduete«. Berlin, 9. Januar.

Marburg, 10. Jan. Aus den Reihen der filteren UnlversüalS-Angehörigen beendete gestern Mittag der Tod eine» eben so fleißigen als allgemein geachte len Lehrers, des I)r. L. Hach, irdische Lausbahn. Der Verstorbene, am 22. October 1799 geboren, war feit Januar 1830 Universttäts-Maler und Zeichnenlehrer Zahlreiche Schüler und Schülerinnen h-it derselbe wählend seiner nahezu vierzigjährigen hiesigen Thäiig keil auSgeblldet, und bevor die Photographie das all­gemeine VervielfättigungSmittel von Porträts und Land,Lasten wurde, waren es hier in Marburg Hach's Kreidezeichnungen, die in Lithographie aus- geführt, sich der allgeineinstett Verbreitung erfreuten. Die meisten hiesigen Professoren aus den dreißiger und vierziger Jahren .sine in recht guten Porträts von ihm gezeichnet, wie auch vielfache Ansichten von Marburg und seiner Umgebung. Sein Bild „Jordan's Geiängniß" wurde in vielen, hundert Exemplaren im In* und Auslande verkauft. Durch dasselbe werten wir aber auch daran erinnert, daß Hach selbst in den unglückseligen Jorbair'ichen Hochverraths - Prozeß verwickelt wat und eine zweijährige Festungshaft au, Spaiig.ilberg verbüßen mußte, die außerdem auch seine Amtseuts.tzuug zur Folge hatte. Weder das Jahr 1848 noch 1886 ermöglichte seine definitive Anstellung wieder, und nur auftragsweise versah er seit jener Zeit bis zu seinem Lebensende seine Stelle. Wenn auch körperlich ermattet uuo fe-n nahendes Ende fühlend ntheilte er bis vor wenigen Wochen noch regelmäßigen Uuierricht, da Berufself üllnng sein höchstes Streben war. Möge eine sanfte Ruhe ihm geschieden sein für die vielen harten Schicksalsschläge,.,die fein Leben trübten. »

Präsident v. Forckenbeck theilt dem Hause das Ableben bes Abgeordneten von Saucken - Julienfelde mit, dessen segensreiche Wirksamkeit er hervorhebt. TaS HauS ehrt das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. — Der Handels-Minister hat einen Plan zum Lau eines Gewerbe - Museums vorgelegt; außerdem ist eine, von einigen dreißig Ab geordneten unterzeichnete Interpellation eingegangen, betreffeiib die gegen die Presse wegen Abdrucks der päpstlichen Allocution ergriffenen Maßregeln. Die Interpellation soll morgen verlesen werden. Das Haus setzt die zweite Berathung des Etats deS Mi nisteriums deö Innern fort. Auf eine Anfrage W e - vell-Vehligsdorff'S Namens der coniervativen Fraktion, betreffend die Nachricht von der Mastrege lung von Landräthen wegen ihrer Abstimmung bei der KreiSordnung, erwidert der Minister des Innern: Amtlich feien die Lanbräthe nicht vor die Alternative ber Abdankung ober Mandat Niederlegung gestellt, aber wenn königliche Beamte gegen bie Regie­rung stimmten in einer Frage, auf welche sie solches Gewicht lege, wie auf die Kreisordnung, werde nolh wendig ein Riß zwischen ber Stellung als Abgeord­neter und Beamter hervorgebracht. Um darzuthun, daß sie sich deffen bewußt waren, habe es für jene Landräthe bas Auskunftsmittcl ber Enthaltung von Der Abstimmung und ber ManbatSniederlegung gegeben. Der Minister habe nur vertraulich, nicht aus eigner Initiative, fonbern gelegentlich, bie persönliche An- |i*t ausgesprochen, baß die betreffenden Abgeordneten in dieser Situation ihr Mandat niederlegen ober Dis- positionsstelluiig gewärtigen müßten. Letzteres wäre um so unvermeidlicher, wenn diese Beamten der Aus­führung der neuen Kreisordnug Schwierigkeiten be­reiteten, wie nach ihrem Votum anzunehmen sei. Lasker hält eö für natürlich, daß der Minister solche Beamte, die in wichtigen Fällen gegen die Regierung Itinimten, nicht an einem untauglichen Platze lassen Dürfe; deßhalb sei aber ein Gesetz nothwendig darüber, daß Beamte, die zur Disposition geteilt werden können, teilt Mandat zum Abgeordnetenhauje annehmen Dürfen. Nach längerer Tiscuision, an melier sich Reich en- spergcr, Löwe, Pansius, Karbolf, Windthorft (Meppen), Fnebenthal, Wedel und Sturm betheiligen, wird bie Debatte geschlossen und ,ber CommissionSantlag wegen Erhöhung ber Lanbrathsbüreauks>ten angenommen. Der Ministerpräsideirt Graf Roon unb ber Cullus- mimster Falk treten in daS HauS. Letzterer bringt eine Gesetzvorlage ein, betr. den Austritt aus ber Kirche, bemerkend, daß bie Vorlage sich auf alle Confessiouen mit CoiporationSrechten be­ziehe unb ben von bem Hause bei ber Peti- tionöberathung ausgesprochenen Grundsätze entspreche, ferner einen Gesetzentwurf über die Vorbildung und Anstellung der Geistlichen, endlich einen solchen über die kirchliche Disziplinargewalt unb 'bie Errichlung eines höchsten Gerichtshofes für kirchliche Angelegen heuen. Der EultusMinister heyt bei Einbringung seiner Vorlagen hervor, baß die Versassung der evan- gclischen wie ber katholischen Kirche völlige Selbst­ständigkeit gartchzire, was letzterer, Dank der Energie der karholtschen Bticköle und der Nachgiebigkeit der Staalsorgane, die größte Unabhängigkeit gebracht habe. Der Staat sei erst den neuesten nackt her vorgetreteiien Prätensionen RvmS gegenüber der Pflicht der Sclbst- erhaitung bewußt geworden, er müsse seinen Bestand gefährdende Angriffe zurückweisen. Trotz ber vorhan­denen , seit 20 Jahren entstandenen Schwierigkeiten mußten Schritte hierzu gethan werden. Der Minister conftatiri, daß bei den heute eitigebrachten Gesetzen das Ministerium nicht gespalten gewesen sei, seine Entschlüffe vielmehr in voller und freier Einmüthig- keii sämmtlicher Mitglieder gefaßt habe. Nach einer umständlichen, vom Hause aufs Beifälligste aufge­nommenen Charakterisirung der Gesetzvorlagen, welche eine grundsätzliche Regelung herbeiführen, nicht blos :7othg,setze sein sollen, ergreift der Ministerpräsident Graf Roon daS Wort: „Er habe für König und Land schädlich wirkende Zweifel zu beseitigen." An Die vorgestrige Discmsion anknüpfend und auf feine dreizehnjährige Amtsihä.igkeit zurückblickend, bemerk!

Grafen Manuel von Montijo, geb. 5. Mai 1826. Im Jahre 1870 begann er ben Krieg mit Denisch- lanb, erlitt bei Seban am 2. Sept, eine vollständige Niederlage, Die ihm Thron und Reich kostete, und wurde als KriegSgefangeirer nach Wilhelme höhe bei Saffet gebracht. Nach dem Friedensschlüsse auf freien Fuß gesetzt, begab er sich nach England.)

Kopenhagen, 8. Januar. Es ist bereite mit geteilt, bay der neue dänische Kriegsminister Ober st Thomsen gestern dem Folkething (Unterhaus) dcs ReichSiageS eine beträchtliche Mehrsorderrrng für bu Lanbesvertheidigung vorgelegt hat. Die betreffende Rede desselben weist den Gedanken eines bloßen Festungs krieges, wie denjenigen, die Landesverlheidigung auf eine einzige Provinz zu beschränken, weit zurück. Da nach zu schließe», scheint die Armeereorganlsation aus eine eventuelle Action im freien Felde berechnet zu jein. Ob dieselbe durch daS Folkething acceptirt wird, ist allerdings noch einigermaßen zweifelhaft: bie in der Mehrheit befinblichen „Bauernfreunde" finb Gegner von jeglichem „Militarismus" und haben auch zu der Idee einer „Revanche an Deutschland" wenig Per trauen. Auch verlautete in den letzten Tagen, daß ber ehrgeizige Führer ber „Bauern", I A. Hansen, gerade das Armeebudget zur Ha..dhabe seines Angriffes gegen bas nationalliberale Ministerium benutzen wolle.

Affe». Das Datum, an welchem der Kaiser oon China bie Leitung der Angelegenheiten beS Reiches in die Hand nehmen soll, ist, wie ber „Times" aus Shanghai gemeldet wird, nunmehr festgestellt. Die Regentschaft wird am Schluffe be« jetziges chine­sischen Jahres, d. h. am 23. Februar, ihre Endschaft erreichen. »>) - i

Telegraphische Tours- unb Marktberichte.

Frankfurt a. M., 10 Januar. ! Schluß ber Börse!. Staatsbadn - Aktien 364, Elisavetd 266, Galizier 246, Lombarden 203h. Diorbroeftbabn 231, Creditactien 3ü6h, Silberrente 65|, Papierrente —, lätiOr Loose 95^. National« 'ank 1063, Spanier26$. 1882tAmerikaner—, Darmstädter Bank —, Esfectenbank 131.

Berlin, 10 Januar. (Anfangscourse). ßrehitactieu 203^, Staatsbahn 208, Lombarden 116, Amerik. 97.

Wien, 10 Januar. (Anfangscourse). Creditactien340.00, Lombarden 198.oo, Napoleons 8 6».

Hamburg, 9. Jan. Produktenmarkt. Weizen per Januar-Februar 249 G-, per März - April 247 @. Reichs» münze. Roggen per Januar - Februar 164 per März- April 157 G. Reichsmünze

rung entftanb aus dem Mißtrauen über die Art deS Ueberganges des Präsidiums. Diese Vorgänge sind unverfänglich. Nur die Erscheinung will ich besprechen, daß der Kriegsminister den Abschied forderte, nicht als Gegner der Kreisordnung, sondern aus Müdig­keit, um jüngeren Kräften zu weichen. Wenn der Wille des Königs entgegentritt, muß ich meine Pflicht thun, ich kann nicht der Arbeitseinstellung huldigen. Bei der Berathung der Kreisordnung traf mich ein heftiger Krankheitsaltfall, welcher mein Abschiedsgesuch veranlaßte. Tie Annahme der Kreisordnung aber habe ich für unbedingt erforderlich gehalten." (Beifall.) Hierauf wird die Berathung des Etats ohne Zwi­schenfall bis um 31/2 Uhr fortgesetzt und die Sitzung auf morgen vertagt.

Vermischtes.

(Univ.-Nachr) Prof, bet Theologie Dr. Carl von Weizsäcker in Tübingen hat einen Ruf nach Berlin ad- gelehnt- — Prof. Dr. Lexer in Würzburg hat den an ihn ergangenen Ruf an die Universität Wien abgelehnt. — Dem Professor ber Philosophie Dr. Franz Hoffmann in Würz­burg wurde ber Titel und Rang eines königlichen Hofrach«» verliehen. ,

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Ernennungen, Verleihungen k.

Dem Schornsteinfegermeister Müller zu Witzenhausen ist das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden. — Schö­ning, Hauptmann und Compagnie < Cbef vom Hannov. Füsilierregiment Nr 73, ist, unter S-ellung d la «uiie diese» Regiments, zum Platzmajor i» Kassel ernannt. — Dem Ober-Lanbineffer, Steuer - Rath Draus zu Kassel ist ber Rothe Adler-Orden 4r Klasse verliehen worden

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Telegraphische Depesche« der Oder»

hessische« Zeitung.

Berlin, 10. Jan. AbgeorbnctenhauS. Auf die Interpellation MaUinckrobt's, b.trcffend daS Vcrvot der Veröffentlichung^ deS auf Deutschland.brzüglichen Passus der päpstlichen Weihnachts-Allocution erwidert der Minister deS Innern: der bezügliche ÜJiinifteiial- erlaß fei ergangen. Die Regierung habe ein defi.ii- tives Unheil über bie Strafbarkeit nicht zu fällen, sie habe nur bie Ansicht mitgetheilt, nach welcher die be­treffende Sielle strafbar fei, sie habe die Ver­hinderung der Veröffentlichung deßhalb für an­gemessen gehalten. Der Erlaß eines vorauSge« Ichicklen Avertissements an die Oberpräsidenteu sei gef.tzlich weder erforderlich, noch aber verboten. Da­mit sei kein Gesetz übertreten, vielmehr wohlwollend den Reoactionen entgegengefemmen. Richtig sei, daß die Maßregel von ber Wilhelmssttaße ausgegangen, weil es im aiiSwärtigen Amte oerauf anfam, gericht­lich festzusteUen, daß bie Allocution Verleumdungen enthalte, welche gegen bie Urheber verfolgbar wären, wenn es eine JuriSbiction gebe, welcher biefelben unterworfen wären.

Darmftadt, 9‘. Jan. Gutem Vernehmen nach tritt der Landtag am 15. d. zusammen, um eine von der Regierung neu auSgearbeitete Geschäftsordnung entgegenzunehmen

Versailles, 9. Jan. Die Nationalversammlung letzte die Leraihuiig deS Broglie'fchen Antrages auf Reorganisation deS oberen Rath.S für den Unterricht fort. Brvglie unb Dupaiiloup vertheidigten den An- irag auf das Lebhafteste. Der Ünterrichismimster spricht morgen. - -

London, 9. Jan Uebtt die letzten Stunden Napoleons gehen folgende Nachrichtm ein: Tie be* !handelnden Aerzte besuchten den Kaiser während der Nacht und faiiben denselben in tiefem ruhigem Schlaf; res Morgens beschlossen sie, die Operation deö Mit­tags zu wiederholen. Gegen 10 Uhr 25 Min traten Symptome sinkender Herzihätigkeit ein, plötzlich hörte Der Herzschlag auf. Der Kaiser starb IO3/« Uhr Vormittags, nicht, wie zuerst gemeldet, 12'/2 Uhr Mittags.

Petersburg» 9. Jan. Der Großfürst-Thron- olger hatte den ganzen Nachmittag den erquickendsten Schlaf. Der Pulsschlag ist heute fast normal; auch oaS sonstige Befinden ist äußerst zufriedenstellend.

ceffe zu entstehen, welche besagtes Grundcapital der I sich hier nicht lieber eine Partei der ehrlichen Leute Kreissparkasse sehr in Frage stellen. (N. K. Anz) bilden? „Ich gehöre dieser Partei an. Die Verwir-

Kaffel, 8. Jan. Die General-Brandverficherungs- eommifiten dahier hat in den Veranschlag für das ^«br 1873 eine Brandsteuer von 4 Simpeln (4 Pfennige Don je 10 Thlr. Versicherungskapital) aufgenommen

Staffel, 7. Jan. Nach Berichten der „Berliner Vörienzeitung" hat die deutsche Uirionbank bei ber 1‘btin Ziehung der Meininger Prämun-- Pfandbriefe den Haupttreffer von 40000 Thaler gewonnen^ eS tft uns angenehm, hinzufügen zu können, daß ber itteite Treffer von 10,000 Thaler einem Bewohner miierer Provinz zugefallen ist, welcher ben betreffenben Prämien - Pfandbrief erst vor Kurzem von dem hiesigcn Lairkhause S. I. Werthauer n- bezogen . (Tagbl.)

Treysa, 5. Januar. Anfangs Februar wird "s't tir Tainmanichüttuitg der Main-Weserbahn von b«r dis zur Wasserscheide vor Kirchhain, zum Zwecke der Berlin-Metzer Eisenbahn begonnen. (N. K Anz.) -. 3trgenhai«, 6. Januar. Mit Beginn dieses ^ahr-s ift h er eine Kreissparkaffe ins Leben getreten. Grundcapital berjelben besteht aus dem zu Be gtnn des Krieges von ben Kreisgemeiitden für Ankäufe von Pierden zugeschoffenen Capital von circa 8500 Mir., welche Summe später von Seiten ber Militär ebfirte zurückerstattet wurde. Da jeboch in den Listen Orlen des Kreiie« dieser Beitrag nicht auS er Gemeindekaffe, sondern durch Umlagen erhoben Urbe, so scheinen durch baS Vorgehen der beiheiligten »•>-■« i« «>r nm ugtnu ^jimanc. ^-ie Partei

Pnvaten, welche ihr Geld zurück haben wollen, Pro-1 Unterschiede hätten sich seit 13 Jahren verwischt, sollte