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Wr. 9. Marburg, Sonnabend, den 11. Januar. 1879.

L Oberhessische Zeitung.

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Beftellungen tung, erstes OuartÄ 1^73, »erde« von alle« Postanstalten angeaomme«. Auf Nw Lande nehmen auch die Postbote« VefteAuuseu aa.

Deutsche- Reich.

•# Berlin, 9. Januar. Der Kreis Bautzen in Ober-Schlesien ist durch die industriellen Berhtttmste so sehr in seiner Bevölkerung gewachsen, daß die Auf- nchterhaltung eines Kreises nicht mehr möglich ist; es tiegt deshalb in der Absicht, diesen Kreis in drei Theile zu theilen und soll der bezügliche Gesetzentwurf noch in dieser Session dem Landtag« zur Genehmi­gung vorgelegt «erde«. Die »Krz -Ztg." bringt iti mehreren Artikeln Mahnrufe an die Eonservativen welche im Ganzen wenig Sachliches bieten und sich zum größten Theil in Phrase» bewegen, welche seit dem Eintritt der neue« Redaclio« eine hervorragende Stelle spielen; der letzte dieser Artikel mach« eine Ausnahme, indem derselbe G.danken positiven Inhalts enthält, da er den Parteigenossen de« Rath gibt, sich nicht vom polnischen Leben zurück;uzi«hen und sich namentlich nicht von einer Becheiligung bei der Einführung der neue« Kreisordnung fern zu halten. Es scheint, als gebe man auch in diesen Kr»isen der Ansicht Raum, welche der Minister des Innern, al» er die Kreisord- nung im Herrenhaus« vertrat, ausgesprochen, nämlich, daß auch die Conservativen ihrerseits dem neuen Gesetze ihre Thätigkeit leihen würden. — ES gewinnt den Anschein, als ob die Aufregung, milche sich in einem Theil der Presse über die Vorgänge im Ministerium resp. über die Ereirung dcS Minister« Roon zeigte, chrem Ende entgegengeht, die Pr-sse fängt an,, tiefe Angelegenheit ruhiger und vorurtheilSfreier zu chefpkech«u, h»ero»«-liesirt namentlich ein Artikel der. liberaken „Weser-Zeitung" den Beweis, in welchem anSgeiprochen wirr, daß man dem Ministerium Roon durchaus keinen Systcmwechsel zutrauen dürfe, daß die gegenwärtige Strömung durchaus keine reactionäre sei, rt könne wohl momentan eine Hemmung in der bisher be­folgten Politik eintrete», ein Auigeden derselben aber nicht, e« habe, meint das genannte Blatt, bei der Beunhei lung des MiursteriumS Roo« viel zu viel doktrinäre Dogmatik obgewaltet. Diese Beeinstussung scheint sich auch in der Pr.sse geltend zu machen, wenn von Differenzen gesprochen wird> die in der Ministerial- Sitzung statlgchabl hätte«, in welcher die Frage der

Civilehe berathen ist. ES ist jedenfalls unrichtig, daß in dieser Frage Differenzen in Bezug auf die Regie rungöpoliiik obgewaltet habe«, eS ist nur al» Resultat der Beratbung zu constatiren, daß man aus Oppor- tunität-rücksichten einen bezüglichen Gesetzentwurf nicht cinzubringen beschlossen hat, und dürste, nachdem diese Frage entschieden war, die printztpiclle Seite des event, Ge­setzentwurfs wenig Gelegenhett jur Diskussion gegeben haben. — Da« neueste „ Centyistblatt für Unterrichts Verwaltung" bringt einen EriH de» CultusministerS, durch welche« die Vertretung de« Rector« der Uni­versitäten geregelt wird. Dänach tritt der unmittel­bare Amtsvorgänger und i>r Ermangelung eine« solchen derjenige ordentliche Profestor ein, welcher vor dem AmtSvorgänger de« Rector« das Rektorat inne hatte Diese Art der Vertretung gilt jedoch nur für längere Abwesenheit de« Rector«, in momentaner Abwesenheit vesielben, z B. in SenatSsitzungen, fungirt der älteste Senator al« Rector. i,

• — 9. Jan. Der „Reichsattzeiger" enthält eine Erkli rung de» Fürsten Bismarck, wAche die bekannte Zeitung«^' angabe über eine Aeußerung de« Kaisers gegen den Fürsten Bismarck betreffs geister Vorgänge in Hos- kreisen als falsch und auf EltzsieUung eines Vorganges beruhend bezeichnet, w.lchen letzteren der Rcichökanz ler dahist mitiheilt, daß er vor mehreren Wochen dem Kaiser schriftlich gemeldet, trn zum Hofe in nä hrrrr Beziehung stehender <Kammerherr habe neben erheblicher Beisteuer zu Agitationen gegen die Regie­rung auch die Geldstrafe eiste« wegen Majestätsbelei- eigung verurtheilten polnischen Agitators bezahlt. Der Kaiser habe auf diese Anzeige de« Miiilsterpiäside»ten sich mit schriftlicher Randbemerkung weitere Ermit­telung und weitere« Versahen Vorbehalten. Da« be­treffende Aktenstück befinde sich im amtliche» Geschäfts gange. Anführungen irgend welcher Art über münd­liche Aeußerungen de« Kaiser« seien grundlose Erfin­dungen.

Dresden, 7. Jan. Die zweite Kammer hat heute daS Verfaffungsgesetz, nachdem die Abgeordneten Biedermann und Streit für, Ludwig Wigarb gegen die Vorlage gesprochen und ein Antrag de« Letzte, en, anstatt derselben einfach daS Verfaffungsgesetz vor, 1848 wieder herzustellen, gegen wenige Stimmen ab­gelehnt war, mit großer Majorität angenommen.

Tübingen, 6. Za«. Heute Mittag besuchte der

König, welcher gestern mit hohem Gefolge in Beben« Hausen eingetroffen ist, da« physiologische Institut und das chemische Laboratorium der Universität Hierselbst, welch letztere« im vorigen Spätjahr durch einen An­bau diu wesentliche Erweiterung erhalten hat. Der König wohnte in beiden Instituten, nach eingehehender Besichtigung ihrer Einrichtung, einigen wissenschaftlichen Experimenten bei, welche durch die Vorstände der Institute, Professor Dr. von Bierordt und Professor Dr. Fittig veranstaltet wurden.

München, 7. Jan. Die neue au« Marmor gefertigte Gedenktafel der im deutsch-französischen Krieg gefallenen Sludirenven der Universität München wurde heute nach Abnahme der provisorischen Tafel im Uni« versitätSgebäude angebracht.

Würzburg, 7. Ja«. Von Seiten des bisherigen Magistrats ist in richtiger Würdigung der Verhält« niffe brr Plan in's Auge gefaßt, die rein technische Leitung des hiesigen Volksschulwesen« einem Fach- manne als städtischen SchulrathS zu übertragen, und sind zu diesem Behufe bereits einleitende Unterhand­lungen mit dem Gründer, und seitherigen Leiter de« GenossenschaftsiirstitutS für Mädchen, Herrn Dr. End, Professor am hiesigen Real-Gymnasium, im Gange. Die Wahl de» Herrn Dr. Env wird allgemein al« eine vorzügliche bezeichnet; gleichzeitig ist für die vom unterfränkischen Provinziallandtage mit den nö higen Mitteln auSgestattele Stelle eines Schulreferenten bei der unterfränkischen Kreisregierung der Schulrach und Handelslehrer Herr G. Fischer in Kitzingen ausersehen und somit endlich einmal auch im Kreise Unierfranken ein Anfang zu der so schr gewünschten fachmännifchen Leitung gemacht. (Fr. Pr.)

StraHburg, 8. Jan. Prof. Springer hat die Errichtung einer Kunst- und Gewerbeschule in hiesiger Stadt in Auregung gebracht und wird zu diesem Be- bufe nächsten Samstag einen öffentlichen Vortrag im Rathhausgebäude halten. — Wie die „Ctraßb. Ztg." hört, hat Herr Prof. Hoppe-Sryler den an ihn er­gangenen Ruf nach Wien abgelehnt. — Auch in Mavrid hat sich ein Comite aus den Herren Hartze«« dusch. Duecior der Natiouatbibliothek, Moreno, Rector rer Universität, Cayetano Roiell, Subvireclor der Nationalbiblioihek, Ventura Ruiz Aguilera, Director des archäologischen Museums und Lemming, Prosiffor, gebildet, um zur Wiederherstcllung der Bibliothek in

Die va»ernfättger.

7",-ich! Aotull« vv« Ewald August König. , ''i■

>C tcki'i ? iFortjetzung.)

„Ihr fallt Alte über chn bet,* gtollte sie, „und doch Hal er Keinem von Euch ein Leid augethan."

„AlS ob man keine Ursache dazu hätte!" erwiderte Franz. „Ich habe den Windbeutel durchschaut und danke Gott, wen« er un« nicht eine böse Saat zu­rückläßt. Sdd Ihr denn blind, daß Ihr —"

„Hei, wie er jetzt plappern kann," fiel Frau Therese ihm spottend ms Wort, „vorhin war er so füll, al« ob et nicht bis zu drei zählen könne."

„DaS thal ter Respekt vor dem Herrn Feldwebel, dem zukünftigen Vorgesetzten," sagte der Küppermeister, „unier Franz ist nicht auf den Mund gefallen, es

*6re auch schade um ihn. Der Junge weiß auch, wo Banhel den Most holt, er hat gleich gewußt, was der Wmdbemel hier beabsichtigte."

„Uno ich sage Euch, so lange ich meine Hände rühren kann, soll er feinen Zweck nicht erreichen.“

„Franz, Tu bist ebenso rücksichtslos, al» unge- rscht," sagte Helene mit bebender Stimme. „Du hast kein Recht, in dieser Weise über einen Mann zu reden, ter »ach meiner Ansicht rin rechter Ehren­mann ist."

„Ja wohl, nach Deiner Ansicht," spottete Franz. „Weshalb hat er sich überall erkundigt, wie groß «njer Vermögen j«i ? Mehrere Bekannte haben mich darauf auimerksam gemacht und mir zu dem Schwager ^lück gewünscht, in einem Tone, der mir die Galle ®’« Bim trieb. Wenn der

„Komm Kind, wir wollen un« entfernen," wandte Frau Ther.se sich zu ihrer Tochter, „wenn die Männer nn Gla« Wein getrunken haben, kann man kein

vernünftiges Wort mit ihnen reden, Und Dich, Fran-, werden sie auch schon zahm mache» bei den Soldaten "

„Die schwadroniren in's Blaue hinein," sagte der Küppetm.ister achselzuckend, als er sich mit seinem Sohn allein sah, „komm Junge, wollen noch ein GlaS trinken. Himmel alle Welt, so jung kommen wir nie wieder zusammen. Und was den Herrn von Habenichts betriff-, so ist es ein Glück für ihn, daß er unaufgefordert geht, ich hätte ihm morgen die Thür gezeigt Jetzt wird'- wohl wieder anders werden im Hause; weiß der Kukuk, die Frauenzimmer haben mir oft ben Kopf warm gemacht."

„Wenn er dem Mädchen den Kopf nur nicht so warm gemacht hat, daß er sich nicht mehr abkühlen läßt."

„Bah — davor bangt mir nicht," fuhr Peter Schiffer, während er die Rase über da« volle GlaS hielt, „unter uns Franz, der Hugo hat ein Auge aus Helene geworfen." ,

„Ich weiß es."

„Himmel, alle Welt, Du und hast mir nicht« da­von getagt ?"

„Weshalb sollte ich darüber sprechen? Hugo hat mich g beten, zu schweigen, bi« er selbst mit der Sprache herausrücken könne —*

„Ra ich meine doch, daß der e« kann! Einen so tüchtigen, soliden und fleißigen Gesellen habe ich noch nicht gehabt, er ist ein braver, ehrlicher Mensch, und hat auch noch etwas in die Suppe zu brocken."

„Viel ist eS nicht — achthundert Thaler."

„Geld genug, um Meister zu werden und eine Werkstätte einzurichten, er soll nur kommen."

„Laß ihn in Ruhe, Vater, bisher stand der Schwindler ihm im Wege."

Der Küppermeister nickte gedankenvoll.

„So wollen «ir's abwarte»," sagte er, „vielleicht ist e» auch bester, wenn er vorher bei dem Mädchen anklopft, ich möchte nicht gern meinen Willen allein entscheiden lassen und einen Druck auf Helene üben."

„Ta« wird auch Hugo Müller nicht wollen.“

„Na, wie gesagt, gedulden wir un«, ich werde in­zwischen schon die Augen offen hatten; wenn der Wind­beutel so verwegen ist, an Helene zu schreiben, wasche ich ihm gründlich sei» pomavisive» Haupt. Trink au«, wir wollen zu Bette gehen."

Der Küppermeister löschte das Licht an» und schloß alle Thüren im untern Stock«« ck; die Energie, mit der er die schweren Riegel der HauSthür vorschob, be­wies, daß er über das, was in der nächsten Zukunst geschehen sollte, mit sich im Reinen war. '..L„

1. ««Pttel.

Eine ehrgeizige Mutter.

„Lebrecht, willst Du denn durchaus nicht höher hinaus mit unserer Hermine?"

Ter Major von Barnitz, an den diese Frage ge­richtet war, blickte betroffen in da« schöne, falle Antlitz der stolzen Dame, die vor ihm in dem Fauteuil saß und leiebt mit der feinen, weißen Hand durch die sei­denen Haare de« neben ihr liegenden Bologneser- Hündchen« fuhr.

Er zog den feuerroten Schlafrock fester um die schlanke Taille seine« stattlichen Körper« und nahm die unterbrochene Zimmerpromenade wieder auf.

„DaS verstehe ich nicht", sagte er, „Premier Lieu­tenant von Warndorff ist vou altem Adel und ein tüchtiger Offizier."

„Nun ja", warf die gnädig« Frau gelasten dn,