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Mr. 6

1873

Erscheint t Sgl ich außer den Werktag«» nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'scke Bu ck d ruckereil b-.oaen SSt Bnr m."

Poster 27 Sgr. texcl. B-sttllg-bühr und incl. Stempelstenm, für'das Ausland -x-l. Stempel 22 Sgr. - JnsertioLbührfürd!e gefpattene Zeilkl Lar T

Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an. 9

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Deutsches Strich.

Berlin, 6. Zan Ein Theil der Presse ist mit einer gewissen Vorliebe beflissen, die mangelnde Uebcreinstimmung in den Erläuierungen derProvin zialcorrefpondenz" hervorzuheben, indem in denselben auf einen angeblichen Krieg zwischen Roon und BiS marck in der Zeit vom 21. December bis zum 1. Januar zmückgesührt wird. Tie Unrichtigkeit dieser Anschauungen wird schon in kürzester Zeit durch authentische ErklS rungen aus daS unzweideutigste dargelegt werden. Die Abweichungen derProvlnzialeorrespondenz" be ruhten einfach auf einer mangelhaften Orientirung; es steht nämlich fest, dah bereits in der vertraulichen Ministerberalhung am 20. b. MtS. das definitive Präsidium des Grafen Roon in Aussicht genommen und daß cS gerade Fürst Bismarck war, welcher eine selche Lösung der Krisis wünschte. Zum Beweise kann man auch auf eine Berliner Correspondenz in einer süd­deutschen Zeitung Hinweisen, der man in unterrichteten Kreisen allgemein einen Ursprung im hiesigen aus­wärtigen Amte zuschreibt. ES wird dort emschieven behauptet, daß zwischen Bismarck und Roon die voll­kommenste Uebereüistimmung herrsche und daß nicht im Geringsten zu befürchten sei , die preußische Politik des Grasen Roon werde ein Hemmschuh der deutschen des Reichskanzler» sein. Fürst Bismarck kennt sicher­lich die An. und Absichten des Grafen Roon und versteht dieselben zu würdigen. Alle derartige Befürch­tungen sind in- keiner Werse gerechtfertigt und haben von auiorisiner Seite niemals die geringste Ermu »higung erfahren.Sogar der angeblich schwankende Gesundheitszustand des Grafen Roon muß Erhalten, um seine Unfähigkeit zur Präsidcnischaft zu illustriren. Nun aber Hal der Kriegsminister thalsächlich bis zum 20. Niovember sowohl für den Fürsten Bismarck die Peäsidialgeschäste als auch die des Kriegsministeriums zetertet und am 18. Tecember die letzteren wieder übernommen. Wenn man aber noch weiter fragt, weßhalb denn General v. Kameke nicht-»usschließlich

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Gfcru» und die Bedingungen seiner Anstellung ein- müthig schlüssig gemacht haben. Man glaubt unter diesen Umständen auf die allerhöchste Genehmigung hoffen zu dürfen. Eine große Anzahl hiesiger Bürger, welche der Gemeinde der neuen Kirrte angehören. Hal beim Kultusminister gegen die AmlSentfetzung des Dr. Cydow proteftirt. In diesem Proteste erklärten dieselben, aus der Gemeinde ans treten zu vollen, wenn die Amtsentsetzung ihres ersten Predigers aufrecht er­halten bliebe.DerKreuzztg." Zufolge gilt die Annahme des Entlasiungsgesuchs des Ministers für landwirthschaftliche Ang-legenheiten als unzrpeifelhaft. Dasselbe Blatt bezeichnet die Nachricht von einer be­vorstehenden Berufung des Geheimenraths Persius in oas Civitcabinet als unrichtig.

Der Finanzminister Camphausen Hai der Budget- Commission des Abgeordnetenhauses eine Uebersicht von den Einnahmen und Ausgaben der Domaiiiäl- Bade-Anstalten und Mineral-Brunnen pro 1873 zu- gcstellt Nach derselben liefern die Mineralbrunnen und Bade-Anstalten im Regierungsbezirk Wiesbaden einen»reinen Ueberschuß von 202,292 Thlrn., und Zwar: 1) Ems 49 220 Thlr.; 2) Schlangenbad 16,690 Thlr.; 8) Langenschwalbach 20,480 Thlr; 4) Weilbach 2614 Thlr. Die Mineral Brunnen er­gaben folgende Uebeischüsse. 1) Riederselters 82.500 Thlr. (die Gesammt Einnahme beträgt hier 255,800 Thlr., davon gehen allein für Betriebskosten 162 403 Lhtr. ab; so kosten u. A. die Krüge und Flaichen 97,000 Thlr., Stopfen und Melallkapseln 19,588 Thlr , Frachten 11,290 Thlr. u. s. w.); 2) Fadingen 4676 Thlr; 3) Ems 22,395 Thlr.; 4) Langenichwalbach 3435 Thlr.; 5) Weilbach und Geilnau 1282 Thlr: Im Regierungsbezirk Kassel ergibt Bad Nenn­dorf eine» Ueberschuß von 895 Thlrn. und Bad Hofgeismar von 388 Thlrn., währenv Bad Salz- fchlirs eines Zuschusses von 522 Thlrn. bedarf. In der Provinz Hannover erhalten Zuschüsse: Bad Reh­burg 1520 Thlr. und Bav Limmer 570 Thlr, wäh­rend das Seebad Norderney bei einer Einnahme von 52,500 Thlrn. einen Ueberschuß von nur 5000 Thlrn. liefert, da die Betriebskosten allein ohne Besoldungen u. s. w. 43,857 Thlr. betragen. Unter Abrechnung

würde ich bitteren Schaden gehabt haben. Säumige Schuldner gemahnt? Himmel alle Welt, der Cvm- merzienrath. Waldheim wollte mich zur Thür hinauS- wersen lassen, als ich arglos hinging, um in seinem Keller nachzusehen. Und weshalb? Weil mein Herr Corresponvent und Buchhalter ihm mit dem Gerichts­vollzieher und einer Aufforderung in bett Zeitungen gedroht hatte, wenn er de« Salvo von drei Thalern und vier Silbergroschen nicht binnen drei Tagen be­richtige. Ich hätte dem windbeuteligen Herrn von Habenichts Eitts hinter die Ohren geben mögen, aber er schob die Schuld auf mich, es sei meine Pflicht gewesen, die Brtese zu lesen, ehe ich sie unterzeichnete", sagte er, denn er kenne meine «unten nicht und wisse also auch mich!, wie sie behandelt werden müjjten."

Da hat er Recht, Peters" . -liFft

Na, ja, freilich, aber" -Orr

«Er ist überhaupt kein Buchhalter sv.r* «Und ich bm kein Gastwirth, der seine» Gästm borgt dis in die Pechhütte! Er muß ausziehen und zwar morgen am Tage, soll sich ein anderes HauS suchen, in welchem er schmarotzen kann."

Er ist ein ehrlicher Mann und Dir geiviß dank­bar dafür, daß Du so lange Geduld mit ihm hast

»Und seinen Dank beweist er dadurch, daß er meinem Kinde den Kopf verdreht -Himmel alle Wei»"

Er brach ab, Helene trat in diesem Augenblick rin, um den Tisch zu decken.

Der Küppermeister warf einen verstohlenen Blick auf das Mädchen, es schien ihm doch nahe zu gehen, daß er so rauh in den Frühling ihrer Seele hinein- grellen solle, bann ging er hinaus, um einige Flaschen Wein aus dem Keller zu holen.

Der Vater ist suchSwild", nahm Frau Therese das Wort, nachdem die Thür hinter dem Küppermeister in'S Schloß gefallen war,Herr Liebrecht soll unter jeder Bedingung ausziehen.*>'* a. ,

Einstweilen nahm die Sorge um Franz noch sein ganzes Denken in Anspruch.

Der junge (Staatsbürger sollte am nächsten Tage eintreten, der Küppermeister hatte den Feldwebel Kniffler, mit welchem er befreunbet war, zum Abend­essen eingeladen, um mit ihm zu beraten, ob und in welcher Weise man seinem Sohne den Dienst erleich lern könne.

Weim das Alles geordnet und abgemacht war, wollte Peter Schiffer mit dem Commis-Voyageur kurzen Prozeß machen.

Denn was kau» dieser Windbeutel unserer Helene bieten?" schloß er die Rede, welche er über diesen Punkt im Beisein seiner Frau gehalten hatte.Er ist nichts, hat nichts und wird niemals auf einen grünen Zweig kommen, Himmel alle Welt, seit drei Monaten ist et ohne Stelle, für Kost und Logis hat er noch keinen Deut gezahlt, arbeiten will er nicht"

Peter!" unterbrach Frau Therese ihn vorwurfsvoll.

Der Küppermeister, der mit verschränkten Armen rastlos auf und nieder wanderte, blieb stehen und btickie seine Frau an, als ob er sie fragen wolle, was sie gegen diese begründete Behauptung einwenden könne.

Er hat Dir die Bücher beigeschneben, die Rech­nungen ausgezogen und sämmtliche Schuldner gemahnt", sagte Frau Therese, als Antwort auf die,m Blick während sie ruhig weiter strickte.

Der Küppermeister lachte, es war ein krankes, heiseres Lachen, in welchem seine Erbitteiung sich aus drückte,Bücher beigeschrieben?" erwiderte er spottend. «Na, er hat eine herrliche Confusion in den Büchern angerichtet, das muß ich sagen. Rechnungen ausge­zogen? Jawohl, und wie! Wenn die Kaufleute nicht so ehrlich gewesen wären, da«, wa» er zu notiren eerge|ien halle, aus freien Stücken hinzuzahlen, so

= Dir Bauernfänger. '

Novell« von Ewald August König. -

- - (Fortsetzung.)

»Franz war zttm Militärdienst für tauglich be­funden worden, er sollte in den nächsten Tagen den Reck der Kaserne anziehen und der Baler verlor da durch eine Arbeitskraft, die er ungern entbehrte, ab» gesehen von den Opfern, welche die dreijährige Dienst­zeit ihm kostete.

Je nun, das ließ sich ja voraussehen und Peter Schiffer mußte sich noch Glück wünschen, daß es ihm durch die Fürsprache wohlwollender Gönner gelungen war, seinen Sohu einem Regimeute einzureihen, wel­che» in derselben Stadt garnifonirte.

Aber e« hing neben dieser Wolke noch eine an« btre, welche dem Küppermeister größere Sorgen be- rdtete.

Seitdem Conrad Liebrecht, der Commis-Voyageur, in seinem Haufe wohnte, hatte Helene ihre frühere Stuntei teil verloren.

Sie fang und scherzte nicht mehr, schweigsam und gedankenvoll verrichtete sie ihre Arbeit, uno wenn der Vater am Feierabend eine Frage an sie richtete, f» blick,« sie ihn mit ihren klugen Augen ganz ver­wirrt an und blieb die Antwort ihm schuldig.

Der Küppermeister schüttelte bann bedenklich sein junbe« Haupt, über welches der Herbst schon seinen «ch' breitete, und er nahm sich vor, dem Herrn von Habenichts, dessen Lebensweise ihm nicht zusagle, die Wohnung zu kündigen.

Aber aber! Frau Therese hatte urplötzlich ent ®etft, daß sie auch t^8 Recht besaß, ein Wörtchen witzn'prechm, und der Küppermeister machte die sehr unangenehme Bemerkung, daß der Wille einer Frau ihr schwer zu bekämpfen ist.

TaS sollte wieder ander» werden, so, wie eS jetzt "®ri konnte und durfte «S nicht bleiben.

Hurt <»|t auf Sie Oderhefstfche Zei- eO* f*» W1I1IIJV1I »Ung, erstes Quartal 1873, »erden von allen Postanstalteu angenommen. Auf dem Lande nehmen auch die Postboten Bestellungen an.

, iltaröurg, Mittwoch, de« 8. Januar. ' ;5

zuni Kriegsminister ernannt sei, so ist darauf zu er­widern, daß der Kaiser wohl selber am Besten wissen wird, ob die Dienste des Grafen Roon im KriegS- tepartement auch noch ferner wülischenSwerth sind. Wenn endlich ein Correspoudent dem Ministerpräsident seine Gehalte nachrechnet, Jo weiß derselbe offenbar nicht, daß durch das Gesetz die gleichzeitige Beziehung zweier etatsmäßigen Gehalte verboten ist. So bezog Fürst Bismarck nur bett eine« Minister« des Aus roärtigen; Graf Roon wird möglicher Weise den eines Ministerpräsidenten beziehen. Was die zu lösenden Aufgaben der Gesetzgebung onbetrifft, so ist es un­zweifelhaft, daß die gegen die Prätensionen der römi­schen Hierarchie gericdteien in kürzester Frist erledigt werden und möglicher Weise noch eine schärfere Fassung erhalten dürften. ES heißt, daß bereits über die Ge setze, die Diseiplinargewalt und die Erziehung der ka tholischen Geistlichkeit betreffend, Beschluß gefaßt sei. Bezüglich des Gesetzes über die bürgerliche Eheschließung aber ist eine solche Meldung als voreilig zu bezeichnen. Bei dieser Gelegenheit soll noch ausdrücklich entgegen^ gesetzten Nachrichten gegenüber hervorgehoben werden, daß Fürst Bismarck den beiden bisher unter Roons Präsidium stattgehabten Ministerialsitzungen persönlich beiwohnte. Die angebliche Ernennung des Geh. RathS Persius zum zweiten KabinetSrath ist als un richtig zu bezeichnen. Derselbe bleibt im Ministerium veS Innern, da er zur Durchführung der KreiSordnung unentbehrlich ist.

DieNordd. Allg. Ztg " erwidert auf die Erklärung desCzas", wonach Deutschland in Folge der Gramontschen Enthüllungen berechtigt sei, von Oesterreich neue FriedetiSbürgschasten zu verlangen, daß Teutschlaiid solcher Bürgschaften nicht bedürfe; die beste Bürgschaft biete das wohlverstandene In tereffe Oesterreich Ungarns, sowie der erfreuliche Um­stand, daß der Leiter der Monarchie jenes Interesse wohl verstehe und sich nur durch diese« Interesse be­stimmen lasse. Wie dieSpen. Ztg." erfahrt, soll sich das Staatsministerium über die demnächst dem Landtage vorzulegendeit Gesetzentwürfe, belr. die Dis ciplinargewalt der kirchlichen Obern gegen die unter­gebenen Geistlichen, sowie betr. die Vorbildung des

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