be< Vaterlandes verwirklicht würbe, erschien es selbst verständlich, baß wir bald ein beutsches Recht unter einem höchsten Gerichtshof erhalten würben. Freudig begrüßt wurde der Reichsantrag auf Erweiterung der Reichecowpetenz zur Herbeiführung voller Rechtsein heit. Peinlichst berührte daher die Thatsache, das; diesem Anträge einzelne Regierungen, Mruiiter auch die würtembergische, sich entgegenstemmten." Die Er« Hüning schließt mit der nachdrücklichen ZürüLveisung partikularlstischer Tendenzen und mit der Aufforderung an die würtcmbergischen Reichstags- und Landtags aEgcprbneten den -erwähnten Antrag zu unterstütze".
Straßburg, 2. Jan. Als eine jehr werthvvlle Beute aus dem letzten Kriege ist die hiesige Staats- Tabaksmanusactur zu bezeichnen. Bevor in Frankreich das Tabaksmonopol eingeführt wuroe, nämlich bis zum Jahre 1810, bestanden hier 45 Tabaksfabriken, welche .mit. ihren Filialen in Colmar, ©ebletiftaot, Benfeld und Hagenau an 10,000 Arbeiter beschäftigte» und nahezu halb Frankreich mit Tabak versahen Diese Fabriken wurden bei Einführung des Monopols ohne irgendwelche Entschädigung Seitens her Regie-; rung aufgehoben und an ihre Stelle trat die Staats- manufaclur, welche iu dem alten Kloster St. Stephan und einigen umliegenden Nebengebäuden untergebracht wurde, wo sie, 40 Zahre, bis nämlich das jetzige Gebäude, dessen' Grundstein im Zahre 1849 gelegt wurde, verblieb. Zu seiner gegenwärtigen Ausdehnung (147 AreS Flächenraum) gelangte dasselbe übrigens epst allmählich, da dessen linker Flügel im Zahre 1862 und dessen rechter im Jahre 1866 vollendet wurde. Das ganze Anwesen sammt dem industriellen Mobiliar kam auf 2,750,000 Frsi zu stehen. Was nun die geschäftliche Bxtzetitung deS Etablissements betrifft, so nahm dasselbe unter den 17 in Frankreich bestehende^ Tabaksmanufacturen den dritten Rang ein und fabricirle jährlich ;gegett 4,400,000 Kilogramm (Lille 5,800 000, Paris 5,000.000), wodurch es dem Staate einen jährlichen G.winn von durchschyiltlich 20 Millionen eintrug Außer der hiesigen fiel auch die Metzer Manufaktur, in welcher hauptsächlich Cigarren fabrieirt wurden, Deutlchiand anheim. Dieselbe ist aber aufgehoben worden und werden deren Gebäude vorläufig als Militärhospiläler. verwendet, . -7. lieber den Geschäftsbetrieb der neuen Bischweiler Tuchfabriken laufen günstige Nachrichten ein. Dieselben lieferten allein im Monat Dezember anLOOOBallkirTuch im Werthe von über 500,000 Frs. nach Frankreich, während der Verbrauch nach Deutschland auch nahezu 1000 Ballen betrug.
Kltiltlk.
Wie», 4. Jan- Graf Beust hat am 21. De» cember privatim an den Herzog von Gramont geschrieben, der am 27. antwortete. Beust wird in,Pa rifer Zeitungen eine Antwort als „Lettre ä un ami“ veröffentlichen, die für Gramont wenig schmeichelhaft sein, für Deutschland aber eine Aufklärung über Oester reichs Politik bringen wirb. — In die Wahlreform Berlage des Ministeriums ist Galizie/r definitiv aui- genommen, obwohl die Verhandlungen mit den Polen deßhalb nicht abgebrochen wurden, da deren Verhalten Aenderungen zuläßt.------ ----—---
art dieses Hauses sehr schwierig und nur durch einen geschickten Techniker anSzusühren, der alsdann noch immer rathen muß, wo er bie zugemauerten Räume suchen darf. ..-
Er hatte bei den Worten einen Schrank geöffnet, der eine sehr seine und gewählte Garderobe enthielt.
„Jndeß für den Fall die Polizei wirklich einijipl' uns in unserm Lager überrascht, wird, sie dennoch ihren Zweck nicht erreichen", fuhr er fort, während Neuhofs den Stutzer hinausgeleitete, „trifft sie un» im Nest, so genügt der Druck auf eine Feder, sie einige Klafter tief in's Gewölbe hinunlerstürzen zu lasten; finden sie das Nest leer, so droht ihr dieselbe Gefahr — Louis ist ein gewissenhafter Wächter. Jetzi wählen Sie, drei Anzüge stehen zu ihrer Verfügung Sie können sich hier equipiren vom modernsten Cy Unter bis hinunter zu den feinsten Lackstiefel chen. Außerdem erhalten S'e einen Vorschuß von fünfzig Louisb'or, über deren Verwendung ich keine Rechenschaft fordern werbe, wenn ich mit Ihnen zufrieden bin"
„Dann fehlt mir nur noch Eins", sagte Liebrecht, „irgend ein Dokument, welches —**
„Sie sollen eine Paßkarte und wenn möglich einige Briefe von hochgestellten Personen erhalten. Wählen Sie den Namen, unter welchem Sie Ihre Rolle zu spielen gedenken " i|r.
„Freiherr Conrad von Wittgenstein."
„Gut. Ihre Güter liegen in Mähren, Sie werben einen Österreichischen Paß empfangen."
„Aber der Dialekt
„Thut nichts zur Sache. Sie reise» schon seit mehreren Jahren zum Vergnügen und gedenken sich einige -Momtt auszuhalten. Morgen erwarten Sie
Paris, 4. Jan, Der officiöse„Soir" schreibt; bHe« de CvrcÄeS- ist noch einem Ausnichalte von weniger als drei Taget: wieder voir Rom nach Paris zurückgereist. Herr de Corcelles, der sich nach Rom begeben, um sich über die Absichten des Vatikans zu unterrichten und die Haltung auseinander zu setzen, welche Herr Thiers-und seine yiegierung beobachten wollen, hat den Zweck nicht erreicht, den er sich vor- gefieckt... Tie Amprthche des heiligen Stuhles sollen io übertrieben sein, daß sie nur zu einem Bruche zwischen Frankreich und dem Königreiche Italien führen kömren und die Regierung aus eine höchst gefahrvoll» Bahn hinreißen müssen. Die Politik, welche oie französische Regierung zu verfolgen die Absicht hat, wurde vor einigen Tagen von Herrn Thiers kundgegebenz sie läßt sich in zwei Sätzen zusammen- fasteu: „Gute Beziehungen m t Jalien; Achtung vor den Interessen des Kirchenoberhauples." Die R^gie rung scheint entschlossen zu sein, die Politik Frankreichs .nicht zu gefährden und nicht nachzuahmen, durch welche es in Europa ijolirt wurde. Es Hal heute die Sympathie» Europas. Herr Thiers sucht sie zu vermehren. Er wird die Unabhängigkeit des heiligen Vgters als Kirchen Oderhaupt vertheidigen; aber hr wird mit Italien die nämlichen Beziehungen unterhalten, wie mit den übrigen Mächten Europas. Wir glauben zu wissen, daß die Regierung festen -rußes die Interpellation betreffs der Demission des Herrn Bcurgoing erwarten wird. Man versichert, daß die 46 Unterzeichner der Adresse, welche vor einem Jahre an den Papst gesandt wurde, bereits größten- lhells ihre, Namen auf diese Znle>pellatio>i gesetzt haben. Da Herr Fournier nur die Jnstructionerr des Münsters des Aeußem befolgt hatte, so wird die Regierung, die fest, entschlossen ist, dem Papste die Zeichen der höchlien Achtung weiter zukommen zu lasten, sein Jiltereste, wenn Grund vorliegt, zu wahren, nö thigenlalls seine Unabhängigkeit sicher zu stellen —; vor den Umtrieben nicht schwach werben, deren Zweck leicht zu errathen ist. Herr Thiers wird, wenn eine Interpellation gestellt wird, auf der Tribüne die Politik bet Regierung vertheidigen und mit seiner Au toiität den Minister des Aeußern decken."
Loudon, 4. Januar. Dem „Globe" zufolge hätte die Regierung der geographischen Gesellschaft bie Mitlheilnng gemacht, baß sie bie jüngst nachgesuchte Unterstützung der Rordpollxpedition ablehiteir müsse.
Chislehurst, 2. Jan. Kaiser sikapoleon 111. ist muten unter ven neuen Erörterungen über die Ur sachen des zu feinem Sturze führenden Krieges nicht unbedenklich erkrankt. An demselben ist auf Anordnung bei'conjultirenben Aerzte bie Operation eines Blasen steinS vorgenommen worben, lieber bas Befinben bes Patienten liegen keine bebenklichen Nachrichten vor. Es mag hierbei bemerkt werden, baß schon vor einigen Wochen in einigen englischen Blättern von bem „sichtlich zunehmenben Krgsteverfall" des Kaisers die jtbe war. ,
Newyork, 3. Jan. Der Präsident deS Eon g ress es von, Bolivia^ FrihS, hat hierher die Anzeige gelangen lassen, daß der Präsident der Republik, General MoraleS, mit Tvoe abgegangen sei und daß er mich im Cafe Paris, ich werbe Ihnen byrt weitere Instructionen geben. Wo wohne.» Sie?"
„Ich habe im Hause eines Küppermeisters ein möblirleS Zimmer."
„Wie heißt ber Mann?" . ,.*.
„Peter Schiffer." . ■' \s.y< n '
i „Sie müssen lofort ausziehen und im englischen Hofe sich einmlethen. Sagen Sie demKüppermeifter, Sie hätten auswärts eine Stelle gefunden und seien gezwungen, unverzüglich abzureifen. Er wird dann [bei einer späteren Begegnung mit dem Freiherr» von Wittgenstein nicht ahnen, daß derselbe —"
„Zch versiehe, über lassen Sie eS mir, bie nöthigen Maßregeln zu treff di."
Wahrend dieser Unterredung hatte Liebrecht seine Garderobe ausgewählt,, ber Baron übernahm eS, sie am nächsten Morgen in den englischen Hof zu senben.
Daraus begleitete er den ehemaligen Hanblungs reisenden hinaus, er nahm vor der Thür der Schenke Abschied von ihm und erinnerte ihn nochmals barau; daß er vor allen Dingen Ernst, Ucberleguug, Verschwiegenheit unb Pünktlichkeit forbere. —
Der Küppermeister Pder Schiffer staub in bem Rufe eines wohlhabenben Mannes.
Wer bett kleinen wohlgenährten Mann mit rolhe» Wangen, den kleinen luftigen ileuglcin und ber zeit [weife leuchtende» Nase jo frisch unb fröhlich im Kreise seiner sechs Gesellen arbeiten sah, wer einen Blick in seine gemächliche Wohnung warf, deren weniger eie gante, als gediegene Einrichtung den wohlhabenden Handwerker verrieth, wer ihn beobachtete, wenn er an Sonn- unb Feiertagen so stolz und würdevoll an der Spitze seiner Familie der Kirche zuschritt, ber mußte
(Krias) die Präsidentschaft bis zur Wahl deines definitiven Präsidenten übernommen habe. Bef einem in ber Nähe von Atlania stattgehabten Eisenbahnunfall würben. 7 Personen getöbtet und 15 verwundet.
Marburg, 5' Ja». In der gestrigen Sitzung des la ibwirthschafllichen Vereins Marbuig- Kirchhain machte der Vorsitzende, Herr Fr. Saug, zunächst geschäftlich Mittheilungen. Nach Uebergang zur Tagesordnung wurde zum ersten Gegcnsianb derselben : „Vorkehrungen zu den bei der im Jahre 1873 ftatifhibenbeii Gemralversammlung dcS Centralvereins in Marburg zu veranstaltenden Festlichkeiten", nach einer kurzen Diskussion, an der sich die Herren Hoffmann von Görzhausen, Professor (Sl afer, Dr. Schmidt und Bromrnvou Rauschen» berg befheilrgte», die Abhaltung von Festlichkeiten beschlossen, sowie cm AiNräH Glasers angenommen: 'Zum Jwcckc der Hebung der Viehzucht eine Ausstellung unb Prämiirung von Vieh gleichzeitig mit zu verair- stalten. Bromm beantragt noch, bu.ßfitung biefer Angelegenheit in die Hände des Vorstandes zu legen, der sich hierzu verstärken und der nächsten General- Versammlung ein Programm vorlegen möge. Der Antrag fand einstimmige Annahme. — Der zweite Gegenstand der Tagesordnung war: „Besprechungen über bie Ergebnisse ber Verkopplung." Der Herr Vorsitzende beantragte: Zusammensetzung einer Commission aus Mitgliedern von Gemeinden, die bereits verkoppelt haben, und die dann demnächst specielle Millheilungen zu machen hätten. Dr. Schmidt beantragt , ber Commission möchten noch oie beiben Special - Commiffare angehören. Nachdem Assessor Metz einige Erläuterungen über die Kostenfrage gegeben, beantragt Asstssor Rohbe, die Einsetzung einer Commission zur Berathung über den neuen Gesetzentwurf betreffend die Kosten in ' AuSeinandersetzungs? fachen, um dessen Ueberfenbung die beiden anwesenden Miiglieder des Abgeordnetenhauses, Prof. Glaser und Bromm, ersucht werden, wirb ber letztere Antrag angenommen. In die Commission wurden gewählt bie Herren Assessor Rohde, Assessor Metz, Dr. Schmidt, dje Bürgermeister Peil von'Heskcm, Ludwig von Tagobrrtohausen und Ludwig von Kleinseelheim. — Dr. Schmidt interpellier den Vorstalib, auf einen früheren Beschluß, bat Herrn Ingenieur Schmibt in Kassel zu einem Vortrag über die' Ohm - Correction einzulaben. Ter Vorsitzende ist gern bereit, alsbald diese Einladung ergehen zu lassen. Abg. Bromm wünscht alebann Abhaltung ber Versammlung in N irrt Hain. Hoffmann wünscht, daß die Interessenten der Ohm Corrrklion, auch wen» sie nicht Vereiusmit- glicber feUu, zu dieser Versamnilung geladen würben. Bromm beantragt, bie Einladung des Oekonomie- Contmisstousrath Maaß zu dieser Versammlung und wünscht, daß sie vor ban Termine zur Bildung einer Genossenschaft für diesen Zweck abgehaltcn werde. Diese Anträge wurden angenommen. Ter folgende Eegenstaiib der Tagesordnung war: „Besprechung über die dem Landtage gemachte Vorlage wegen Reform b<r Klassen und Einkommensteuer." Pros ssor Glaser refeiirt ausführlich und hebt.äste wesentlichen Aende-, die Ueberjeugung gewinnen, daß dieser Rpf begründet sei. — Rastlos thätig vom frühen Morgen bis zum Abend, dabei sparsam, ohne geizig zu sein, seiner soliden und geschmackvollen Arbeit-wegen gesucht, konnte eS ihm nicht fehlen, daß er sich im Laufe der Zeit zum wohlhabenden Mann emporschwang.
Und wenn er dies geheim zu halten suchte, ldenn er allen offenen und versteckten Fragen über diesen Punkt anSwich« obgleich er stolz, darauf sein durfte, daß er durch seiner Hände Arbeit es so weit gebracht hatte, so bewies das seinen schlichten einfachen Sinn, seine Abneigung gegen jede Großthucrei.
Und der Himmel segnete nicht allein die Arbeit seiner Hände, sondern auch fein Haus und seine Ehe.
Peter Schiffer fühlte sich glücklich und so recht behaglich bei seiner Frau Therese, bie in allen Stücken ihren Willen bem {einigen unterorbnete unb eine ebenso liebevolle Gattin unb Mutter, als eine sorgfältige unb fleißige Hausfrau war.
Er war stolz auf seinen Franz, ber schon rüstig Schlägel unb Bandmesser führte uüb sich befleißigt«, in bie Fußstapfen seines Vaters zu treten, er freute sich ber Heiterkeit seiner Helene, die zwar auf den Namen einer Schönheit nicht den entferntesten Anspruch machen konnte, aber durch ihr lebhaftes Temperament ihm manche frohe Stunde bereitete.
Aber der Mensch soll niemals auf die Beständigkeit des Sounenscheins bauen!
Auch am Horizont des biederen Küppermeisters sammelten sich gewüterschwangere Wolken, und Pcfer Schiffer begann mit sorgenvoller Stirn in die Zukunft zu blicken.
(gottfegung folgt./