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Oberhesslsche Mltung.
tt täalich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22) Sgr., durch^Lie Postämter 27 Lgr. (excl.-Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 82 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene ^eile 1 6gr; * -'
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auf die Oberhesstsche Iet- öCftCUlllltjt 11 tung, erste»Quartal 1873, wertten von allen Postanstaltcu angenommen. Aus »em Laude nehmen auch die Postbote» Bestellungen an.
Deutsches Strich.
#• Berlin, 4. Jan Wie man Hirt, hat in dem gestrigen Ministerrath eine allgemeine Verständigung statlgefunden, jo datz sich alle diejenigen Gerüchte, welche in der Uebernahme des Präsidiums des Staats- Ministeriums durch den Kriegsmintster Grafen Roon ein Anzeichen für eine neue' Richtung in der Regierung erblicken, als grundlos erwiesm haben. Tie Regierung ist, wie glaubhaft versichert wird, vollkommen einverstanden' damit, daß eine rasche und energische Durchführung der zur Sicherung drS Staates gegen die Uebergriffe der katholischen Kirche bestimmten Gesetze unabweiSlich geboten sei. Auch die vielfach in der Presse laut gewordenen Befürchtungen, daß durch die Stellung deö Grafen Roon zum Kreisordnungs- gesetzc die Ausführung desselben verzögert werden könne, entbehren jeden Grundes; man braucht ja nur an die Thronrede zu erinnern, in welcher der Kriegs- Minister Namens der Regierung erklärt, daß dieselbe alle verfassungsmäßigen Mittel anwenden würde, um dieS für nothwenoig erachtete Gesetz durchzusühren. Geradezu wahnwitzig sind die Auslassungen z. B. der „Volkszeitung", welche naiver Weise erklärt, daß Fürst Bismarck vom Grafm Roon überlistet worden (ei; — Bezüglich des Rücktrittes des Ministers der landwirthschastlichen Angelegenheiten ist noch immer keine Entscheiduug erfolgt; doch soll nach Allem, waS verlautet, der Abschied des Herrn v. Selchow in sicherer Aussicht stehen. Allen Andeutungen in der Presse gegenüber, die sich mit dem Nachfolger deS Ministers beschäftigt haben, halten wir unsere schon früher gebrachte Mittheilung aufrecht, daß ein Oberpräsident das Ministerium übernehmen werde Die amtliche Publikation der neuen Ernennung dürfte bereits in einigen Tagen zü erwarten sein.
— Die Nachricht von der'Ernennung deS jetzigen General-Fcldmarschalls Graf Roon zum Minister Präsidenten kann nicht verfehlen, überall sehr bemerkt zu werden' Seitdem Preußen vor nunmehr bald 25 Jahren in die Reihe der constitulionellen Staaten gc» treten ist, oder besser seit dem 19. März 1848, hatte Preußen 10 Ministerpräsidenten (Arnim, Ludolf
Camphausen, Hansemann, Aueröfeld, Pfurl, Brandenburg, Manteuffel, Hohenzollern, Hohenlohe, Bismarck, Roon), von denen die Hälfte, nämlich 5, Militärs warm, nämlich General der Infanterie v. Pfnel, General der Cavallrrie Graf von Brandenburg, General der Infanterie Fürst zu Hohenzollern, General Prinz Adolf zu Hohenlohe-Ingelfingen, und endlich Gencral- Felbmarschall Graf v. Royn. Fürst von Bismaick wurde Minister-Präsident, als er eigentlich noch keine höhere Militärcharge halte; wurde er doch 1866 vom Major, unter Uebergehung zweier Stufen, gleich Generalmajor und 1871 Generallieutenant. Ein Feld marschall war in Preußen überhaupt noch nicht Minister. Das preußische Staats-Ministerium zählt jetzt 8 Minister mit und 3 Minister ohne Portefeuille (He Staats-Minister Delbrück, v. Stosch, und v. Ka- meke). Da bei Unterzeichnungen sämmtlicher StaalS Minister (in Erlassen, oder unter Gesetzen und Verordnungen) die Reihmfolge sich nach dem Datum des Patents richtet, so werden da der Präsivent stets voran steht, fortan erst Graf Roon, dann Fürst Bismarck, dann Graf Jtzenplitz, v. Selchow, Graf Eulenburg, Dr. Leonhardt, Camphausen und Falk sich folgen. Inzwischen ist der Geheime Ober-Regierungsrath Wagener (der erste Redacleur der Neuen Preußischen Zeitung) zum Wirklichen Geheimen Ober-RegierungS- ralh mit dem Range eines Raths erster Ctasfe ernannt worden. Er gehört jetzt zum Reffort des FelbmarschaUS Grafen Roon und ist in 'Wehrmann's Stelle getreten, wobei es noch nicht entschieden ist, ob er wie dieser den Jmmedialvortrag erhält.
— Das neueste ArmeeverorduungSblatt enthält' einen königlichen Erlaß an den Kriegsminister, worin hervorgehoben wird, daß der König Werch darauf lege, daß Roon als Krigsminister und Vorsitzender des Ausschußes für das Landheer und die Festungen mit der oberen Leitung und Vertretung der Armeean gelegeuheiten auch ferner betraut bleibe. Mit Rücksicht auf die Geschäftsvermehrung für den Grafen Roon in Folge der Uebernahme des Ministerpräsidiums soll General Kameke als Staatsminister den Geschäften des KriegsmiNlstcriums in Uebereinstimmung mit dem Grafen Roon verantwortlich vorstchen und den Kriegs- miuister überall, wo uölhig, vertreten.-' Der-Erlaß beauftragt den Grafen Roon, über zweckmäßige Ge- schäftstheilung Bericht an dm König zu erstatten. Im
Interesse der prompteren Geschäftsführung wird General Kameke autorisier, den Kriegmiitister überall ckik voller Wiikung zu vertreten, so daß Recurse gegen seine ijg Verwastungsangelegenheiten erlassenen Entscheidungen nur an den König zu richtm sind.
— Am Sonnabend Vormittag versammelten sich in einem der Räume des Abgeordnetenhauses die Mitglieder des Ausschusses der Eisenacher Versammlung unter Vorsitz deS Abg. Dr. Gneist zur Feststellung der Berathungsgegenstände für die nächste allgemeine Versammlung. Anwesend waren die Herren Gneist, Wagner, Meitze», Engel, W. Borchardt jun., v. Holtzendorff, Dr. M. Hirsch und Fr. Duncker. Von auswärts waren erschienen die Herren Brentano, Knapp, Geibel, R. Härtel, Jacobl-Liegnitz und Dr. Eckhardt ES wurde beschlossen, die nächste Generalversammlung im Herbst abzuhalten und auf die Tagesordnung zu setzen: 1) Einigung»- und Schiedsämter in ihrem Verhältnis zu deutsche» Communal- und Verwaltungs-Einrichtungen, 2) Vorbereitung einer Enquste über diS Wirkungen der jetzt bcstehendm Fabrikgesetzgebung, 3) daS Actienwesen, 4) Sleucr- verhältnisfe. Für jeden dieser Gegenstände iöutde eine genaue Disposition festgestellt und beschlossen, zunächst aussührliche Gutachten über dieselbm einzuziehest; diese dem im Juni einzuberufenden Ausschuß vorzulegen und der Generalversammlung im Herbst gedruckt zu übergeben. In den Ausschuß cooptirt wurden die »Herren Schulze-Delitzsch, Löwe-Calbe, die Professoren Held und v. Sybel (Bann), Bankdirector Thorade (Oldenburg) und Arbeiter Ranisch (Berlin).
Stuttgart-, 4. Jan. In der hmtigen Sitzung der Abgeordnetenkammer stellte» die Abgeordneten Elben, Hölder und Sarwey den Antrag, daß die Regierung einen Gesetzentwurf vorlegen möge, nach welchem die Geschäftsordnung es zuließe, daß die Kammern Gesetzes- Vorschläge an den König bringen können. Derselbe wird mit 67 gegen 6 Stimmen angenommen. Zuvor nahm die Kammer einen Antrag Hölders und Schmids auf Revision beziehungsweise Beseitigung sämmlicher Ver- fassungSbkstimmungen über die Geschäftsordnung an, nachdem Justizminister v. Mittnacht als Abgeordneter sich für eine» solchen Antrag ausgesprochen hatte. — Der deutsche Parteiverein jn Ulm veröffentlicht im „Schwäbischen Merkur" eine Erklärung, in welcher es unter Anderem heißt: „Als die politische Einheit
Die Bauernfänger.
Novell« von Ewald August König.
(Fortsetzung.) 1 11 '■
Der Baron zeigte auf eine Thür und erhod sich, um die Börse in den eisernen Schrank zn legen, der in einer Ecke deS Gemaches stand.
„Nun?" fragte er den 'ehemaligen HandlungSrei senden. „Was fagen Sie zu dieser Art, die Bauern zu fangen?" -
„Ich sage, daß das kein besonderes Kunststück war," erwiederte Liebrechl geringschätzend, „wenn ich auch zugebe, daß das Mittel nicht besser gewählt werden konnte."
„Da haben Sie recht, und die Aufgabe, die ich Ihnen zugedacht habe, ist ungleich schwerer." /
„Ich hoffe, sie zu lösen."'
„Sie sind hier fremd?" ■
„Im Grunde — ja." ' / :
„So kennen Sie also auch den Major außer Diensten, Leberecht von Barnitz nicht?"
Er ist vermögend und ein sehr fein gebildeter Mann, das heißt, er versteht vortrefflich den Edelmann herauszukehren. Im Uebrigen kann er de» Soldaten noch immer nicht verleugnen; ich sag? Ihnen das, damit Sie wissen, wie Sie ihm gegenüber auf treten müssen. Sic werden sich ihm nähern, seine Gunst zu gewinnen suchen und —“
„Ihm die Fevern auSrupfen —“
„Bewahre, das wäre plump, mit einem Edelmanne muß man feiner spielm, als mit einem Bauer. Suchen Sie sich Zutritt in sein Hau- zu verschaffen, Venn Ihnen das gelungen ist, haben Sie den ersten Theil Ihrer Aufgabe erfüllt."
„Bah — das ist
„Erlauben Sie, mir scheint, daß Sie Alles sehr leicht nehmen," fuhr der Baron mit scharfer Betonung fort, „ich liebe diesen oberflächlichen Leichtsinn nicht. ES handelt sich hier um andere Dinge, als darum, dem alten Haudegen einige Goldstücke abzn- nehmen, ich verlange, daß Sie mit Ernst und Ucbcr- legung an die Lö,ung Ihrer Aufgabt gehen."
„So? Worum handelt es sich?" fragte der Jsraelite. „Um eine Privatangelegenheit, für welche wir —
„Hütet Eure Zunge, Bernstein," fuhr der Baron zornig auf, „Eure Sarkasmen und Einwürfe sind mir eben so verhaßt, wie Eure uervenaufregende Unruhe. Kümmert Euch nicht um meine Angelegenheiten, oder bei Gott, wenn Ihr mir unbequem werdet —"
Er vollendete den Satz nicht, aber die blitzenden Augen ließen den Schluß errathen.
Bernstein warf seinem verwachsenen Genoffen einen Blick zu, als ob er ihn fragen wolle, ob man diese Drohung schweigend eiustecken müsse; Selbach begnügte sich damit, gleichmüthig die Achsel» zu zucken.
„Kümmert Euch etwas mehr um Euer eigenes Departement," nahm Neudorff das Wort, „Ihr habt bis jetzt mit unseren Banknoten ein schlechtes Gc schäft gemacht."
„Ist eö meine Schuld?" höhnte Bernstein. „Habe ich nicht von Anbeginn an mein Mißfallen und ernste Bedenken darüber geäußert, daß man par force dieses Geschäft zu betreiben strebte? Jetzt sind die Leute vorsichtig geworden und die Behörde hat die Kennzeichen veröffentlicht, wir werden zu andern Scheinen übergehen müsse» und —"
„Ruhe!" gebot der Baron. „In welcher Maske wollen Sie sich dem Major nähern?"
„In der eines adeligen Gutsbesitzers." „Gut, das war auch meine Ides. Kommen Sie mit. Louis, leuchte den Herren hinunter." ‘y
Selbach und Bernstein verstanden den Wink, siv wagten nicht, sich der Befolgung dessen zu weigsrü.
Ohne ein Wort zu verlieren ging Selbach hinaus, der Israelit folgte ihm mit trotzig zusammengckiiiffcnen Pippen.
Der Baron führte bett Handlungsreisenden in das Gemach, in welches Schröder kürz vorher ein» getreten war. > -- ’ 1 .
Liebrecht erkannte sofort, daß tt ein Garderobenzimmer war, an den Wänden entlang standen hohe und breite Schränke, auf dem Tisch in der Milte vtt
I Raumes lagen alle zur Toilette erforderlichen Gegenstände. ' Schröder halte bereit- seinen Anzug umge» tauscht, er trug die Kleidung eines Stutzer- und selbst ein scharf beobachtender Blick konnte itt ihm den früheren Pächter nicht wieder erkennen.
Liebrecht äußerle sein Erstaunen darüber, daß dieses geräumige Versteck trotz so vieler Haussuchungen nicht entdeckt worden sei.
Der Baron lächelte gleichmüthig.
। „Drüben auf der entgegengesetzten Seite liegen ebenfalls zwei Räume, so groß wie diese," sagte er, „einer wird in Fällen der Noth als Zufluchtsort für verfolgte Mitglieder benutzt, der andere enthält unfere Schätze, mit deren Versilberung wir vorsichtig zu Werke gehen müssen. Daß die Polizei dieses Versteck nicht findet, begreift derjenige, der c- kennt, kaum, und doch würde sie es nur dann entdecken, wenn sie auf den gescheidtcn Einfall käme, die Länge der äußeren Front mit der Größe deS inneren Raumes vergleichen zu lassen. Aber da- ist bei der ccmylitirten Bau»