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Mr. 4. \ Marburg, Sonntag, de» 5. Januar. "'"4'^ 1873.

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^dMessische Zeitnng.U

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Politische Wochen-Ueberficht.

DaS wichtigste Ereignjß der scheidenden Woche ist die Ernennung de« Grasen Roon zum Ministerpräsi dentm und Feidmarjchall, foule die Berufung des Generals Kamele in das KriegSministerium. Mit den anerkennendsten Worten hat unser Kaiser diese Beförderungen vollzögen. Die am 23 December vom Papste vor dem Collegium der Cardinäle gehaltene Allocuticn wird durch ihre unverständigen und un­wahren Beschuldigungen gegen daS deutsche Reich eine neue Mahnung geben, den aufreizenden und verleum derischen Wühlereien auf deutschem Boden mit ver doppelter Energie entgegenzutreten.

In diplomatischen Kreisen Oesterreichs wirbelten die neuen Enthüllungen GramontS viel Staub auf Gras Beust, der die Weibnachtstage benutzte, um nach Wien zu kommen, war einmal wieder in Aller Munde, hat sich aber bis jetzt nicht veranlaßt gefunden, ein Wort mitzureden, doch will er sich, wie dieMonlagS Revue" anveutet,nicht zu erinnern vermögen", die von Gramont cilirlen Sätze oder eine ähnliche Aeu ßerungjemals mündlich oder schriftlich gechan zu haben." Mit dieser ausweichenden Antwort wird man aber kaum durchkommcn, zumal Andrasfy es seiner jetzigen Stellung wie feiner Vergangenheit schuldig ist, daß Klarheit über die Haltung der auswärtigen Politik Oesterreichs vor und zu Anfang des Krieges zwischen Deutschland und Frankreich herrsche. Abge­sehen von der historischen Seite, hat diese Angelegen. Heu für Oesterreich allerdings nur nebensächliche Be demung; denn seine Stillung zu Deutschland hat sich seil dem Besuche Franz Jvs.phs in Berlin so gestaltet, daß sie vonrelrospectiven diplomatischen Gängen" nicht berührt wird.

Bedeutsamer als die Gramont-Beust-Affaire wurde in Frankreich die JnUigue in der römischen Frage. Thiers war nie ein Freund des italienischen EinheilS staaleS, er hat wiederholt erklärt, daß er den voll brachten Thalfachen Rechnung tragen müsse; Remusat aber Hal vom ersten Tage seiner Amlsthätigkeit stets eine sehr schonungSvolle, doch eorkecte Haltung be hauptet. Schon geraume Zeit herrschte Zwietracht zwilchen dem Botschafter am päpstlichen und dem Ge sandten am italienischen Hose; der Gegensatz zwischen Vatican und Quirinal wurde durch diese doppelte Vcr-

B- _ _______ ______. -.

Dir Bauernfänger.

Novelle von Ewald August König. -- * (Fortsetzung.)

Zu verderben ist ohnehin an ihm nicht« mehr", fügte der Verwachsene hinzu.

Welche Schulen haben Sie besucht", fragte der Baron.

Die Elementar- und darauf die Realschule."

Sir sind mit der französischen und englischen Sprache vertraut?"

Ganz vertraut nicht"

Aber Sie können mit leichter Mühe nachholen, rvaS Ihnen nock fehlt?"

Wenn es sein muß."

ist jedenfalls wünschenSwerth. Sie kennen alle Spiele?"

So ziemlich."

-Sie kennen- auch die Winke und Zeichen, die verschiedene Bedeutung des Blicks, und verstehen im NothfaUe einige Kunststücke auszuführen, ohne dabei die Fasiung zu verlieren?"

Conrad Liebrecht lächelte geringschätzend.

Ich habe mich auf meinen Reisen in diesem Studium gründlich ausgebildet", sagte er,wenn weiter nichts verlangt wird "

R cht so leichtfertig, mein Herr", unterbrach der Baron ihn streng.Sie werden noch manches lernen muffen, bevor Sie ausgebildet sind, wir Alle lernen noch. Ich werde Ihnen morgen früh Unterricht geben, vorzüglich muffen Sie im Whist, L'hombre, Piket und den seinen Gesellschaftsspielen sich umsasieude

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tretung Frankreichs in Rom so verschärft, daß Bour- going offen Beschwerde gegen Fournier in Versailles erhob, und als Remusat Letzterem beistimmte, kam Ersterer brüsk um seine Entlassung ein, die ihm denn auch, zum großen Aerger feiner Freunde, gewährt wurde. Am 28. traf bereits fein Nachfolger Coreelleö in Rom ein, ein eifriger<Katholik, doch ein Schwager Remusats. Ob der MrJdus vivendi der doppelten französischen Vertretung ay der Tiber nach Bbürgoiug'S Abgänge jetzt leidlichere Formell annehmen wird, muß sich bald zeigen; einstweilen bietet Thiers auch hier Alles auf, um der Krisis den acuten Charakter z« nehmen und Zeit für spätere Auskunftsmittel zu ge- winneit. Dieselbe Beschwichtigungspolitik hat auf dem Gebiete der eonstilutionellen Reform es wenigstens erlangt, daß das Jahr 1872 ohne heftige Erschütte rungen schließen konnte; thatsächlich aber stehen die Dinge genau so, wie sie seit dem 13. Decbr. standen

Der Kömg von Italien ist, von seinem Un wohlsein wieder vollständig hergestcllk, am Schlüsse des Jahres in Rom eingetröffen und hat die Glück­wünsche des diplomatischen Corps entgegengenommen. Der Papst empfing bei Gelegenheit des Festes seines Ramensheiligen am 27. December und des Jahres Wechsels eine Anzahl von einheimischen und auswärtigen Deputationen, darunter auch mehrere Hundert Officiere, cer ehemaligen päpstlichen Armee, für welche der General-Kanzler daS Wort führte. Der Papst be­dauerte in seiner Antwort, daß er seine früheren Osficierc ohne Waffen sehen müsse, vertröstete sic aber aus bessere Zeiten. Der deutsche Gclchäststräger, Legations - Secretär Stumm, hat in Folge der päpst­lichen Allocution vom 23. December Rom verlassen. Die diplomatischen Beziehungen zwischen dem heiligen Stuhle und der Schweiz -ftnd ebenfalls abgebrochen.

In Spanien sind wieder Gerüchte von einem bevorstehenden Ausstande im Schwange. Diesina sollen es die Anhänger der vertriebenen Dynastie sein, eie in der Armee gewühlt haben und ein militärisches Pronunciamento im Schilde führen sollen.

In englischen Ardeiterkreisen hat die strenge Verurtheilung der contractbrüchigen Gasheizer unan­genehm berührt, und es wurden Denkseyriflen an den Minister des Innern um Begnadigung der Sträflinge gerichtet.

Der russische Thronfolger Großfürst Alexander (geb. 1845) war schon feit dem 19. November er= krankt ; am 19. December stellten sich alle Symptome

Kenulnisse verschaffen; die Rollen, welche ich Ihnen zutheilen werde, verlangen dies. Fühlen Sie sich fähig, die Rolle eines Edelmannes zu spielen?"

Gewiß."

Nun wohl, ich werde Sie jetzt mit unseren Sta tuten bekannt machen. Unsere Gesellschaft, deren Haupi ich bin, zählt vielleicht dreißig Mitglieder; wir hier Louis Neuhofs, Ernst Selbach und Herman Bernstein bilden ven Vorstand, der die Vertheilung be« Ge- winnsteS zu überwachen und bei wichtigen Untern eh mutigen ihre Ausiührung zu beralhen und vorzube reiten hat. Ich werde Ihnen einstweilen die Geschäfte zutheilen, zu deren Ausführung ihre Fähigkeiten ge­nügen; Sie haben sich streng nach meinen Vorschriften und Anordnungen zu richten und allwöchentlich dreimal hier Bericht zu erstatten. Jeder Gewinn' sei er groß over klein, wird hier abgeliefert und später unter die Mitglieder vertheilt; die Verheimlichung eines Ge­winnes hat die Ausschließung bei der nächsten Ver- lheilung zur Folge. Verrath wird mit dem Tode be­straft, denken Sie nicht, da« fei eine leere Drohung, wir haben die Macht, einen Menschen spurlos ver­schwinden zu lassen und kennen in diesem Punkte keine Gnade. Aus der anderen Seite darf jede« Mit­glied von uns Schutz und Hülfe erwarten, wenn e« üch in der Roth b, findet, wir haben unsere Helfers­helfer sowohl im Bureau der Polizei, als im Kerker Welcher Art unsere Geschäfte sind, kümmert Sie einst weilen nicht, eS genügt Ihnen, diejenigen zu kennen, welche Ihnen übertragen werden. Da« E^keunungS- zeichea au öffentlichen Orten, im Witthshause oder

des Unterleibs-Typhus heraus. Die letzten ärzttichen Berichte lauten im Allgemeinen günstig.

Die Pforte, empfindlich darüber, daß der König von Jtälitn den Sohn des VicekönigS von Aegypten empfangen habe, hat sich indessen mit der Erklärung, daß dies nicht amtlich, sondern privatim geschehen sei, zufrieden gegeben.

Der rumänischen Regierung ist nun auch vom Senat in der Eisenbahnfrage mit 28 gegen 12 Stim­men ei» Vertrauenszeugniß ausgestellt worden. Wie Verncscu in der Zweiten Kammer, ist auch der Se­nator Deschlu mit feiner Absicht, Zank zu stiften, ab- getrumpft worden. Die Bukarester Stadtgemeinde will eine Anleihe von 8 Mill. Frcs. machen.

Deutsches Reich. .

»* Berlin, 3. Jan. Se. Majestät der Kaiser, hat dem Fürsten Bismarck durch Uebersendung der Brillanten zum Schwarzen Adlerorden famint einem höchst schmeichelhaften Handschreiben aufs Neue einen Beweis seiner Anerkennung gegeben. Leider ist der Fürst schon wieder durch Hüslschmerz an das Zimmer gefesselt; doch scheint der Anfall diesmal nur leicht zu sein. Die Nachricht von dem bevorstehenden Rücktritt des Ministers v. Selchow gewinnt immer mehr an Consistenz; den letzten Verhandlungen des Staatsministeriums hat Herr v. Selchow nicht mehr beigewohnt. Mau nennt als seinen muthmaßlichen Nachfolger einen activen Regierungspräsidenten. Heule Mittag 1 Uhr fand eine Sitzung des Staats­ministeriums unter dem Vorsitz des neuen Minister­präsidenten , Kriegsministers Grafen v. Roon, statt, in welcher der zweite Chef der Militärverwaltung, General v. Karneke, eingeführt wurde, um unter voller Verantwortung für die Armeeverwaltung Sitz und Stimme zu übernehmen. In dieser Sitzung sollen auch die kirchenpolitischen Gesetzentwürfe zur Sprache gekommen sein. In der Presse hat sich hinsichtlich der Confiscation derjenigen Organe, welche den Wort­laut der päpstlichen Allocution gebracht haben, ein wahrer Sturm erhoben. Man tadelt die ministerielle Verfügung des Grasen Eulenburg, vergißt aber dabei, vatz die feindselige Aeußeruug deS Papstes in der katholischen (zumal der polnischen) Bevölkerung ver­breitet werden sollte, was unter keinen Umständen zu dulden war. TieOpinione" bespricht den Rück­tritt des Fürsten Bismarck von dem Posten des preu­ßischen Ministerpräsidenten in einer von der land­läufigen Manier durchaus abweichenden Weise. Sic

auf der Straße ist einfach; wenn Ihnen Jemand be­gegnet, der seine Nase mit dem Daumen und dem Zeigefinger der geschlossenen linken Hand reibt, so wissen Sie,- daß er einer der Unirigen ist und daß er mit Ihnen zu reden wünscht, um gemeinschaftlich mit Ihnen ein kleines Unternehmen auszuführen. Sie haben dieser Aufforderung sofort Folge zu leisten. In derselben Weise können Sie sich den Beistand eines Genossen verschaffen, wen« Sie benfelben nöthig oder wünschenSwerth finden. Wollen Sie hier mit uns verhandeln, so wenden Sie sich zunächsi an den Wirth, um zu erfahren, ob die Lust rein ist, sodann pochen sie Dreimal an die Rückwand fce« Schrankes mit den Worten:Edelmann oder Bauer." DaS wäre einstweilen Alles, worauf ich Sie aufmerksam zu machen hätte. Sollten Sie der Polizei in die Hände falle», so leugnen Sie und fürchten Sie nicht«, wir sind im Stillen für Sie thätig; verrathen Sie uns, bann finb Sie verloren, selbst in bem Falle, wenn Sie Ihre Maßregeln so gut träfen, daß wir Alle ohne Ausnahme verhaftet würden."

»Ich glaube, diese Warnung ist überflüssig," ent­gegnete Liebreedt ruhig, während er die Asche von ferner Cigarre stieße

Desto besser," sagte Bernstein, der schon längst seinen Sitz verlaffen hatte, um rastlos auf und ab zu wandern.

Aber e« ist gut, wenn Sie es wiffen. der Augen­blick der Versuchung könnte an Sie herantreten, und bann ist es gut, wenn Sie sich dieser Warnung erinnern." :r