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Hof-Postamte und bei 46 Zweig-Postanstalten in der Stadt und deren Umgebung. Um die Bewältigung der angekommenen Packete, welche sonst von einer Cen tralstclle (in der Oranienburgerstraße) aus geschah, zu erleichtern, war diesmal noch eine zweite Stelle errichtet und zu diesem Zwecke ein Alzgebäude in großen Dimensiouen (250 Fuß lang, oO Fuß Weit) am Niederschlesischen Bahnhof in 14 Tagen mit einen, Kostenaufwand von ta. 8000 Thlrn. errichM. Alle Packete, Welche auf bcm Niederschlesischen Pahnhvf, so wie auf den benachbarten Bahnhöfen (Ostbahn und Eörützer) ankamen, b. i. über ein Drittel des Gt'sammtiWeihnachtsverkehrS, brauchten, ist Folge diese, Dccentralisation nicht erst in das Centrum der Stadt geschafft zu werden, seitdem wurden unmittelbar von der neu ernchteten Stelle abgefertigt, zu welchem Be­huf tfk erforderliche Anzahl von Wagen und Ge- spannest in der Näh« stalionirt waren. Täglich gingen 120 Wagen von der alten Stelle in der Oranien­burges Straße und 70 Wagen von der neuen Stelle 4m Niederschleflscheii Bahnhofe ab.

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. Köuigsberg, 31. $)«.. Drö »Hartpng'sche Ztg." meldet heule die Zahlungseinstellung des hie­sigen Bankhauses. E. .Nathan Jakoh,

Wiesbaden, 31! Decbr. Gestern Abend 11 Uhr erfolgte unerwartet der Schluß der Spielbank. In den letztenrncht Tagen war der Zutritt zu den Spielsälen nur nvch gegen auf den Namen lautende Eintrittskarten gestatt«; trotzdem war der Zudrang so starke daß gestern kein« neue Karten mehr ausge­geben werden konnten. Die ganze HombÜrgcr Spiel- geseUschafl hatte sich in aller Eile noch hierher gewandt, sah sich aber in ihren Hoffnungen getäuscht. Vor Und in den «Sälen waren zahlreiche Schutzleute und Kursaal Bedienstete-postirt und es herrschte bei Hand habung der Ordnung schon seit geraumer Zeit ein sehr abgekürztes Verfahren, das heißt Jeder) der irgendwie Skandal machte, wurde ohne weites Um stände vor die Thüre gesetzt. So verlief beim der letzte Gtückstag, die kleinen Zänkereien abgerechnet, welche täglich vorzußommen pflegten, ganz in gewohnter Ordnung. Heute Morgen verkündeten Placatb urbi et orbi, daß die letzte Spielbank in Deutschland auf gehört habe^M existiren. Unsere Stadt ist bei dem bedeutungsvollen Ereignisse sehr ruhig geblieben; die meisten Leute wußten heute noch gar nicht, daß die Katastrophe vorüber war. Zur gebührenden Beiherr- lichung des weltgeschichtlichen Momentes hatte der Kursaal-Kapellmeifter auch noch das Reich der Töne, in Aufregung versetzt,'und zwei Tänze, „die letzten Glücks : stunden" und „die Glücksgöttin" betitelt, componirt.

Karlsruhe, 31. Dec. Die Karlsruher Ztg." meldet: Die Genesung der Großherzogin ist so roch "■ — --- -■----■-

In finsterem Schweigen folgte der Beamte dem korpulenten Manne, der ihn die steilen Treppen hinauf durch enge krumme Gänge führte.

Alle Thüren wurden ihm geöffnet und in jedem Raume, in welchem er hineinbtickte, fand er Staub und Modex, schimmelnd« Tapeten, von Spinngeweben überzogen, und alte, wurmstichige Möbel, .für die kein Trödler etwas geboten haben würde. ,t.

Nicht ein einziges dieser niedrigen, dumpfen Zim­mer verrieth durch irgend ein Anzeichen, daß es in den jüngsten Jahren bewohnt gewesen war, es schien fast, al« ob Peter Baumann «men besonderen Gefallen daran finde, in seinem Haus« dem Moder und dem Ungeziefer eine bleibende Stätte zu bieten. ü- .

Trotz alledem wurden auch diese der sorgfättigsten Durchsuchung unterworfen, ii.it,- - juyin nm

Was kümmerten die Beamten'die Staubwolken, welche vor ihrett Nasen ausflogen, die Käfer, welche sie fast bei jedem Schritt unter ihren Füßen fühlten, die SpiUnen, die vor ihren Augen flüchteten und all daS andere Ungeziefer, welches durch den Hellen Licht­schein erschreckt, den dunklen Ecken zulief.

„Wieder nichts l" sagte der ComMissär erbost, als der letzte Raum durchsucht war. „Wozu dieser Schrank?"

ES war ein hoher, zweithürigcr Schrank, der am äußeren Ende des Ganges in einer eigens für ihn ge­brochenen Nische stand, einer jener massiven, dauer­haften Schränke, die zu der Zeit der Erbauung deö Hauses in Mode gewesen waren.

Rechts und links neben diesem Schranke befanden sich Thüren, welche in die letzten Zimmer an dieser Stile des Hauses führten. „ V

Peter Baumann zuckte die Achseln.

'''' „Wenn Sie ihn öffnen, werden Sie es sehen", erwiederte er gleichmüthig, „ich habe den Schrank da­mals mit dem Hause übeinoiumen."

Der Commissär öffnete die Thür und -leuchtete hinein, das Gerippe eines Menschen grinste ihn an.

„Teufel! was ift das?" fuhr er auf,

,Ein Unterpfand für die Schuld eines Studenten,

vorgeschritten, daß sie seit vorgestern täglich einige Stundest außer Bett zubriygj.-- ^ ■' " Jf .

Ttrafiburg, 31. Dec Die Agitation im Lande scheint sich von den Anstrengungen erholt zu haben, die ihr nach dem Ablaute der Optionsfrist am 1. Oc­tober eine Pause zum Athemschöpfen auferlegt hinten, Zum WeihnachtSfeste wurde die Stadtbevölkerung mit einer französischen Flugschrift erfreu), die zunächst dem „Niedxrih. Cour." ape Sünden vorbielt mid dünn in gelungener Apostrophe die-Prufsien« aufforderle, zu fliehen, denn Alles werde sich in Waffen wan I veln, um sie, natürlich ohne Unterschied von Alter und Geschl.cht, auSzurotlm. Als ChristkindelSgabe für daS^Veulfchreceudc Land wurde daneben am Münster eine andere deutsche Hetzschrift verkauft, die, wie man hört, auch in den Landgemeinden feilgeboten wird.' Der Verfasser ist jedenfalls in so fmi ein guter Deutscher, als er noch gröber schimpft wie sein ftan , zösischer College. Dem gepreßteil Herzen Luft zu machen, ist chchl auch der einzige Zweck dieser Papier auschwärzstiig; denn der oder die Verfasser kennen dies Elsässer schlecht, wenn sie dieselben zu Werkzeugen einer neuen Auflage der Bartholomäusnacht benutzen wollen. Den einzigen reellen Gewinn bei der Sache macht dir Reichspost; sie streicht Mit größter Unpar­teilichkeit auch von diesen Schriften den 'Porlobe trag ein. * . *V, ' 'Vt i

Wien , 31. Decbr. Der „Epen. ZtA." wird' von hier telegraphirt: ,jDie von Gramont erwähnte österreichische Depesche vom 20. Juli, von der das

Rothbuch schweigt, cxistirt in der Thal, aber sie lehnt, nachdem schon vorher das französische Allianzbegehren abgewiesen worden, den Wunsch Frankreichs ab, daß die Neutralitätserklärung wenigstens nicht veröffentlicht werden möge. Um die Pille zu überzuckern, waren jedoch vertraulich sympathische Phrasen deö Herrn von Beust beigefügt." — In toU weil diese Darstellung sich bestätigen wird, muß abgewarlet werden.

Bern, 31. Dec. Morgen tritt das neue Gesetz über den Bau- Und Betrieb von Eisenbahnen in" Kraft — Die von der „Agencia Stefäui" gemeldete Abberufung des päpstlichen Nuntius ist bis jetzt noch nicht erfolgt. ' ’..

Paris, 51. Decbr. Laut „Temps" begibt sich Graf Ballier; Bevollmächtigter beim deutschen Haupte quartier, mit einer Mission nach Deutschland. — Die deutschen Behörden haben das Erscheinen eines sran- zösifchen politischen BlatteS, welches in Belfort er­scheinen sollte, untersagt': Sie halten zuerst die Er­mächtigung «ltheitt, dieselbe aber später zurückgezogen. — Eine spanische Depesche meldet, daß Don Alfonso von Bourbon, Bruder des Herzogs vou Madrid, heute vaö Obeicommando über die carlistifchm Banden in

Catalonien übernommen hat. — De Corcelles traf gestern in Rom ein und stieg bei Merode «b. Hhiers scheint sich vollständig gefügt zu haben, wenigstens tagt sein Leiborgan „Bien Public"^ Herr Corcelles sei mit einer vertraulichen Mission in Rom betraut worden. Man glaubt jedoch, daß er bald Bourgoing ei setzen werbe. Der Papst hatte, als er sich in Gaeta im Exil bef«ud, schon Beziehungen mit dem Diplo­maten , , welchen Thiers mit seinem Vertrauen beehrt. Inbrünstiger Katholik, ist Corcelle« der Manu, wel­cher am besten die reltgiöien Befürchtungen verscheuchen kann. Andererseits gestatten die ^Beziehungen, welche er mit'ter französischen Regieruztz hat, auf die weise Zurückhaltung und äußerste Klugheit zu rechnen, welche tür die. Sicherheit unserer nationalen Interessen- wyth- wendig sind. — Thiers begibt sich morgen srüh um 9 Uhr nach Versailles, um die- Behörden un-, das diplomatische Corps zu empfangen- Er kommt deS Abends nach dem Eliise zurück. Der „Liberty" zu- lolge feidet er an Kopfschmerzen, dft er für die Folgen seines Falles hält. — Wie dasselbe Blatt sagt, halte Graf Arnim gestern mit Thiers eine Unterredung Be­treffs der Unterdrückung der Pässe; eS soll in dieser Unterredung auch von Belfort die Rede gewesen sein und der Präsident die besten Versicherungen erhalten haben. Ob diese Miilheilungen begründet, bleibt dahingestellt; sicher ist jedoch, daß Thiers fortwährend befürchtet (oder zu befürchten vorgibt?), Deutschland könne even­tuell Schroieeigkeiten im Innern Frankreichs dazu be­nutzen , um Belfort zu behalten. Er hält nämlich diese Festung für äußerst wichtig und begreift nicht, wie sich Deutschland dazu verstehen konnte, dieselbe herallszugeben. — Wie verlautet, ist dem Pariser Po­lizei-Präsidenten die ganze französische Polizei unter­stellt worden. Dasselbe System bestand unter dem Kaiserreich. — Aus Montbsliarb meldet man, daß alle Juden von den Listen der Geschworenen und von denen der nolabeln Kaufleute, welche die Richter ter Handelskammer zu wählen haben, gestrichen worden sind. (Unglaublich.) — Heute nahmen alle Minister und bie, beiDen Pariser Präsidenten die Glückwünsche ihrer Beamten bei Gelegenheit des neuen Jahres ent­gegen. Heute Abend speisen die Minister bei Thiers.

Versailles, 30. Dec. Niest weit von hier halten die Führer der Bonapartisten ziemlich regelmäßige Zusammenkünfte, welch« bemerkensweith sinb, weil sie gewissermaßen wie ein Thermometer bie Stimmung der Partei, ihre steigenden oder fallenden Hoffnungen an- zelgen. In der letzten Versau.mlung war man sehr zu­frieden .mit dem Gramont'schen ZwischenfaUe, obgleich bie Mehizahl der Anwesenden demselben nur eine per­sönliche Bedeutung beilegte. Die Boiiapärtiften sind Überzeugt, daß Herr de Gramont nicht leicht seinen verlorenen Ruf als geschickter Diplomat wieder Her­

der hier einige Monate gewohnt hat und mit der Zeche mir durchgebrannl ist."

’ „Davon ist mir nichts bekannt."

„Mag sein, ich liebe eS nicht, Alles an die große Glocke zu hängen, besonders bann, wenn ich der Ge prellte bin. Wer teil Schaben hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Wenn Sie einmal Jemande« finden, der ein kunstreich präparirtes Gerippe "suchte zebn Prozent von der Kaufsumme will ich dem Zroischen- händler cpfern." v,

Der Commissär schwieg, er stieg die Treppe zum Speicher hinauf, um auch hier seine vergeblichen Rach» forschungen fortzusetzen unv zu beenden.

Er zitierte vor Wuth, als er sich endlich anfchickt«,: dir Schenke wieder zu verlassen.

„Noch eins", fragte er, mühsam an sich haltend, „weshalb vermiethrt Ihr die Räume nicht, welche Ihr selbst nicht benutzt?"

Der Wirth stieß mit dem Zeigefinger der rechten Hand die Asche in seiner Pfeife nieder und zuckle ge- ringjchätzend die Achseln.

„Ich warte nur noch aus das Gesetz, welches jedem Hauseigenthümer gebietet, die Räume, die er selbst nicht nothwendig benutzen muß, zu vermie'hen," erwiderte er gelassen. „Wenn dasselbe pubHcirt wird so will ich mich auch dazu bequemen, trotzdem die hochwohllöbliche Polizei mich als einen Feind der Ge­setze betrachtet."

„Ihr seid frech, nehmt Euch in Acht Mann." —

„Ich wahre nur mein Recht Wenn Jemand eine Frage an mich richtet, die zu stellen er nicht berechtigt ist, so muß er sich darauf gefaßt machen, daß die Antwort nicht höflich lautet. Und von Ihnen, Herr Commffsär, hege ich die Ueberzeugung, daß Sie mir gern etwas an den Kittel flicken möchten. Weshalb das? 'Ich habe Ihnen nie ein Leiv angethan, und Jeter, der mich kennt, wftd mir bezeugen, daß ich ein ehrlicher Mann bin. Gtite Nacht — auf Wiedersehen."

Damit wandte Peter Baumantt den Beamten den Rücken, denen nichts, weiter übrig blieb, als in der

Finsterniß die HauSlhür zu .juchew und unverrichteter Dinge sich zu entfernen. V '

Der Handlungsreisende saß noch in der Gaststube; der Wirth nickte ihm zu und nahm hinter dein Schenk­tische wieder Platz.

Das sind die kleinen Unannehmlichkeiten des Le­bens",'.sagte er gelafien, „mein Blut bringe« sie nicht mehr in Wallung, denn ich bin sie gewöhnt."

„Nichts gefunden?" fragte Liebrecht.

„Nicht so viel", suhr der Wirth, über seine Hand­fläche, blasend, fort, „ich hab's ihnen ja voraus gesagt. Dieser Schlaumaier!" ‘ .,

„Sie waren von seinem Besuch unterrichtet?"

„Natürlich!" ..V

Dex Wirth drückte, während.«r dieses Wort sprach, auf einen Punkt,, der sich neben ihm in der Wand befand und den man bei oberflächlicher Betrachtung für einen Dintenfleck halten konnte,.

Gleich darauf vernahm Liebrecht Den Hellen Klang einer Glocke. lfc j

„Hm — Herr Neuhoff ha! ihnen also gesagt, daß Sie ihn hier heute Abend erwarten sollen?" fragte er nach einer Pause. '.

„Ich gab Ihnen ja seine Karte."

„Ganz recht. Na, Geduld, er wird sogleich kommen."

Das letzte Wort war seinen Lippen kaum ent­flohen, als ein kleiner, unterlegtet Mann eintrat, dessen Physiognomie keinen angenehmen Eindruck machte.

ES war ein verschmitztes Gesicht, welches den unverkennbaren Stempel einer stürmischen Vergangen­heit trug und doch sprach sich eine so feste Energie und ein so großer Mannesmuth in ihm aus, daß man sich unwillkürlich zu ihm hingezogen fühlte.

Er trug bie schlichte Kleivung eines HandweikerS und mit dieser Kleidung stand fein Auftreten und feine ganze Erscheinung in Einklang.

... „Alles glücklich abgelaufen?" fragte er. H

Der Wirth nickte bejahend.

„So kommen Sie", fuhr er, sich zu dem jungen Manne wendend, fort, „der Baron erwartet Sie."

(Fortsetzung folgt.)