«Zn Gottes Namen* fuhr der Wirth fort, ich wiederhole Ihnen, es ist vergebliche Muhe?
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1873
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Die Bauernfänger.
Novelle von Ewald August jtürtig. (Fortsetzung.) ' Der Gast hatte bestürzt sich erhobest. '
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Anwachsens der Bevölkerung und der vermehrten. Wohlhabenheit bringen müßte, verzichtet werden solle. Man hat daher im vorigen Jahre auch an den ührigen Stufen der Klassensteuer, mit Ausnahme der zu be-' seitigenden Unierstuse 1a, nichts ändern wollen, und' auch in diesem Jahre bietet der Entwurf keinen weiteren Erlaß, als die vorjährige Summe von 2*/2 Millionen bar. Ohne Zweifel geht aber namentlich die klassificirte Einkommensteuer einer sehr erheblichen Steigerung entgegen. Schon für das Jahr 1872 ist das BeranlagungS Soll gegen dasjenige des Vorjahres um 8,i pCt. gestiegen.^. HLas bis jetzt über die Veranlagung pro 1873 bekannt geworden ist, berechtigt zu der Amighme, baß die Steigerung sich auf circa 10 pCt, also aus etwa 600,000 Thaler belaufen wird. 'r <:. , , . J' ■ . ‘
— Die Ernennung eines neuen Minister Präst dcntdst wird der „Staatsanzeiger" noch vor Wieder zusammentritt des Landtags publiciren,. läßt sich das „Franks. Journ.", auS Berlin telegraphiren.
— Außer der LandtagSvorlgge des CultiiSministers über die Grenzen der kirchlichen Strafmittel steht der „Spetwrschen Zlg." zufolge noch eine zweite Vorlage über die geistliche DiScipliuargewalt zu erwarten. Die Reihe der Vorlagen bürste damit vorerst beendigt sein. Die Einbringung des von den Ministern verfaßten, dem Staalsministerium jetzt vorliegenden Civilehe-Ge setzenlwurfes ist nach demselben Blatte minbesteus zweifelhaft geworden, wenn nicht ganz aufgegeben.
— ES wird beabsichtigt, schreibt die „Spenersche Zeitung", die Bubgetberathungen im Abgeordneten Hause so zu fördern, daß sie im Laufe des Jauuar abgewickelt werden können. Für die Zeit vom 1. Ja nuar bis zum PublicationStermin des Staatshaus.- halisetais pro 1873 wird der Finanzminister, wie in früheren' Jahren, einen Crcdit fordern und die bezüg liche Vorlage demnächst cjnbringen. Anderersrits werden um die Mitte des Januar die vorbeteitcnbeii Arbeiten für den Reichstag beginnen. Man sieht hierzu
Anspruch, trotzdem dieselbe sehr gründlich betrieben wurde. " ' ’
Alle Schränke und Schiebladen mußten geöffnet werden, nicht einmal die Betten, m denen die Kinder schon schliefen, blieben verschont.
Auch die Wände und Fußböden wurden unte& sucht, ob nicht hinter, oder unter ihnen ein verborgener Raum sich befand, ustd doch hätte das schadenfrohe, boshafte Lächeln des Wirths den Beamten beweisen müssen, daß diese Mühe'nur ein« nutzlose Zertl Vergeudung sek. ar.-. m<i
Sie stiegen hinunter in den Keller und untiri suchten auch hier jede Kiste, jedes ttert und jedes Volke Faß, ohne zu finden, was sie suchten. - ' >0
Der Commissär fluchte, er durchstöberte all, -Ecken, klopfte mit einem kleinen Hammer a» alle Mauer« und ließ den Fußboden so gewisseuhost untersuchen, als ob es sich nur umAuffindung eines halben Silbergroschens handle" ; ... 3j-
. Alles vergeblich. Die Arme auf der Brust ver« schränkt, lehure t.r Wirth .ßNi einem Fasse und schaute ihrem Treiben zu,
Ein sarcastisches Lächeln umspielt, seine .Lippen, man sah ihm an, daß es ihn recht herzlich freite, der hohen Polizei abermals eine Nase drehen zu können.
„Hier ist auch nichts Verdächtiges", sagte p«c Commissär endlich, während er die nasse Stirn trocknete und dabei dem Wirth einen Blick zuwarf, al» ob er sich auf ihn stürzen und ihn verschlingen wollte, — „hinauf Canaillel"
„Meinen Sie mich, oder Ihre Eollegen?" fragte Baumann gelaßen. „Nach meiner unmaßgeblichen Ansicht berechtigt dieser Titel, vor Zeugen gesprochen zu einem Jnjurienprozeß. Wenn es Ihnen .Vergnügen macht, sich darüber Gewißheit zu verschaffe», so werden Sie mich gerne bereit finden, Ihnen den Gefall« zu erzeigen," , ... ‘ ......
Der Commissär biß sich auf die Lippe.
„Vorwärts!" befahl er. J1’
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dem Eintreffen der meisten Mitglieder des BpndeS- raths und. namentlich der stimmführenden Minister entgegen. Zur Abkürzung der Vorbereitungen und zum Zwecke einer getanen Information der Bevollmächtigten schon in der Heimaih, wird man einen Theil der Vorlagen den Bundes-Regierungen auf dem Correspo»Venzwege zugänglich machen. Esq möchte dies namentlich bezüglich "zweier Entwürfe der Fall sein, welche den Reichstag beschäftigen sollen, mit dem Armee Orgguisaiionsgesetz und dem Preßstrsetz, Der erstgedachte Entchurs ist bereits gegen Ende der vorigen Reichstagssession im preußischen Kriegsministerium fertig gestellt worden, während.da» Preßgesetz, «äe anderweit bekannt ist, chereits mehrfach den Bundesregierungen Vorgelegen und durch dieselben Aendelungm erfahren hat. Ob auch ein Vereinsgesetz schon in der nächsten Session- erscheinen,!wird, ist zur Zeit noch nicht abzusehen. Ebenso ist e«,fraglich, ob mit dem Münzgesetz, welches eifrig vorbereitet wird:, auch da» erwartete Bankgesetz erscheinen wird,, mit welchem man sich allerdings auch schon beschäftigt. Sind wir übrigens recht unterrichtet, so hat neuerdings der Plan der Umwandlung der preußischen Bank inline Reichsbank günstige Chancen gewonnen. Die wiederholt«, gegen das GründungSwesen im Abgeordnekenhause gtf richteten Angriffe werden nicht ohne Folgen bleiben. M« man hört, sind gegen mehrere derartige Finanz operationen gerichtliche Erhebungen angeordnet worden»
— Der Weihnachtspostverkehr in Berlin hat a*ch in diesem Jahre, wie zu erwarten war, große Dimensionen angenommen. Vom 18. bis 25.. Dezember sind an Adressaten in Berlin eingegangen 111,866 Stück (13,050 mchr als im Vorjahr); in Berlin aufgeliefert sind 128,967 Stück,(8060 mehr als i» Vorjahr); durch Berlin lranstijrt. 105,559 Stück (6465 mehr als im Vorjahre). An jedem Tage der Weihnachtswoche haben mithin im PyrchjchnittMer 40,000 Packele in Berlin von der Post behandelt werden müssen. Dir. Auflieferung erfolgte bei dem
Deutsches Reich. '
Berlin, 31. Dec. Schon in den ersten ^äaestj nach Wiederbeginn der Arbeiten des Abgeordnetcch' Hauses werde,, die CoiNMissioiiSberath,ingen über haS Steuergcsetz fortgesetzt werden; man sieht denselben begreiflicher Weise in parlamemarischen Kreisen mit großer Spantiüng entgegeii. Rach allseitiger Versiche rung der Betheiligten sind die in die Oeffentlichkeit gedrungenen Mittheilunge» über die erste Berathung der Commission, namentlich in Hinsicht der Aüslassun- gen der Vertreter der Regierung, ungenau wieder- gegebm und däher vielfach irrig beurtbcilt worden. Nach verlässigen Informationen gehen die Momente,! von denen die Regierung geleitet wird und an welche, auch die Ausführungen des Finanz - Ministers und seines CommissarS in der Commission aiilehnlen, von folgenden Gesichtspunkten aus, deren Mittheilung iur Richtigstellung der Sachlage beitragen mag. Die Auslassung in der Commission ging dahin: Bei der! vorjährigen Vorlage handelte es sich um einen ziffer^ mäßig genau nachweisbaren Erlaß an der Claffen steuer, um die Beseitigung der Unterstufe la, welche eine durchschnittliche Einnahme von 2'/r Millionen Thalet jährlich gewählt. In der Gestalt, in welcher der Vorschlag jetzt unter Berücksichtigung d'er gegen den früheren Enlwuif erhobenen Einwendungen wiever ausgenommen »erben ist, läßt sich der Steuererlaß nicht mit gleicher Genauigkeit, sondern nur durch approximative Schätzungen ermitteln, welche ans unbedingte Zuverläjsigkeit keinen Anspruch machen können. Die'er Umstand hat Veranlaffung zu denjenigen An trägen gegeben, welche auf eine gesetzliche Fixuüug des Ertrage« der Klassen- und klassificirte» Emkom- mensteuer hinzielen, in einem wesentlichen Pünkte aber der Absicht der fraglichen Reform nicht zu entsprechen scheinen. Die Vorschläge der Regierung gehen nich, davon aus, daß auf den Mehrbetrag, welchen die Ktassen- und Einkommensteuer — ganz abgesehen von den vorgeschlagenen Abänderungen — in Folge des
Es lag etwas EinnehMStKeS, Gewinnendes in dem frischen Antlitz des lchlanken ManneS, der so stolz dem Commissär gegenüberstanb, als ob er durch seine Geburt, ober seine» Rang sich berechtigt fühlte, ihm Befehle zu enhetlen.
Aber ble Polizei hat einen scharfen Blick, und der Commissär entdeckte; daß it-r elegante moderne Anzug dieses Herrn sehr fadenschvinige Stilen zeigte, baß er eine unechie Uhrkettc trug u:ib seine Leibwäsche nicht so sauber war, als die Kleidung eS erwarten lassen durste. * : : - ’■
„Ihre Legttimation, Mein Herr!" befahl er in kurz angebundenem Tone. (-’r
„Run, daS nennt ich starken Tabak!" erwiderte
Gast. „Ist denn dieses HauS so berüchtet, daß ein ehrlicher Mann, es nicht betreten darf, ohne —*
»Ich verlange Ihre Legitimation," unterbrach bet Commissär ihn ungeduldig, während die beiden Sergeanten, welche hinter ihm standen, den Mann scharf beobachteten.
„So gehtS, wenn man in einer Gasse wohnt, um deren Wohl und Wehe der hochlöbliche Magistrat sich nicht kümmert, weil er nicht gerne mit dem Pto- letariat in Berührung kommen mag!." spottete der Wirth.
Der Gast hatte seine Brieftasche geöffnet und aus derselben ein Document hervorgeholt, welches er dem Beamten überreichte.
„Was bedeutet das?" fragte er.
„Nichts, lieber Herr", ewiberte der Wirth., gelassen sitzen blieb, „die hohe Polizei will mich . Gewalt zum Tiebeshehler stempeln, einen ehrlichen Mann genirt das rveiter nicht, wenn er's estiVal gewohnt ist." /■•.
Der Commissär stand vor dem junge» Tldntf, jtx musterte ihn mit mißtrauischen Bilcken.
Fand er denn etwas an ihm, was sein Mißtraue» wecken konnte. " '•»
„Conrad Liebrecht," las der Commissär, den Blick abwechselnd auf das Papier und den jungen Mann richtend, „Hanbluttgsreijender, Statur schlank, Stirn hoch, Augen blau, Haare blond , Kinn rund, spitz, Mund mittel, Zähne gesund, Bart Vollba'rt; besondere Kennzeichen, eine Warze am rechten Ohr läppchen." „Wenn Sie sich überzeugen wolle», ob auch dieses Kennzeichen zutrifft —"
„Schweigen Sie!"' ffel der Beamte dem Handlungsreisenden ins Wort. „Wie kommen Sie hierher?"
»Zu Fuß!" sagte der Wirth. „Ich hoffe, die hohe Polizei kaitn mir. nicht verbieten, einen Gast asifzn- nehmen , der mich besucht, um mit mir ein Geschäft abzuschließen." .1:., z n;
„E>n Geschäft?" fragte der Commissär spottend „Weiche Artikel führe» Sie beim ?" ;nh ,
„Cigarren!" erwiderte Liebrecht ruhig». „Wenn ich mir erlauben bars, den Herren eilte Probe anzubieten, vielleicht u, » i.Ä »L
„Für welches HauS reifen .
„Meyer und Comp in Bremen." “
„Er hat eine vorzügliche Sorte zu sieben Thalern das Tausend," nahm der Wirth wieder das Wort, „Cigarren im Freien zu rauchen, vortrefflich a» Somuierabenben, wenn die Mücken tanzen'"
Dem Commissär schoß das Blut in die Wangen, wie oft hatte er den Spott und Hohn dieses Mannes hinunlerschlucken muffen, ohne sich dafür rächen zu können l ,,, ,,,
„Folgt mir!" sagte er barsch, „Ihr wißt, worum eS sich handelt."
„Hm — es wird die alte Geschichte sein," erwiderte der Wirth phlegmatisch, indem er sich langsam frhob, „viel Geschrei und wenig Wolle, Sie könnten sich die Mühe ersparen."..
Er nahm den Ring, an welchem die Schlüssel hingen und folgte dem Beamten, nachdem er zuvor eine» verstohleiten Blick mit dem HandlungSreisenden gewechselt hatte.
Die Räume des Erdgeschosses waren dürftig meublirt, ihre Durchsuchung nahm nicht viel Zeit in
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Marburg, Freitag, den 3. Januat iv r ”
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