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1873.

WeMsische Zeitung

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werden die bereits ausgearbeiteten Gesetze erledigt

liche Eheschließung und die Erziehung der katholischen

Ostseebewohiicr in Bayern veranstaltet werden. Im

Unterhandlungen über seinen Nachfolger angeknüpst seien. Die in Folge der Aussagen des Herzogs e. Gramont begonnenen Enthüllungen über die öster­reichische Politik zur Zeit de« deutsch-französischen Krieges nehmen immer größere Dimensionen an. Her- Vorzuheben sind besonders Mitlheilung-n, welche in

der französischen Presse und derKöln. Zig." < ' treten und denen augenschcinlich eine gewisse Authen

recht gemachtenRothbücher" erinnert, wenn man hört, wie Graf Beust in einem für die Oeffentlick- keit bestimmten Documentv die lauterste Friedensliebe athmet, insgeheim aber dem französischen Hofe in ziemlich bündiger Form seine Unterstützung verspricht. Was nun die Beziehungen zwischen Deutschland und Oesterreich betrifft, so werden diese sicherlich durch derartige r, trospective Enthüllungen nicht die mindeste Einbuße erleiden. Geht doch aus allen denselben her vor, daß der jetzige Leiter der österreichischen Politik, Graf Andrassy, stet« mit der größten Loyalität ver­fahren ist.

Dinge hören zu sollen, die ein Diplomat an Höfm von Souveränen nicht zu vernehmen erwartet, und wogegen ihm in seiner Stellung ein Mittel der Ab­wehr und einer entsprechenden Gegenäußerung nicht zu Gebote stünde. Ueberhaupt scheint es uns fraglich, ob man den Bevollmächtigten in einer Stellung be­lassen kann, vermöge deren er bei Demjenigen beglaubigt ist, welcher so unverschämte Acußerungen sich über den Souverän herausnimmt, der ihn beglaubigt hat. Jedenfalls darf wohl erwartet werden, daß der deutsche Geschäftsträger, welcher dem Vernehmen nach ange­wiesen war , an der NeujahrScour beim Papste sich mitzubetheiligen, in Folge der Allocution vom 23. d. M. nun dessen übcrhoben sein wird. Diplomatische Artigkeiten haben nur dort einen Sinn, wo diplomatische Lebensart in Geltung ist.

Schleswig, 28. Dec. DerFl. N. Z." schreibt man: Nach einem heute von dem LandrathSamt in Hadersleben an die hiesige Regierung eingesandten Telegramm ist auf einem Hofe im Süden Jütland«, ganz in der Nähe der auf diesseitigem Gebiet belegenett Wieding Harde die Rinderpest auSgebrochen, und sind bereits 19 Kühe dieser Krankheit erlegen und das sämmtliche übrige Rindvieh ist bereits angesteckt. Auf­fallend ist, daß die dänische Regierung auf diesseits von der Regierung sowohl als später vom Oberpri- stdium erlassene telegraphische Anfragen keine Antwort ertheilt hat, weshalb die Regierung genöthigt worden ist, durch das Reichskanzleramt in Berlin auf diplo­matischem Wege über di- Richtigkeit obiger Nachricht und die näheren Umstände Auskunft zu erbitten. Da von Seiten der dänischen Behörden im Großen und Ganzen diesseitige Requisitionen stets mit Zuvorkommen­heit erledigt zu werden pflegen, so dürfte der Grund der erwähnten Thatsache wohl darin zu finden sein, daß die dänische Regierung und die betreffende Lokal­behörde von dem Ausbruch der Rinderpest noch nicht Kenntntß gehabt haben

München, 28 Dec. Wie unter den gegenwär­tigen Verhältuissen fast alle öffentlichen Angelegen­heiten einen politischen Brennpunkt gewinnen, so ist

ticilät innewohnt. Mt voller Gewißheit geht daraus das Doppelspiel des Grasen Beust hervor, der große Lust veripürle, für Frankreich activ in die Schran ken zu treten. Man wird unwillkürlich an die vom Fürsten Bismarck geäußerte Verachtung für die zu-

TeutscheS Strich.

Berlin, 30. Dec. Die päpstliche Allocution hat, wie sich jetzt zeigt, gleiche Sensation im Volke, wie in der Presse, wie in den maßgebenden Regionen gew'cht. In der That hat der Papst diesmal an Rücksichtslosigkeit und Heftigkeit alle früheren orato- rischen Leistungen übertroffen. Viele Zeitungen haben deshalb Anstand genommen, die Allocution im Wort laute zu veröffentlichen, da sie wegen den in dersetben enthaltenen Schmähungen gegen das deutsche Reich und den Kaiser mit Recht einen Conflict mit dem Staatsanwalt fürchteten. In der That ist derselbe auch bereits gegen dieGermania", obgleich diese, wie bereit« bemerkt, dir Allocution in einer mildernden Uebersetzung brachte, eingeschriiten und ist den übrigen Blättern angezcigt, daß ein Abdruck ihrerseits di- gleichen Folgen nach sich ziehen würde. Die praktischen und politischen Conscqucnzen des Ereignisse« werden gleichfalls nicht auf sich warten lassen und die Durch­führung der Maßregeln beschleunigen, welche schon längst als eine Nolho-endigkeit erkannt wurde, das StaatSinleresie gegen die exlravacanlen Uebergriffe des katholischen EleruS sicher zu stellen. Vor allen Dingen

Erscheint täglich außer de» Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Kock'sche Buchdruckerei) bezogen 22; «ar durch die Postämter 27 Sgr. (excl. Bestellgebühr und mcl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. - Jnsertionsgebühr für di« gespaltene Zeile I Sar. $ Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an-

Geistlichen.-*- lieber den Rücktritt drS Herrn v. ligen Regierungen getheilte, von den Lebensirtteresien Selchow ist noch immer nichts Bestimmtes bekannt, beider Nachbarreiche gleichmäßig dictirte Verlangen doch hält man denselben in unterrichteten Kreisen für steht, das jetzige gute Einvernehmen zu einem bau ziemlich wahrscheinlich. ES heißt sogar, daß bereits " ...... "

ernben zu gestalten." In Posen und in nigsberg i. Pr. ist den dortigen Zeitungen amtlich eröffnet worden, daß.sofortige Beschlagnahme erfolge, wenn sie die in der jüngsten Allocution des Papstes enthaltenen, gegen Deuschland und deffen Regierung gerichteten Aeußerungen aufnähmen.

DieSpen. Ztg." schreibt: Da nach der neu- auf- lichen Allocution sich erwarten läßt, daß bei der Nen- 'jahrscour eine wo möglich noch heftigere Aus lassuug des Papstes erfolgt, so dürfe es für den an- noch bei der Curie accreditirten deutschen GeschälSträger nicht gerathen erscheinen, sich daran zu betheiligen. , __________ r........ ,

(Sr würde einer so aufgeregten Persönlichkeit gegen- es auch mit den Sammlungen der Fall, die für die über Gefahr laufen, raub angefahren zu «erden und Ostseebewohiier in Bayern veranstaltet werden,

DieNordd. Allg. Ztg.", den Gleichmuth der preußischen Zeitungen gegenüber den Gramont'schen Enthüllungen besprechend, findet die Ursache davon in der Zuversicht auf die freundnachbarlichen Gesinnun­gen deS heutigen Oesterreich-UngarnS und deffen dauer­haftes Einvernehmen mit Deutschland. DieNordd. Allg. Ztg. "-.sagt nach einer entschuldigenden Aeußerung über den Grafen Beust, dessen Antecedentien kein Ge heimniß feien und der als österreichischer Minister berechtigt gewesen sei, gegen Deutschland aufzutreten, wenn daS maßgebende Interesse Oesterreichs solche« ------- ... ------- ......-------------,-v.......ö- vorzuschreiben geschienen habe:Gehen wir übereine werden; in erster Linie das Gesetz über die bürger- R-crimination von blos historischem Interesse zur Ta- v.a.. ..~k n- gesordnung über, auf welcher das von den beiderfei-

Dic Bauernfänger*).

Novelle von Ewald August König.

1. Capitel.

Worin der geneigte Leser mit den Geheim­nissen eines altenHauses bekannt gemacht wird.

Wenn man die deutsche Großstadt, welche unserer wahrhaften Erzählung zum Schauplatz dient, durch­wandert, ihre glänzende Hauptstraße entlang schreitet, bis man auf den Platz gelangt, auf welchem all­wöchentlich der Viehmarkt abgehalten wird, wenn man alsdann in die zwar ziemlich breite, ober keineswegs saubere Gaffe zur Rechten einbiegt, so wird man sehr bald ein hohes, breite« HauS bemerken, welches durch seine alterthümliche Bauart sich von den Nachbar­häusern auszeichnet.

Es scheint in jener Zeit gebaut zu sein, in der man noch die hohen Bogenfenster und traulichen Erker stübch-n, die dunkelen versteckten Treppen und di- winkeligen Gänge liebte.

Damals mag es einen recht freundlichen Anblick gewährt haben und vielleicht schweifte mancher Blick mit dem Ausdruck des Verlangens und der Bewunde rung zu den Erkerfenstern hinauf; heute ist es alt mrd baufällig geworden; mannichfache Reparaturen von ungeschickter Hand haben die Harmonie deS Ganzen gestört, und die jetzigen Bewohner scheinen keinen W>-rth darauf zu legen, ob die Vorübergehenden -s der Mühe werth finden, diesem Steinkolvß ihre Aus M-rkiamkeit zu widmen.

Vielleicht war das HauS in früherer Zeil der Stolz und die isreube eines angesehenen Patriziers, heuie ist eine Schenke und zwar eine Schenke derje­nigen Sorte, deren Schwellen Niemand, der einen guten Rock trägt, gern überschreitet.

L *) Nachdruck ist untersagt.

Treten wir in's Haus hinein, so finden wir Schmutz und Unrath überall, wohin der Blick fällt, Schmutz und Unrath in der Schenkstube und der d-hinter liegenden Küche, in allen übrigen Stuben, auf den Stufen der steilen Treppen und in den engen dunkelen Gängen.

Schmutz und Nnrath, Kehricht, Scherben und faulende Küchen-Abfälle auf dem kleinen gepflasterten Hofe, auf welchem die unsauberen Kinder des ebenso uusauboren Wirth«« spielen.

Und trotz allem diesem Schmutz nH Unrath, trotz der mit Miasmen geschwängerten Atmosphäre, welche in diesem Haust und seiner nächsten Umgebung herrscht, scheint Peter Baumann, der Schenkwirth, gute Ge­schäfte zu machen.

Da« beweisen die vielen Bier-, Wein- und Brannt weinsäffer, die er in kurzen Zwischenräumen empfängt, das beweist auch sein runder, wohlgenährter Körper, und sein behäbige«, zuftiedene« Gesicht.

Freilich, die Polizei will da« besser wissen und behauptet, der Wirth Baumann schöpfte seine Existenz- mittel aus anderen Quellen und feilte Schenke sei der Sammelplatz der Diebe und Vagabunden, die ihm ihren Tribut zollen müßten, aber trotz ihrer Schlau h-it und Wachsamkeit hat sie die Wahrheit dieser Be­hauptung noch nicht beweisen können.

Es war an einem unfreundlichen Octoberabend, als ein Polizei Commiffär, von vier Sergeanten be­gleitet, in diese Schenke trat.

Er kannte genau all- Räumlichkeiten, denn er war schon oft hier gewesen, um sich Rs angenehmen Auf tragt« zu entledigen, hier Haussuchung zu halten und die spitzfindigen Bemerkungen deS phlegmatischen WirthcS anzuhören und er hatte bisher stets die Er­fahrung machen müssen, daß Peter Baumann an Geistesgegenwart und Schlauheit ihn übertraf.

Das verdroß ihn ganz gewaltig, er wußte, daß>

die Schenke der Sautmeipbatz affer berüchtigten Jndi- viduen war, daß es geheime Verstecke in ihr gab, in denen das gestohlene Gut aufbewahrt wurde, bi« sich ein Käufer für dasselbe fand, ober es wollte ihm nicht gelingen, diese Verstecke zu finden und da« Rest au«- zuheben.

Heute glaubte er seine- Maßregeln vorzüglich ge­troffen zu haben, er hatte sein Vorhaben bi« zum letzten Augenblick geheim gehalten, der Wirth konnte durch seine «Lpione nicht benachrichtigt fein."

Er war seiner Sache gewiß wie hätte er auch ahnen können, daß aber davon später.

Als er in die Schenkstube eintrat, fand er nur Zwei Personen, den Wirth, der hinter dem Schenktische saß und mit träumerischem Behagen den Rauchwolken aus seiner Pfeife nachschaute, wie sie, stich kräuselnd und ringelnd, phantastische Figuren bildend, zur Decke emporschwebten und von dort sich wieder iiiedersenkten, und einen jungen, elegant gekleideten Herrn, der eifrigst die neueste Nummer der Zeitung studirte.

Peter Baumann würdigte die Beamten nur eine­stüchtigen Blicke«, ein bedeutsames verschmitztes Lä­cheln glitt über sein rundes, glatt rafirte« Gesicht, welche« in der nächsten Sekunde hinter einer dichten Rauchwolke verschwand.

Nehmen Sie Platz, meine Herren," schallte e« mit einer fetten Stimme au« dieser Wolke heraus, ich habe lange nicht das Vergnügen gehabt. Was beliebt? Ein Gla« Bier he? Habe ein auSgezeich nete« Tröpflein im Anstich?"

Sergeant Neumann, Sie bewachen die Hofthür, Wachtmeister Schulz, besetzen Sie die HauSlhür," rief der Commiffär hinaus.Alle« herein, Niemand hiiian«, wer sich widersetzt, dem geben Sie Eins mit bet flachen Klinge auf den Schädel."

(Fortsetzung folgt.)

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