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Köln, 28. Decbr. Die heutige außerordentliche! Generalversammlung der Rheinischen Eiscnbahngescll schäft genehmigle einstimmig die Vorlage der Direktion vom 24. November bezüglich des Baues and Mriebeo der peejeclirlen neue» Bahnen.

Homburg vH., 29. DecbrH Mittag. So eben ist die Hamburger Spielbank seitens der Admi­nistration derselbe» geschlossen worden.

Darmstadt, 28. DP Die.„DarrH^ädchi Ztß." bezeiwnei die Nachricht, daß das Ministerium mit einer Revision _b,eziehUnMvrisi Umarheittuy der. Vcr-. jafjutig beschäftigt sei als völlig grundlos, i:---

Mürrchen, 27. Decbr. Der König wird nach viertägigem Aufenthalt in der Residenzstadt dieselbe morgen wieder verlassen, zunächst um eine größere Gebivgstour zu unternehmen; die Herren deö Cabinets habe» den König zu begleiten- so daß die Amisge. schäfte keinerlei. Unterbrechung erleiden weiden. Te> Kö>kig wird erst gegen den 20. Januar wieder hier eintrifien,jum dann bis ztim Frühjahre hier zu ver­bleiben. Pkefesser Dr. v. Pettenkofer hat den aus Wie» an ihn ikrgangenen glänzenden Rus nunmehr difinitiv abgelchnl. Dieses besonders erfreuliche Re sultat wird, wie man auS sicherer Quelle erfährt, vor zugsweise durch daö persönliche Eiugreifm des Königs herbeigeführt-, -reicher sich für .die Erhaltung des Pro fesjor v. Pettenkofer in München in hohem Grade inreressirr und diesem geniale» Forscher und Entdecke, alle sein« Wünsche in drr liberalstm Weise bewilligte.

$em Armee Monlirungs Depot München ist die Lieferung einer groß.» Anzahl AusrüstuugSgegenstände für die Armee, nameirtlich m hrere Tausend Helme, Muster 1868, für Jäger und Chevauxtegerö drirck Submission ausgeschrieben --- wohl bevi sicherste Be weis, dah hinsichtlich der Kopfbedeckung für genannt Waffengattungen eine Aenderung nicht eiiureieii wirk. Dagegert sell nun, wie.versichert wird,»die allerhöchst' Entschließung, bezüglich der Abänderung der Grad auszeichnungen iw;kürzester' Zeit zu erwarten sei», so daß dann tu dieser Beziehung völlige Uebereinstimmung m bet', gedämmten Armee des Reiches erzielt wird.

AuslanV. ■<'!•£

Wien, 28. Drebr. Mit Bezug auf,baS Com- muuiquö- der „Nordd Ailgem Ztg." ist zu melden, baß auch hier guten Orts über Scheitle Rußlands und Deutschlands in der Laurioufrage Nichts bekanni ist. Sicher ist, daß Oesterreich keinen derartigen Schrill gethan.

Bern, 28. Decensier. Heute, sand im hiesigen BundespalatS die Unrerzeichiiung deö zwischen der Schweiz und Rußl.rnd abgeschlosienen Niederlasjungs venrages seitens des Präsioen«» Welti und des Fürsten Gortschakoff statt. nv-w • oie

Paris, 28. Tee.. Daö „Journal des Debats" veröfsentlicht eine Wieiier Depesche vom 28. d., welche besagt: „Die von Gramont angekünbigten Docnmente beweisen nichts zu seinen Gunsten. Die nachfolgende Erläuterung des Zwischeusalls. ist als authentisch völ lig begründet zu betrachten: Oesterreich ermulhigte niemals Frankreich zum Kriege-,bemühte sich im G-gen­theil denselben abzuwenden. Rach der Kriegserklärnng wollte Oesterrezch, inzwischen durch seinen pariser mi­litärischen Bevollmächligten von der numelifchen Schwäche der fraiizöfifchen Armee unterrichtet, im

Belgien Pferde gekauft wurden, welche nach D utsch- Uitb gingen; ich tonnte also nicht zweifeln, daß die Vorbereitungen Preußens begonnen halten.

ry Eines Eommentars bedarf diese Darstellung nicht Der eigene Gesandte widerrreth kriegerische Maßregeln; weil er aber ein warnendes Wort des bedrohten Son veräns mittheilt und weil Pferde -von einem' Nachbar staate in den andern geschafft werden (daß sie auf StaatSrechnung gekauft wurden^ sagt ja selbst Leboen' nicht) bringt der KriegSimnister auf Einberufung der Reserven! Der dritte Vorwand ist völlig hinfällig: kein einziger preußischer Wehrmann ist vor dem 16. Juli ans dem Auslande zurückberusin-

Am 12i Ju>i erfolgte, die Entsagung beS Prinzen Leopold; am 13. verlangte der Kriegsminister von seinen College» unti bei» Kaiser die Vollmacht zu; Einberufung der Reserven; als sie ihm vorenthalten wurde, drohte er mit dem Eutlafsnngsgesnch Daraus berief der Kaiser auf Dtitl4 nach den Titilerien einen Diinisterrath, über welche» wir Einiges bereits auS dem Gramont'schen -Buche wußten, Ausführlicheres und Genaueres aber jetzt von Leboeuf erfahren. Dian kam um Mittag zusammen. Die Debatte zog sich langt hin; bet ftriegbminifür sprach zu feinen Cvlleechn von der Schnelligkeit-, -mit welcher iti Preuße» der Uibergatig zu der Kriegsformation erfolge, von seiner Ueber.^ttgung, daß hier die Vorbereitiingen berkits begonnen; endlich, nach vierstüiidigkr Berachu»^ („in welcher ich" -*■ fügt Leboeuf höchst naiv hinzu — „keine Pression auf meins College» ausgeüdt zu haben glaube") wurde beschlossen, die Befehle zur Mobil-

Jnteresie des europäischen Gleichgewichts Frankreich ztt Hülfe fomnfe» und begann deßhalb Unterhandlungen mit Italien. DaS Wiener Cabniet sah sich schließlich verhindert, das Project weiterzitverfolgen, durch tte Haltung Rußlands, durch die emgegenstehende Stim­mung Deutsch Oesterreichs, durch den ausgesprochene» Wunsch des ungarischen Parlaments zu Gunsten der Neutralität, durch den ungenügenben Zustand der öfter reschischul' Armee, durch den zu schnellen Gang bei Ereignisse, welche Maßnahmen zu gelegener Zsit nicht erlaubten." — „Wsi man versichert, wäre.die Pirßange legenheit mit Deutschland dahin geordnet,r daß bei Paßzwang mit dem 1. Januar aufhören ^oll- — Gerüchtweise verlautet, daß CourcelleS an die Stelle Bourgvine's in Rom treten werbe.

' - — 29. Decbr. In einem Briefe an Dar» ver sichert Gramont: „Das Wiener Cabinet hat unS für den Krieg von 1870 seine Mitwirkung zugesagt." Er gügt hinzu: „Am ‘23. Juli stellte mir der Botschafter zwei Depesche» von seiner Regierung zu, die vom 20. Juli (am 19. Juli war die KilegSerklärung ei- ifolgt) batiit waren uub von denen die zweite nicht 'veröffentlicht wurde, in der folgende Stelle vorkam: '.„Wiederholen Sie gefauigft dem Kaiser und sein-n Ministern, daß wir die französische Sache als die unsere betrachten" it s w." Gramont besteht au> seiner Behauptung, daß Zusagen österreichischer Mit­wirkung zu zwei wiederholten 'Diolen gegeben und Durch den österreichischen Minister des Auswärtigen virect bestätigt wurden. ’

Versailles, 28 Decbr. Heute hatte die erste Sub commipioii der Dreißiger eine Eonferenz mit dem Piäsi reuten oer Rlpnblik. die von 10 Ubr bis Mittag dauerte. Es ist iti vieler Eonfereitz beschlossen worden, über die gepflogenen Bcrhandlungeti St-ll-chweigen z» bewahren, uidefsen sino einige kleine Jndiscrettonen dennoch vor- gefemmen. Es geht daraus hervor, daß die Komödie, ftr eiche nun feit zehn Tagen spielt, noch fottgesttzl wird ^Po» feiner Seite hat man einen Schritt vorwärts gemacht. Herr Thiers hat zu-rft- erklärt, daß er mn den Mitgliedern der Snbcoinmisnon nicht discutire» tönnc, da er selbst seine Ansicht üwr Die verschiedenen Konstitutionellen Resormprojeete, die der Versamurluiig vorzutegen sind, noch nicht festgestellt habe. ES sei an eer Subcomtnifsion, ihr Projekt vorzulegen. „Die Kammer", sagte er, „hat die Dreißiger Eommistion gewählt, damit sie sich mit den coustitutioneUen Re formen beschäftige, es ist an ihr, sich damit zu be fassen, und nicht an der Regierung. UeberdieS habe ich zu den Erklärungen, die ich in meiner Botschaft gegeben und die ich da ei Mal wiedei holt habe, nichts vinznzufügen.". Ta Die Snbcommisfivn kein Projeci vorbereitet hatte:, so ist die Conftrenz mit Conveisa- lionen zwischen Herrn ThierS uns den einzelnen Mit gliedern um übergegangen. Der Präsident der Repu- tlif will nicht Die Initiative ergreifen und die Drei ßiger Eommissioii wagt es nicht. Nieniand will an fangen. Da diefc Situation denn doch auf die Länge ziemlich lächerlich werden muß, s'o haben sich die Mit­glieder Vor ersten Snbcominftsiou um 4 Uhr bei Dem Herzoge De Broglie versa» melt, um sich über die Wahl eines vorznlegenden Projectes zu verständigen; es be­stehen aber die größten Uneinigkeiten unter den Coör- m ffaren. Die Einen wollen eine Verständigung mir machuug ergehen zu lassen. Da der Ministerrath noch andere Gegennände zu beiprechen hatte, bat Der übereifrige Marschall den Kaiser, ihn von der weiteren Tbeilnahmc an Der Sitzung zu entbinden, damit er sofort den gefaßten Beschluß ausführeii könue. Der Kaiser sagte ja, unv Leboeuf schickte sich art, das Zimmer zu verlaffen. In diesem Artgeiiblicke schlng ihm das Gewissen. Von bet furchtbaren Verantwort lichk'it, welche er auf sich geladen, erdrückt, waiidte er sich noch einmal persönlich an jede» seiner College» und fragte, ob sie auch wirklich die volle Ueberjeugung von der Nothweridigkeit der Mobilmachung hätte». Einstimmig, orer wenigstens mit einer an Einstimmig teil grenzende» Majorität, bejahten sie die Frage, und hierauf zog sich Der Kriegsminister zurück.

Es war 6 Ubr Abends, alle Beiedle waren expe bitt; Da erhielt Leboeuf ein Billet des Kaisers, welches Reue übet Den so eben gefaßten Beschluß zu verrath,» schien. In der Meinung, daß die gleiche Siimmung auch seiner College» H,rr geworden sei, begab sich der Kriegsminister hinaus »ach St. Cloud und bai oe» Kaiser, noch einmal den Ministerrath zu berufen Es geschah. Um 10 Uhr waren die Minister ver sammelt, nild die Debatte wurde eröffnet ’i Um II Uhr wat eS nahezu entschiede», daß Die Mobilmachung venagt und'rin neuer Beriuch gemacht werden solll,. ihh die Stnitsrage auf diplomatischen, Wege beizu l ge;i; L-beeuf erbot sich, nxrf'i die Kamniern dae Schwanken zwischen Za urrd N.in, zwischen Befehl rrnd Gegenbefehl mißbillig'n würden, die Verantwvr tung zu übernehmen und schlimmsten Falls abzubanken.

Herrn Thiers, die Anderen bleiben dabei, das Pro­gramm der Botschaft zurückzuweifen.

Rom, 25. Dec. DaS klerikale Journal von Floren; .erzählt in seinem Leitartikel., wie bei dem schreck.ichm Sittenverderbniß, welche mit der neuen Regierung in Rom eingezogen, -eine Schaar gefallener weiblicher Engel sich dem katholifcheii, philosophischen Institute dxlla Pace gegenüber niedergelassen, und der heilige Vater über Viesen Skandal empört, sich ent- chlossen habe, eigenhändig an den König z» schreiben und ihn um die. Abstellung deö Uebel|tanoc6 zu bitten. Die „Gazzetta d'Ztalia." von Florenz bestätigt diese Thatsache mit Ausführung verschiedener Einzelheiten und bemerkt, daß dieser Umstand die Veranlaffniig geworden ist, daß Pio IX in Der That dem König Victor Emanuel zum erstenmale eigenhändig ge­schrieben hat. DaS Blatt theili den Brief wörtlich mit. Derselbe lautet: Sire, Ich bin älter als Eure Majestät und werde daher eher als Sie von meinen Handlungen Rechenschaft ablegen müssen.. Aber auch iür S e wird der Tag kommen, an welchem Sie Sich vosi dem allerhöchsten Richter für Ihre Handlungs­weise zu verantworteu haben. Wie wir Könige oft nicht wissen, was um uns herum vorgeht, weil die Personen, welche uns umgeben, ihr Möglichstes thun, .um uns dir Wahrheit.-zu verbergen, so glaube ich' luirb auch Ihnen unbekannt fein, oaß ein infames Hau», (und ich schließe feine schamlose Ankündigung in einer römischen Zeitung bei) nahe bei »Der Kirche ^an’.Ä Maria della Pace, dicht neben einer von Jüngkingen besuchten Schule elablht worden ist. Ich kann nicht annehmen, daß wenn Eure Majestät ^da­rum gewußt hätte, eS erlaubt worden wäre Pio Papa IX. Der Papst gib den «tüf entern Nobelgardisten, um ihn Dem Könige zu überreiche» Der König empfing .een päpstlichen Boten: sehr gnädig and g,lobte dem heil. Bakr zu antworten,sobald er seinen Wunsch erfüllt haben werde. Auf B'fehl des Königs wurde das in R> de stehende ä^aitä »VW selbigen Tags geschloffen, uiid ei» königlicher F'ügeladjutant überreichte dem Papste die Antwort Victor Emanuels, einen Brief von drei Seiten, der im Vatikan sehr wohl aufgenommen wurde. Ter uönig erhärt darin unter anderm, daß er sich glücklich schätzt, Die Einheit des Vaterlands heig st.Ut zu haben, oaß er es aber tief schmerzlich empfindet, und daß es vor einzige schwarze Punkt i» seinem Leben fei, daß a sich mit dem heiligen Vater noch nicht habe ver- löhneu tonnen. Unlerichriebe» ist der Brief: „Eurer Helligkeit ergebenster Sohn Vittorio Cm.inuele'.'"

SSlübrib, 24. Dec.n Folgendes sind nach der „Epoca" Die Grimdlage» des neuen Gesetzentwurfs über die Reorgarrisation der spanischen «nme und Abschafinng^ der Couscri-ption. Die ganze militärische Macht zerfällt in die eigentliche aktive Armee, die nur aus Freiwilligen recrutirt wird und in keinem galle Mehr als 40,000 sRann betragen darf, und die Reserve, welche wfeder aus drei Classen besteht, näm« sich . 1) der Jnftructions Armee, 2) der Provinzial- Miliz und 3) der National - Miliz. Alle tauglichen jungen Leute, Die das 20. Jahr erreicht haben, bilde,, die 1. Classi der Reserve; ausgenommen sind nur Jene, welche freiwillig in die aktive Armee eingetreten find. Die Dienstzeit in der JitstructionSarmee beträgt 3 Jahre, tami abemnter g,wissen Bedingnngen auf Sv weit war man gekommen, als dem auswärtigen Minister, dem Herzog von Gramont, eine D-Pesche überbracht wurde. Sie wurde verlesen; der KriegS- minister ensiiiint sich nicht mehr ihre« Inhalts: „jeden- siius" — sagt et — „war sie derartig, daß abermals im Ministerrath eine Reaktion erfolgte: es wurde beschlossen, daß eS bei den bereits ergangenen Befehlen fein Bewenden haben sollte." Wir könne» dem Ge- dächtniß de« Marschalls zu Hülfe komme«: höchst wahrscheinlich war es die Nachricht von dem Preußischen Telegramm über die Emser Vorgänge, der angeblichen Depesche, nach Deren Inhalt sich Tags darauf die Minorität dcS gesetzgebenden Körpers vergeblich er­kundigte.

Dies ist die Darstellung des Marschall« Leboeuf von dem Ursprünge deS Krieges. Wir sind geneigt, 'hr — abgesehen natürlich von der lächerlichen Ein­leitung— in allen wesentlichen Punkten zu glauben. Schon die naive Offenherzigkeit, mit welcher der (Sri chhler sich als einen Hauptbesörderer deö Krieges ui Den Pranger stellt, erweckt- Vertrauen; eS. kommt hinzu, daß der Herzog von Gramont, als ihm vom Präsidenten der September-Commission das Zeugniß L.bo.tts s über die ttieaiitrooitung der Interpellation Eocksry vorgehalten wurde, in die Worte anobrach: »Mon Dieu, cette ijuestiou ne m’est pas agreable«. iinen schlagendere» Beweis für die Richtigkeit der .unarrgrnehmen't-Aussage wird, mau sich nicht wünsche» köilire». . ; ..

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