stauv cer politischen und und militärischen Verhältnisse so starke Bürgschaften des Friedens, wie sie kaum jemals vorhanden waren.
Im festen und zuversichtlichen Vertrauen auf einen dauernden Frieden hat das deutsche Volk sich im Laufe dieses Jahres mit allseitigem Eifer und vielfach gesegnetem Erfolge der Sorge für die weiteren inneren Gestaltungen hingeben können. Ein Blick auf die reiche Entwickelung, welche seit dem letzten Januar auf dem Gebiete des Deutschen Reiches stattgefundcn hat, wird erkennen lassen, wie bedeutsam und erfreulich die Ergebnisse der jüngsten großen Zeit auch nach dieser Richtung sind. (Prov. Corr.)
• -Marburg, 29. Dezember.
Die gestrige „Provinzial-Korrespondenz" theilt den .Erlaß deö Fürsten Bismarck vom 7. Decbr. an den deutschen Gesandten in Paris, Grafen Arnim, mit und bemerkt dazu: „In Betreff der im vorstehenden Erlasse erwähnten Erklärung deö Belagerungszustandes ist zu bemerken, daß dieselbe gleich beim Beginn der Occupation erfolgt war und daß der Kriegszustand von den Truppenbefehlshabern fort und fort, wenn auch mit thunlichster Milde, doch zugleich mit dem grbotenen vollen Ernst gehandhabt worden mar. Für die occupirten Provinzen selbst bedurfte cs daher einer erneuten Verkündigung nicht, wohl aber für die Bevölkerung im übrigen Frankreich, welcher es galt, den ganzen Ernst der Lage und das Gewicht unserer Stellung in einem Theile des französischen Gebiets erneut zu klarem Bewußtsein zu bringen Dieser Zweck scheint durch die Veröffentlichung des ernsten Erlasses in vollem Maaße erreicht zu sein."
Die „Main-Zeitung" brachte in einer ihrer letzten Nummern eine Relation der Verhandlungen der Petitionscommission des Reichstages über die wichtige Frage der Ordnung der Äpothekerverhältnisse im Wege der Gesetzgebung. Bei dem Interesse, welches vielseitig diesem Gegenstände zugcwendet wird, ist es nicht überflüssig, jenen Bericht hier und da zu ergänzen. Veranlassung zu der Verhandlung Hal die Petition eines Kaufmann Stensel, der 1) die Veröffentlichung des Verzeichnisses der dem freien Verkehr übergebenen Apothekerwaaren sollicitirte und 2) die Regelung des Apothekerwesens im Sinne der Gewerbesreiheit ver langte. Diese, beiden ganz verschiedenen Gegenstände, von denen der erstere von untergeordneter Bedeutung ist, hatten ausführliche Erklärungen des Eommissars der Bundesregierung zur Folge. In Betreff des ersteren erklärte derselbe, daß die Ausstellung deS Verzeichnisses in der Vorbereitung begriffen wäre, in Betreff deS zweiten — Hauptpunktes — daß die durch den Krieg unterbrochenen Vorbereitungen zu dem Gesetze wieder ausgenommen seien, daß aber eine Beschleunigung der Gesetzvorlage der Reichsregierung schon um deswillen nicht geboten erscheine, weil inzwischen durch Ertheilung von weiteren Concessionen die bisher bestandenen Ungleichheiten beseitigt werden würden. Der Referent Abg. Dernburg beantragte, die Petition dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen und der Abg. Jacobi hob hervor, wie die Art der seitherigen Ertheilung der Concessionen zu mancherlei Unzuträglichkeiten führe. Der Korreferent, Abg. Dr. Grimm, beantragte dem entgegen, die Petition als nickt geeignet zur Verhandlung im Reichstage zu erklären und zwar in Betreff des ersteren Punktes unter Be-
genug betrübt, um mir nicht neuen Kummer zu machen Sie will, was ich will."
Eva nickte zustimmend mit dem Kopfe und reichte, noch immer weinend, der Mutter und dem Kantor die Hand.
Jener sprach weiter:
„Nun denn, so begehr' ich Eure Eva zu meinem Weibe, liebe Frau, Euren Sohn zu meinem Sohne. Treu wollen wir zusammenstehen, wie eS auch kommen möge, und Niemand soll die Nase rümpfen über mich, den Kantor Kreuzberg, und die Meinigen."
„O mein Gott, wie dank' ich Dir!" flüsterte jetzt die Kranke vor sich hin, „wie haft Du allcS noch zum Segen gewendet !"
Und damit legte sie sich auf die andere Seite, schien einschlummern zu wollen. Eva und der Kantor blieben bei ihr, ohne ein Wort zu wechseln. Nach wenig Stunden war die Kranke sanft und ruhig verschieden. Der Kantor drückte ihr die Augen zu und ordnete den ärmlichen Nachlaß.
Einige Monate darauf herrschte in der Dienstwohnung deS Kantors Kreuzberg eine rege Thätigkeit. Alles wurde freundlich und sauber hcrgerichtet, die Wände neu bekleidet, Thüren und Fenster getüncht, und was sonst erforderlich schien, um der hübsch ge legenrn Wohnung ein durchweg freundliches Ansehen zu geben. Auch kam aus der benachbarten Stadt ein ganzer Wagen mit netten Möbeln an, welche vor dem Hause deS Kantors abgeladen wurden und die Dorfbewohner mit Bewunderung erfüllten über den Wohlstand und Luxus des strengen Schulmonarchen, den man von dieser Seite noch gar nicht gekannt hatte.
ziehung auf die Erklärung des Regi-rungsccmmissarS, daß die betreffenden Vorarbeiten im Gange seien Der zweite Punkt dagegen gab dem Correfeeciucn zu einer ausführlichen Darlegung Veranlassung, in welcher her- vorgchoben wurde, daß die vorliegende Sache mit großer Vorsicht im Wege der Gesetzgebung zu behandeln sei. Etwa vorkommende Unregelmäßigkeiten bei der Ertheilung der Concessionen und dadurch herbeigeführte Ungleichheiten könnten nicht ohne Weiteres zu einer Freigabe deS Apothekergewcrbes führen. Be- jondcrs sei aber bei gesetzlicher Regelung das in den neuen Provinzen und in Süddentschland zu Recht be stehende Realprivileg zu berücksichtigen und bestehende Vermögensrechte müßten ihre volle Berücksichtigung durch die Gesetzgebung finden. Endlich wurde hervor- gchoben, wie die vorliegende Petition ihrer ganzen Faffung nach wenig Veranlassung zu einer Berücksichtigung Seitens des Reichstages biete. Diesem Anträge des Abg. Dr. Grimm trat denn auch die Commission bei. Auö dieser Verhandlung und der Antwort aus die Interpellation des Abg Richter werden die Betheiligten ersehen, daß zwar zu Befürchtungen keine Veranlassung vorhanden ist, wohl aber zu einer erneuten Thätigkeit in Betreff der Wahrung ihrer Interessen und der Darlegung der thatsächlichen Verhältnisse.
Die österreichische ReichSraths Korrespondenz ist zu der Mitlhcilung ermächtigt, daß das auf etwa 50 M illionen Gulden rcranscklagtc Deficit für 1872 nur aus der ziffermäßigen Aufstellung deS Budgets resultirl, mit Rücksicht auf die bereits vorhandenen bedeutenden Eassabestände daS Deficit jedoch in Wirklichkeit um mehr als die Hälfte herabsinken müsse.
Man versichert i» Parts, daß Marschall Mac Mahon die Kandidatur zum Abgeordneten der französischen Nationalversammlung welche ihm von dem Comite des Vereins der Pariser Presse angetragen worden ist, abgelehnt habe. — Nächsten Samstag wird der Kaiser von Brasilien bei ThierS diniren. Auch das diplomatische CorpS und die Minister sind cingeladen. — Der „Agencc HavaS" zufolge hält man es jetzt für wahrscheinlich, daß die Nationalversammlung nur die von der Regierung vorgeschlagene Steuer auf Werthpapiere annehmcn und darauf einen Zuschlag von 10 Procent auf die bestehenden Steuern votiren werde, um auf diese Weise • daS Gleichgewicht im Budget herzustellen.
Das locale Leiden des Prinzen von Wales erregt vorerst durchaus keine Bcsorgniß. — Lord Granville liegt sehr krank an der Gicht darnieder. — Ex-Kaiser Napoleon und seine Gemahlin werden um Neujahr nach Torquay übersiedeln.
Bei der d e u t s ch - d ä n i s ch e n Commission, welche die Verhältnisse der nach Dänemark ausgcwanderten Nordschleswiger zu prüfen hat, sollen gegen 3000 Anmeldungen erfolgt sein. Die Commission soll sehr .liberal zu Werke gehen und wird namentlich, sogar von dänischer Seite das humane Benehmen des Ge nerals von Blumenthal gerühmt. Unmittelbar nach den Weihnachtsferien wird, dem Vernehmen nach, die Commission die vereinbarten Prinzipien, nach welchen die einzelnen Fälle zu behandeln sind, zur öffentlichen Kunde bringen Der aus dem letzten deutsch-dänischen Kriege bekannte Kapitän Hammer gedenkt eine Expedition nach Island zu übernehmen, durch welche der dänische Wallfischfang daselbst gehoben werden soll.
Der Kantor selbst durchschritt mit verklärtem Lächeln die so vortheilhaft umgeschaffenen Räume. Ihm war eine neue Welt auf gegangen, seitdem er sich, noch so spät, sür den Ehestand entschieden hatte, und in der Einrichtung seines HauSwesenS, namentlich aber in der Fürsorge für die nun bald einziehende junge Hausfrau eine ungeahnte Quelle von tausend Freuden fand. Er liebte Eva mit ganzer Innigkeit; er fühlte sich und war in der Thal vergnügt in der Liebe zu der Tochter der nun verstorbenen ersten Geliebten. Vergessen war von ihm der tadelnSwerthe Leichtsinn deS Mädchens, seitdem dieselbe, wie er nicht verkennen mochte, mit aufrichtiger Reue ihre Verirrung gebüßt und sich seit dem Tode der Mutter ihrem künftigen Manne gegenüber mit musterhafter Rücksicht benommen hatte. War eS auch nicht eigentliche Liebe, was sie dem so viel älteren Manne entgegenbrachte, so war es doch gewiß eine so treue und dankbare Ergebenheit, daß sie dem Herzen des Mädchens und dessen Pflichtgefühl Ehre machte. Die rührende Freude der sterbenden Mutter ob jener Wendung dcS Schicksals und der hieraus genommene Trost über die Folgen ihres übereilten Verhältnisses mit Fabian hatten das empfängliche Gemüth Eva'S in seinen Beziehungen zu dem zuvor gehaßten Mann gründlich und mit einem Male umgcwandelt, und noch wohlthuender berührt von der herzlichen Neigung des Kantors, in welchem sie solche Regungen am wenigsten vermmhet hätte, sowie von dessen aufopfernder Sorge für sie und den verwaisten Bruder, ging Eva der Zukunft getrost und heiteren MutheS entgegen. Auf den fernen Johannes harte sie schon lange mit mehr gebaut Seit den MiNheilungen des kürzlich Heimgekehrten
Deutsches Reich.
* • Berlin, 28. Decbr. Tie Vermuthmig, daß in der am zweiten Feiertage abgehaltenen Sitzung des Staats-Ministeriums besonders wichtige Gegenständc zur Brrathnng gestanden, findet sich in verschiedenen Korrespondenzen ausgesprochen, hat aber, wie wir schon gestern im Voraus hervorgehoben, durchaus keine Berechtigung. Es hat sich thatsächlich nur um cornmn- nale und um Ordens-Angelegenheiten gehandelt. Es 'ist daher unrichtig, daß in der Sitzung über das Un» terrichtSgefctz Beschluß gefaßt sei. Diese Angelegenheit befindet sich immer noch in dem kürzlich angeoruteten Stadium; auch gegenwärtig steht der Beschluß des Staatsministeriums darüber noch aus. Uebrigens wird es auch nicht al« wahrscheinlich betrachtet, daß dieses Gesetz früher zur Vorlage gelangen wirb, bevor die Auffassung der Volksvertretung über das Gesetz wegen der Schulaufsicht sich klar und bestimmt ausgesprochen Hal. Was daS Gesetz über die Civilehe betrifft, so muß wiederholt der Auffassung widersprochen werden, als handele es sich um die facultative Civil- Ehe, und in diesem Sinne habe sich das Staats- Ministerium beschieden. Bis jetzt liegt nur ein von deiz Ressortministern, dem des Kultus und dem der Justiz, ausgearbeiteter Entwurf vor, welcher ausschließlich die Roth Civil-Ehe im Auge hat. Ein Beschluß des Staats - Ministeriums ist über diese Materie bis jetzt eben so wenig erfolgt wie über das Unterrichtsgesetz.
Karlsruhe, 26. Dec. Tie Sitzungen der zweiten Kammer solleil am 22. Januar wieder ihren Anfang nehmen. — Das Erträgniß der Karlsr. Rheinbahn ist scheinbar ein geringeres als jenes des Vorjahres; jedoch sind die Truppentransporte noch nicht berücksichtigt ; mit diesen wird sich ein erhebliches Erlrägniß Herausstellen. Ohnehin eröffnen sich der Bahn durch die neuen Verbindungen nach der Pfalz bedeutende Aussichten. An die Begründung deS Unternehmens ging man f. Z. von Seiten der Stadt mit großer Aengstiickkeit; aber es geschah, was den Eisenbahnen überhaupt begegnet ist; die VerkehrSentwickelung übertraf alle Erwartungen.
Stuttgart, 28. Dec. Gestern fand in Metzingen eine Zusammenkunft von Tübinger und Stuttgarter Professoren und anderen Gästen statt, um den 300- jährigen Geburtstag des Astron,omen Kepler zu feiern. Frisch, der Herausgeber von Kepler's Werken, hielt die Festrede. Tags zuvor wurde im Weil, der Vaterstadt Kepler'S, das Denkmal desselben beleuchtet. — Bezüglich der Mittheilung in der „Kölner Zeitung", die württembergische Regierung wolle einen Geschäftsträger in Paris ernennen, verweist der „Schw. Merkur" auf das von der Regierung vorgelegte Budget, welches den Pariser Gesandtschaftsposten ft reicht und sagt: es sei feine Gefahr vorhanden, daß die Stände hierin eine Aenderung treffen würden.
Straßburg, 27. Dee. Wie der „K.-Z." aus Berlin geschrieben wird, ist die Neubegründung der Universität Straßburg nun so viel forgefchrillen, daß die Listen der zu berufenden Lehrkräfte geschlossen sind, die Berufungen in circa 11 erfolgen können und die Eröffnung der neuen deutschen Hochschule vielleicht schon für das künftige Oster-Semester zu ermöglichen ist. Der „N. St. Zlg." zufolge erhielt bereits Professor Stüdemund in Greifswald einen Rnf an die neue Reichs-Universität. Die wissenschaftlichen Jnsti- Frieder aber, eines an« demselben Dorfe stammenden Matrosen, batte sie gleich allen andern den letzten Rest von Hoffnung auf den Verlobten aufgegeben.
. In wenig Wochen gedachte der Kantor seine Hochzeit zu feiern. Bereits für den nächsten Sonntag war das erste Aufgebot bestellt; alles Utbrige hatte seine Ordnung gefunden. Der Pfarrer, der dem diensteifrigen Manne überaus wohl wollte, hatte ihm. als er daS Aufgebot bestellte, mit freundlichem Lächeln auf die Schulter geklopft und gemeint:
„Brav, brav, liebes Alterchen. Jung gefreit, hat Niemand gereut; spät aber auch nicht. Sic taugt einmal nichts, die selbstgewählte Hagestolzerei, nichts für da» Leben, nichts für den Dienst. Mein lieber Herr Kantor wird noch einmal so trefflich intoniren lernen, wenn er es daheim mit dem jungen Weibchen probiren kann."
Und wie der Pfarrer, so c achte die Mehrzahl der Gemeinde Ihnen allen war der Kantor gewissermaßen menschlich näher gerückt, seitdem er auf den Ehestand lossteuerte. Väter und Mütter versprachen sich nun in ihm einen milderen Richter und Zuchtmeister für ihre Kinder; die liebe Torfjugend aber träumte gar von einer seligen Zeit, wo Stock und Ruthe — wenigstens während der Flitterwochen des Kantors — in die Rumpelkammer des Schulhauses verbannt sein würden. Alle lobten überdies die ehrenhaften Beweggründe zu dem Schritte des Kantors, wie überhaupt sein Verhalten den beiden Waisen gegenüber, deren Schicksal nun mit einem Male gesicherter schien, als es selbst bei Lebzeiten der Mutter der Fall gewesen.
(Fortsetzung folgt.)