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Ur. 306.

Marburg, Sonntag, den 29. Dezember.

1872.

Obrrhessischk Zeit«»-.

" , 77777I .b Weritaaru na<6 Bonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal btt Oberhrsfifchen Bettung mit «reiSblatt durch die «rpedition (Ä-ch'sche

S »f- (°k-l. Bestellgebühr und inel-Stempelsteuer), str daS Ausland excl. Stempel 8t G-r.-

v In'erliousgebüb. ;üt gehaltene Zeile > Sgr. Sämmtliche Annoncen-BüreauL nehmen Inserate an.

Gebiet des Sonnensystems hinaus in den Weltraum schleudert.

In jenem Falle werden ihre Bahnen wegen des Aetherwiverstandes immer enger, ihre Umlaufszeil immer kleiner, und endlich müssen sie in die Sonne stürzen, wenn ihnen nicht etwa vorher schon durch die Planeten, zwischen deren Bahnen sie wandeln, etwas Unangenehmes zugestoßen ist, denn sie sind allzu­große Schwächlinge, als daß sie ihnen mit Erfolg auf die Dauer widerstehen könnten.

Kommt nämlich aus den Tiefen des Weltraumes eine kosmische Wolke unserem Planetensysteme allzu­nahe, jo wird sie in den Bereich desselben gezogen, und wir sehen einen Kometen So riß der mächtige Jupiter im Jahre 1765 einen Theil einer kosmischen Wolke ab und wies ihm als Komet (Lexcll) eine Lahn um die Sonne an mit einer Umlaufszett von 5Vz Jahren Rach 11 Jahren wurde dieser Theil vom Jupiter wieder ergriffen und ist seitdem nicht mehr gesehen worden. '

Am 26. Februar 1846 entdeckte Brorsen einen Kometen, welcher bereits am 20 Mai 1842 dem Zu piter so nahe gekommen sein mußte, daß er ihm eine Umlaufszeil von 5 Jahren 6(2 Monaten angewiesen hatte. Seine Bahn war so genau bezeichnet, daß Bruhns ihn am 12. April 1868 an der voraus be­zeichneten Stelle auffand.

In ähnlicher Weise entstanden der von Faye 1843 entdeckte (Umlaufszeit fast ?i/2 Jahre) und der von d'Arrelt aufgefundene Komet mit einer Umlaufszeit von 61/2 Jahre»

Der von Tempel 1866 das erste mal beobachtete Komet mit 3,13 Jahren Umlaufszeit wurde durch Uranus, und der von Pon« mit 3*/2 jährigem Umlauf von Merkur genöthigt, in unserem Systeme zu bleiben. Enke hat mit aller Entschiedenheit die Verkürzung der Umlaufszeit ermittelt, woraus mit Nothwendigkeit ein allmäliges Auflösen und Verschwinden in der Sonne folgt.

über Leitung dcS Volksschulwesens durch dM Staat, sowie über die rechtliche Stellung der Kirche und kirch ltchen Vereine augekündigt. Der sächsische Landtag fuhr fort in den Verhandlungen über seine dieselben Materien betreffende» Vorlagen, wobei die Kammer der Abgeordneten in ähnlichen Fragen, wie früher das preußische Abgeordnetenhaus gegen das Herrenhaus, gegen die Erste Kammer standhaft kämpfte.

In Oesterreich war das Hauplereigniß die Gramont- oder, um eS richtiger auszudrücken, die Beust Affaire. Die Grafen Beust, und Andraffy find am 24. d. M. gleichzeitig in Wien cingetroffen, und der Zweck dieser Entrevue der beiden Staatsmänner soll dahin gerichtet sein, in der Frage der Gramont- schen Enthüllungen Stellung zu nehmen. In Wiener Kreisen glaubte man, das Ergebniß der Berathungen werde eine rückhaltSlose Darlegung der Beziehungen Oesterreichs zu Frankreich , und die Veröffentlichung aller Dccumente sein, mit derenkünftiger" Publi cation die bonapartistische Presse droht. Gleichzeitig schreibt man auS Paris, im dortigen Auswärtigen Amte werde mit aller Entschiedenheit versichert, daß Herr v. Gramont kein Oesterreich ernstlich oder moralisch bindendes Dokument in Händen haben könne, und daß die Monarchie zur Zeit des Krieges frei von jedem politischen Engagement gewesen sei. Ebenso erhält daSJournal des DebatS" eine Wiener Eorrespondenz, in welcher ausgeführt wird, daß Oester­reich allerdings, um eia Gegengewicht gegen Preußen und Rußland herzustellen, eine nähere Verbindung mit Frankreich angestrebt, aber niemals zur Verfolgung einer gemeinsamen aciiven Politik mit demselben sich verpflichtet habe, indem es selbst dringend des Friedens bedurfte. Das österreichische Ministerium habe im Gegcntheil alle nur denkbaren Anstrengungen gemacht, um die französische Regierung von ihrem unseligen Kriegsentschluß abzulenken und habe dieselbe nicht einen Augenblick über die Politik des Friedens, welche Oesterreich einhalten werde, in Zweifel gelassen. Unter diesen Umständen werden wohl dieEnthüllungen" Gramonts, die in der diplomatischen Welt so großes Aufsehen erregten, in Nichts zerfließen.

9[uf das mit dem 1. Januar beginnende neue Quartals - Abonnement bitten wir die Bestellungen baldigst bei den betreffenden Poststellen machen zu wollen.

In Nr. 1 des künftigen Jahres beginnt die Original-Erzählung:

Die Äauernfänger

von Ewald August König.

Die Sxprp. 6. Odrrh. Zeitung.

Politische Wocheu-Uebersicht.

Die in Folge des vom Fürsten Bismarck an den König gestellten Antrages auf Entbindung von den Geschäften uud der Verantwortlichkeit seiner bisherigen Stellung alS preußischer Minister-Präsident erwartete umfassendere Krise im preußischen StaatS-Ministermm ist rasch und äußerlich in unerwartet einfacher Weise gelöst worden. Fürst BiSmarck ist durch Allerhöchste Cadinetsordre vom 21. December von seiner Stellung an der Spitze deS preußischen Staatsministeriums ent Kunden; dagegen Hal er außer in der ihrer eigent- lichen Bedeutung nach auS dem preußischen Mtmste- rium in das Reichskanzleramt übergegangenenaus wärtigen Politik" auch:in den Angelegenheiten des Reichs" den Vortrag beim König behalten und hat dazu die neue Befugniß erlangt, int preußischen Staats. Ministerium hinsichtlich aller die Interessen des Reichs berührenden Angelegenheiten sein Votum durch den ReichSkanzleram'S-Präsidenten Delbrück unter seiner, des Fürsten Bismarck's, Verantworlichkeit abgeben zu lassen. Ein neuer Minister-Präsident an Stelle deS Fürsten ist nicht ernannt; der Vorsitz des Staats Ministerium« geht an den ältesten Staats-Minister über aeaenwärtig an den Kriegs-Minister Grasen Roon, d?r sich zur Zurücknahme seines EntlaffungS- gcsuchs hat bewegen lasten. Der heststche Land- tag ist am 21. d. M. durch den Großherzog er öffnet worden, und demselben sind Vorlagen zur Re­form der innern Verwaltung aus Grund von Provin­zial, Kreis- und Gemeinde Ordnungen, ferner Gesetze

Die Komkle«, Sternschnuppe« und Metesrflcine.

Bon PH. Spiller.

(Schluß.)

Auf unserer Erde werden die beiden einander gegenüber liegenden, um 180 Grade von einandel entfernten Fluthwellen vorzüglich durch den Mond, weit weniger durch die Sonne erzeugt, obwohl die Anziehung der letzteren gegen einen Punkt der Erde etwa TOOmal größer ist, als die des ersteren. Die Höhe der Fluthwellen hängt nämlich nicht von der Stärke der Gesammtanziehung eine« Körpers gegen einen anderen ab, sondern von dem Unterschiede der anziehenden Kraft gegen den entferntesteli und den nächsten Punkt de« angezogenen Körper«. Dieser Unterschied ist bei dem kleinen nahen Monde gröger, als bei der entfernten großen Sonne. Dazu kommt noch, daß die Fluthwclle an einem Körper unter übrigens gleichen Umständen um so höher (rer Schweif um so länger) werden muß, je leichter und nachgiebiger seine Stoffe sind. .

ES ist demnach klar, daß ein mastenhaster Wclt- körper an einem ihm nahe kommenden zarten und weit ausgedehnten Kometen zwei hohe Fluthwellen eezeuaen muß und so ihn bedeutend in die Länge zieht. Die äußere als Schweif schon durch den Weltäther hervor­gebrachte Welle wird noch durch die größere Flieh­kraft, die innere durch die größere Kraft, womit sie angezogen wird, erweitert. Ein Komet kann so sehr in die Länge gezogen werden, daß er schitctztich in zwei Theile sich auslöst.

Den Kometen, diesen leichten Spielbällen deS Welt raumes, ist noch manche« andere und man mochte sagen tragische Schicksal vorbebalten, wenn sie in den Bereich unseres Weltkörpersystems kommen. Richt genug, daß ihre Gestalt verzerrt wird, sie verlier, n auch ihre Freiheit dann, wenn sie nicht etwa mit einer so großen Geschwindigkeit im Sonnen Nähepunkt an kommen, daß ihre Fliehkraft sie wieder über daS

Beide Räthe der schweizerischen Bundesver­sammlung habeit mit überwältigenden Majoritäten (der Nationalrath mit 103 Stimmen gegen 1 und der Ständcrath mit 34 gegen 2) die Wiederaufnahme der BundeSrevision im Princip beschlossen. Im Ganten Solothurn ist am 22. December durch Volks« abstimmuiig das Gesetz wegen Wiederwahl der Geist­lichen angenommen.

Die französische Nationalversammlung hat ihre stürmische Herbstsaison geschloffen und die NeujahrS- ferien, die bis zum 6. Januar dauern, angetreten, ohne eine Permanenz Commission zu ernennen. DaS dcutet auf ruhige Gemüther; indeß traut dem Frieden Niemand, weder die Rechte noch die Linke, weder Broglie noch Thiers. Dieser will die Republikorga- nisiren", während die Führer der Lilien Fahne di« Monarchie trotz der Republik Herstellen wollen. Der Dreißiger Ausschuß, in welchem die Royalisten mit 20, die Republikanern mit 10 Mitgliedern vertreten sind, hat zwei Unterkommissionen ernannt, in welchem es sich darum handelt, ThierS ein Messer ohne Klinge aufzuichwatzen oder ihn doch so zu knebeln, daß er der Nationalversammlung damit n chtS zu Leide thun kann. Ob ThierS die Zweite Kammer, also die Klinge erlangt, mit deren Hülse er die Nationalversammlung auflösen könne, erscheint ßhr fraglich; aber jedenfalls ist ThierS, wie er der Commission selbst erklärt hat, mit dem Suspensivvotum nicht gedient, da sich damit nichts ausrichten ließe, so lange die jetzige Majorität eben Majorität bleibt und diese vor Allem dahin strebt, durch die Regierung ihre Pläne verwirklicht zu sehen. Die Zwangsbekehrung des Präsidenten der Republik zur Monarchie nennt man ministerielle Ver­antwortlichkeit

In Rom hat der Papst eine Allocution vor Cardinälen noch vor Weihnachten gehalten. Der Träger der dreisacheu Mitra sieht bekanntlich in der gegenwärtigen Bewegung auf dem kirchlichen Gebiete eine Verfolgung der katholischen Kirche und erblickt Symptome dieser Verfolgung überall, im deutschen Reiche wie in Italien, in der Schweiz wie in Spanien, und so ist es begreiflich, daß die Allocution des

Sind solche Weltlörper in unserem Planetensysteme für die Dauer aufgefangen worden, so gehen sie zu­nächst allmäligen Veränderungen uud schließlich einer völligen Vernichtung entgegen.

Nicht selten werden Kometen zertheilt. Dies haben die Chinesen bereits vor unserer Zeitrechnung ge­wußt und auch dem Seneca schon gekannt. KysatuS und Wendelin hatten 1618 sogar das seltene Glück, eine solche Theilung zu beobachten. Biela fand 1826 einen Kometen mit einer mehr als 6>/2jährigen Um­laufszeit vor. Bei dem vierten Umlaufe desselben nach jener Zeit zeigten sich in ihm am 29. December 1845 zwei Kerne (Manry) und im Januar 1846 war bereits eine völlige Trennung in zwei Kometen eingetreten, welche aber in derselben Bahn liefen. Der vordere Theil mag durch die Anziehungskraft der Erde abgerissen worden, der Hintere wegen seines Behar­rungsvermögens zurückgeblieben sein. Möglich, daß auch schon am 29 December 1845, als der Komet den Schwarm des Tempel'schcn Kom.ten durchschnitt, die Theilung eingeleitet oder bewirkt worden ist. Beim nächsten Erscheinen 1852 war der Abstand der beiden Theile bereits achtmal größer als 1846; im Jahre 1859 konnte mau ihn wegen der Sonne nicht sehen und 1865 mußte er als bereits verschwunden oder aufgelöst betrachtet werden; aber 1872 hat er, wenn auch nicht als Komet, so doch in einer anderen und prachtvollen Weise sich gezeigt, und eine glänzende Bestätigung davon gegeben, daß die Naturgesetze eine ewige Giltigkeit Haden und den Launen der Tages» meinung nicht unterworfen sind.

Im Jahre 1860 wurde zu Rio de Janeiro auch ein Doppelkomet gesehen; von ihm ist mir aber nichts weiter bekannt geworden. In demselben Jahre hatte ich das Vergnügen von Hoboken aus zu sehen, wie am 2. August bald nach 9 Uhr Abends daS grünliche Meteor, welche- von Westen nach Osten über di« ganze Union gezogen »ar, sich in zwei Theile auf-