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zudrücken wünschte, welche hohe Wichtigkeit Ich den Aufgaben beimcsse, die Eie in der bevorstehenden Ses sion zu bewältigen haben werden. Wenn auch ein ansihnlicher Theil der Staatsaufgaben an das Deutsche Reich übergegangen ist, wie dies zur Behauptung der nationalen Lttllung und zur Förderung der Wohl fahrt Deutschlands nothwendig war, so werden Sie doch aus dein Umsang und der Bedeutung der an Sie gelangenden Vorlagen erkennen, daß den einzelnen deutschen Staaten noch ein weites Gebiet segensreicher Wirkiamkeit und selbstständiger Entwickelung geblieben ist, zu dessen Pflege es der umsichtigen und hingehen­den Mitwirkung der Stände dringend bedarf. Den Zusagen gemäß, die auf dem vorigen Landtag von Meiner Regierung gemacht worden sind, wird eine Reihe von Gesetzesvorlagen Ihrer Berathung und Be- schlußsassung unterbreitet werden. Die bereits ausge- arbeileten Entwürfe eines Gesetzes über die innere Verwaltung und Vertretung der Kreise und der Pro vinzen, einer Slädlevtdnung und einer veränderten Land-Gemeinde Ordnung haben den Zweck, der Bevil kerung eine erweiterte Teilnahme an den Geschäften der Staats-Verwaltung, den Gemeinden eine freiere Bewegung ist der Verwaltung ihrer eigenen Angelegen­heiten einzuräumen. Ein Gesetz über die Verhältnisse der VollSlchulen soll diesen wichtigen Zweig deS öffenl- lichcn Lebens unter Festhaltung des Grundsatzes, daß die Leitung des Volksschulwesens dem Staat obliegt, zeitgemäß regeln. Auch über die rechtliche Stellung der Kirchen und kirchlichen Vereine im Staate ist ein Gesetzesentwurf in der Ausarbeitung begriffen, der Ihnen im Laufe der Sitzungs Periode vorgelegt roer den wird. Nicht minder wird der Entwurf einer neuen Landlländischen Geschäftsordnung zur verfassungö mäßigen Zustimmung au Sic gelangen. Der Haupt Voranschlag der Staats Einnahmen und Ausgaben für die Jahre 1873 bis 1875 ist einstweilen auf Grund der bestehenden Einrichtungen und Normen entworfen worden, da es noch nicht möglich war, den Entwurf der neuen Personal und Besoldungs-Etats der Be­hörden, die zum Theil von dem Zustandekommen der Ihnen vo>zu>chlagenten Gesetze abhängig sind, abzu schließen. ES bleibt Vorbehalten, den Hauptvoranschlag demnächst nach Maßgabe der in den Etats eintreten­den Aenderungen umzugestalten und dann auch einen neuen Gesetzentwurf über die Regelung der Pensions­verhältnisse der Civildiener Ihnen vorzulegen. Zu­nächst wird eS erforderlich sein, das Finanzgesetz für 1872 auf die ersten sechs Monate des Jahres 1873 auszudehnen. Ich wünsche lebhaft und hoffe zuver­sichtlich, daß eS Ihnen, Meine Herren Stände, ge liugen wird, die großen Aufgaben, welche Ihnen ge- stellt sind, in Uebereinstimmung mit Meiner Regierung zum Segen des Landes zu erledigen. Meines landes herrlichen Wohlwollens wollen Sie sich versichert halten. — Das der Abgeordnetenkammer vorgclcgte Budget veranschlagt die Staatseinnahmen- auf

10.817,795, die Ausgaben auf 10,181,708 fl., da­runter 120,000 fl für Eisenbahnsubventionen.

Ausland.

Pest, 19. Dec. Uuierbauösitzung. Der Präsident zeigt an, daß nach einer so eben erhaltenen Milthei luiig der Ministerialrath Bela Szende zum Landes- vcrth.idigungö-Minister ern-mnt wurde. Letzterer er scheint hierauf im Saale, von der Rechten mit leb­haften Eljcns begrüßt, und nimmt seinen Platz neben dem croati chen Minister.

Bern, 21. Dec. Der BundcSrath genehmigte den Zutritt Englands für Gibraltar zum iniernatio- nalen Telegraphenvertrage mit 1 Franc Terminal und Transit-Taxe. — Auch der Sländerath hat der Motion, betreffend die Wiederaufnahme der Bundes rcvision, mit 33 gegen 2 Stimmen beigestimmt.

Basel, 21. Decbr. Die „Basler Nachrichten" enlhallen das Antwortschreiben deS Basler Bischofs an die Diöcesanstände. Der Bischof anerkennt niemals die staatliche Regulirung reiner Glaubenssätze noch eine Behinderung des apostolischen Lehramts. Der Bischof kann nicht auf das Recht der Eensur von Geistlichen und der Anwendung von Discipliuarstrafeu verzichten. Nur der Bischof habe das Recht, Geistliche zu entsetzen, die Antikatholiken müsse er von ihren Stellen entfernen, auch wenn der Staat sie schütze Die Stillung des Bischofs zu Staat, Kirche und Papst sei durch das Dogma der Unfehlbarkeit keine andere geworden, die Unfehlbarkeit sei fei; e Gefahr für den Staat, daher sei es unbillig, den Bischof für nicht Vorhandenes zur Verantwortung zu ziehe«. Er (der Bischof) sei nie seinem AmlSeive untreu gewesen, er anerkenne daher auch keine Pflicht zur förmlichen Ver­antwortung vor den Gerichtsschranken, wo die Ankläger zugleich richteten. Wenu die unglücklichen Pfarrer Egli und Gfchwiiid ihre schwere Schuld bereuten, zur katholischen Lehre zurückkehrten, öffentlich Zeugniß geben und das Aergerniß gut machten, so werde der Bischof die Vermittlung zu ihrer Rehabilitation über­nehmen. Den Kanzler Duret werde er nicht entlassen. Uebrigens werde der Bischof Gott mehr fürchten als die Menseben und die Schande pflichlvergeßener Hirte» nicht auf sich nehmen, eher den Tod als die Schande.

Paris, 21. Dec. Thiers trifft morgen gegen 10 Uhr im Elyfee ein; wie es heißt, sell der Neu- jahrSempfaug aber doch in Versailles Statt finden. Der Präsident wohnte der heutigen Sitzung der Commission für die Gnadengesuche an. Es handelte sich um mehrere Toresurtheile. Das officiöse Bien Public drückt sich fortwährend äußerst versöhnlich aus, heute ist es glücklich, zu constatiren, daß die beiden Unter Commissionen der Dreißiger gestern die ihnen vorliegenden Fragen mit einem wirklichen Geiste der Versöhnlichkeit und des Einverständnisses behandelt haben. Tie erste dieser Commissionen, welche mit der Regulirung der Vollmachten der gegenwärtig bestehenden

Gewalten betraut ist, beschloß nach dreistündiger Be- ralhung, 1) daß die Unter-Commission über die Frage Betreffs der Etncnnung einer zweiten Kammer be. ralheil könne, daß jedoch diese Anstalt erst zwei Mo­nate vor der Auflösung der National-Verfammlung ins Leben treten dürfe; 2) daß man Herrn Thiers von der Tribüne entfernen müsse, ihm jedoch Ent­schädigungen zu bewilligeu habe,' 3) daß die Emjchädi. gungeu in einem Suspensiv-Veto bestehen sollen; 4) vaß der Präsident der Republik das Recht erhalte, eine dritte Beraihung über die Gesetze hcrvorzurufen' an welcher er Theil nehmen könne. Man begann dann die Prüfung der Frage Betreffs des Suspensiv-Vo- lums. Die gefaßten Beschlüsse klingen ganz versöhn­lich, nur darf mau nicht vergessen, daß gerade der Hauptpunkt außer Acht gelassen ist, nämlich der, ob man Thierö das Recht bewilligen wird, in Ueberein- slimmuug mit der zweiten Kammer die National Ver­sammlung aufzulösen. — General Ducrot scheint seine Manöver forlzusetzen. Derselbe sendet jetzt die Gen- varuien und Feldhüter zu allen Bewohnern seines Militärbezirkes, um von denselben die Namen der Zeitungen zu erfahren, auf welche sic abonnirl sind. Zugleich bedrohen die Gendarmen die Leute, welche sich mit Politik beschäftigen, und kündigen ihnen an, daß, wenn sie dieses ferner thun, Admittistralivmah- regeln gegen sie ergriffen werben. So berichtet man; es wird wohl ein wenig Uebertrcibung dabei unter*' laufen. Der neue Minister des Innern scheint dieses Auftreten, welches selbverständlich gegen die Auflösungs-Petitionen gerichtet ist, zu billigen. Der­selbe hat übrigens mehreren Mitgliedern der Rechten versprochen, alle Beamte, es befinden sich darunter 3—4 Präfeclcn, welche die Petitionsbewegung begünstigt haben, ihrer Stellen zu entsetzen. In Folge diejeS und ähnlicher Vorkommnisse fängt man in republi­kanischen Kreisen an, besorgt zu werden. Man fürchtet, daß ThierS sich am Ende doch zu unbedachten Schritten hinreißen lassen könne. Die „Republique Franyaise", die bis jetzt so ruhig geblieben war, sagt heute, es würde für alle Welt gefährlich, wenn die Sache so ihren Fortgang nimmt. Das Spiel der Versöhnung zu spielen und so zu thun, als sei cs möglich, sich in die Arme der royalistisch clericalen Parteien zu werfen; diefe Art von Versöhnung würde das ganze Land verwirren, und die Ruhe der Untcrhandlungeu in der Versailler Unter-Commission verdient nicht, daß man ihr die Ruhe des Landes aufopfert. „Opinion Na­tionale" ist heute ebenfalls beunruhigt, sie befürchtet, daß es der Rechten, zumal dieselbe mehr oder we-! uiger auf die Unterstützung Casimir Perier's und seiner 46 Freunde zählen kann, gelingen wird, Juls Simon und Remufat aus dem Ministerium zu verdrängen, und daß es dann sehr leicht dahin kommen könnte, daß auch Thiers, wenn er sich nicht mit einer be­scheidenen Rolle begnügen wolle, sich zum Rücktritte gezwungen sehen würde.

kett; wie dumpf schienen ihm dann seine Thurmzimmer; — die Luft darin w.ckte eine Sehnsucht, die Alles über­wältigte. Er beneidete den Mono um seinen buhle rächen Schimmer, der sie küssen durste; die Pfade, die ihr Fuß berührte, den Windhauch, der ihren Athem trank! Dann war es ihm wieder, als säßen um ihn in den Nischen die Geister all der schweren Tage, deren Qual ihn so müde machte, die so langsam hin­schlichen, und nun ganz stille standen. Erst wenn die Stunde kam, in der es ihm, auf Anordnung des neuen Kommandanten, gestattet war, den Park zu besuchen, ließen die Spuckgestallen von ihm ab. In der freien Natur, umgeben von den Bäumen, von den Blumen, die Alice gehegt und gepflegt, umkosi von den Düften, die sie eingealhmet — da, wo er noch ihre Spur zu finden wähnte, war er glücklich! Die Erinnerung wurde Gegenwart!

So reihte sich ein Tag an den andern, froh und trüb, bis der Herbst herankam, und mit ihm der eine Abend, der ihn noch von der Freiheit trennte. Wie eigen wurde ihm zu Muth, ats er nun zum letzte» Male die entlaubten Gänge entlang schritt; jeden ein­zelnen mußte er wenigstens mit einem Blicke durch eilen, jeder hatte ja mit ihm gelitten. Es schmerzte ihn fast, fortzugehen, eine Stätte zu verlaffcn, die ihm so Manches wcrlh gemacht. Halle der Park es er- rathen? Fast schien eS so, denn er schenkle dem Schci denden eine Abschiedsgabe, die ihn für immer des Parkes gedenken ließ. Während er sinnend dahinging, blinklc ihm aus welkem Laube ein feiner Goldrand entgegen, er zog daran und hielt ein Albumblatt in Händen. Es waren Verse darauf:

Lindenblüthe, Lindenblüthe, Duste nicht so süß hernieder, Meiner Kindheit lel'ge Träume, Meine Jugend sah ich wieder. Und das Herz will sie vergeffen!

Lindenblüthe, Lindenblüthe, Auch, aus Deinen Düsten steigen All die Geister meiner Freuden — Sich' ihr kosend Nicken, Neigen, Und das Herz muß sie ver. essen!

Hatte Alice die Strophen gedichtet? sie entsprachen ihrem Charakter! Doch gleichviel, sie halle sic ge­schrieben. Unendlich dankbar jubelte er auf.

Darauf wurde es Morgen; ein fröhliches Post­horn schmetterte, die Rappen stampften ungeduldig Wie? Halten ihn die dumpfen Räume immer noch gefangen? Der Postillon muß wieder und wieder blasen — da kommt er endlich; — ein Gruß, ein stummes Winken, und die Rosse eilen lhalwärts.

Hinter ihm versinkt ein Leben — taucht vor ihm ein neues auf?

(Schluß folgt.)

Hochzeit des Kaisers do« Chi««.

Bezüglich der Hochzeit des Kaisers der Chinesen melden Briete aus China noch einige interessante Ein zclheiten, die sich indessen nicht auf die hinter den Thoren des Palastes vorgenemmenc Ceremonie, son­dern auf die vorhergehenden Ereignisse beziehen. Nach Vorschrift der Regelbüchcr, welche über das Leben eines Kaisers des himmlischen Reiches von der Wiege bis zur Bahre genau bestimmen, was geschehen soll, begannen die beiden Kaiserinnen, von welcher die eine Kaiserin des OstenS, die andere Kaiserin des Westens beißt, vor einiger Zeit die nöthigcn Nachforschungen, um die Glückliche zu entdecken, weiche würdig sei, das Eoegcmahl ihres StiefjohnS zu werden. Sämmtlichen Häupilingen, welche heirathöfähigeTöchter hatten, wmde befohlen, dieselben vorzuführen. Nun sind aber die hochgestellten Väter und Mütter in China keineswegs so begierig, ihre Töchter zu kaiserlichen Ehren cmpor- steigcn zn sehen als im Abendlande. Man sieht sich nicht gern auf immer durch die Sturmmauern von ihnen geschieden und denkt auch an die Gefahr unv

den Kostenpunkt der Standcscrhöhung der Tochter für Vater und Brüder. So kam es beim, daß in diesem Fülle wie früher bei ähnlichen Gelegenheiten manche Eltern sich der zugedachtcn Ehre zu entziehen suchten, indem sie die Töchter als lahm, blind, bucklig oder sonst verkrüppelt angaben. So leicht waren aber die beiden Stiefmütter des Kaisers nicht befriedigt; noch­mals erging ihr Machtgebot und zwar dieses Mal mit Strenge. Schön oder häßlich, krumm oder grade, alle mußten sich melden, und cs traten denn auch insgesammt zwischen 600— 700 junge Mädchen der chinesftchen Aristokratie zur Musterung an. AuS diesen wurde nun eine engere und immer engere Auswahl vorgenommen, bis die Schaar der Wählbaren auf etwa 60 zusammenschrumpfte. Um diese Zeit ungefähr hatte der Kaiser einen Traum. Er glaubte, er sei zu einer buckligen Jungfrau in Liebe entbrannt und theille Tags varauf einer dex beiden kaiserlichen Stiefmütter die Sache mit. Nun traf es sich grade, daß unter oen 60 Candivatinnen, welche damals auSgemustert wurden, eine bucklige junge Dame war, und die Kai­serin kam auf den Gedanken, vielleicht fei der Traum ein Wink des Himmels. Acrzte wurden befragt, wie mau wohl den Höcker entfernen könne, und es sand sich ein starker und zuversichtlicher Curschmied, der die Operation unternehmen wollte. Er suchte mit roher Gewalt den Buckel einzudrücken, und das arme Mäd­chen starb an den Folgen. Allmählich verengte sich nun die Wahl, bis sie auf die jetzige Kaiserin fiel, eine junge Mongolendame, deren Großvater vor zehn Jahren enthauptet fein sollte. Als das Enkelkind so doch «mporstieg, kam der alle Herr gesund und munter zum Erstaunen vieler wieder zum Vorschein. Damit der junge Kaiser nicht ganz unvorbereitet in den Ehe­stand träte, waren ihm schon einige Zeit vor der .Hochzeit vier sehr schöne junge Damen als Ehestands­lehrerinnen zugetheilt.