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1872

Marburg, Dienstag, den 24. Dezember.

Oberhessische Zeitnitg

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Deutsches Reich.

Berlin, 21. Dec. Es findet heute, wie man

tiauna abrufvrechen, denn es unterliegt keinem Zweifel, dieses Jahres 25,000,000 erreichen, und es ist für o. ö 5 It- "7 ' cm., r... v" C—1870 ... k.a tHpitrnn.« hnn

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des GroßherzogS fand heute die Eröffnung des hessischen Landtags statt: Meine Herren Stände! habe Sie diesmal zur Eröffnung des Landtags mich versammelt, weil Ich Ihnen persönlich aus-

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die traurigen Glockentöne aus diesen Blumen — Noch drei Salven, noch ein Trommel- eine Hand voll Staub, und sie hatten wieder ein Menschenleben gebettet — tief zur Mutter bei der eS so heilig still ist — bei der Alle

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1872 — ohne Hinzurechnung des Beitrages von Baiern und Würtemberg zu den Ausgaben für die

trennt ja von der Heimath, von der Familie, vom Pa­radiese — und sie sollte einen Schwur nicht lösen,

zitterte, daß sie in ihrem Schmerz, in ihrer Reue Gelübde stammeln tonnte, die sein Lebensglück zer­trümmerten. Aber nein, da schwärmt die Hoffnung

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gemeinsamen Angelegenheiten der Reichs-Postver­waltung ad 6153 Thlr. — ein Ueberschuß von etwa 4,200,000 Thlr. zu erwarten. Für die Monate Januar bis einschließlich October 1872 hat die Porto Eirmahme allein für den Bereich der norddeutschen Postverwaltung gegen denselben Zeitraum des Jahres 1871 2,026,088 Thlr. mebr betragen. Für daS ganze Jahr 1872 und sür den ganzen Bereich der Reichs Postverwaltung ist danach die betreffende Einnahme- gegen 1871 auf mindestens 2,800,000 Thlr. zu ver­anschlagen.

— Die „Nationalzeitung" enthält eine Zuschrift des Gcneralpostdirectors Stephan, in welcher die Mel-

hingestcllt. Jedenfalls ist die Möglichkeit nicht aus­geschlossen, daß noch ein anderer Beamter berufen wird, um gleichzeitig im Civilcabinet und im Staats- Ministerium zu fungiren. — Die nächste Nummer der „Prvv.-Ccrresp." wird — der Feiertage wegen — erst am Freitag auSgegeben.

— Auf den Bericht der vereinigten AuSschüffe für Eisenbahnen-, Post- und Telegraphen- und für Rech­nungswesen vom Ertrag der natürlichen Berkehrs- steigerung des PostwesenS, statt der in dem Bundes- ratsbejchluffe festgesetzten Summe von 500,000 Thlr. für das Jahr 1872 den Betrag von 700,000 Thlr. sür das Jahr 1873 den Betrag von 800,000 Thlr. anzunehmen. Zugleich ist eine anderwcite Festsetzung, sür den Fall Vorbehalten worden, daß in Folge außer gewöhnlicher Ereiguiße, oder nach Maßgabe der Er­fahrungen, welche über die Porto-Einnahmen in den Jahren 1872 und 1873 gemacht werden, die Voraus­setzungen einer durch die natürliche Verkehrssteigerung bewirkten Mehreinnahme an Porto von 700,000 Thlr. beziehungsweise 800,000 Thlr. als nicht zutreffend erscheinen sollten. Dieser Fall liegt, wie die finanziellen Ergebnisse des laufenden Jahres darthun, bereits vor. Nach der von der kaiserlichen Postverwaltung hierüber erhaltenen Mitheilungen heträgt die Porto-Einnahme sür die Zeit vom 1. Januar bis 31. October 1872 20,248,088 Thlr Dieselbe wird sonach bis Ende

Was mochte Alice über die Zukunft beschloffen haben? Blieb sie vorerst in S., — ging sie fort und wohin? Das waren Fragen, die ihn so marterten, daß er sie endlich nicht mehr mit sich allein herum zu tragen vermochte.

Er bat, etwa eine Woche nach dem Begräbniß, um Erlaubniß, Frau v. Banndorf besuchen zu dürfen. Doch waS empfand er, wie zog sein Herz sich in heißem Weh zusammen, als ihm der Bescheid wurde, Alice wäre mit ihrer Nichte seit zwei Tagen abgereist, Niemand wüßte, wohin!

Jetzt erst war er auf der Festung, jetzt erst Ge­fangener. Was hätte er nicht versucht, was nicht ge- lhan, wenn er die Ketten, die Ehre und Pflicht ihm aufgeschmiedet, halte zersprengen können und ihr nach­eilen bis zu den Grenzen der Welt.

Oft bemächtigte sich seiner eine starre Gesühllostg-

zu ordnen, Nebel kämpsen mit Nebeln, Stern mit Sterncn. Er gibt sich den nagendsten Vorwürfen über seine frevelhafte Thal hin; jetzt erst sagt er es sich, daß er jene Zeilen einer Gattin zugeworfen, daß er mit seiner Liebe ein Weib bethörte, daß das Eigenthum eines Andern war.

Es erschien ihm kein Trost mehr, daß Alice das Papier ausgenommen, — mußte sie es nicht, wenn sie cs nicht den blinden Gewalten des Zufalls preis­geben wollte? Er hatte der Eingebung deS Augen­blicks gehorcht — daS war noch nie zu seinem Heil gewesen.

Und Alice? — seine Liebe flüsterte ihm zu: Jetzt steht sie Dir ferner als je! — Er fühlte Alles nach, waS sie dort an dem Sterbebette durchdrang, und er

düng der Blätter von der beabsichtigten Aufgabe der Postreservatrechte Seitens WürtembcrgS und BaiernS für vollständig aus der Luft gegriffen bezeichnet wird.

Pofen, 21. Decbr. Der Landrath von Culm hat, wie die „Posener Zeitung" meldet, auf Grund des Gesetzes betreffend die Jesuilen, vier im dortigen Kreise auf einer MissionSreise befindliche katholische Geistliche auSweisen lassen. Zwei derselben waren Ausländer, der eine in Warschau, der andere in Krakau heimisch, und wurden diese alsbald über die Grenze gebracht.

Dresden, 21. Decbr. Die zweite Kammer hat in ihrer heutigen Sitzung ihren früheren Beschluß zu dem Gemeindeorganisationsgesetz, durch welchen den Bezirksausschüssen ein BorschlagSrecht für die Ernen­nung der AmtShauptleute eingeräumt wird, aufrecht erhalten und sich darauf bis zum 7. Jan. k. I. vertagt.

Braunschweig, 20. Decbr. In der gestrigen Sitzung der Landesversammlung fragte der Abgeord­nete Koch an, wie es um die an das Staatsmin?-- sterium gerichtete Interpellation, betreffend die Aus­dehnung der ReichScompetenz auf die gefammte bür­gerliche Gesetzgebung stehe, worauf der Präsident er­klärt, er habe die Interpellation dem Staatsministerium übergeben, bis jetzt aber noch keine Antwort erhaltet^ Staatsminister v. Campe: Es schwebten gegenwärtig in Berlin Verhandlungen zwischen verschiedenen Bun­desstaaten, im Bundesrathe aber sei die Angelegenheit, um welche es sich hier handele, einer eingehenden Be­handlung noch nicht unterworfen worden. Sobald die Verhältnisse sich mehr geklärt haben würden, werde die Regierung die gestellte Interpellation sofort be­antworten. — Die Ständeversammlung genehmigte nach lebhafter Debatte mit 29 gegen 17 Stimmen, unge­achtet deS abgegebenen Mehrgebotes von 25,000 Thlr. seitens einer Vereinigung von Industriellen, den Ver­trag betreffend den Verkauf der braunschweigischen Kohlenwerke an ein Berliner Consortium.

Darmstadt, 21. Decbr. Mil nachstehender Thron­

Wüste; — er jagte die Rauchsäulen durcheinander, und der Sarg mit dem blanken Helm und glitzernden Degen erschien wie von Wolken getragen. Unheimlich hob sich aus den dunkeln Kränzen ein Strauß von Orangenblüthen, den Alice gewunden; es war, als

einen Hauch des Mundes, den das Herz nicht be­griffen ?

Mit solchen Gedanken vergingen die Tage bis zum Begräbniß des Obersten. Der alte Herr hatte stets Pracht und Feierlichkeit geliebt; er hatte es so gar gern gesehen, wenn man ihm einen gewissen Nim­bus zusprach, der ihn höher als Andere stellte. Des­halb durfte der letzte Weg keine Ausnahme machen, und sein Testament, das er zugleich mit den Hoch- zcitSacten aufsetzte, bestimmte ausdrücklich, daß er in der Nacht bei Fackelbeleuchtung begraben würde.

Die Fackeln loderten und qualmten; überall hin streuten sie glühende Tropfen, daß eS schien, als weinten sie Feuerlhränen, die, kaum den Boden be­rührend , in Rauch verwehten; der Westwind hatte sich auch aufgemacht, aber heiß wie ein Sturm der

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ftfebeint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal de, Oberßessische» Settmtg nett «reWbUtt durch die «xpeditivn («och'sch * u d. btu d et e i) beiogen 22; »ar., durch die Postämter 27 »gr. 6 Pfg. (erd. Bestellgebühr und end- Stempelsteuer), für daS Ausland excl. Stempel 22 »gr. -

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daß alle Beschlüsse Er. Majestät in der fraglichen Angelegenheit in vollster UebereinstMMUNg mit den Vorschlägen des Fürsten Bismarck gefaßt worden sind. Neuerdings bestätigt sich, was wir schon früher angedeutet haben, daß mit den Aenderungen in den obersten Regierungssphären auch die Neubefetzung der Stelle des ersten RatheS im Staatsministerium bifu nitio entschieden worben ist. Da der Geh. Rath Wehr­mann aus Gesundheitsrücksichten auf seiner Entlassung bestand, hat Se. Majestät dem Gesuch Folge ge­geben so daß nunmehr der zweite Ra>h des genannten Ministeriums, Geh. Rath Wagener, die Stellung des Ausgeschiedenen übernehmen wird. Ob mit seinen Functionen auch der Jrnmediatvortrag bei Sr. Ma­jestät verbunden sein wird, bleibt vorläufig noch da-

Gtsitcht und Gesunden.

Novellette von P- S- (Fortsetzung.)

Was hilft nun ihr herzzerreißender Jammerschrei, mit dem sie neben ihm niedersinkl? WaS Hilst eS, wenn sie seine Hände drückt und preßt, als wolle sie mit ihrem Leben das seine zurückrufen? — Der Tod hält ihn mit eisiger Kälte umklammert. Sie will ihm Alles bekennen, er soll nur noch das eine Wort sprechen: ich vergebe Dir", er soll es nur hinathmen, ihre Seele würde doch die Gnadenbotschaft fühlen — allein ihn erweckt kein Ruf, kein Flehen inehr l

Der Mittag dunkelt in den Abend hinüber, Alice liegt noch immer auf den Knieen; jeden Trost hat sic verschmäht, jede Annäherung zurückgewiesen; allein muß sie mit dem Tobten bleiben, allein muß sie Ret­tung sür sich finden, — oder untergehcn.

Können die Zähren nicht versiegen, die heißen brennenden Tropfen? Haben die Gebete ihre Kraft verloren, die sie doch sonst erquickten, wie der Thau die Wüste? Armes Weib, fehltest Du denn so schwer? - Dein Gewissen ist zu zart, überdecke es mit dem verhüllenden Schleier der Rene! — Du willst es nicht ? — Du kannst eS nicht? — Was ist Dir? Was erhebt Dich plötzlich? - Die Thränen »er siegen, Dein Auge leuchtet in strahlendem Muth, m heiliger Begeisterung! Um welchen Preis hast Du Frieden gefunden? Frieden mit dem tobten Mann — mit Deinem Herzen — und mit Gott?

6.

Noch einmal betreten wir die alten Zimmer tm Thurm; der Abend schmiegt sich schon wieder schläfrig in die Ecken und Nischen, und der Mond treibt das nimmer müde Spiel. Alexander geht auf und ab, die Hände gegen die Brust gepreßt, als wollte er die wilden Schläge deS Herzens hemmen; der Tag hatte so unendlich viel gebracht; er vermag eS noch nicht

uuucmincii. «uri nun, v» v^wuxu». w wiß wußte er c6 nicht. Die Fackeln hatten zu düster

herauf — er glaubt an die Allmacht der Liede; sie gebrannt, um Gestalten zu unterscheiden. Trostlos = kehrte er in sein einsames Zimmer zurück.

jirt, eine Plenarsitzung des BundcSralhes statt, in pelchcr voraussichtlich der Reichskanzler zum ersten Mal wieder den Vorsitz führen wird. Auf der Tages- tzkdnung stehen mehrere sehr wichtige Gegenstände, , inter Andern der Geschäftsbericht der LiquidationS

Kommission für Rhederei-Schäden, der Entwurf der l deutschen Civil-Prozeßordnung, wie er von der OkichScommission festgestellt worden ist, sowie die Ab Ammung über die vom Reichstage beschlossene See- »anns Ordnung. Der Entwurf der neuen deutschen । Zivilprozeßordnung ist bereits im Druck vollendet und soll in nächste« Zeit dem Publikum zugänglich gemacht »erden. — Heber die MinisterkristS sind heute nähere Nachrichten nicht bekannt geworden; alle Nachrichten aus zuverlässig« Quelle stimmen darin überein, daß man die Krise als beendigt betrachten kann. Nur be­züglich eine« Punktes ist bisher noch keine definitive Entscheidung erfolgt; das Demissionsgesuch des Mi­nisters v. Selchow hat bis zur Stunde die königliche I Genehmigung noch nicht erhalten. Unter den mannig sichen Gerüchten und Auslegungen, die an den Ver­laus der jetzigen Kriti« in der Presse geknüpft werden, figurirt mehrfach die Unterstellung, als stehe die Lö­sung im Widerspruche mit den Intentionen des lei­tenden Ministers. Dieser Auffassung ist jede Berech-

ruhen dürfen, Alle!

Ernstthal Halle Alice zu sehen gehofft; gehofft, ihr ein Wort der innigsten Theilnahme sagen zu können, — vergebens. — Als der Zug sich m Be­wegung setzte, nahm er wohl an, daß sie eS war, die oben am Fenster stand und unverwandt dem Sarge nachblickle, bis er ihren Augen entschwunden, — ge-