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Staatsdomainen, im Fürsten Lieven, bisherigem Gouver­neur von Moskau, einen neuen Adjnncten an Stelle des Fürsten Obolensky erhalten. Der Slaaisraih Krajewski, Herausgeber desGoloS", ist amtlich ver warnt worden, weil er Hetzariikel gegen oen deutschen Avel und Bürgerstaud der Ostseeprovinzm und gegen die Juden in Odessa zum Abdruck gebracht hat.

Die griechische Kammer ist durch königliches Decket vcm 13 d. aufgelöst und die neuzuwählendr auf den 14. Februar k. I. einbcrufen worden. TaS Ministerium DeligcorgiS bleibt also einstweilen am Ruder.

Die türkische Regierung geht damit um, die gejammte Staatsschuld aus einen einheitlichen Fnß zu bringen und dazu die ausländischen Anlehen zu con- verirren. Auch in dieser Woche har eS wieder Unruhen gegeben, und zwar in Aleppo, wo man sich gegen die Eintreibung der Steuern auflehnie.

Die rumänische Kammer beschäftigte sich mit der Eisenbahnangelegenheit lex Minister Crctzulescn belobte die Gesellschaft, die viel mehr geleistet habe, als sie vertragsmäßig verpflichtet gewesen sei, und gab die Kosten dessen, was noch zu schaffen sei, aus drei Millionen an. Ein Mitgiied der Opposition, VerneScu, stellte darauf den Antrag, die Kammer möge das Ver­fahren rer Regierung mißbilligen, dir am 1. September erfolgte Uebern-Hme der Eisenbahnlinien für gesetz­widrig erklären und die Bürgschaft deS Staates nicht anerkennen. T ie Kammer verwarf aber diesen Antrag und gab der Regierung mit 86 gegen 25 Stimmen ein entschiedenes Vertrauensvotum.

Deutsches Reich.

» Berlin, 20. Dec. lieber die sogenannte Ne­gierungskrisis liegt auch heute wieder eine Fülle von Nachrichten in der Presse vor, die ihrem wesentlichen Inhalt nach mit den von uns gebrachten Mtttheilun- gen harmouiren. DieSpen. Zig." hält für den wahrscheinlichen Ausgang der Krisis, daß Alles beim Alten bleiben werbe. Es spricht sich darin eine gewisse Enttäuschung aus, die wir jedoch nicht für gerecht­fertigt halten. Die Veranderlingen, die wir vorherge sagt, haben thatsächlich stallgefunden; Fürst Bismarck hat in Rücksicht auf seine Ueberbüroung mit StaaiS- geschäften den Vorsitz im Staatsminitterium nieder­gelegt, uud das älteste Mitglied der Regierung, der Kriegsminister Graf Roon, dessen Entlanungögesuch zurückgezogen werben ist, hat selb|iverstä.idlich den Vorsitz übernonimoir Alle ueitergehenden Vermuthun- gen und Eombiiialionen der Preßorgane schießen über das Ziel hinaus. Was die Demission des landwiith schastlichen Ministers anbelangt, jo ist, wie man Höri, dieselbe zwar bis jetzt noch nicht von Sr. Majestät bestätigt worden, doch dürste die Genehmigung des EntlassungsgesuchS keinem Zweifel unterliegen. Eine anderweitige Besetzung der Stelle deS ersten Vortragenden RarheS stehl in naher Aussicht, da, wie man hön, der Geh Negierungsrath Wehrmann wegen erschürterter Gesundheit am 1. Januar seine Stelle definitiv nieberlegeu wird. Aller Wahrscheinlichkeit,

nach dürste der zweite vortragende Rath deS Staats­ministeriums , Ged. Regierungsrath Wagener, ti Stellung des Ausgeschiedeuen erhallen. Tie Ge rüchte, welche noch immer in gewissen Preßergairen über die eigentbürnliche Stellung des Grasen Eulen bürg zur gegenwäitigen Krisis g,fl ssentlich verbreitet werden, sind, wie wir schon gestern andeuteteri, uiilau lerer Quelle enlsprungen und tendenziös gefärbt. Die Beziehungen zwischen dem Minister des Innern und dem Fürsten Bismarck bieten auch nicht den mindesten Anlaß zu berartigen Unterstellungen. Die Kreis orbnuiig wird nächsten Montag im Gesetzblatt er scheinen.

Nack genaueren Nachrichten, schreibt dieKöln. Zig.", verhalten sich Baiern unb Wurtemberg zwar keineswegs principiell ablehnend gegen eine oberste Reichs-Gerichtsinstanz zur Herstellung der NechtSein heil, aber ihre Verträge sollen nicht annehmbar er­scheinen. Tie Frage bleibt baher weiteren Verband lungen vorbehalten. Die Besprechungen sind vorläufig geschlossen.

Bei der Beralhung des Etats für dach Mini sterium der landwinhschaftlichen Angelegenheiten wird auch, wie dieD. R. C." hört, ein Antrag gestellt weiden, der dahin geht, die landwirthschastlich-n höheren Lehranstalten, wie überhaupt das gesammte laiidwirthjchafiliche U tterrichtswesen einer umfassenden Umgestaltung zu unterwerfen, dahin gehend, daß die laichwirthschastlichen Lehranstalten eingetheilt werden sollen in niedere landwirthschastliche Elementarschulen mittlere Schulen, in Lam wirthschaflsschulen, welche etwa den Gewerbeschulen gleich zu achten wären, und in Akademien, welche stets in Verbindung mit den Universitäten stehen sollen unb zu deren Besuch, wie bei dielen, daS Zeugtntz der Reife nur berechtigen soll.

Dresden, 19. Decbr. Die z.reite Kammer hat bei eineuier Beralhung der Genieiiibeorbnungen gegen­über der ersten Kammer an ihren Beschlüssen über die KreiSanSschüsse und die obrigkeitlichen Befugnisse der Vvistände der Landgemeinden festgehalten.

Karlsruhe, 20. Decbr. Einem heute Morgen ausgegebenen Bülletin über das Befinden der Groß Herzogin zufolge trat nach gestern gesteigertem Fieber Nachts ein wohlthäliger Schweiß ein, worauf das F eher sich minderte und die Kopf- unb Brustbeschwer­den schwächer wurden.

Stuttgart, 20. Dec Die Abgeordnetenkammer har sich heiiie bis zum 3. Jauuar n I. vertagt.

Straßburg, 18. Dec Sämmttiche Mairieen des LailekreiseS Straßburg habe» vom 15. Tec an bis gestern folgendes Rundschreiben erhalten: Nach dem Höheren Orts die deutschei! Bezeichnungen bei öffentlichen Behörden festgesetzt worden find, ersuche ich Sie, künftig statt der bisherigen Bezeichnung 'Maire die Benennung Bürgermeister und statt der Bezeichnung Adjnuct die Benennung Beigeordneter zu gebrauchen. Ter Kreisdircetor Hasse.

Ausland.

Wien, 18. Dec. Im Ganzen scheint man in RegierungSkreijen befriedigt zu sein durch die Auf-

l nähme, welche der ministerielle Wahlreform Entwurf ge'unden. Der Angriffspunkt, den sich die liberalen Organe ouöevehen. ist die Bestimmung, daß die Zahl ter Vertreter teS Großgrundbesitzes um 50 pCl. ver- mehrt werde. Eine Remedur biefür wäre unschwer zu finden, wenn man die Gesaminlziffer der neu hinzu- kommenden Abgeordneten erhöhen und das Plus den städtischen Vertretungen.zu Gute kommen lassen wollte. Es kommt nur darauf au, ob sich die Großgrmi^ besitze-r hiermit einverstanden erklären werden, denn ohne ihre Zustimmung ist an die ersorderderliche Zwei Drittelmajorität im Abgeordnetenhause nicht zu denken. Von den Polen soll die Regierung verlangt haben, daß sie für die Wahlreform jtiinmen, wogegen Ga­lizien von derselben eximirt bliebe. Die Vertrauens­männer des Polenclubs thaten sehr entrüstet über Diese Zumuthung, behielten sich jedoch Vedenkzeit vor. So ein Gerücht, daS der Bestätigung bedarf. Die ge­stern im Abgeordnetenhause eingebrachte Regierungs­vorlage, betreffend Die Regulirung der Beamtenge- Halter, wird heute von dem Gros der liberalen Presse mit Zuruf begrüßt. Herr P.etis hat rasch nach eiu- andizr zwei Erfolge feiner geräuschlosen Thäiigkeit auszuweilen.

Paris, 19. D«cbr. Während der Unterhand­lungen der Dreißiger Commission will die Rechte die Hände nicht in den Schooß legen, sondern schon j tzt Die ihr mißliebigen Minister, nämlich de» Mininer des Aeußein, de Jiemujat, welcher den Wünschen deS Papites nicht genug Rechnung trägt, und den Unter- richts-Minister, JuleS Simon, der ihr nicht cl.rical genug ist, stürzen und durch Männer aus ihren Reihen Metzen. Reniusat ist bereits heute die Zielscheibe ihrer Angriffe, und Jules Simon will man sich dadurch, daß man sein Unterrichtsgesetz gleich nach den Ferien aus die Tagesordnung setzt und verwiift, vom Halse schaffen. Goulard unb Tufarue besitzen vor der Haiw noch vollständig bas Vertrauen der Royalisten. Ihrem Einflüsse verdankt man eS übrigens auch, daß der Piäf.ct und der Maire von Nanieö wegen der Lourder Geschichte geopfert wurden, und sie verdienen daher vollständig, daß die Rechte sie mit Schonung behau telt Ganz zusriedengesiellt sind die Reyalinen durch Die Versetzung d>s Piäsecten von Nantes jedoch nichl, da dieser Hm. Charles Ferry, gegenwärtig Präfekt in Toulouse, also einen Republikaner, als Nachfolger er­hält. De Goulard konnte aber nicht mehr durchsetz u, da der Präsident der Republik sich auf Weiteres nicht ernlassen wollte. Der Minister tröstete seine Freunde mit dem Versprechen, daß er beim nächsten Präf.cten- schub fast alle republikanischen Präfecien zu beseitigen suchen, dagegen alle clerical-reyalistisch gesinnten im Amte lassen werde. (?) Tie erste Unter-Commiision des Dreißiger (Tufaure ) Ausschusses, welche mit der ministeriellen Verantwortlichkeit betraut ist, beginnt schon morgen ihre Arbeiten. Betreffs der Bildung Der Zweiten Kammer liegt bereits em Project vor, welches zwar sehr einfach ist, aber schwerlich zur Annahme gelangen wirb. Dasselbe besteht darin, die Zweite Kammer aus den 250 ältesten Mitgliedern

Oder weiß Alice, daß sich ein Herz nach ihr sehnt, grenz.nloS sehnt? unb nur nach einem Blicke, Nach einer Bewegung deS Erkennens, der unwanbel baren Liebe?

Ein Aniheil an jeder dieser Regungen mochte in der Brnst der bleichen Frau klcpien, je näher sie zu dem Bereiche der Thurmfenster gelangte. Sie ist sehr blaß geworb.n; überkömmt sie die Ahnung, daß sie ein Unrecht thut? Kein Unrecht, das die Welt strafen kann, das die Well nur last rnd berühren dürfte, aber ein tiefes Unrecht gegen ihren Gemahl, gegen sich selbst! Es ähnelt zum Erschrecken einer Untreue, frei lich nur in Gedanken! Doch aus Gedanken wer­den Thaien, wenn der Zufall bei Laune ist, die Rolle deS Mephisto zu übernehmen.

Noch wenige Schritte sie muß am Thurm vorüber.

Da steht er und starrt in die blaue Lull, der verwitterte altersschwache Geselle, der AlleS umschließt, waS ihre Seele noch auf Erben fesselt! Lehnt nicht ein Kopf am Fenster? drückt sich nicht eine Stirn an die Eisenstäbe, als suche sie Kühlung vor innerem Brande?

Es war ein einziger Blick, der Den Thurm empor« glitt, als die Kafta.iienbäume sie noch halb verdeckren, Dann beschleunigte sie ihren Gang brr Thurm lag hinter ihr. Warum schritt sie schneller fort? warum überhauchte es ihre Wangen mit Glttth? Haue sie real gehört? zitterte wirklich ihr Name aus dem Laube herab? ober war rS nur rin Wahn? Gewiß nur ein Wahn!

Sie halte bas Ende ber Allee erreicht: sollte sie rechts, sollte sie linkseinbiegen, oderzur ii Stohren? Sie wählte bas Letztere, vielleicht, weil sie ihrem unwillkührlich r. scher gewordenen Gange keine Ursache

unterlegen wollt. So kam sie dem Thurme wieder näher und näher; der Epheu kletterte wie sonst em­por , die alte Fahne oben knarrte, die Fenster sind offen, da fällt plötzlich ein Steinchen zu ihren Füßen nieder, von dem sich ein weißer Streifen Papier abroUt. Erst wollte sie darüber hinschreiten, im nächsten Augenblick begriff sie aber daS Gefährliche dieser Zeilen, wenn sie in fremde Hände fielen; sie bückte sich und verbarg den zerknitterten Zettel in ihrer Hand.

Sie zürnte, sie grollte über diese Tollkühnheit, bis sie in einem Seitengang die«Worle gelesen, Worte, Die allerdings Der wahnsinnigen That glichen; glühte aoer eine Liebe in ihnen, Die ihr Heiz zu lief berührte, um Ernstthal nicht tausendmal freizusprechen und außerdem fehlte ja Der Name Darunter, der Name Darinnen.

Die Zeilen lauteten:Es ist Das Gebet eines lebendig begrabenen, eines Tobten. Er kennt nicht cie (sonne, nicht teu Mond; feine Sonne, sein Mono ist Ihr Erscheinen. Er betet zu Ihnen, denken Sie seiner, wie man an Allerseelen ber Tobten denkt! O kehren Sie wieder!"

In tiefer Rührung malte Alice sich Ernstthals Ge fühle; welchen KamHf mußte er durchgerungen habe», bis ihn sein Schmerz zu diesem Schutte zwang; sie entschuldigte nicht mehr sie fand es groß, sein Glück sc auf Einen Wurf zu. nagen.

Und ter Wurf war gelungen; sie gelohte es sich, seine Bitte zu »rhören nur durfte sie rem Thurine nie mehr so nahe treten, baß sie von seiner Stimm--, ober seinen S einen erreicht wurde! Noch dachte sie ber Zukunft, wie traurig fuß sie sich gestalten würde - als das Schicksal bereits ganz aucetS enischiedeu hatte

Nicht vorbereitend, nicht ahnungsschwer, ober in

Erscheinungen, nein, urmächtig hereinbrcchend trat es heran, mit jener Allgewalt, bie schon bie Alten mit Entsetzen branomarften, bie sie schon zu schwindelnder Höhe über ihre Marmorgölter hoben.

Schreiend stürzt eine Dienerin vom Schlöffe her: Der Oberst eben heraufgetragen ein Schlag­stuß" hört Alice nur Sie will vorwärts eilen, sie will mehr erfahren - umicnft! Tie Kniee wanken, ein Bild steigt vor ihr auf, ein Phantom es ver- tii:t ihr den Weg sie kann nicht weiter, nicht zu­rück. ES trägt die Züge ihr, S Gatten, und trägt sie iricht lebt, unb ist tobt!

Endlich erreicht bie Dienerin die fast Besiniiungs- losed ergreift ihre Hände und zieht sie vorwärts. Alice fragt nicht, willenlos folgt sie ber Allen; bad ge­spenstische Bild läßt nicht von ihr, bald schreitet es neben ihr mit riefengroßen, schattenhaften Gliedern, bald droht es ihr ans den langen Aeficn einer Trauer weite entgegen, die es wie Haare um das Haup- ge fchlungen, bald beugt eS sich über ihre Sdnilter und wendet Den wack Inden Kopf zurück - kennt der Himmel fein. Erbarmen?

Sie betreten das Vestibül deS SchloffeS; da er- r ngt Alice ihre Lp innkratt wieder, stürzt die Treppe hinauf, b n langen Corribor entlang, unb steht auf ber Schwelle ihres Schlasgemaa es.

Man bat es verhängt, geisterhafte Lichter fallen auö den roihseidenen Draperieen une spielen um ein bleiches Haupt, beffen Züge der schm rzlichste TodcS- kampf entftcUt hat

Es ist ihr Gemahl, ihr Gaue, den sie eben noch der Lieblosigkeit angeklagt, dem sie eben, im Augenblicke teS S.eibenS, mit Gedanken, ja mit Thaten hie Treue gebrochen! «-

(Fortsetzung folgt.)