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1872

Marburg, Donnerstag, den 19. Dezember.

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Oberhessische Zeitung

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Deutsches Reich.

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ersuchen, beim Bundesrach dahin zu streben, daß Reichstags-Abgeordneten Diäten bezahlt würden, wohl Minister von Rössing die Erklärung gab, nach der Ansicht der Regierung die Zahlung Diäten zu dem direkten Wahlsystem nicht passe

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von ter Ritterschaft wurde der sormennvurfs mit 141 gegen nommen.

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daß die sämmtlichen Bundesregierungen diese Ansicht theilen.

Unig sanctionirt worden und steht nunmehr die Pu tiikation und di« Ausführung des Gesetzes bevor;

mich« zum Theit von den bisherigen Kreisständen rc. |6 bilden sein würden; wollte die Regierung aber

Oldenburg, 12. Decbr. Der Landtag nahm heule einstrinmig den Antrag der Abgg. Ahlhorn und Genossen an, dahin gehend, die großh. Regierung zu

$ preußischen Staatsministerium verbleibt und somit tat in der Lage ist, die Berhältnisse Preußens in Lt Hand zu haben. Eine Klärung und Entscheidung Keser ganzen Angelegenheit stehl in einiger Zeit zu »«Warten. Am 13. Dec. ist die KreiSorbnung vom

Dresden, 16. Dec. Die Zweite Kammer hat in ihrer heutigen Sitzung die Beschlüsse der Ersten Kammer zu dem Behördenorganisationsgesetz betreffs ter DistrictSvorsleher sowie bezüglich deS Wegfall» der KreiSauSschüsfe und des Ausschlusses ter Oeffent» lickk.it von den Berathungen mit Einstimmigkeit ver­worfen. Der von der Regierung den Kammern vorgelegte Entwurf einer neuen Landtagsordnung ge­währt denselben freie Wahl der Präsidenten mit Aus­nahme derjenigen des ersten Präsidenten der eisten Kammer, sowie das Recht, Adressen zu erlassen und die Geschäftsordnung selbst zu bestimmen.

Leipzig, 15. Decbr. Der deutsche Protestanten­verein hat die Tage vom 12. bis 14. August 1873 für den nächsten Protestantentag in Aussicht genom­men. Eine vorläufige Mittheilung dieses Beschlusses ist dieser Tage an den Rath unserer Stadt gerichtet worden. Derselbe hat darauf geantwortet, daß der Ralhden Verein in hiesiger Stadt mit Freuden be­willkommnen und demselben, soviel an ihm ist, alle Förderung angedeihen lassen werde."

Darmstadt, 17. Dec. Das Ministerium hat bereits gestern an sämmtliche bis dahin gewählte Ab­geordnete die erforderlichen Einladungen ergehen lassen und wird dem Zusammentritt, resp. der vorläufigen Eviistituirung der Kammer am 19 Nichts im Wege stehen. Nach zuverlässigen Mittheilunge» wirb von verschiedenen Seiten der Antrag gestellt werben, die Thronrede durch eine Adresse zu beantworten. Die vesfallstgen Debatten würden jedenfalls viele noch bestehende Zweifel über die eigentliche Stimmung und den Charakter der neuen Kammer beseitigen, überhaupt die Paileistellungen klären.

Karlsruhe, 17. Dec. DieKarlsr. Ztz." be­zeichnet die ausfühilichen Angaben eines Berliner Blattes über den Verlauf der Krankheit de» Kron­prinzen deS deutschen Reiches als in allen Theilen ungenau und vielfach unrichtig.

'N bist dem gegenüber zu bemerken, daß Fürst Bis rck als Minister für auswärtige Angelegenheiten

Berlin, 17. Decbr. ES unterliegt nunmehr Zweifel, daß die Absicht deS Fürsten Bismarck, Präsidium de« preußischen Ministerium« nieder

" ". Wenn noch immer

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rie Anordnungen behuf« Ausführung de« Gesetzes wtben unmittelbar erwartet, wenngleich der Termin fir die Ausführung selbst erst am 1. Januar 1874 in Kraft tritt. Die von vielen Seiten vorgeschlagene Einsetzung von Commissionen für die einzelnen Lan- tkttheile hat man nickt für acceptabel erklärt. Die iemmissionen behufs Durchführung der Grunbstruer- Iegelung, welche al« Briipiel für Einsetzung von Immissionen behufs der Kreisordnung angeführt »orben sind, wären doch wesentlich anderer Natur; Ihm in dem Gesetz selbst »erden solche Commiisionen Kreits vorgesehen bis auf die Kreise herab Die Mil- -lieber dieser Commissionen werden theils von der Siegicrung ernannt, theils von den Provinziallandtagen, tzrovinziaiständen und Krei«ständen gewählt; ein sol- Verfahren für die KreiSordnung ist jedoch als ttcht angemessen erachtet, da e« nicht statthaft erschein', «e neue KreiSordnung Commissionen zu überlassen.

diese Commissionen ernennen, so würde daS Verfahren gewiß vielfache Anfechtung finden, und au« diesen Gründen hat man die obere Leitung der Ausführung den Regierungsbehörden anheimgegeben in der Sbsickt unv mit dem Hinzufügen, daß die Regierungspräsi­denten persönlich verantwortlich für die Durchführung sind; den Regierungen als Kollegien diese Durchfüh­rung zu übertragen, hat man nicht für gut befunven.

Von einer Seite, schreibt dieSpen. Zig.," die wir für sehr unterrichtet halten müssen, wird uns mitgetheilt, daß Fürst BiSmarck sein Gesuch, von dem Vorsitz im Staatsministerium entbunden zu werden. Se. Majestät dem Kaiser und König vorgetragen und daß Se. Majestät sich mündlich geneigt erklä.t habe, dem Fürsten jede wünschensweithe Arbeitser leichterung zu gemähten. Der Vorsitz im Staats­ministerium wird provisorisch von dem ältesten Mil glieb des Cabincts, dem Kriegsminister Grafen Roon übernommen werden.

Malchin, 16. Dec. Die heutigen Verhand lungen des Landtags über die Vorlage, betreffend die Modifikation der Landesverfassung führten zu einet itio in partes der beiden Stände. Die Landschaft I schloß sich in corpore der die Rdgierungsproposition ablehuenden Erklärung ihrer Komitemitgliedcr an;

Men, ein fait accompli ist.

Kimmen laut werden, welche die Besorgniß ausspre tat, daß durch diese Absicht die innere Zusammen- chörigkett zwischen dem preußischen StaatSministerium M der R.ichsregierung einen Stoß erleiden wiid,

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Gesucht und Gefunden.

Rovellette von P. S.

(Fortsetzung.)

Die Schatten der mächtigen Ahornbäume wauder- lm langgestreckt über den Sckloßhof hin; schon huscklen stau dem moosbewachsenen Steinbruumu empor, dessen jnnsende Titanen sie in ihre Nacht ziehen wollten, da «ersank die Sonne hinter den Bergen und endete das »echselnde Schattenspiel. Lautlos schwebte die Däm vnung einher, nur im Steinbrunnen plätscherten die Wasser und der Abendwind zog träumend um dep | fiter des Schlosses. ,

Die emsige Stickerin, die noch dort saß, nahm lltinen neuen Faden; behutsam löste sie den Flor, der 8e bereit« fertige Arbeit verbarg; e« war ein Veilchen, ßrauß, der noch viel poetischer erschienen wäre, hätten tie Blaublümelein alle Gedanken, alle Seufzer aus Haubern dürfen, bei denen sie zu Pathen gebeten »vrden. Elma warf einen Blick auf ihr Werk, in stelle iann bat Flor wieder darüber und stellte den Stick­rahmen in die Ecke. Indem sie sich dem Zimmer zu handle, war sie froh überrascht, ihre Taute dort zu scheu; bestügeit eilte sie zu der Heben, wetßen Frau »ars sich auf ein Tabouret ihr zu Füßen und küßte lie schmale, fast durchsichtige Hand.

Alice strich ihr die Locken aus der Stirn, indem ie halb neckend schalt:Ei, welche hockverrätberiiLe Äebaitfen baden sich in dem Köpfchen festgesetzt, daß tu meine Nähe ganz vergessen konntest ! Zerstreutheit torf nur das Erbrecht e« Alter« bleiben! In der infleno müssen unsere Gedanken dicht sein wie ein Balb, zu dicht, zu grün vom Laube, um auch nur Sonnenstrahlen hindurch zu lassen; später, wenn der 1 frrbftftunn unsere Licblingsbäume brach, wenn der first immer lichter wird und die «eite nackte Erde toter näher rückt, wenn wir hundert Wege ins Freie hen, wenn eine Brombeerranke, ein Blüihchen Haide- tetit die schützende Hütte unserer Gedanken werden » bann freilich vermögen sie sich nicht mehr zu »Ameln, dann schwärmen sie verschüchtert umher, suchen We Jugend und finden fi« nimmermehr!"

Tante, liebe Tante, diese traurige Behauptung wollen Sie doch nicht auf sich beziehen?"

Ich bin eine alte Frau, Elma, und habe schon sehr lange gelebt!"

Mein Onkel hat Sie nicht glücklich machen können ?"

Erschreckt fuhr Alice zusammen; die unbarmherzig klaren Worte hatte sie sich kaum je zu denken gestaltet; beinahe krampfhast drückte sie Elma's Arm indem sie ihre Augen durch's Zimmer gleiten ließ so bangend, so scheu, als ob sie in jeder Ecke ihren Gemahl zu erblicken fürchtete. Balo war sie wieder gefaßt, nur ihre Stimm« zitterte noch:Weich ein Schluß, mein Kind! Banndorf war stets mild, nach­sichtig, voll der aufopferndsten Güte; ich achte ihn so hoch, wie ich meinen innig verehrten Vater geachtet habe: meine Ehe ließ mir nie einen Wunsch unerfüllt, >ch darf sie mit wahrster Ueberzeugung glücklich nennen! Doch, Elma, wir haben ein Gebiet betreten, zu zart, um daran zu rühren. Die Ehe bleibt ein Mysterium, welches die Mehrzahl der Eingebildeten in seiner wahren Tiefe nie begreift, an dem der Laie ober stets srevelt, wenn er seinen Witz daran erprobt. Du bist nun schon vierzehn Tage hier, und noch mit Deinem Reisebericht nicht zu Ende gekommen; heute Ist es, glaube ich, das erste Mal, daß uns die kleine Güstern ein Plauderstündchen gönnt. Du warst bis Minden gelangt? in der Nacht, nicht wahr?"

Gegen Abend! Ich fuhr mit einem Offizier, der hierher auf Festung mußte."

Hierher? Davon hat mir ja Banndorf nickt ge­sagt. Der alte Thurm ist also wieder bewohnt? Ja, ich erinnere mich, mir war eS schon einmal, al« hätte ich dort Licht bemerkt! Und wer ist der Unglückliche? Wie heißt er?"

Elma drückte daS Gesicht in den Schooß der Tante und hauchte kaum hörbar:Hauptmann von Ernstthal."

Ernstthal?" rief Alice mit erschütterndem Ton, Ernstthal?" bebte eS nochmals über ihre Lippen, oem verhallenden Echo gleich.

Elma hob den Kops; jede ihrer Mienen drückte Ueberraschung ur.b Besorgniß auS. Ueberraschung worüber? Besorgniß um waS? Alice saß va, sw

ernst wie immer, so still und bleich wie immer; viel­leicht erschien ihre Blässe krankhafter, daS aber ver­hüllte die Dämmerung, und Elma wußte nicht, hatty sie jenen schneidenden Ton wirklich gehört. Kalt blickte Frau v. Banndorf in die schweren Wolken h-nauS, und spielte mit der Seidenquaste ihre» Fächer«.

Ick will in mein Zimmer gehen," sagte sie in ihrer gewöhnlichen Weise;ich muß meine Toilette ordnen unsere Geiellichast wird heute früher er­scheinen, da es so rasch dunkelt."

Dahin rauschte sie, stolz ruhig. Ihr Zimmer lag vor ihr, sie hatte die Port s.e herabgelafjen und war allein, allein mit sich und ihrem grenzenlosen Elend. Wie nachtwandelnv schritt sie auf und nieder, die Augen geschlossen, die Lippen zusammeng.preßt, als ob sie daS Athemholen vergessen sollten, die Hände in einander gerungen, so verzweiflungsvoll be­redt wie der lauteste Jammer. Und die Gedanken die Gedanken! ES erichien ihr, ihnen alle wüchsen Flügel und sie flatterten fort in die Ferne unauf­haltbar, zügellos. Dann kamen sie aber zurück, mit Riesemprüngen, wie sie nur die Gedanken Haden, und orängten und wirbelten sich unter der Stirn, daß die Ävern zum Zerspringen hämmerten. Plötzlich richtete sie sich auf, ein ©.baute verdrängte alle andern; sie Kürzte zum Fenster, das die Aussicht auf den alten Thurm bot:Ist Licht dort? Wahrheit, Gewißheit!"

Alles dunkel alles schwarz! Ihre Blicke, die angstvoll die Finsterniß durchirrten, wurden sanfter, irre Züge, die von dem furchtbaren Kampfe, vom Schwanken zwischen Hoff.» und Fürchten entstellt waren, kehrten in ihre reinen Linien zurück. Sie hatte nur schwer geträumt und erwachte jetzt.

(Fortsetzung folgt.)

Du« Neinzehntk Z,hrhNAtzert

in Briefen eine« Römer« au« »er Zeit Julius gäfar«.

. (Fortsetzung.)

Un« schien die Kraft immer da« wahre Verdruß und Attribut des Mannes. Um in unseren Aug« interessant zu sein, mußte Jemand park an Körper,