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1872
Marburg, Mittwoch, den 18. Dezember.
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OberhesMe ZeMg.
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Deutsches Reich.
Nachfolger«, beS „BolkSfreundeS“. Dieser wirb unter der Redaction beS öfter genannten Dr. A. Rittler erscheinen. — In bet Sitzung de« unterfränkischen LandrathS vom 12. wurde beschlossen: an die Staats« regierung die dringende Sirte zu stellen, um al-baldige Projectirung bezw. in Jnangriffnabme der Bahnlinien Schweinfurt-Arnstein Gemünden, Aschaffenburg - Miltenberg und Fulda • GerSjeld = Bischofsheim - Neustadt«
KreiSordnung zufliehen sollen. Die RegierungS-Com- missäre haben diesem Beschlüsse im Priucip zugestimmt und die Entscheidung der Regierung darüber, ob der Beschluß innerhalb der jetzigen Vorlage oder durch ein besonderes Gesetz auSzusühren fei, sowie die Be schaffung des betreffenden Material- für die erste Sitzung nach Neujahr zugesagt.
Wiesbaden, 13. Dec. Die städtischen Lehrer sind in ihren Besoldungsverhältniffen eben wieder sämmtlich sehr erheblich aufgebrssert worden Die Zulagen werden ihnen schon vom 1. Juni l. I. an ge-
„Der BolkSfreund (Zeitung für Südbeutschlanb)“ unter „bewährter Leitung* von Neujahr an erscheinen wird. Auf der Rückseite befleißen Blatte- des „Volk-- boten“ findet man sodann die GeschästSanzeige feinet
Ausland.
Wien, 14. Dec. Der Finanz-Minister Dkpretis befand sich heute in der angenehmen Lage, der wieder zufammengetretenen cirleithanifchen Volksvertretung ein in mehr als einer Hinsicht überraschende« Expos« der Finanzlage in prunklo- einfacher Weise vorzulegen, das zum ersten Male seit langer Zeit Orsterreich- volkswirthschastlich-ftaatliche Verhältnisse in blühendstem Aufschwünge begriffen zeigt. Die Ausgaben für 1873 konnten um 25 Millionen erhöht werden, ohne daß beß- halb ein erneuter Anspruch an den Credit beS Lande- gerichtet zu werden brauchte. In bieiem Voranschläge fignriren die Erhöhung der Beamtengehälter mit 9 Millionen, die Vermehrung der gemeinsamen Militär- Ausgaben, nach den Beschlüssen der Delegationen, mit 2 Millionen, 4 Millionen sind dem HanbelS Mi nifterium, 3>/z Millionen dem Finanz Ministerium (Bergbau rc.), 800,000 Gulden dem Ackerbau-Ministerium für productive Zwecke zur Verfügung gestellt. Die GesammtauSgaben sind mit 379 Millionen veranschlagt, denen an ordentlichen Einnahmen 340 Millionen gegenüberstehen. Zu diesen Hülssquellen treten
an Dir!“
„Nein, nein“, schmollte Melanie, „laß mich; meine Geschichte ist zu gering, zu kindisch; ich sehe eS jetzt ein, daß ich doch noch ein Kind bin.“
Halb mit sich über ihre Unbedeutendheit grollend, halb kosend, umschmeichelte sie noch die Freundin — da rauschte es in den Bü'chen, leicht und gewandt sprang ein Offizier über die Quelle, unv stand vor den erschrockenen Mädchen. Kaum hatte ihn Melanie erkannt, als Purpntröche aus ihren Wangen empot» stammle; zögernd und hastig zugleich wandte sie sich an Elma: „Siehst Du,'unser Plätzchen ist nicht so unnahbar, wie Du glaubtest: Herr von Schwanau hat unS gefunden!“
Elma flüsterte ihr zu: „Wann hät Liebe vergeben« gesucht?“ daun erwiedertr sie die Verbeugung des Offiziers, und alle Drei traten unter Scherzen den Rückweg nach den vorderen Partien beS Kommandanturgartens an, wo man sich Über das Ausbleiben ter jungen Damen bereits geängstigt und ihnen deß halb den glücklichen Finder nachgesandt hatte.
3.
Der Nachmittag neigte dem Abend zu. Die Tonne warf ihr letztes Gold um ein junges Mädchen, das emsig stickend in dem Balkonerker saß, der zu den
ier — unb doch denke ich nur an ihn, und doch kenne ich nur ihn!“ 'J /
Erschüttert vom Ausbruche einer Leidenschaft, die sie in ihrer ganzen Gewalt nicht faßte, wußte Melanie .nicht recht, sollte sie weinen, sollte sie trösten oder rchweigen? Endlich fand sie ihr Selbst wieder, sie legte den Arm um die Freundin, und zog sie nach der Moosbank. Willig folgte Elma, indem sie mit rührender Stimme bat: „Vergib, der Mond machte mich zur Schwärmerin — seit jener Nacht kann er da- alte Spiel nicht lassen i — Nun aber ist die Reihe
Wiesbaden abgereift.
München, 14. Dec. Von Montag ab bi- zum 21. d. M incl wird die Versteigerung des Mobiliars und der Werthgegenstände der Adele Spitzeder im Saale der Westendhalle ftattfindeii. In der Gemeinde, rathssitzung bestätigte Bürgermeister Erhardt bas Gerücht, daß gegen einen Rechtsrath wegen Betheiligung an der Spitzederei eine Di«ciplinäruntersuchung im Gange fei. — Der „Volksbete“ bringt in seiner Nummer vom 13. d. bie Anzeige von seinem mit Neujahr erfolgenden Eingehen, nachdem bie finanziellen Schwierigkeiten, mit denen sein flüchtig gegangener Redakteur seinerzeit die Sdtung des Blattes übernommen, sich „bis zur Stunde nicht blo- nicht gehoben, sondern dermaßen angehäust und verwickelt“ haben, „daß der Fortbestand des Blattes thaisächlich nnmög lich geworden ist“. Ersetzt soll derselbe werden durch ein neues politisches Blatt, welche« mit dem Titel
1'dieselbe eine Erhöhung der Gemeinde - Umlagen von 60 auf 66% Prveent bedingt. — Bon Neujahr an werden die beiden Landgerichte Würzburg rechts und link- des Mains zu einem Gerichte zusammengelegt.
Zimmern der Frau Oberst von Banndorf gehörte. Diese selbst war zugegen; sie hatte gelesen, nun aber das Buch geschlossen und sich in den Sessel zurückge- lehnt. Es ist eine hohe, schlanke Gestalt, so zart, daß sie mit dem Lusthauch zu schweben scheint; da- fein« Gesicht lebt nur in den dunkeln Augen, die eben trüb und müde an einem blühenden Orangenbaum hasten. — AuS Oeangenblüthen hatte man ihr den Brautkranz gestochten.
Die Wangen sind bleich, und ihr dunkle» Haar, das in anspruchslosen Wellenscheiteln das Gesicht umgibt, macht sie noch bleicher. Leichte weiße Gewänder umhüllen sie rote Schleier, ein weißer Rosenzweig an der Brust bildet ihren einzigen Schmuck.
Es gibt Franengestalten, bei denen wir e» wissen, daß sie um ein verlorene- Lebensglück trauern I Da- sagt uns nicht ihre stolze Haltung, ihr uneiforschliche- Auge, nicht ihr Mitnb voll Neckereien und Uebermuth, ober ihr schwebender Gang, der un- an die Lichtschritte der Engel mahnt — das sagen un« aber tausend beredte Zeichen, wenn wir eine solche Frau in der Einsamkeit belauschen Gleichsam überwacht und matt, versagt dann j des Glied die Bewegung, wie unheimlich starr wird da« Auge, wie zuckt es um die schmalen, blassen Lippen! Sie haben etwas unnennbar Rührende«, diese Frauen, man möchte sein Seelenheil darum, geben, könnte man sie glücklich sehen!
Alice von Banndorf war eine dieser Erscheinungen; man halte sie jung, ohne Neigung, die sie längst einem andern Manne geschenkt, mit dem jetzigen F.ftung-- tommanbanten, dem Oberst von Banndorf, vermählt. Sie lebte schon zehn lange Jahre an seiner Seite, ohne zu klagen, aber auch ohne zu vergessen. Daher mochte e« wohl kommen, daß aus dem Imzfrischen Mädchen so bald die fliBe, alternde Frau geworden, ; die in jenem S-flel ruht. (Fortsetzung folgt.)
rechnet und betragen für diese 7 Monate beinahe tenberg und Fulda Ger«seld - Bischofsheim -Neustavt- 7000 Thlr auf das Jahr also über 12,000 Thlr. Königshofen-Koburg, eventuell bezüglich letzterer Lime _ Die Bevölkerungs-Zunahme der Stadt ist so stark, um Ertheilung der Concession an die zu Neustadt a. S. daß obgleich seil 1869 drei neue Schulhäuser ge- uns Bischofsheim a. d. Rhön gebildeten Conforttea baut' rootoeu, jetzt schon wieder da- dringendste Be- unter !ö willigung einer Subvention. - In Aug«- dürsniß für neue Schulbauten vorhanden ist. Sämmt- bürg beschloß das Gemeinde-Collegium mit allen gegen liebe Klassen sind überfüllt. — Eine wesentliche Ver- 2 Stimmen die Aufhebung de« Schulgelde« obwohl •
Gesucht mm» ©tfMrtcn.
Rovellette von P. 6- , Fortsetzung.)
Elma drückte ihre Hand und fing an: »Ich 6*rte doch im vorigen Monat von meiner Harzrnie zurück Den letzten Tag suhr ich mit einem Oifister zusammen — es war der Hauptmann Ernstthal
Haupt - mann?" unterbrach sie Melanie, und ihr Gesicht wurde lang und länger, „bann ift e« ja rät alter Mann, der paßt allerdings zu dem alten
tburm!“ .
O er war nicht alt!“ entgegnete Elma eifrig. „Wir saßen einander erst stumm gegenüber. In Mm btn kam mein Cousin Paul mit einem andern Ossi zier an den Waggon und wünschte mir lachend vier Amüsement in S. «>« Ernstthal da« Zte. meiner Reise hörte, stellte er sich mir al« Schicks «gewährten Dor. Wir unterhielten uns nun — worüber? weiß ich nicht mehr, ab.r zum ersten Mal in meinem Le. btn trat mir ein so tief poetischer Charakter entgegen Ich wußte bald, daß er nicht Vergnügeirs halber die Festung besuche, daß er wegen einer überwuchsen Laune, die einen Vorgesetzten beleidigt hatte, vier Mo- nate Buße thun müsse - dort in demaltenThurm tu haltest ihn hören sollen, wie er über sein Un Älüd icberite — sein Mund lächelte, unb seine Wimper foien eine Thräne zu bergen. Die Nacht, btt roir durchfuhren, war so milb, so schön, so warm! wachend träumte ick eilt Märchen, rote e« Hart- nicht lieblicher ersonnen! Ich hätte vor ihm nieberknieeu und ihm all das Leid abbitten mögen, roa« ihm bie muleibloh Welt aetban! Da« war Sonnenschein, gottempfangene« Btänmt und Träumen! - Seitdem hahe ich ihn nur »X jenen Fenstern unb auf ber Esplanade gesehen, kenn er dort einsam auf- unb mebergeht Ich «erbe ihn wj«ht mehr sprechen, ich muß ja früher fort al»
ouinn ..... ~_____,______a o. schönerung gewinnt bie Stabt durch Bebauung eines!
i°""Daß "e« "sich um löefeitigiing-| von bet Gemeinde vor vier Jahren erworbenen, mitten |
... ..... -i. jn btr Stadt gelegenen, mehrere Morgen haltenden Grundstücks, genannt da« „Dern'sche Besitzihum.“ Der bezügliche Bebauungsplan ist entwürfen und liegt dem Gemeiitderath zur Genehmigung vor.
Karlsruhe, 16. Deckt. Der Kronprinz und die Kronprinzessin de« deutschen Reiches sind nach
*« Berlin, 16. Deckt. Die Nachrichten über i taaeftaltuna der Beziehungen zwischen dem Staats- i jjnifterium unb bet Reichsregierung unb spectell über ' m Stellung be« Fürsten Bismarck zu betreiben bilben । » Mittelpunkt ber Besprechungen ber Presse. Die Migkeit dieser Frage für bie gejammte Entwickelung ^ vaterländischen Zustände wirb allgemein anerkanitt. , ist damit allerdings keine neue Frage angeregt; «rft Bismarck hat bekanntlich stets auf den innigen iisammenhang be» Reiches mit bem Preußischen itaate da« entscheidende Gewicht gelegt. Die Roth Knbigtit diese Politik von allen Hemmungen zu be- K«a, kann das hervorgetretene Bedürfniß erttären, h leitenden Staatsmann von einem Theil ber Lasten, e ihm seine Doppelstcllung auferlegt, zum Bisten a Ganzen zu befreien. Der Schwerpunkt der Frage w also wohl barin, wie bem Fürsten, ohne Ge- Nrduua be« SiaatSintetesseS, eine Erleichterung ge «tt werben kann. ** ““
{in*« Collegen handle, dessen Politik mit der des kitenben Ministers nicht überetnftimme, ist nicht an- Mehmen. Dazu würde eS keine« Umwege« bedürfen; ie Unentbehrlichkeit beS Fürsten BiSmarck ist so un- weifelhaft anerkannt, baß auch ohne Aufstellung einer stincivienfrage eine Aenderung leicht erfolgen könnte. - In ber Presse ist vielfach von ber Absicht bes iaiier« bie Rede gewesen, in nächster Zeit eine Reise ngd) Petersburg aiizuireten. Einzelne Journale oe- iMpten baß bie Ausführung ber Reste für den Mo not April bestimmt in Aussicht genommen fei ©afj 6e. Tlajeftät so weit im Voraus seine Reisepläne seststellen und bestimmte Zusagen ertheilen könne, ist den Umständen nach nicht anzunehmen; jedenfallö steht Ä vatz von Petersburg au« schon wiederholt fiulaoungen ergangen sind. — Wie roir Jo eben er- jchren, hat der Kaiser da« «retSordnungSgesetz durch litte Unterschrift vollzogen.
— Der Kaiser empfing gestern Nachmittag 4 Uhr tat Reichskanzler Fürsten Bismarck zn längerer Con- ^m - Die Special-Commission des Abgeordneten Hauses für Beratyung be« PronvinzialfondS-Gefetzes hat die AuSscheicung besonderer Kreisjvnd« befchlosseu, »eiche den Kreisen vorweg zur Durchführung der