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Marburg) Dienstag, den 17. Dezember.

1872

OberWfche Zeitun-.

flU ft er den Werkten nach Sonn- unb Feiertagen. Prei- für das Quartal bet Dbttbefflfd)« 3ettu*g mit KretSblatt durch die «rpedition («och'sche «.ck druck« e"i) bezogen r^ W. durch die Mimtet 27®flr.6 Vfg. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), str daS Ausland excl. Stempel tt Egr.- Bnchdruckere.) "zogen't bie gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annonren-BüreauS nehmen Inserate an.

fl^ie seit länger als Jahresfrist von uns angestrebte 2/ Lostrennung de« KreiSblatteS von der Ober Eschen Zeitung wird vom 1. Januar k. I. an eine M'tandige »erden, indem von da ab da« KretSblatt M mehr als Beilage zur Oberhejsiichen Zeitung, Aern als Mast dreimal wöchentlich

Meinen tdrbT

In dem Erscheinen der Oberhessischen Zeitung tritt eine Ainderung nicht ein, dieselbe wird, wie seither, ßetS bemüht sein, durch die rascheste Mitchcilung der politischen Ereignisse, sowie aller Nachrichten von lokalem oder allgemeinerem Interesse ihre Leser aus s Seite zu bedienen. Aus da« mit dem 1. Januar neu beginnende Quartal-Abonnement bitten wir die Bestel jungen rechtzeitig machen zu wollen.

lieÄeHttie* xn6 E;s»edtti«»dcrOterh. SntttUg".

Deutsches «eich.

Berlin, 14. Decbr. DerA. A. Z." wird von hier geschrieben: Die DemisjionSjucht, welche sich seit einiger Zeit im Sckootze deS Staatsministeriums be- mrklich macht, würde immer noch räthselhaft bleiben, »mn nicht, -wie nunmehr bekannt wird, die Absicht des Fürsten BiSmarck feststünde, das Amt eines Prä­sidenten des StaaiSministeriumS und natürlich auch dasjenige eines preußischen Minister« der auswärtigen I Angelegenheiten niederzulegen. Wie verlautet, hat der Mrst diese Absicht schon vor einigen Wochen kundge­geben , als er aus Anfragen aus dem Schooße deS AiinistcriumS die Antwort ertheilte: eS sei ihm mit Rücksicht auf seine Gesundheit unmöglich, sich »eiter ' hin mit den speciell preußischen Angelegenheiten zu beschäftigen. Es mag dahin gestellt bleiben, ob die Gesundheitsrücksichten die allein maßgebenden sind: in jedem Fall aber liegt es auf der Hand, daß die jetzigen Mitglieder deS Staatswinisteriums, ganz abgesehen ten den Reibungen zwischen einzelnen derselben und dem Ministerpräsidenten, angesichts der Entlassung des leitenden Ministers auch ihre Portefeuilles m dte Hand des Königs legen müssen, und diesem dte wci tettn Entschließungen anheimgeben. WaS speciell den Grafen Eulenburg betrifft, so liegt ein Entlassungs- gesuch desselben zur Zeit allerdings noch nicht vor,

und wird auch nicht erfolgen bis das KreiSordnungs gesetz publicirt ist, und zwar unter Gegenzeichnung des Ministers deS Innern. Den weiteren Verlauf der Krisis zu prognosticircn, ist nicht angezeigt; nur da« möchte ich erwähnen: daß eS in sonst gut unter richteten und mit d«l inner« Vorgängen vertrauten Kreisen nicht an Stimmen fehlt, welche den Grafen Eulenburg als den zukünftigen Präsidenten deS Staats - Ministeriums und Minister deS Innern bezeichnen. Bezüglich des Austritt« deS Fürsten BiSmarck aus dem preußischen Staatsministerium wird vor Allem die Frage fein: in welcher Weife in Zukunft das prm ßische Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten, welches bekanntlich neben dem auswärtigen Amt des Deutschen Reiche« besteht, in Verbindung mit dem letzteren gesetzt und erhalten bleiben soll. Man er­innert sich, daß Fürst BiSmarck früher im Reichstage die Unzuträglichkeiten betont hat, welche eine persön­liche Trennung zwischen Reichskanzler und preußischem Minister de« Auswärtigen mit sich führen werbe; in dessen ist inzwischen der größte Theil der Geschäfte deS auswärtigen 'Ministeriums auf das Reich übergegangen. Die übrig bleibenden Unzuträglichkeiten zu beseitigen, würde gleichwohl unumgänglich sein.

Berlin, 13. Decbr. Mit der fortlaufenden Ausdehnung unserer Eisen-Industrie hält der Eisenerz- Bergbau gleichen Schritt. Das Jahr 1871 zählte 1106. Privat- und 29 Staatswcrke. Auf jenen wur den 25,487, auf diesen 772 Arbeiter beschäftigt, aus jenen 56 Mill., auf diesen 2 Mill. Ctr. Eisenerze gefördert. Die Staatswerke sind in diesem Zweige deS Bergbaues in bei Weitem geringerem Maaße als bei dem Bergb-u auf Kohlen vertreten. Das Förde- rullgsquantum hatte sich gegen Aa« Vorjahr um 5 Mill. Ctr., der Zahl der Werke um 61 und der der Ar- teiter um 3357 vermehrt. Der Haldenwerth der ge wonnenen Eisenerze war von 61/z bis 81/2 Mill. Thlr. gestiegen. Um ein Bild von der Menge der gewon nenm Eisenerze zu erhalten, stelle man sich vor, daß diese sämmtlich auf unfern gewöhnlichen Flußexport schisten verladen waren, welche jedeS 1500 bis 2000 Ctr. tragen. Es würden hierzu ca. 35,000 Schiffe erforderlich sein. Diese würden hintereinander in der

Fahrt begriffen für jedes 200 Fuß gerechnet eint Strecke von 7 Mill. Fuß oder 350 Meilen ein- nehrnen. Die Fahrzeuge würden einen Wasserlauf verlangen welcher die Länge der Oder, Elbe, Havel und Spree von den Quellen bis zu den Mün­dungen gerechnet zusammengenommen haben müßte. Die meiste Ausbeute geben die Bergwerke in dem Ober Bergamtsbezirke Bonn (40 Mill Ctr.) und hier vor­zugsweise in den RegiemngSbezirken Coblenz nnb Wiesbaden. Außer den Eisenerzen wurden durch den prenßischm Bergbau noch 6V2 Mill. Ctr. Zink­erze im Werthe von 1% M'll. Thlr., l3/< Mill. Ctr. Bleierze im Werthe von 5 Mill. Thlr., 4^2 Mill. Ctr. Kupfererze irn Werthe von IVt Mill. Thlr., 21/3 Mill. Ctr. Schwefelkies und sonstiger Bitriolerze im Werthe von i/t Mill. Thlr. rc. gewonnen. Die Ausbeute der übrigen Erze blieb verschwindend gering. Gold wurde gar nicht gefördert und die Production von Silbererzen war so unbedeutend, daß sie nur einen Werth von 54,260 Thlr. repräsentiere.

Der FondsBesoldungen und Zuschüsse für Lehrer, Lehrerinnen und Schulen" wurde nach dem Etat pro 1873Zur Verbesserung des Dienstein­kommens der Elementarlehrer und Lehrerinnen und zur Erleichterung der Gründung neuer Schulen" um 750,000 Thlr. erhöht. Bei der demnächstigm 93er theilung wird nach besonderen Gesichtspunkten ver­fahren werden. Es soll, wie dieElberfelder Ztg." bestimmt «fährt, die Einkommensverbesserung nicht auf die alleinstehenden Lehrer, resp. einzigen oder ersten Lehrerstellen einer Schule beschränkt, sondern auch auf die zweiten und folgenden Lehrerstellen, soweit daS Bedürfniß es erfordert und die Mittel e» gestatten, ausgedehnt werden, wobei den für verheirathete Lehrer bestimmten Stelle» ein Vorzug eingeräumt werden rann. Bei der Bewilligung persönlicher Zulagett soll fortan besonders Rücksicht auf zurückgelegte längere Dienstzeit genommen werden. Die Verbesserung der persönlichen äußeren Lage der älteren Lehrer ist vor Allem in« Auge zu fassen. Die am JahreSschluffe verbleibenden Bestände resp. Heimsälle und Ersparnisse sollen nicht angesammelt, sondern in'« nächste Jahr übertragen und unter allen Umständen in diesem ver.

Gesucht uul Gefunden.

fl Novelle»« von P. S.

S 2.

» Welch fesselnde« Bild! Neben einer Quelle, die au« dunklem Waldmoose hervorrieselt, so lauschig, so behutsam, al« ob die Hellen Wasser erst Prüfend um- herjpähe» wollten, ob'« auf Erden noch geheuer sei, erhebt sich auf halbverwittertem Piedestal eine Statue, tzie ist zertrümmert dem schönen Knaben fehlen die Arme, der Schwan, welcher zu seinen Füßen ruht ' und kosend den Kops zu ihm emporhebt, Hal seine Flügel verloren. Es müssen Jahre darüber htngegangen sein, seit man die Gruppe dort ausstellte, feit etn menschlicher Fuß den einsamen Oit betrat. Die Gräser find so üppig hoch ausgeschoffen, die Blumen blühen und duften viel herrlicher, al« da, wo Menschenaugen ihrem Treiben folgen. Rings um die Statue stehen ; m bunter Reihe TaxuS- und Eichenbüsche, die sich mit S Hülfe eine« Windstöße« abwechselnd in den Vorder^ 8 grünt zu drängen wissen, vielleicht, um wieder einmal H in das liebe, traurige Gesicht des Knaben zu blicken I der wie ein Schutzgeist unter ihnen thront.

1 Und jetzt wie flicgt's mit tausend goldenen ä Siebtem, mit tausend goldenen Funken durch die Büsche der Mond geht auf 1 Die Schatten der Blätter fallen auf den weißen Marmor die starren weißen Augen erfüllt ein wunderbare« Leuchten. Ist der Monv Pygmaleon geworden, umschließt er mit seinem Glanze ein athmendes, lebenswarmes Wesen? trügerische« Spiel! feine Linie an dem fein gemei­ßelten Körper regt sich, kein Athem schwellt die süße Lippe Aber im Grunde, an der Quelle, da rauschen und schaukeln sich Blumen und Knospen auf schwan­kem Stiele, da surren die Käser zu dem Abendltede der Unten. _ ,, . v

frier steht, halb unter Buschwerk und Grasern versteckt, eine Mvosbank. Sie ist von zwei Mädchen

eingenommen, die beide jung sind, beide schön, beide vornehm, und beide unglücklich, wenigstens nach ihren Tagebüchern; diesen anscheinend treuesten und doch unwahrsten-Brevieren, die eigentlich überall den glockenbehangenen Schalk herauswenden; oft schon auf der ersten Seite, wenn dort auch in der Regel, des brechenden Herzens und der großen Lettern wegen, nur drei Worte Platz haben:ich liebe unglücklich!"

Von den beiden jungen Mädchen hieß die Helle Blondine, eine Nichte des Festungscommandanten, Elma von Banndors; die Brünelte mit den orientalischen Augen, Melanie Gräfin Gilstein. Beide schwiegen, gleichsam gebannt von den Reizen des OrteS; oder konnte feine von ihnen das erste Wort finden? Und doch war die Nacht so himmlisch schön, um Vertrauen mit Vertrauen zu tauschen.

Ein tiefer Seufzer «0 tarn er her? Fast er­schrocken blickte Melanie der Freundin in die sinnigen Züge, die am Glitzern der Mondstrahlen hingen. Aber der Bann war gebrochen, zärtlich schmiegte sich die Kleine an Elma'« Brust und lispelte:Auch Sie können seufzen? Sie, die Königin der Salons, die erklärt hat, sie wolle nur bewundert, nicht geliebt werden?"

Hestig erwiderte Elma:Dort auf dem Parquet will ich auch nicht geliebt werden; es zuckt mir durch's Herz, wenn ich die leeren Phrasen höre: sie icherzen nur mit der Liebe, und ahnen nicht, daß die Liebe das Einzige ist, was un« mit dem Jenseits ver­bindet! Wir müssen dies Vermächtniß des Himmels heilig achten, wir dürfen es nicht vertieren, nicht zer­stückeln es wird zur Taube werde«, die unS einst den Oelzweig in der Hcimath reicht!"

Melanie'S Augen leuchteten; man sah eS de« leb­haften Bewegungen ihrer Mienen an, wie sehr sie mit der Freundin sympalhisirte Erregt rief sie a»S:

Wie groß denken Sie über Liebe, und lieben nicht?"

Leise fragte Elma:Wirklich nicht? Könnte nicht doch in irgend einem verborgenen Winkel meine« Herzen« die Blume der Nacht und deS Monde« auf- geblüht sein?"

Ueber die Züge der kleinen Gräfin glitt ein Lä­cheln schüchterner Verlegenheit; sie sühlte, daß trotz oer schelmischen Emphase Wahrheit in Elma'« Worten lag und die Fragen machten ihr Herz schlagen: Wen liebt Elma? wird sie mich ihres Vertrauen« würdigen? darf ich ihr dann auch gestehen, waS mich quält und beseligt? Einen Augenblick nur, und ihr Lockenköpschen hatte dem Herzen befriedigend geant­wortet. Zärtlicher schmiegte sie sich an die Freundin. Wie lange bemühe ich mich schon vergeblich um Ihre Freundschaft! Sie behaiideln mich noch immer als Kind und ich bin fein Kind mehr! Elma, ich habe Sie gesucht, wo ich Sie nur finden formte, Sie wichen mir au« sollen wir un« denn nicht gehören?" Ihr Auge wurde feucht, sie sah wunderbar reizend au«.

Elma wollte sich dem Zauber entziehen, küßte leicht ihre Stirne und erhob sich da lag aber Melanie schon in ihren Armen.Dein und ewig Dein!" waren die stammelnden Laute, die ihren Lippen entströmten. Ihre Innigkeit rührte Elma, sie erwie- berte ihre Liebkosungen, die beiden Herzen wurde« ein«. Al« sich die Aufregung de« Augenblick« zu legen begann, tauchte in den Freundinnen der Ge­danke auf, ihr eben geschlossenes Bündniß durch den Austausch der innersten Gefühle für immer zu be­festigen. Keine aber konnte den Anfang finden; da bückte sich Melanie, brach ein Maßlieb, da« im Mond­licht schimmerte, und befragte da« alte Orakel: Du ich, Du ich.