Einzelbild herunterladen
 
  

mürben, um dieser Lage ein Ziel zu setzen. Heute ist diese Täuschung nicht mehr gestattet. Die letzten Ab stimmungen der National-Versammlung beweisen, daß eine Majorität sich dort weder befestige» noch bilden kann. Deßhalb scheint die Regierung, w.it davon ent­fernt, regieren zu können, zuweilen sich-des Lebens nicht sicher zu frihtem Für alle JntereFen entstehen unaufhörlich tödtliche Krisen. Deßhalb herrscht in den Herzen aller kharsehendcn Patrioten die UkbeMigun^, daß die Zeit da ist, wo daS Land den Gebrauch seiner Souveränelät wieder aufnehmen muß, um einen Streit zu beenden, den es allein lösen kann. Seit'dem Mo not August 1871, in der Sitzung, iu welcher die Ver­sammlung sich die constituirende Gewalt zusprach, for derte die Gruppe der „Union Republicaine" in einem Gesetzentwürfe die vollständige Auflösung und ver­langte, daß ein neuer Aufruf an die Wähler gemacht werde. Die Annahme dieses Vorschlages würde die Sch l ierigkuteu, die damals ihren Anfang nahmen, kurz abgeschnitten haben; sie würde hem-.Laichx. die Heimsuchungen erspart haben, welche ihm seit jener Zeit auserlegt wurden., Heute erkennt ein großer Theil der Versammlung an, daß die Auflösung der einzige AuSweg für diejenigen ist, welche neue Gefahren zu vermeiden wünschen Von allen Seiten schließen sich die Wähler diesem Gedanke«,Her Befreiung an. Die auf gesetzlichem Wege erlangte Auflösung 1 dies ist unser Zweck, sie ist der bewahrheilese Wille der Na tion. Wir verwerfen jedes Mittel gewaltsamen Druckes laut; wir verdammen die Gewaltstreiche, von wo aus sie auch kommen; wir sind Feinde der Unordnung; wir haben seit beinahe zwei Jahren zahlreiche Beweise dafür gegeben, denn man tonnte uns um die Regie­rung deS Herrn Thiers geschaart sehen, so ost dieselbe bedroht war. Wir verlangen, daß das Land unser Werk forisetze, daß es durch neue Wahlen eine mach tige Majorität ccuftituire, die fähig sei, der Regie­rung der Republik ausreichende Mithülfe zu gewäh­ren, den friedlichen Sieg des nationalen Willens und die Festigkeit der republikanischen Jnstiluiiouen zu sichern. Theure Mitbürger I Euer Patriotismus ist uns zu Hülfe gekonrmeu; Ihr werdet durch Euren Eifer den Sieg der östentlichen Meinung sicher». Vor Allem wisiet und erinnert Euch, daß das PetitionS- recht ein uirantastbares Recht ist, dessen Ausübung durch die Gesetze des Landes sicher gestellt ist. Es ist unauflöslich andas Princip der nationalen Souveränelät geknüpft. Es angreifen, wäre ein Angriff gegen das allgemeine Stimmrecht selbst. --

Versailles, 11. Decbr. Sitzung der Rationalver sämmlung. Gaslonde bringt de» Antrag ein, daß die Versammlung nicht vor der gänzlichen Räumung der besetzten Departements auseinautergehen solle. Lam beit Saint Croix beantragt, die Petitionen wegen Auf­lösung der Nationalversammlung am nächsteii Sonn abend zu berathen. Gambetia unterstützt de». Antrag.

schäft kennen gelernt hat, der mag der Menschheit wohl gram werden und den Umgang mit ihr fliehen!

Herr ThierS Ster de« Ursprung deS Krieges tu» 1870.

(Schluß.)

In der auf. diesen Tag folgenden Nacht ward unser Loos entschieden.. Ich weiß noch immer nicht genau, wie eS zuging. Zwei Botschafter- von Groß­mächten, alle beide geistvolle und sehr vertrauenswür dige Männer haben mir versichert, daß der Kaiser noch d»s Nachmittags, indem er von der Zurücknahme der Candidatur Hohenzollcrn sprach, gejagt hatte: „DaS ist der Friede; ich bedauere es, denn die Ge­legenheit war günstig; aber Alles in Allem ist der Friede doch daS Sicherste. Sie können den Zwischen fall als beendet ansehen." Die wichtigtten Minister halten mir ganz ähnliche Erklärungen abgegeben, und in der Nacht schlug plötzlich Alles zum Kriege um. Ich glaube, daß der Hof und seine Vertrauten mit Hülfe der eigentlichen Bonapartislen eine große An­strengung machten, die Minister einschüchterten und über die Schwäche des Kaisers lriumphirten, indem sie eine angeblich von dem Könige von Preußen den, Herrn Benedetli zugefügte Beschimpfung zum Vor­wande nahmen. Welche Rolle ein Jeder in diesem traurigen Drama spielte, ich weiß es nicht; aber Alle müssen.sie wohl ob dieser verhängnPvellen Entschlie­ßung für ihr ganzes Leben untröstlich sein! Der Marschall Leboeuf bildete sich ein, er sei bereit; Herr v. Grammont gab sicherlich keinen Beweis von po­litischem Urtheil in einem Augenblick, wo dieser Man­gel Frankreich zu Grunde richten mußte. Am andern Tage erfuhren wir in der Kammer, daß der Krieg entschieden sei. Ich konnte es nicht glauben und ei = hielt auf alle meine Fragen keine irgend vernünftige Antwort. Man sagte mir nur immer, der König von Preußen hätte unseren Gesandten schmählich beleidigt, und wenn ich fragte, wie so, hörte ich nur immer: l „Es ist ulttrügilch, ganz unerträglich!"

: und erklärt, daß die Linke mit Ungeduld der Berck- thung entgegensehe. Bäragnon hofft, daß am nächsten ; Sonnabend die Niederlage Derer, welche für die Auf­lösung der Nationalversammlung agitirten, besiegelt werden würde. Die Versammlung beschließt, daß die

1 Berathung der Petitionen am Sonnabend ftattfinben : solle. - Die D reißiger Commission beschloß mit 18 i gegen 8 Stimmen, vor Allem den Umfang der gegen

»artigen Regicrungsgewalten festzusteüeii und demnächst den Gesetzentwurf über die Mininerverantwortlichkeit zu ' berathen. Thiers sandte der Commission ein Schreibe», worin er sein Erscheinen in der Commis sio» zusagt, um eine Einigung über die zu fassenden Beschlüsse herbeiznführen. Er wolle die Aufmerksam keit der Versammlung aus diejenigen Punkte lenken, welche die öffentliche Meinung Frankreichs gegenwärtig iu Anspruch nähmen, werde jedoch mit bestimmte» Entwürfen nicht eher hervortreten, bis eS der gegen­wärtige Meinungsaustausch als zweckentsprechend er­scheinen ließe.

Rom, 12 Decbr. Die Kammer der Deputirlen verhandelte gestern über die Interpellation Leporte's, chetreffend die Unzukömmlichkeiten bet der Bemessung der Steuern auf daS bewegliche Vermögen. Nach län gcrer Debatte wurde eine von Mavrogonaso bean­tragte , von der Regierung acceptirle Tagesordnung angenommen, welche das Vertraue» der Kammer aus­drückt, daß die Regierung bei Einhebung der Ver mögenssteuer Unzukömmlichkeiten zu vermeiden wissen und baldmöglichst Reformen des fraglichen Gesetzes beantrage» weide. Eine anvere Tagesordnung wurde mit 194 gegen 166 Stimmen abgelehnt.

London, 11. Dec Der für die Gasanstalten und daS Publicum bereits unschädlich gewordene Aus stand der Heizer zieht tiiebt nur für die Rädelsführer und deren bethörte Opfer üble Folgen nach sich, sonder» scheint auch bestimmt, die den Arbeitseinstellungen oft genug anhaftende criminelle Seite in6 Licht zu stelle». Nachvcm vor dem Themse =• Poiizeigericht vorgestern mehrere Heizer wegen EontractbrucheS unter erichwere»- den Umsränv.n zu sechs Wochen Gefäugniß verunheilt worden — der Richter erkannte nicht auf die von der Lagcntenderr Gesellschaft beantragte Geldbuße, weil viele doch von dem Gewerkverrin und nicht von de» Verurtheilte» bezahlt werben würde —, hatte eine gestern vor dem Poliz.igerichte von Woolwich am gestrengte Klage einen, noch viel schärf.re» Ausgang. Vier Heizer, welebe bei dem Strike der Charterev-Gae- Company die Anführer gewesen, standen unter Anklage, erstens d.r böswilligen und gesetzwidrigen Verabredung zu hem Zwecke, den Direclor der Gasgesellschast zur Wiederannahme eines aus genügenden Gründen ent­lassenen Arbeiters zu zrvingen, zweitens des Contract bruch.s und drittens der Verleitung anberer Arbeiter zum Ccntractbruche. Die Zeugenaussagen ergaben hinlängliche Beweise für diese Beschuldigungen und

Seitdem haben wir erfahren, was eS mit dieser angeblichen Beschimpfung auf sich hatte, und als ich später in Versailles wegen deS Waffenstillstandes unterhandelte, haben durchaus glaubwürdige Augen­zeugen es bestätigt. Die Wahrheit ist meines Wissens viele: Nachdem die Herren v. Bismarck und v Moltke zum Könige geeilt waren, erkannten der König, jein Sohn, der Hof, die Minister, die Generalität unv vas ganze Berliner Publikum, daß es ein Fehler ge­wesen war, die Caiidioatnr des Prinzen Hohenzolleni in einer wenn auch noch so unbedeutenven Wise zu patronisiren, daß man daher kiese Canvidatur fallen lassen, wenn aber Frankreich noch mehr verlange, ihm bie Lp tze bieten unv ein bann unvermeidlich gewor oeircs Duell annehmcn muffe. Ties wurde in der That beschlossen. Aber unsere Pariser Bonapartislen verlangten, der König von Preußen solle sich für die Zukunft verpflichten, seine Candidatur nie mehr auf treten zu lassen, worauf daS Berliner Cabinet ant wertete, es hätte von dieser Candidatur kaum gewußi und könne keine Verpflichtung hinsichttich eines Ent- schluffeS eingehen, der schon jetzt nicht von ihm ab hänge und in Zukunft noch weniger von ihm ab hängen würde. Die Herrn B.nedetti widerfahrene Schmach beschränkte sich nun auf Folgendes: Der König von Preußen befand sich in Emö, leidend, er reglich, von dem großen Ereigniß des Tag.s gereizt Er gebrauchte eben mit feinem Sohne des Morgens den Brunnen, als Herr Benedelti, mit der ih n bei eite widerfahrenen Ablehnung nicht zufrieden, feine Vor stellungen beim Könige an einem ganz unzeitigen . Orte wiederholen wollte. Der König sagte ihm kurz, : aber nicht schroff, daß er zu den Erklärungen seines I Ministers Nichts hinziizufügen hätte, und verließ ihn i dann ohne irgend welche Unhöflichkeit. Dazu trat i dann noch, daß, da ganz Deutiwlanv vor Ungeduld l brannte, zu wißen, woran man sei, Herr v. Bismarck i die Aula ort deS Königs telegraphisch verbreitet hatte. Das war die große Beschimpfung, um derentwillen

- ließen die Tyrannei deS Gewerkvereinsvorstander t welcher ohne Befragen der anderen Mitglieder bk - Arbeitseinstellung anbe'ahl, klar erkennen. Der P», t lizeirichter betonte in sei..er Entscheidung den Zwang k ben die Rädelsführer den übrigen 500 Arbeitern am i gethan hatten, so daß die letzteren eine sehr verarrt- ! wörtliche Stellung verließen und die Stadt London großen Gefahren anssetzten Es liege eine offenbare Ein t lchüebternng und criminelle Verabredung vor, weßhall, t er die Verklagten dem Schwurgerichte überwerfen müsse, i Die vier Leute, (zwei andere, deren Wohnung unbt Limit, werben von der Polizei noch gesucht) werden i also vor der nächsten Session des Centralcriminalgerich.

teS zu er'cheinen baden. Unterteilen hat sich der Strikt , Ausschuß der Gasheizer aufgelöst. Die Gesellschaften j haben eine Anzahl der Verführten auf deren instänoiges i Bitten wieder in Arbeit geuoiiimeu; hie meisten vn - leiben erklärten, daß sie nur auf Befehl des Verbands- - Vorstandes die Arbeit eingestellt hätten, ohne sogar dH Ursache des Streites zu kennen, und zwar aus Furcht, i der Rache ihrer Genossen zu verfallen. Ter Vorstand , bestand aus 17 Leuten, meist Irländern, von deneii I manche zu teil Feniervereineu gehörten. Der Verlauf dieses thörichle» Slrikcs Wird hoffentlich vielen Ar- - beitem eine unvergeßliche Lehre fein.

Brüssel, 12. Decbr. „©teile beige" sagt, dah der wirkliche Stand der Banque de l’ünion nicht vor Ende des Monats bekannt werten könne. Auch über die Ausschreibung der noch rückständigen Einzahlungen auf die 21 dien fei noch nichts entschieden.

Bukarest, 12. Decbr. Auf Interpellation des Deputirteit ter Majorität Krailogu conftatirt der Mi­nister der öffentlichen Arbeiten Kretzulesco unter Be­zugnahme auf actenmäßige E-Hebungen den großen tiifer der Eifenbahnbaugesellschaft in Förderung des Baues und die Schwierigkeiten, mit beiten bie Ge­sellschaft zu kämpfen gehabt habe. Ec auerkennt bie große von berjeiben bethäiigle Opferwilligkeit. Die Gesellschaft habe viel mehr geleistet, als ihr vertrags­mäßig auferlegt sei, tie noch rückständigen, aber nicht unmittelbar zu bewerkstelligende» Arbeiten beanspruchen 3 Mill. Die Kammer beschließt einstimmig, übermorgen bie Specialdebatte vorzunehmen.

Belgrad, 12. Dec. Heute findet die Feier deS Jahrestages der Aneikeniiuug Serbiens Seitens Eu­ropas statt.

Rew-Uork, 11. Decbr. Eine Feuersbrunst zerstörte bas große Hotel in ber sümten Avenue. 22 Personell vom Dienstpersonal der obersten Stockwerke finb in den Flammen umgekommen. — Die Ameri­kaner wollen das hundertste Jahr ihrer Uuab Hängigkeil in großartiger Weise durch eine alles Da- gewefene übcrfLigenoe internationale und universale Ausstellung zu Philadelphia im Jahre 1876 feiern. Zar Deckung ter Unterinhmungskosten soll jeder Staat nach seiner Bevölkerung beitragen, so Rew-Nork man bei unS den Krieg bei langte und einen wahren biplomatischen Triumph in bie entsetz.ichste Niederlage o.rwanoilie, Mein Leben lang werbe ich di.sei» fürch­terlichen Tag nicht vergessen. Der gesetzgebende Kö per trat schon am Morgen guammett und man verlas unS die Kriegserklärung mit den obigen Motiven. W>r Alle waren wie vom Schlage gerüait und iahen uns betroffen an. Die Führ.r ter Linken sammelte» sich um mich und fragten, was mau thun solle. Da ich die Abneigung ber Majorität gegen bie Linke iürchtite, bat ich, mich allein sprechen zu lassen. Ich hätte lieber bem Blitze selber Tiotz geboten als einem solche» Fehler schweigeirb zrtzuiehen. Ich sprang von meinem Platze auf uub ergriff das Wort. Sofort -rschollen wü.henbe Rufe, fünfzig Besessene wiesen mir die Faust, beschimpften mich und sagten, ich t schänd.te mein weißes Haar. Ich ließ mich nicht ein schüchtern uub eilte auf bie Tribüne, wo ich aber nur einige abgebrochene Wo de hevorbringen konnte, lieberjeugt, baß es nichi möglich sei, ber König von f Preußen sollte in ber Sache nachgeberr und uns doch einen Schiuqrs anthun wollen, verlangte ich die Vor­legung der Aclenstücke, auf wiUe inan diese Anklage gründete. Ich war gewiß, daß, wenn wir virrunv- zwanzig ©tunten gewönnen, Alles sich aufkläien und cer Friede gerettet werben könnte. Man wollte Nicht- höre», Nichts zugestehe», als höchstens, baß eine Com­mission auf einige Augenblicke zusammenirete» sollte, X um gar keine Aufklärungen zu erhalten. Die Sitzung begann unb mit ihr ber Tumult. Ich wurde von ! allen Seilen insulrirt und die »och in ben letzte» Tagen so friedliebenden Centre» ließen sich einschüeb-- | tern, baten um Entschuldigung wegen ihrer Schwäche, | indem sie nun um so heftiger auftraten, und stimmten für jenen Krieg, welcher sicher ber unglückseligste ge­wesen ist, den Frankreich in seiner langen unb stür­mischen Lausbahn unternommen hat,

v . - uv J I

■u «ED 4 |