149,455 Tblr., der Gesammtschade der Stadt Flensburg für 61 beschädigte Gebäude und Verluste an Mobiliar und Vorräthen ist auf 72,641 Thlr. berechnet, welcher sich auf 256 Beschädigte verlheilt Gesammtschade im Kreise Flensburg 222,026 Thlr Nicht gerechnet ist der Schade an den Saatfeldern, Bedenkt man nun, daß verhältnißrnäßig der Schade in Stadt Flensburg und Kreis Flensburg nicht zu den bcdeutensten gehört, so mag man ermessen, welches Unheil durch die Stu^mfluth angerichlel wurde. Die Stadt Flensburg hat zur Landeskollektc ca. 2000 Thlr. zusammengebracht, in den eigenen Mauern für die Flensburger bereits über 11,000 Thlr. gesammelt bez verthcilt
Malchin, 10. Dec. In der heutigen Sitzung des mecklenburgischen Landtags wurde nach lebhafter Debatte auf Äntrag des LandralhS v. Rieben mit 117 gegen 73 Stimmen der Beschluß gefaßt, vorerst den Comitebericht über die Vorlage, betreffend Abän derung der Verfassung, dem Druck zu übergeben. Von Seilen des der liberalen Partei angehörigen Gutsbesitzers Pogge-Vlankendors wurde der Antrag aus das Lebhafteste bekämpft.
Leipzig. 10. Dec. Das Syndikat der Dresdener! Bank Hal dem Vernehmen nach seine GesckäftSlhätig- keit beendet und steht dessen Auflösung für die nächste Zeit bevor.
Heidelberg, 8. Dec. Professor Michelis hat vom Universitälsienat die Ermächtigung erhalten, an der Hochschule Vorträge zu halten. Zugleich wird derselbe, wie die „Bad. Landztg" meldet, vom Sitze Heidelberg aus die Bildung und Seelsorgeversehung allkatholischer Gemeinden Badens in seine lhaikräslige Hand nehmen so lange, bis die einheimischen innerlich dem Allkatholicismus treu gebliebenen Geistlichen es an der Zeit finden, auch äußerlich herauSzutreten und die in's Leben gerufenen altkatholischen Gemeinden selbst zu übernehmen.
Stuttgart, 11. Dec. Der Cabinets - Chef des Königs, Geh. Rath Frhr. v. Egloffstein, wurde auf sein Ansuchen seiner Posten unter Bezeugung der könig-, lichen Zufriedenheit enthoben.
München, 9 Dec. Von der zur Abgabe von Gutachten über Uniformsänderungen der baierisch.-n Armee zusammengesetzten Bekleibungs - Commission wurde, nachdem die ersten Vorschläge nicht geuehmigl wurden, ein zweites, modificirleS Gutachten abgegeben; aber auch biejeß soll die Genehmigung des Königs nicht erhalten haben, so eaß die Nachricht einiger Blätter, als ob der 1. Januar 1873 als EinsührungS termin für die neue Uniform bestimmt sei, jedenfalls als verfrüht bezeichnet werden muß.
Ausland.
Der«, 11. Dec. Ter Nationalrath genehmigte ohne erhebliche Debatte die bundesräthliche Botschaft, betreffend die Rechnung über die Jnternirung der französischen Ostarmee.
PariS, 10. Decbr. Der erste Act des neuen Ministers des Innern bestand darin, in einer Depesche alle Präfecten aufzufordern, sofort der ungesetzlichen Agitation zu Gunsten der Auflösung der Nalional- Versammlung enigegenzutreten. Die Regierung achte, so heißt es in dieser Drpesche, das Petitionsrecht, aber sie könne nicht dulden, daß die Petitionen in den Eafes und Wirlhshäusern aufgelegt werden, da diese Anstalten sonst in öffentliche Versammlungsorte urn- gewaudelt würden; aus diesem Grunde müsse man das gegen die WirlhShäuser gerichtete Gesetz von 1851 lofort streng in Anwendung bringen. Zugleich crlheilte der Justiz-Minister Dufaure den Befehl, alle Jour nale und Drucker, welche die nicht legalen Berathungen und Adressen der Gemcinderälhe veröffentlichen, nach dem Gesetze von 1825 zu verfolgen. Diese Maßregeln sind mir der Zustimmung des Herrn Thiers ergriffen worden. Derselbe ist nämlich gegenwärtig gegen die Bewegung zu Gunsten der Auflösung, da er die ihm sreundlich gesinnten Mitglieder des rechten Centrnmö sich zu entfremden befürchtet, wenn er derselben nicht entgegentritt oder sie gar begünstigt Er ist daher auch gegen den Entschluß der „Union Röpublicaine", in einem Manifeste die Wähler aufzufordern, Peti lionen zu unterzeichnen, um die Auflösung zu verlangen. Das Manifest der äußersten Linken ist nock nicht erschienen. Dieser Verein bcricth Henle nochmals über die Sacke und legte es der gemäßigten Linken (Gauche republicaine) vor, die sich bekanntlich ebenfalls für die Auflösung ausgesprochen hat. Möglich wäre eS, daß dasselbe nickt sofort erscheint. -- Heute Morgen gingen 7J/2 Mill Fr. in Fünffrankenthalern nach Straßburg ab. Sie sind für Deutschland be stimmt. — Der Polizei-Präsect Hal mehrere WirlhShäuser schließen lassen, welche ungeachtet seines Ver- totrs die Petitionen, worin die Auflösung der National Versammlung verlangt wurde, bei sich unterzeichnen ließen. In Algerien hat jetzt auch die Pe- lionS-Agilation begonnen. Dort wurde ebenfalls daS Auflegen der Petitionen in den Wirlhshäusern ver boten. — Seit heute Abend 5 Uhr wülhet ein orkanähnlicher Sturm in Paris. Eine Masse Schornsteine sind von den Dächern hitunlerg« stürzt. Die Seine ist fortwährend im Steigen. Seil gestern ging sie um ungefähr 8 Zoll in die Höhe, sie steht jetzt un gefähr 16 Fuß über ihrem gewöhnlichen Wasserstande. Tie Quais in Bercy sind stit gestern Abend wieder überschwemmt. In vielen Straßen steht das Wasser
IV2 bis 2 Fuß hoch und die Bewohner muffen in Nachen nach ihren Häusern fahren. Von heute Mor^a 9 bis Abends 5 Uhr, d. h. bis zum Ausbruch der Sturmes, regnete es fortwährend stark. Ter Himinel ist aber immer noch mit dicken Wolken bedeckt.
— Das „Bien public" veröffentlicht einen dein rechten Centrum sehr entgegenkommenden Artikel. Tj? Annäherung des Präsidenten an diese Fractivn tritt vorsichtig auf,, wird aber immer deutsicker. — Die Präfecten werden gruppenweise nach Versailles be- jchieden, um die Instructionen des neuen Ministers be Goulard entgegenzunehmeu. — Das Manifest bet äußersten Linke« zählt augenblicklich 80 Unier| Vviften, doch war seine Veröffentlichung für heute noch nicht ganz gewiß. — Nach vem Schluffe der Bndgeteebaitc wird die Nationalversammlung vielleicht auf 10 Tagt Ferien machen. — Was die „fiiberte* von einer neuen Finanzcombinatioil behufs sofortiger Zahlung des Restes der Kriegsentschädigung hört, ist offenbar reine Conjectur.
Rom, 10. Dec. Der Gesetzentwurf, betreffend die religiösen Körperschaften stand in der heuligei, geheimen Sitzung der Kammer zur Berathung. Der Deputation der Linken gegenüber, welche namentlich die AufrechterMtung der GeneralatShäuser bekämpfte, gab der Justizminister die Erklärung ab, daß die in den übrigen italienischen Provinzen geilenden bezüglichen Gesetze nach dem Inhalte des Garantiegesetzes und in Gemäßheit der früheren Erklärnugen d,S Ministeriums in Rom keine Anwendung finden könnten.
Petersburg, 8. Dec. Der Empfang S. k. H. des Prinzen Carl von Preußen ist ein äußerst glänzender gewesen. In der Stadt waren vom Bahn- Hose bis zum Winterpalais in allen Straßen, die der Zug passirte, russische, deutsche und preußische Flaggen von Plivathäusern auSgesteckt, und das Publikum halte sich in den belebtesten Straßen versammelt, um den Durchlauchtigsten Gast an der Seile St. Majestät des Kaisers zu begrüßen Der Prinz trug die Uniform cimS russischen General-Feldmarschallo und ging, nackdem er mit dreimaliger Umarmung durch Se. Maj.stät den Kaiser Alexander begrüßt worden war, mit dem Kaiser an der Front der Ehrenwache entlang, am rechten Flügel die Mannschasten in ruisircher Sprache mit dem bekannten Gruße anrufend. Nach Vorstellung des Prinzlichen Gefolges in den EmpfangS- sälen des Bahnhofes wurden die Kaiserlichen Equipagen b-stiegen, um nach dem Winteipalais zu fahr-n, wo Se. Königliche Hoheit der Prinz Carl in unmittelbarer Nähe der Kaiserlichen Gemäche seine Wohnung nahm.
Kopenhagen, 4. Dec. Der Gesetzentwurf des Kirchen- und Unterrichtöministers Hall über daS
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willigen Verzicht Alles auf sich nahm. Preußen hatte sich also glücklich aus der Schlinge gezogen; aber auch wir hätten stelenSfroh sein sollen, daß eS Mittel gefunden hatte, feinen Rückzug anzutreten, und wir durften nicht eS zu demüthigen suchen; denn dann vergriff man sich an seiner Würde und mußte unfehlbar wieder zum Kriege gelangen, zu jenem Kriege, fü> den die Preußen vortrefflich und wir ganz und gar nicht gerüstet waren. Dabei blieb uns immer noch der ungeheure Voriheil, es in einem Unternehmen, bei dem man allgemein tiefe Absichten vermuthete, zum Rückzüge gezwungen zu haben. AuS einem Fehler hatten wir also einen Triumph gemacht! Sadowa wäre beinahe ausgewetzt gewesen! Leider war uns so viel Glück nicht bejchieden. Einen Tag, ehe uns so daS Glück zum letzten Male lächelte, begegnete ich Herrn Ollivier in den Corridoren des ges-tzgebenden Körpers. Er war unruhig, wirklich recht unruhig, und fragte mich wieder, ob ich noch glaubte, daß die Kandidatur Hoheuzollern zurückgezogen werden werte. Ich wiederholte meine alte Ansicht und Hr. Ollivier versicherte mir noch einmal, man würde sich hoch erfreut mit einer so guten Wendung zufrieden erklären. Tags daraus begab ich mich in die Kammer. Wir fanden unS in jener aufgeregten Zeit sehr pünktlich ein, schon um zwölf Uhr Mittags. Sogleich gewahrte ich Hm. Ollivier, der auf mich zukommt und sagt: „Sie hatten Recht; ja, cs ist unS gelungen, wir haben erwirkt, was wir wünschten; das ist der Friede!" Er machte aus seiner lebhaften Freude kein Hehl Vor dem gesetzgebenden Körper ftanben an zweihnubert Wagen von Leuten, bie von ber Börse gekommen waren, um zu hören, ob es Friede oder Krieg, d. h. ob cs Hausse oder Baisse gebe. Ihnen hatten sich noch einige hundert Journalisten angeschlossen, und alle diese Leute füllten die an den Sitzungssaal grenzen den Räume. Herr Ollivier noch immer febr erfreut, sagte zu mir: „Haden Sie die Depesche gelesen, die wir soeben erhalten haben?" — „Nein". — „Ich werde sie Ihnen zeigen." — Er mußte durch alle Säle gehen, um der Depesche wieder habhaft zu werden; endlich konnte er sie mir zeigen. „Jetzt", sagte ich zu
ihm, „müssen Sie sich aber auch still halten." — „Seien Sie ganz beruhigt", erwiderte er, „wir haben beit Frieden uno lassen ihn nicht mehr los."
Nach diesem kurzen Gespräch ging ich in den Saal, in welchem bie Stanbbilber Mirabeau'S unb Bailly's stehen. Dort herrschte eine außerordentliche Aufregung. Alle Führer ber Bonapartisten (ich brauche sie nicht zu nennen) schrieen über bie Minister, weil dieselben sich mit den errungenen Zugeständnissen zu frieden gestellt haben sollten. „DaS sind Memmen und Elende! Wie? Mit einem so werthlosen Zuge ständniß gäben sie sich zufrieden! Frankreich wäre beschimpft und kann sich daö nimmermehr gefallen lassen!" Und vor den Ministern selbfl hielten sie mit diesen Bemerkungen nicht zurück. Die Mitglieder der Ceuiren, bie echten Conjervaliven, deren Zahl viel näifer war, als bie brr Bonapartisten, waten eilige schüchtert; aber sie wünschten den Frieden und macht, n fein Hehl daraus. Ich aber sagte zu den Mittsttetn, denen ich in diesem Tumulte begegnete: „Lassen Sie sich von diesen Schreiern nicht einschüchtern; bleiben Sie unerschütterlich; vettheidigen Sie bie Sache beS Friedens, uub wir werten Sie nachdrücklich unter stützen." Nun bildeten sich viele Gruppen, in denen man schrie, stritt, sich mit Fäusten drehte; die bett Krieg v.rlangten, waren in der gießen Minderzahl, aber unglaublich heftig; die den Frieden wünschten, machten wenig Lärm, aber sie nahmen mich bei ber yaitb unb sagten: „Oh, Sie sinb für ben Frieden Welches Gluck! Sprechen Sie für den Frieden, Herr Thiers, und wir w rden mit Ihnen gehen; Sie können sich verlassen, wir werden mit Ihnen stimmen!" Diese Scene dauerte von 12 bis 6 Uhr und wird mir ewig unvergeßlich sein. Gegen Ende der Sitzung erfuhr ich, daß einige Minister schwankend geworden waren. Ich fand sie in einem Bureau und sprach mit ihnen über zwei Stunden. Nie in meinem Leben, glaube ich, machte ich größere Anstrengungen, um Menschen zu überzeugen. Ich sprach mit unsäglicher Vehemenz; ich war zuletzt athemlos unb in Schweiß g-badet. Ich sagte Ihnen, baß sie, wenn sie schwankten, die Tyuasttc, bie mich zwar nichts aitgüige, aber zu
mal auch Frankreich zu Grunbe richten würden. Er waten ihrer fünf, wenn ich mich recht erinnere, die Herren Möge, Maurice, Richard, die, wie eS hieß, zum Kriege neigten, waren schweigsam und schiene» verwirrt; die Herren Ehevaudier und Segris versprachen mir, bis zu Thränen gerührt, für Den Friesen zu stimmen, und ich glaube, daß sie Wort hielten. Herr Segris, ein vortrefflicher und geistvoller Mann, ist noch heute untröstlich und will nicht mehr auf dem öffentlichen Schauplatze erscheinen, auf dem er so großes Unglück erlebt hat Wir gingen des Abend- "vch sehr aufgeregt auseinander Starke Volkshanfe» eräugten sich auf den Boulevards unb — miet hört! von der Polizei grbungeiie Banden liefen durch die Straßen unter den Rufen: Nach Berlin! nach Berlin! Die Maffe der Bevölkerung mißbilligte diese Kundgebungen. Ich selbst suhr mit den Herren Datu und Buffet im offenen Wagen durch die Straßen, unb wir könnt-n uns Überzeugen, daß die Bevölkerung weit entfernt war, den Krieg zu wünschen. Wea» also der Kaiser Napoleon III. zu seiner Entschuldigung gellend macht, Frankreich hätte ihn in den Krieg fortgerissen, so täuscht er sich oder man hat ihn getäuscht; auf alle Fälle sagt er nicht bie Wahrh-it. Wenn er Jemand nachgegebeu hat, als er den Krieg ei klärte, so war es nicht Frankreich, sondern nur seiner eigenen Partei. Ick habe Alles gesehen und versichere, die Hand aufs Herz: Frankreich hat den Krieg nicht gewollt. Einige Hofleute uno einige wenige Börsen peeulanten, die sich einbilkelen, daß die Hehler von 1866 auf dem Markte lasteten uns daß ein fechswöchentlicher Feldzug genügen würde, demselben bie alte Schwungkraft zu geben, sagten: „Es wirb ein schlimmer Augenblick zu überstehen sei», unb man wird 50,000 Mann opfern müssen; dann wird ber Horizont sich wieber aufklären und die Geschäfte weroen wieder aufleben." Das waren ober seltene Ausnahmen unb Frankreich wollte nicht den Krieg. Eine durch Ehrgeiz und Unwissenheit verblendete Partei allein wollte ihn, sie setzte ihn durch und brachte uns ins Verderben.
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