ijjjir* 293» JRarßurg, Donnerstag, den 12. Dezember.
1872.
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ZfAeint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für da- Quartal der Oberbesfischen Zeitung mit KretSblatt durch die Expedition (Koch'sche "Buchdruckerei) bezogen 22; Egr., durS die Postämter 27 Lgr. tt Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für das Ausland excl. stempel 22 Sgr. - Jn)er!>ondgebüh: für die gespaltene Zeile 1 Sgr. vammtliche Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an.
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jffenschastlich. Sie wirb sich innerhalb des von dem »ides Oekonomie-Collegium ausgestellten Lehrplanes
Berlin, 10. Dec. Der landwirlhschastliche I, B|tral Verein für den Negierungsbezirk Potsdam hat I 5. d. M. eine General:Persammlung zu Potsdam —- zehalten, welcher eine Vorstands- und Delegirteu- Sammlung vorausging. Es wurde von dieser in Mat darauf, daß die meisten Mitglieder, welche it Versammlung in Potsdam zu besuchen beabsichtigen, erlin zu passiren haben, beschlossen, von 1873 ab Ü auf Weiteres in Berlin zu tagen. In Bezug auf hie Veranstaltung regelmäßiger Fettvieh Ausstellungen i Berlin wurde der Beschluß gefaßt, neben dem nitrat - Verein des Regierungsbezirks Frankfurt die sitgarantie zu übernehmen. — In Meppen ist unter m Director Kranz eine Ackerbauschule eröffnet wor «. Die Anstalt ist eine theoretische Mittelschule. >rr Unterricht in derselben ist seinem Wesen nach rein
Ilten. — Nach längeren Bemühungen ist es der e* klitschen Central - Commission für die Wiener Aus ~ illung gelungen, die Ansertigung der Schränke für W. it Auss Iler, welche solche nicht selbst besorgen können, ir 1, । vergeben. Es ist den Ausstellern nun nicht mehr Lhlr. kslattet, eigene Schränke zu bringen, wenn sie nicht 1,32 « Stande sind, einen schriftlichen Ausweis wegen endet lestallung zur Selbstbeschaffung der Schränke seitens rlin, liier Ausstellung« Commission vorzulegen. Man hat hu,,g tz alle Mühe gegeben, die Preise für die Anfertigung >865 tt Schränke auf den geringsten Satz zu reduciren. — der bei den jetzigen Arbeitspreisen werden sie immer Ge- icn höheren Betrag haben, als dies früher der indel ill war.
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— Die „Kreuzztg." hört aus guter Quelle, daß itKriegsminister bei dem Kaiser seine Dienstentlassung lichgcsuchl habe. — Die „Kreuzzig." meldet ferner, ,ß t>er seitherige Gesandte in Brasilien, Graf Solms, l das auswärtige Amt Eintritt. — Dasselbe Blatt izeichnet die Mitlheilungen der Blätter über diesseitige, l Hinblick aus die französischen Verhältniste getroffene kt erwogene militärische Anordnungen, ein gegangener tkmidiguug zufolge, als des thatsächlichen Grundes lltbehrenv.
Wie-bade«, 10. Dec. Nach den bis jetzt ge offenen Dispositionen wird der Kronprinz des deutschen nches am nächsten Freitag hier eintreffen; derselbe ito, dem Vernehmen nach, im Schlosse Wohnung kirnen.
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Ein Duell.
Aus den Erinnerungen eine# Arztes- «Fortsetzung.)
Nie werde ich de» ernsten Blick vergessen, mit Nlchem der Greis mich ansah. — Niemals! erwiderte L Die Vorsehung Gottes ist gerecht, Sie werden « auch in diesem Falle ersahren. — Und wo a eilt tt Baron jetzt? Er hat ein Amt? — Er ist Lega- «nsralh, einstweilen noch Hülfsarbeiter, aber eine Minzende Laufbahn kann ihm nicht fehlen. — Der Itt Herr sagte mir, er sei ernst, ruhig, weichherzig üeoitten. — Wie der gnädige Herr das ansieht — eilich. Ich weiß das besser. Das böse Gewisien itert ihn, eS läßt ihn nirgends ruhen. Seine Weich- ttzigkeit entspringt der Reue, er möchte die schwere ichulv gerne sühnen, und da glaubt er, durch Al »jen und gute Handlungen unseren Herrgott Verben zu können. Das Kainszeichen auf seiner Stirne um er nicht entfernen, ich sehe es da oft flammen, Inh dann graut mir vor dem Manne. — Auch mir (raute, nicht vor dem Abwesenden, sondern vor dem 6ten Manne, in dessen Worten eine Fülle deö glü- knbften Hasses sich barg. Mir erschien er mit seinem *eißm Haar und dem fiamminsen Blick wie der ^»cheengel, der am jüngsten Tage die Tobten vor Bericht fordern will. Ich hielt es für rathsam, daS sespiäch abzubrechen. Wir werden ja sehen, sagte s, wenn der junge Herr hier eintrifft, erhalten wir iewißheit. — Glauben Sie nicht, daß er kommen litt, entgegnete bet Greis, während er sich der Thur Üherte, er fürchtet die Begegnung mit Ihnen zu sehr.
ES hatte den Anschein, al« sollte der alte Mann
Dresden, 10. Dec. Die zweite Kammer hat in zweiter Berathung des Volksschulgesetzes die Beschlüsse der Herren-Kammer über die konfessionelle Stellung der Schule mit 41 gegen 26, über das obligatorische Schulgeld mit 49 gegen 18, betreffs der Zulassung kirchlicher Stiftungen zur Errichtung von Schulen mit 61 gegen 6 Stimmen abgclehut. Die Berathung wurde darauf auf morgen vertagt.
Braunschweig, 6. Dec. Heute wurde, nachdem bereits gestern das Legitimationsverfahren statt- gesunden hatte, der 14. ordenlicke Landtag durch den Ltaatsminifter von Campe eröffnet. Drei Stellen der Rede wurden mit Beifall ausgenommen; die erste stellte bet der überaus günstigen Finanzlage des Landes eine Steuerermäßigung in Aussicht, die zweite eine Vorlage, die Aufbesserung der Lehrergehälter be treffend; die dritte betonte die Bereitwilligkeit, zu Allem, was die Kräftigung des deutschen Reiches erfordere, freudig beigutragen.
Karlsruhe, 10. Decbr. Die Genesung des Kronprinzen des deutschen Reiches ist soweit vorgeschritten, daß er gestern mit sehr gutem Erfolge eine Ausfahrt unternehmen konnte.
Straßburg, 8. Decbr. In den letzten Tagen trafen hier die ersten Baarsendungen zur Abzahlung der noch rüdtftäucigen 200 Millionen der dritten Milliarde ein. Die Gelder werden hier gegen Quittung des Hrn. Oberpräsidenlen, der hierzu von Seiten des Fürsten Reichskanzlers bevollmächtigt ist, in Empfang genommen, um alsbald an ihre Bestimmungsorte weiter transportirt zu werden. — Wie die „Straßb. Ztg." mitiheilt, wurde gestern Abend dahier ein staatswisten- ichaftlicher Verein gegründet.
Ausland.
Wie«, 8. Dec Die Schulangelegenheiten haben in der im Großen und Ganzen beendeten Session der Landtage eine hervorragende Rolle gespielt, und bet nirderöiterreichische Landtag hat gestern aufs Neue Ge legenheit gefunden, seine eutschievene Vorliebe für Die|cn Theil zum Ausdruck zu bringen. ES handelt sich um Fonbildungsschulen für Lehrer, um dem großen BeDürfniß nach Lehrern für die Volks- und Mittelschulen abzuhelfen. Der Landtag entschied sich für die Errichtung eines Internates als Voisckule für Lehrerbildungsanstalten, obwohl sich der Statthaltei oahin aussprach, daß die Wahl der Mittel, durch welche die Heranbildung der Lehrer zu erreichen sei, Der Regierung überlassen bleiben müsse. — Die gestrige
Recht behalten. Baron Franz kam nicht, trotz der dringenden Aufforderungen seines Vaters und seiner Gattin. In jedem Briefe, der von ihm eintraf, schützte er die Erledigung dringender Geschäfte vor. Der alte Herr wurde ungeduldig; er schickte seinen Diener in die Residenz, mit dem Befehle, nicht ohne den gnädigen Herrn, den er täglich einige Mal an btt Abreise erinnern sollte, zurückzukehren. Die gute Laune deS Barons war getrübt, auch die Baronin hatte ihre Weiterleit verloren. Endlich traf die Nachricht ein, Baron Franz werde am nächsten Tage ankommen. Ich sah mit fieberhafter Spannung dem Augenblick, der über das Glück einer ganzen Familie entscheiden sollte, entgegen, und als nur noch wenige Minuten mich von ihm trennten, da wünschte ich wieder, daß cer Baron ausbleiben, abermals sich entschuldigen und seine Abreise verschieden möge. Es war ein thörichler und unbegreiflicher Wunsch, er wurde nicht erfüllt.
Zch stand im Wohnzimmer dtS Barons, das Gesicht Der Thür zugewendet. Der Baron saß im Sessel, oie junge Frau war zum Bahnhof gefahren, um den Galten abzuholen. Baron Franz trat ein. Durchdringend ruhte der Blick des Kammerdieners, der t.ri n Dem Scssel deS alten Herrn stand, auf mir. So sehr ich mich auch auf diesen Augenblick vorbereitet hatte, es gelang mir nicht, mich ganz zu beherrschen, der alte Diener mußte mein Entsetzen bemerken. Auch der Baron erkannte mich, ich las eS in feinen Zügen, in seinem bleichen, verstörten Gesicht. Der alle Herr stellte mich vor, Baron Franz verbeugte sich mit kühler Höflichkeit, er schien keine Notiz von mir zu nehmen.
Schlußsitzung des böhmischen Landtages führte noch zu einem interessanten Zweikampfe zwischen dem Vertreter deS geistlichen und dem des weltlichen Standpunktes in der Schulgesetzfrage. CanonicuS Würfel machte den vergeblichen Versuch noch vor Schluß der Session einen Antrag gegen die Schulgesetze einzu- sckmuggeln, die Regierung anfzufordern, im Einver- tiehmen mit dem Reichörath die Bestimmung zu treffen, daß bei Volks- und Mittelschulen von Seiten der Schulvorstände und Lehrer den heilsamen Wirkungen des Religionsunterrichtes kein Eintrag gethan werde. Nachdem der Landtagsmarschall diesen Antrag für unzulässig erklärt hatte, weil er nicht zur Sache gehöre, replicirte Dr. Herbst, daß die Bevölkerung die Schulgesetze als höchste Errungenschaft der Neuzeit betrachte, und daß die Opposition der verschiedensten Nichtungen an der kräftigen Aufrechterhaltung der- felbtii erlahme. Der Gesetzentwurf zur Regelung der Errichtung, Erhaltung und des Besuches der Volksschulen wurde demnächst mit einigen unwesentlichen Modifikationen angenommen, und es erfolgte sodann Der Schluß des Landtages. (D. Pr.)
Paris, 8. Dec. Das rechte Centrum der Nationalversammlung hielt heute eine längere Versammlung im Grand Hotel ab unter St. Marc Girar- oin S Vorsitze. Die 50 Mitglieder, welche der Versammlung anwohnten, zeigten sich in ihrer Mehrzahl der Regierung gerade nicht sehr feindlich. Die erste Frage, welche zur Discussion kam, war die, ob der Verein die Interpellation des Bischofs Dupanlonp über die Reformen, welche der Unterrichs-Minister JulcS Simon eingesührt hat, unterstützen solle. John- ston (Bordeaux — Bonapartist) war der Ansicht, oaß man diese Gelegenheit benutzen müffe, um Jules Simon durch Beule zu ersetzen, drang aber damit nicht durch. Man hielt eS nicht für statthaft, daß im Augenblicke, wo die Regierung den Weg der Ver söh -ung Der Rechten gegenüber betrete, matt ihr neue Schwierigkeiten bereite. Auch hob man hervor, daß keineswegs Jedermann die Reformen Jules Simon'S verdamme, und daß, wenn man den Unterrichts Minister stürzen wolle, die Gelegenheiten nicht fehlen würden. Das rechte Centrum wird also die Interpellation Dupaiiloup's nicht unterstützen. Die republikanische Linke hielt heute ebenfalls Versammlung im Grand Hotel. Die Discussion betraf die Auflösung der Kammer. Man schloß sich der Meinung von Leroycr und Charles Rolland an, die dahin geht, daß die Linke
Mir war die Situation peinlich, um so mehr, als ich unausgesetzt den forschenden Blick des Kammerdieners mit dem Ausdruck einer fieberhaften Unruhe auf mich gerichtet sah; der alte Mann befürchtete offenbar, die längst erwartete, nach seiner SUisicht unausbleibliche Katastrophe werde jetzt eintreten. In tiefster Seele erschüttert, nicht fähig, an der Unterhaltung thcilzunehmen, empfahl ich mich.
Ich ging in meine Wohnung, um über daS, was nun geschehen mußte, nachzudenken. Was nun geschehen mußte? Ich bebte zurück vor dem Gedanken an die Möglichkeit der Katastrophe, und doch war sie unausbleiblich, wenn ich mich nicht auS dem Kreise dieser Familie zurückzog Ich konnte den Anblick dieses stolzen, kalten ManneS, dessen Hand daS Blut des BruderS vergossen hatte, nicht ertragen, und wenn ich mir auch hundert Mal einzureden suchte, Baron Eduard sei im ehrlichen Zweikampfe gefallen, sein Gegner blieb dennoch ein Brudermörder. Was sollte ich thnn? Wollte ich das Geheimniß enthüllen, so vernichtete ich daS Glück einer ganzen Familie, that ich's nicht, so nahm ich Theil an der Blutschuld, die auf dem Mörder ruhte. Das konnte ich mir nicht ausreben, daß Baron Franz trotz dem Duell ein Mörder sei, und der •Körber war dem Arme der weltlichen Gerechtigkeit verfallen. Rach einem langen Kampfe deS Herzen- mit dem Gewissen entschloß ich mich endlich, unter irgend einem Vorwande mich fortan Der Familie fern zu halten, bis Baron Franz abgereift sei, und die Be- stiafung des Mörder« einem höheren Richter zu über« lasten; — däS Herz hatte den Sieg b-hauptet.
(Fortsehung folgt.)