1872
Marburg, Mittwoch, den 11. Dezember.
n. Ur 292
br.j
Oberbeffifche Zeitung
t,
Deutsches Reich
Po^mik gegen die Reform der Krc.sorviiung fort, Rrgieiung
Ausland.
-r-
-agett
Hu« n.
g.
buche
iglich bei
»er
2 der- >62
neten gedeihen dabei, und vielleicht kommt auch noch einmal die Zeit, wo Land und Staat in demselben Maße gedeihen: so finden wir uns denn in das Unvermeidliche. Diesmal haben die Landtage wenigsten- nicht so viel leeres Stroh gedroschen, wie sonst. Mit Ausnahme de» Tiroler Landtags, der schon lange mit Selbstmordsgedanken schwanger gegangen und schließlich die Regierung gezwungen, ihn zu einem Stück nationalen Märtyrers zu machen, dann de- galizischen Landtags, der sich thörichter Weise verleiten ließ, nochmals den Staub der Resolution aufzuwirbeln und aller Welt ad oculos zu demonstriren, daß das Polen- thum entschlossen ist, fortzuträumen, endlich deS Kraini- schen Landtags, in welchem die weltbewegende flovenische Ration sich feierlichst wieder einmal als Bruchtheil der staatsrechtlichen Opposition fühlte und erklärte — mit Ausnahme dieser drei sind alle übrigen Landtage bei ihrem respektiven Leisten geblieben und haben die große Politik nur gestreift; höchstens daß der eine ober der andere von ihnen mit dem Anträge auf Wahlreform offene Thüren cinstieß ober die Jesuiten nieberdonnerte. Und so stehen wir denn heute Angesichts des ReichSraths, der vor dem Schluß des Jahres nur noch nothdürftig Zeit haben wird, der Regierung die Ermächtigung zur Forterhebung der Steuern zu er. heilen, und der im Beginne des neuen Jahres vor allen Dingen berufen sein wird, die brennendste aller Fragen, welche seit lange an daS Parlament gebracht worden, die Wahlreiorm, ihrer Lösung zuzuführen.
Hermanuft.rdt, 5. Dee. Seit gestern wüthet auf der ganzen Karpathenkette, von Kakova angefangen, auf den Cibie, Zoodter- und Jogapa'jchen GebirgSabhängen dies- und jenseits deS AlifluffeS in einer Ausdehnung von mindestens 8 Meilen ein fürchterlicher Waldbrand, der entweder in Folge der grenzenlosen Unvorsichtigkeit der Schafhirten entstanden, ober wohl gar absichtlich von denselben gelegt worden 'ft, um für ihre Heerben „gute Weide" zu bekommen. Diese namenlose Bornirtheit, welche so freventlich mit dem Wohle und dem Eigenthume von ganzen Generationen spielt, ist geradezu unbegreiflich! Die letzte
fahrt mpf- ver- rped. 1805
glaubt jedoch, daß diese partielle Mittisterkrifis nicht vor dem Hiersein deS Fürsten Bismark entschieden werden dürfte. Derselbe soll in der Zeit vom 15.—20. Deeember einzutreffen Willens fein. — Die „Ger mania" beklagt sich heute, daß die Regierung bei Besetzung der hohen Verwaltungsstellen keine Katholiken beiücksichtigt habe; wie würde das katholische Blatt schreiben, wenn es geschähe; denn es würde alsdann die Ansicht aussprechen, wie kann ein katholischer Beamte die gegenwärtige Regierungspolitik durchführen.
Pose», 9 Dee. Die königliche Staatsregierung hat von gestern ab die vom Staate reffortirenben katholischen Kirchen hier und in der Provinz geschlossen, um den bekannten AufregungSgotlesdienst, welcher in Posen dem süßesten Herzen Jesu geweiht wird, zu verhindern. Tie katholischen Religionslehrer und Dtrectoren von katholischen Lehranstalten wurden vom Provinzial-SchuleoUegium wegen Verlesung des Hirtenbriefes des Bischofs LrdochowSki verantwortlich virnommen. Gegen den katholischen Religionslehrer Schröver am Posener Seminar ist die Diseiplinar- Unter|ud)ung wegen eigenmächtigen Vorgehens bei der Verlesung des Hirtenbrieses eingeleitet worden. In polnischen Kreisen herrscht große Bestürzung und Auslegung über das energische Vorgehen der königlichen
Herr Thiers iiker Int Urf>ntng les Krieges *•* 1870.
(Fortsetzung.)
Eines Tage« kam ich spät, nach fünf Uhr, in die Kammer: man berieth eben das Effeciiv. Ich verlangte sogleich das Wort, zum großen Mißvergnügen meiner College» von der Linken, wenn auch nicht zu ihrer Ueberraschung; beim sie waren schon g-wöhitt, mich nur meiner persönlichen Eingebung folgen zu seben. Ich warf mich mitten in den Kampf und brach offen mit denen, welche das JahreScontmgent herab-
derS, eS könnte mich rasend machen, wenn ich nicht . . — Aber mein Gott, sind Sie denn so fest überzeugt, baß der Baron Franz der Gegner seines BruderS war? fiel ich ihm ins Wort. — Der alte Mann nickte. — Haben Sie Seweife erhalten? — Da» nicht, sagte er. — Also ... — Herr Doctor.waS Sie auch sagen mögen, der Glaube an die Schuld des Laron« wnrzelt so tief in meiner Seele, daß es Ihnen nicht gelingen wird, ihn zu erschüttern. — Der alte Mann sagte das mit einer überzeugenden Sicherheit. — Dann hätten Sie diese Verbindung hintertreiben sollen, erwiderte ich. Bedenken Sie die Folgen, wenn da» Dunkel aufgeklärt wird. — Ich konnte es nicht, sagte der Diener düster, ich habe im Famisienrath keine Stimme. Kurz nach der Beisetzung der Leiche kam Baron Franz heim ... — Ans Italien? — So sagte er. Ich kann nicht untersuchen, wie lange er Dort gewesen ist. Einige Monate später war Fräulein v. D. schon seine Braut. Sie hatte den ersten Verlobten rasch vergeffen, finden sie da« nickt auch? — Ich trage nicht, daiüber ein Urtheil zu fällen; Rücksichten auf die Familie, auf die Wünsche deS VaterS . . . — Bah — sie hat dem Tovten nicht lange nachge« trauert, schon diese Entdeckung bewog mich, den Dingen ihren Gang zu lassen. Auf der Ehe ruht keine Segm, daS süßeste Glück hat der Himmel ihr versagt. — Kann noch kommen, bemerkte ich, Geduld!
(Fortsetzung folgt.)
«. Merlin, 9. Dee. Die Verhandlungen des Herrenhauses in den letzten Tagen haben zur Zeit die Thal i,chen als eine Bestätigung für bie Richtigkeit der KegierungSpolitik erwiesen, nämlich, daß überhaupt ei« Pairsschub nothwendig und daß die Bemessung »cr Iahl der PairS eine zutreffende gewesen. Nach diesem Ergebniß hat man die Hoffnung, daß sich im tzerrenhause auch für die geionunte Regierungspolitik ein günstiges Resultat erzielen lassen wird; beim eS ist wohl anzunehmen, baß bie Opposition der Eon ervativen b.s Herrenhauses, welche gegen bie Kreis- ortnung geschlossen aufgetreten, bei Fragen ber katho- Men Politik eine sihr variirenbe fein wirb, ba namentlich Die Bedenken in vielen Fragen, welche sich ,uf bie Auseiiianbersetzung des Staates mit der katholischen Kirche beziehen, viele Opponenten der Kreis- ordnung mit der Regierung auf einem Standpunkt ^hen _ Ueber die Verhandlungen, bie bem Pairs- jd)ub vorangegangen sind, werden jetzt noch falsche Nachrichten verbreitet, so z. B. wird gesagt, daß auf der ursprünglichen Liste 90 Personen als neue PairS geftaiiben hätten; eS muß daher bestimmt wiederholt «erden, baß eine Liste von nur 25-40 Personen nur allein existirt habe. — Die .Krmzztg." setzt ihre
scheint aber im Ernste diese Polemik nur für Gras Eulenburg bestimmt zu haben, wenngleich eS den An- schein hat, als seien diese Artikel bereits vor einiger -zeit versaßt und kämeii jetzt post festum Jene Ar- Ml machen wenigstens den Eindruck, als hätte» ,te die Absicht gehabt, Gras Eulenburg a»S seiner Stellung zu drängen, welches jetzt wohl undenkbar erscheint. — Gras Eulenburg gab gestern zur Erinne rung an seinen vor 10 Jahren erfolgten (Eintritt in bas Ministerium Bismarck ein Festmahl, zu dem u. A. auch sämmmtliche Kollegen des Herrn Ministers dngelaben waren, nur Herr v. Selchow, der sich bereits nicht an den letzten Ministerberathungen betret ligt hatte, war nicht erschienen. Man hört übrigens, daß Herr v. Selchow seinen Abschieb erdeten, man
Ei« Duell.
Aus den Erinnerungen eines Arztes- iFortsetzung.)
Ich sah diesem Besuch mit herzlicher greube ent «gen Fünf Jahre waren seit jenem Ereigntß ver- ßALen die Wunden von damals mußten geschlossen sein. Wenn ich auch mich dunkel der Mittheilungen de«' Kammerdieners erinnerte, so erschien mir doch jetzt Manches in anberm Lichte; ich konnte mich mit dem Gedanken an bie Wahrscheinlichkeit seiner Ber- muthungen nicht befreunden. Ein zufälliges Zusammen- trrffen verschiedener Ereignisse hatte ja schon ost den 8 roacht auf einen Unschuldigen gelenkt, wetzhalb kvnnie nicht auch hier ein solch' zufälliges Zusammentreffen vorliege» ? Ich hoffte, mit bem alten Herrn manche vergnügte Stunde zuzubringen, und traf di. nöthigen Vorbereitungen zu seinem Empfange. Eine hübsche Wohnung ronrbe gemietet und mit allem (Somfort ausgestattet; als ich den alten Herrn ... dieselbe führte, dankte er mir herzlich tut meine Aus merksamkeit. Die Familie, welche er mir angeknndigt hatte, bestand einzig und allein aus seiner Schwiegertochter, vorausgesetzt, daß er nicht den alten Kaminer- biener, eine Zofe und einen zweiten Diener zur Fa mitte rechnete. Und diese Schwiegertochter war keine Andere, als das Freisräulein E.eonore v. D., setzt Baronin v. B. Ich «schrak, als der Baron mn einem jovialen Lächeln auf den Lchpe» sie mir vor- stellte, ich mußte unwillkürlich mich ber 8<rmutbungen des alten Dieners erinnern, der, im Hintergründe stehend, mir einen bedeutsamen und zugleich schmeiz üch wehmüthigen Blick zuwarf ,3a, P, Jagte der Baron als wir eine Stunde spater vor ber Flasche saßen, so änbert sich Manches im Leben, ehe w.r es glauben ober ahnen. Mein Sohn Franz ist seit bem Tobe seine« »ruber« ein Anderer geworben, früher ein Sklave seines leibenschasilichen Temperaments, ist et jxtzi ein ruhiger, ernster unb weichherziger Mensch. Run, Sie werben ihn ja kennen lernen, er wirb in
Wie»» 7. Dee. So getränkt mit parlamenta rischen Institutionen ist benii boch kein Lanb, wie dieses Oesterreich. Kaum war ber ReichSrath zu Ende, so traten bie Delegationen zusammen; unmittelbar an ben Schluß ihrer Session stürzten sich bie 17 Lanbtage; wenn sie fertig fiiib, was (wahrscheinlich nur mit Ausnahme ber Landesvertretungen von Böhmen, Galizien und Niederösterreich) heute der Fall sein wirb, so werden die entfernter wohnenden Abge ordneten, soweit Dieselben auch NeichSratbsmitglieder, kaum noch Zeit haben, rechtzeitig zur Eröffnung des Reichsraths abermals in Wie» zu jein, und im nächsten Jahr wird im regelmäßigen Kreislauf dieselbe Hetzjagd von Neuem beginnen. Jnteß die Abgeord- wenigcn Tagen Nachkommen. Kurz nach dem Tode Eduard'« k.hrte er aus Italien heim, um fortan mir eine treue Stütze zu fein. Ec warb um die Hmd der verlassenen Braut, seine Werbung wurde angenommen; ich sah also demnach auch diesen Wunsch erfüllt. Nur Eins fehlt noch, Doctor, wenn uns das Ihr Bao verschaffen könnte, ich glaube, ich verpflichtete mich, an« eigenen Mittel» den Israeliten eine Synagoge zu bauen, an christlichen Kirchen hat das Städtchen ja keinen Mangel. — Unb was ist dieses Eine? fragte ich, einem düsteren Gedanke» nachhangend, den ich nicht zurückorängen konnte. — Der Baron führte bas Gla« zum Munde unb schlürfte mit Behagen ben evleu, feurigen Rheinwein. Ein Enkel! erwiderte er lächelnd. Mit meinen Sohne stirbt meine Familie aus, wenn ber Himmel seine Ehe nicht mit Kinbern segnet. — Ich schüttelte Den Kops unb schwieg. Zu einer heiteren Unterhaltung war ich nicht aufgelegt, unb auf ein ernstes Gespräch schien ber alte Herr nicht eingehen zu wollen. Deshalb verabschiebete ich mich balb, meine Patienten vvrschützend, mit dem Versprechen, meinen Besuch am nächsten Tage wiederholen zu wollen.
Vor der Thüre im Corridor begegnete ich bem Kammerbiener; er hatte mich erwartet Sie haben boch nichts verrathen, Herr Doctor? fragte er erregt — Ich schüttelte ben Kopf unb bat ihn, mich zu be suchen, er sagte zu. Eine Stunbe später trat er in mein Stubirzimmer. Seit meiner ersten Begegnung mit ibm hatte er auffallend gealtert, er war düsterer und schweigsamer geworden, ich fand etwas Mürrisches in seinem Wesen, etwas, waS mich an einen Freund erinnerte, ber;, vom Schicksal oft unb schwer geprüft, so lange mit bem G-schick gehadert hatte, bis er durch den verbissenen Trotz in seinem ganzen Wefen unge- ni.ßbar geworden war. Sie wissen, wa8 geschehen ist, fagte er, ich konnte es nicht ändern, wenn ich nicht mänem Herrn ben Dolch in» Herz stoß.» wollte Die Braut beS Ermordete» ist bie Gattin des Mör-
bautt und tfen Here« >856
nö
r
,000 Be
nins auf user .'ben. rbert id) en 756
ein Cl
imen "'geäste 857
und ius- ifort äbn- U. xpe- [ler 830
118 verein eben 796
ber zu >ber 358
ein zu uar 323
7Z77Ä nutzer ben Wer wgen nach Sonn, unb Feiertagen. Preis für daS Quartal bet Oberhefilschen Leitung mit KrelSblatt durch die Expedition («och'sche rüdere°) bezogen 22'®«.. durch die Postämter 27 ®8r. tt Psg. (erd. Bestellgebühr unb ind- Stempelsteuer), für da- Ausland etc(. Stempel 22 ®gt.-
Brrchdrua ) i 0 Jnferirorwgebüb für lie gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.