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Marburg, Dienstag, den 10, Dezember.
1S72.
Oderhessische Zeitung.Z
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Deutsches Reich.
** Berlin, 7. Dec. Mit 11.4 gegen 87 Stimmen jst m der heutigen Sitzung des Herrenhauses die Kreisordnung ohne irgend welche Abänderung angenommen worden. Die Schlußberathung, die für Montag an- deraumt ist, wird ohne Zweifel ein gleiche« Ergebniß haben. Es ist somit constalirt, daß die Regierung die Sachlage richtig bcuntheilt hat, und daß der Pairs- schub, dessen Unzulänglichkeit noch heute in hiesigen Blättern getadelt wird, vollkommen genügend war, die Annahme der Vorlage zu sichern. Die regierungsfreundliche Partei ist auf 114 angewachsen, während die alte Majorität der äußersten Rechten es nur auf 87 Stimmen gebracht hat. Die Waffenstreckung dieser Partei war entschieden, al« nach den ersten Abstimmungen über die Amendements die Führer selber alle »eileren Amendements zurückzogen. Daß der könig liche Brief an Herrn v. Frankenberg auf die dissen- tirenden Mitglieder nicht ohne Einfluß geblieben ist, läßt sich unschwer erkennen. Jrrthümlichei weise haben mir gestern den Namen des Herrn v. Frankenberg- Ludwigsdvrf als Mitunterzeichner der oppositionellen Amendements genannt. Der Jrrthum beruht auf einem Druckfehler in dem amtlichen Bericht des Herrenhauses, welcher fälschlich den Namen des greisen Alterspräsidenten ansührt, während factisch ein anderer Herr v. Frankenberg der Unterzeichner war. Verschiedene Redner des Herrenhauses haben behauptet, daß die „Prov. Corresp." den Anstoß zur Polemik gegen bad Herrenhaus gegeben, ja sogar die Gegner der Kreis- ordnung in demselben als schlechte Patrioten bezeichnet habe. Dem gegenüber ist zu constatircn, daß die „Prov. Corresp." nie eine Aeußerung gethan hat, die einer solchen Deutung fähig wäre. Im Gegentheil, die „Prov.-Corresp." hat lediglich an die patriotische Selbstverleugnung der Mitglieder des Herrenhauses sppellirt; es ist ihr nie in den Sinn gekommen, die Vaterlandsliebe des Herrenhauses anzuzweiseln. —
--—b» -------------—i- m—hph1^ Mehrere Zeitungen haben die Nachricht verbreitet, es sei eine officiöse Notiz der „Nordd. Allg. Ztg./ welche die Fortdauer der freundlichen Beziehungen zu Frankreich betonte, auf besonderen Wunsch Sr. Majestät publicirt worden, da der König eine ganz besondere Hochachtung vor Herrn Thiers besitze. Diese Mitlhcilung ist ganz unbegründet. Die Regierung hat ihre wohlwollende Haltung Herrn Thier« gegenüber nie verläugnet; die persönliche Intervention des Staats Oberhauptes gehört in das Reich der Fabel.
— 7. Dec. Gegenüber den Gerüchten, daß der Kriegsminister und der Minister für die Landtvirlh- schaft ihre Entlassung nachgesucht hätten, vermag die „Kreuzzeitung" mit größter Bestimmtheit nur mitzu- theilen, daß der Kriegöminister einen längevm Urlaub nachgesucht und bis zum März erhalten habe.
Dresden, 6. Dec. Der an die zweite Kammer gerichtete Antrag des Abg. Ludwig auf Entfernung der „Schwestern zur christlichen Liebe" als Lehrerinnen aus dem Josephinenstifte hat durch die vom Könige aus eigener Entschließung verfügte Entfernung derselben seine Erledigung gefunden.
Stuttgart, 7. Dec. Die Abgeordnetenkammer nahm in ihrer heutigen Sitzung den Artikel 2 des Eisenbahngesetzes •, demzuiolge von Stuttgart eine directe Eisenbahn über Böblingen, Herrenberg und Eutingen nach Freudenstadt hergestellt werden soll. Ein Antrag aus Streichung des Worte« „directe" wurde mit 71 gegen 10 Stimmen verworfen. Der RegierungScommissar erklärte, ein zweiter Bahnhof im Stuttgarter Thal werde nicht errichtet werden, die Frage einer Station über der Stadt auf dem Hasenberg sei eine offene. Die Abgeordnetenkammer gench migte bei der weiteren Berathung des Eisenbahngesetzes den Art. 3, welcher bestimmt, daß der Bau der beiden Bahnen (Murrthal- und Stuttgart-Freudenstädter Bahn) auf Staatskosten ausgeführt werden s oll, hieraus mit 78 gegen 4 Stimmen das ganze Gesetz.
Wien, 8. Deebr. Die Landtage von Oesterreich, Steiermarck, Mähren, Salzburg, Böhmen, Kram und Galizien wurden gestern in üblicher Weise geschlossen. Der Krainer Landtag nahm zuvor eine Adresse an den Kaiser an. — Der „Pesther Lloyd", daö Organ der Deak-Partei, verfährt äußerst glimpflich mit dem Grafen Lonyay, dieser gefallenen Größe, offenbar in der Absicht, ihn nicht in die Reihen der Opposition zu treiben. Besonders aber sucht da« Blatt der Behauptung entgegenzutretcn, als habe der Glanz der Majorität durch die jüngsten Ereigniffe Schaden gelitten, und sagt in dieser Beziehung: „Die Art und Weise, wie nun auch die positive Seite der Ministerkrisis ihre Lösung gefunden hat, bestätigt, daß dieselbe weder in der Haltung der Opposition überhaupt, noch in der Scene vom 18. No», und deren Folgen ihren Grund finde. Das neue Cabinet wird also, so weit es sich um politische Principien handelt, ganz genau die bisherige Richtung einhaltm und nur die Art des Vorgehens wird allenfalls eine andere sein. Die beiderseitige Stellung der zwei großen ReichStagS- parteie» ist daher gar nicht in Frage gekommen, und Herr v. Szlavy ist von der Krone an die Spitze der neuen Regierung gestellt worden, ohne daß ein Programm ihm abverlangt oder von ihm vorgelegt worden wäre, was wohl zur Genüge beweist, daß bei den Veränderungen in den höchsten Regierungssphären nicht so sehr politische als vielmehr persönliche Gründe maßgebend waren, die allerdings, wenn man die Differenzen ungehindert hätte fortwuchern lasten, mit der Zeit auch zu sehr bedauerlichen politischen Consequenzen hätten führen können. Wenn also der Ministerwechsel für die Partei aiö solche überhaupt eine Bedeutung hat, so kann er nicht ihre Schwächung, sondern nur ihre Stärkung, die Erhöhung ihrer inneren Festigkeit bedeuten."
Bern, 7. Dec. Bei der heute von der BundeS-
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'Ein Duell.
Aus den Erinnerungen eines Arztes. (Fortsetzung.)
Vor einem Vierteljahre hatte Eduard -sich mit der bildschönen Tochter des reichen Freiherr» von D. verlobt. Diese Verlobung erfüllte einen sehnlichen Wunsch des allen Barons, der mit dem Freiherrn befreundet war. Auch das Brautpaar war glücklich, die Beiden liebten einander innig. Unter dem Vorwande, einen Freund besuchen zu wollen, hatte Eduard am Tage vor seinem Tode Morgens in der Frühe eine, wie. er sagte, kurze Reise angetreten, von der er nicht zurück- kchren sollte. Wer sei» Gegner und was die Ursache des Zweikampfes gewesen war, wußte der alte Herr nicht, auch ihm fehlte in dieser Beziehung jeder Halt punkt. Er konnte nur vermuthen, daß Eduard auf der Reise an seiner Ehre angegriffen worden sei, und »uch diese Vermuthung erwies sich bei reiflichem Nachdenken als unhaltbar, da die Art und Weise des staltgefundenen Duells einen tiefer liegenden, glühen den Haß voraussetzen lassen mußte. Am nächste» Morgen wurde die Leiche der Eisenbahn zum Transport übergeben. Ich hatte die Verpackung überwacht 8nb stand neben dem Waggon, als der schwere Kasten hineingehoben wurde. Der Baron und die junge Dame waren nicht zugegen. Neben mir stand der alte Kammerdiener des Barons, eine treue, ehrliche Seele, der seinem Herrn sehr ergeben war. Ich hatte schon bemerkt, daß ihn irgend ein Anliegen drückte, wollte ihm aber nicht zuvorkommen, sondern warten, bis er mir dasselbe aus eigenem Antriebe mittheilte. Endlich iahte er sich ein Herz. Eine Frage, Herr Doctor, wenn ich bitte» darf, wandte er sich zu mir. War der Gegner des jungen Herrn ein großer staatlicher Herr mit dunklem Haar, dunklen Augen und einem dollen gekräuselten Bart? — Ich blickte überrascht den alten Mann an, der mit wenige» Strichen mir die äußere Erscheinung des Duellanten so scharf in«' Gedächtniß zurückrief. Miltiänsche Haltung? fuhr der Rammerbtener fort, als ich seine Fr ge bejaht hatte. Scharfer, stechender Blick, tiefe Stimme, in seinem Auftreten etwas Jmponirendes? — Ich bejahte aber
mals. Der Kammerdiener schüttelte fein graues Haupt, ein düsterer Schatten hatte fich über fein ehrliches Antlitz gebreitet. Sie kennen ihn also, sagte ich, wohlan, so werden Sie auch Sorge tragen, daß er seiner Strafe nicht entgeht. Der alte Herr . . . — Um alle Schätze der Erde möchte ich ihm meinen Argwohn nicht neunen, fiel der Diener mir hastig, mit sichtbaren Zeichen des Entsetzens in« Wort. Kennen Die die Familienverhältn ste des gnäoigen Herrn? — Er hat mir Einiges rnitgetheilt. — Das Verhäliniß seiner beiden Söhne zu einanbet ? — Ja. — Der alte Mann blickte sich scheu um, bann bat er mich, ihm in das Wartezimmer zu folgen, in welchem äugen dlicklich kein Passagier sich befand. Sehen Sie, es war in der Nacht vor der Abreise des jungen Herrn, als ich, über bett Corridor schreitend», im Zimmer desselben einen lauten, heftigen Wortwechsel vernahm. Das Lauschen an den Thüren ist mir verhaßt, ich habe mich nie dazu verstehen können, aber diesmal konnte ich dem alten Adam in mir nicht widerstehen. Ich glaubte eine sehr bekannte Stimme vernommen zu haben, die Stimme eines Herrn, den ich in Jta' lien wähnte. — Des Baron Franz? fragte ich bestürzt. — Ja. Das mußte mich befremden und beun ruhigen zugleich. Befremden, weil von einer Rückkehr des jungen Herrn in den vorhergehenden Tagen nicht die Rede gewesen war, beunruhigen, weil ich noch immer nicht glauben konnte, daß der alte Haß zwischen den Brüdern so vollständig getilgt fein sollte. — Er war es wirklich? warf ich, fieberhaft erregt, ein. — Hören Sie weiter. So sehr ich mein Gehör an strengte, war es mir doch nicht möglich, ein Wort deutlich zu vernehmen, die Unterhaltung wurde in gedämpftem Tone geführt, ich konnte die Stimmen zwar unterscheiden, aber die Worte selbst nicht verstehen.— Es war also ein Wortwechsel? — Ich weiß das nicht, vermuthen kann ich es, aber nicht behaupten Ich hörte endlich, daß man sich der Thür näherte, und trat rasch zurück Eine hohe, in einen Mantel gehüllte Gestalt verließ das Zimmer, schritt rasch durch den Corridor und stieg die Treppe hinunter. Ich wollte ihr folgen, aber Baron Eduard blieb in der
Thüre stehen, bis ste verschwunden war; baS nöthigte mich ebenfalls in meiner bnnklen Ecke zu bleiben unb jedes Geräusch zu vermeiden. Als ich später hinunter eilte, fand ich die Hauöthüre geschloffen, der räthsel- hafte Gast war verfchwunden. Mir mußte Manches in hohem Grade auffallen. Weshalb trug der Fremde im hohen Sommer einen Mantel? Doch wohl nur, um nicht erkannt zu werden, falls er einem Diener ober betn gnädigen Herrn begegnete. Wer hatte ihm den Hausschlüssel verschafft? Einen solchen mußte er besessen haben, denn der Portier war längst zu Bette; bevor er zur Ruhe ging, schloß er sorgfältig alle Thüren. Auch ich würde im Bette gewesen sein, wenn nicht ein Gichtanfall des gnädigen Herrn mich ge- nöthigt hätte, zu wachen. — Theilten Sie am nächsten Tage Ihre Entdeckung dem alten Herrn nicht mit ? fragte ich. — Nein. Wozu auch? War der späte Gast der Baron Franz gewesen, so unterlag es ja keinem Zweifel, daß er am Tage darauf den Vater besuchte. War ein Anderer dieser Gast gewesen, so mußte Baron Eduard am besten wissen, ob er den empfangenen Besuch seinem Vater mittheilen sollte. — Sie kannten also den Fremden nicht? — Nein. Aber seine Stimme, sei» Wuchs, sein Gang und seine Haltung erinnerten mich an den Baron Franz. — Diese Mittheilung hatte mich tief erschüttert, ich konnte das Entsetzliche nicht glauben. Sie haben mir den Gegner des Tovten so treffend beschrieben, daß ich fast an= nehmen muß, er sei ... — Still, still, fiel der alte Mann mir mit bebender Stimme ins Wort, sprechen S-e das Entsetzliche nicht aus, der Gedanke an die Möglichkeit der Wahrheit meiner Vermuthungen läßt das Blut in meinen Adern stocken. Daß ich das erleben mußte! — Aber welche Gründe können die Beiden dazu bewogen haben? fragte ich zweifelnd. — Welche? erwiderte der Diener, stier vor sich hinblickend. Ich kenne sie nicht, aber ich ahne sie. Das gnädige Fräulein war die Jugcndgeliebte des Baron Franz. — Die Jugendgeliebte? Sie sind ja Beide noch im Lebensfrühling . . . — Na, man pflegt das Wort ja anzuweitden, wenn von einer Neigung zwischen halb erwachsenen Kindern die Rede ist. Baron Franz