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3eit, zu jammern unb zu klagen, unb den Umsturz aller Faktoren zu prognostiziren. Der Herr Minister protestirte zunächst bagegen, baß man bie Regierung verantwortlich machen wolle dafür, baß kein Kompro­miß mit bem Herrenhause zu Stande gekommen sei, unb rtieS auf bie Geschichte unb Entwickelung bes Gesetzes, auf die Bemühungen bcr Regierung in ber Commission wie im Plenum hin, überall Einverstänbniß anzu bahnen: man habe aber im Herrenhaufe Wertd darauf gelegt, solche Beschlüsse zu fassen, die als un­annehmbar bezeichnet wurden. Unter solchen Um ständen konnte bie Regierung nicht noch einmal bie Penelopearbeit beginnen und noch einmal bem Ab geordnetenhause den Regierungsentmurf ober gar den Entwurf des Herrenhauses voi legen. ES blieb ihr nur übrig, noch einmal das Material zu sichten und bas habe sie in Staatsministerialsitzungen, an denen sich sämmtliche Minister beteiligten, gelhan. Die Vereinbarung mit dem Abgeordnetenhause, baß kein Komma an ber neuen Vorlage geändert, habe ber Regierung bie Moralische Pflicht auferlegt, mit allen Kräften für bie Annahme beS Entwurfs einzutreten: Sie sei keine Koalition mit bem AbgeorbnetenhauS gegen das Herrenhaus eingcgangen; eine vollständige Einigkeit mit bem Herrenhanse hätte zu benjelben verfassungsmäßigen Mitteln gegen das Abgeordnetln- haus geführt. Solche Mittel, wie sic gegen bas Herrenhaus angewcndet seien, ergreife man nur, wenn man sich ber Gerechtigkeit ber Sache bewußt sei An die KonfliklSzeit hier zu erinnern, sii überflüssig. WaS bas Herrenhaus damals gethan, habe man nicht vergessen, sei auch nicht au jener Stelle vergessen, die jetzt bie Neubernfung besohlen habe. Der einzelne bankbare Mensch werbe überhaupt nie vergessen. Wohl aber müfie ber Staat »er gessen können, wenn es sich darum hanbele, neue noth- roenbige Maßregeln ins Leben zu ruicn. Auch ber König müsse oft vergessen, er könne nicht immer bie Minister behalien, benen er ein dankbares Herz bewahrt. Ein letzter Kampf um konservative Interessen sei hier so wenig volhanden, daß er vielmehr diesen Kampf für den ersten Kamps halte zur Belebung derjenigen gesunden Kräfte, welche Preußen groß gemacht und die preußische Macht auf der Höhe erhallen sollen. Sehr lebhafter Beifall war die Ant wert auf diese Ausführungen des Hrn. Ministers. — Die Redner beider Parteien folgten im Allgemeinen den Deductionen der beiden ersten Redner, Hr. Graf Rittberg sprach für die Vorlage, Hr. v. Kleist Reetzow im Sinne des Hrn. v. Kröcher. Auch Hr. v Kleist prognosticirie schlimme Folgen des Gesetzes, die er namentlich in dem Bruch der Selbst ständigkeit des Grundbesitzes unb ber Gemeinden sah, und weiiergehend in der Abschaffung des Zweikamm r Systems und in ber Herrschaft des Liberalismus Besonders waren es acht Punkte des Gesetzes, die der Redner als gefährlich für Preußen bezeichnete. Der Hr Minister deS Innern ging auf die einzelnen Punkte, wie Bildung ber Amtsbezirke, KreisauSschüffe rc näher ein unb nies bie Befürchtungen beS Porreeuers als unbegrünbel in sachlicher Weise zurück. Hr. Dr. Schulze erklärte sich in berebter Weise für den Ent­wurf, inbem er von einem höheren allgemeinen Gesichts punkt aus ihn vertheidigte und als einen höchst kon­servativen bezeichnete. Trotzdem schon alle Gesichts- puirkte für und wider von den Rednern hervorgehoben

waren, zog sich die Debatte noch ziemlich in bie Länge; zwei Anträge auf Schluß würben abgelehnt. Auch der Hanbelsminister Hr. Graf Jtz en plitz ergriff auf eine Bemerkung bes Hrn. v. Zedlitz, der die Vorlage aus sachlichen, zeitlichen und politischen Gründen ab zulehnen bat, das Wort unb verwahrte bas Ministerium dagegen, denjenigen für einen schlechten Patrioten erklärt zu haben, der gegen bie Vorlag« stimmen werbe; wohl aber warf er den Gegnern der Kreis­ordnung einen großen politischen Fehler vor unb machte sie selbst bafür verantwortlich, baß man gegen das Herrenhaus gewisse Maßnahme» ergriffen. Es spiachen noch bie Herren Baumstark und Hassel- d a ch für bie unveränderte Annahme ber Vorlage, die Herren von der Schulettburg-Beetzenborf unb Graf Brühl mit einigen Angriffen auf ben Herrn Minister bes Innern und bie neuen PairS gegen ben Entwurf. Gegen 4 Uhr schloß man bie Generaldebatte, morgen beginnt die Spezialdebatte. All»m Anschein nach dürfte bie Annahme des Entwurfs gesichert sein.

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Vermischtes.

Wien. Die „Deutsche Ztg." erzählt folgendes Beispiel von bürgermeisterlichem Humor: Der Vorstand einer Ge- meiiide Niederösterreichs, der über den Gewerbsumsang eines seiner Gemeindeinsaffen der vorgesetzten Bezirkshauptmann schäft relaticniten sollte, entledigte sich, wie man uns be­richtet, dieser Tage seines Auftrages in folgender, auf die Früchte dericaler Schulleitung ein bedenkliches Streiflicht werfender Weise: „Gefertigter beehret Sich über die Bedrübs- vertzeltnise des Karl W. Gehorsamst zu berichten und Den­selben in Anbuge zur weitem amts Hantlung Erfurchtsfoll zu Unterbleiben Besaget«: Karl W ist nicht Allein Bürsten hinter, sondern saufft auch für Zwey, Derentwegen Seine Famili offt die gantze Wochen keinen Warmen löffel zu 6fen bat, von Steierzablen keine Rede nicht ausgenommen die Löb! Bezirks-Haubtmannschaft verquesterirt Ihn, was auch seinen weid mit 4 lindern Gut Wer, weil Sie sieb bau wieder Einmal Sat esen töneten- Daß Gescheft wehr nicht so schlecht, weil W. auch auf die merkt fahrt- Doch wen Er Ein gülden einnimmt, Versanfft er immer Zwei. Anton L. gemeinde Vorstand."

Verehelichte, Geborene«. Gestorbene in hiesiger Stadl

vom 1. bis zum 7. December 1872.

Verehelichte.

Ev.-ref. Gern.: 1) Der Witwer und Feldhüter Georg Heinrich Zindel und Catharine Schmenner, beide dahier. 2) Der Junggeselle und Schuhmacher Hermann Friedrich Nennstiel dahier und Jungfrau Anna Gertrude Dittmar von hier.

Geborene.

E v. - r e f. Gern : Heinrich Julius, des hiesigen Bürgers, Instrumentenmachers und Bandagisten Christoph Wilhelm Holzhauer S.

Ev.-luth. Gern : 1) Susanna Auguste Elisabeth, des hiesigen Bürgers, Weißbinders und Lackirers Ludwig Victor Reidt T. -e) Maria Hedwig, des hiesigen Bürgers und Amtsscribenten Daniel Textor T

St. Elis.-Gem.: Georg Heinrich, des hiesigen Bürgers und Ofen- und Thonwaaren - Fabrikanten Johann Friedrich Keppler S.

Gestorbene.

Ev.-ref. Gern.: 1) Frau Elisabeth, geb. Kappes, des Schuhmachers Andreas Derich Eheftau, 26 I., 4 M. und 1 T. alt- 2) Johann Friedrich, des Bürgers und Färber­meisters George Krause zu Sontra S., 9 I , 8 M. und 2 T. alt. 3) Der Tuchmacher Heinrich Mühlhause dahier, 66 I., 3 M. und 4 T- alt

Ev.-lutb. Gern.: 1 > Der Witwer, ordentlich* Profeffor und Dr. der Theologie Ernst Ludwig Theodor Henke, 68 I., 9 M. und 9 T. alt. 2) Der hiesige Bürger und Schuh­machermeister Joel Schneider, 61 1, 8 M. und 15 T. alt.

2) Frau Maria Jscke, geb. Ortwein, des Weißbinders Conrad Jscke zu Ockershausen Ehefrau, 53 I., 2 M und 24 T. alt.

Telegraphische Depesche« der Oder« hessische« Zeitung.

Berlin, 7. Dec. In ber heutigen Sitzung bc6 Herrenhauses begann bie Specialberathung über bie Kreisorbiiungsvorlage; angenommen würben bie §§. 1 bis 7 unverändert. Das erste Amendement ber Frak­tion Stahl zu § 8, welches ber Minister beS Innern für unannchmbar erklärte, wirb bei namentlicher Ab­stimmung mit 114 gegen 87 Stimmen, bas folgenbe Amendament zu §. 23 und 26 wirb gleichfalls abgelehnt. Die Fraktion Stahl zieht hierauf alle weiteren Amen­dements zurück unb verzichtet auf jebe weitere Dis­kussion (lebhafter Beifall), worauf alle ber Vor­lage ohne Debatte unverändert angenommen werben.

Stuttgart, 6. Dec. In bcr Spezialberathung bes Eisenbahngesetzes genehmigte bie Kammer ber Ab- georbneten heute den Artikel 1, betr. ben Bau einer Murtthalbahn»

München, 6. December. Mit bem heutigen Abendznge ist ber Juflizminister Dr. Fäustle, zu den Minister Conferenzen nach Betlin abgereift.

P-st. 6 Dec. In der heutigen Conferenz ber Deakpartei schilberte ber Finanzminister bie Finanz­lage deö Landes unb erklärte, baß er in ber morgigen Sitzung eine Vorlage einbringen werde bezüglich eine« Anlehens von 54 Millionen nominell, wovon 14 Mil­lionen zur Deckung des biesjährigen Dcficiits ver­wendet werben sollen,

Paris, 6. Decbr. Thiers empfing gestern Abend zahlreiche Mitglieder ber Linken, welche ihn baten, trotz der Sieges ber Rechten keinerlei Zugeständnisse zu machen. Heute Vormittag sollte, bem Vernehmen nach, ein Ministerrath stattfinveu. Es verlautet, baß sämmt- tiche Minister ihr Entlassungsgesuch wiederholt hätten.

Versailles, 6 Decbr. Die Dreißiger Commission wählte Larcy zu ihrem Präsidenten. Aubiffret-PaSquier zum Vicepräsibenten. Die Wahl Larcy's wirb, ber „Agence Havas" zufolge, als bie Ausgleichung ber Schwierigkeiten erleichternb betrachtet. Die Sitzung der Nationalversammlung verlief ohne bemerkenswerthen Zwischenfall.

Rom, 6. Dec. In ber Deputirtenkammer theilte Minister Sella auf eine Interpellation mit, baß er gemäß dem Garantiegesetze die Auszahlung ber borge« schriebenen Renten an ben päpstlichen Stuhl angeorb- nct unb Antonelli hiervon verstänbigt habe, welcher tiideß dankend erklärt hätte, daß er nicht annehmen könne.

Bukarest, 6. Dec. Die Regierung legte ber Kammer ein Projekt vor wegen bes Anschlusses ber rumänischen Bahnen an bie österreichisch - ungarischen unb russischen Bahnen.

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Telegraphische Cours - unb Marktberichte.

Frankfurt a. M., 7. Decbr. lSchluß der Börse). Staatsbahn - Actien 364;, Elisabeth 267 j. Galizier 248, Lombarden 214;. Nordwestbahn 231J, Creditactien 365;' Silberrente 64;, Papierrente 60%. 1860t Loole 95, National- baut 1042, Spanier 28;, 1882r Amerikaner 96j, Darmstädter Bank —, Effectenbank —. Still.

Berlin, 7. Decbr. (Anfangscourse). Creditactien 2081, Staatsbahn 208;, Lombarden 122;, Amerik. 97.

Wien, 7. Decbr. (Anfangscourse). Creditactien 332.50, Lombarden 199.50. Napoleons 8.69.

A» Ile noch rückständigen Rcch- nungeu über bie im Jahre 1872 an bie hiesige Königliche Uni versnät unb bereu Institute gelieferten Gegenftänbe stnb, mit den erforderlichen Richtigteitobescheinigungen versehen, bis zum Schluffe bicses Monats nn- schlbar anher einzuliesern, ansonst dieselben nicht mehr angenommen wer­den können. [2840

Marburg, 6. Dec-mber 1872

ASnitzliche Universitäts-Kaffe.

ff\ie Erdarbeitcn zur Heistellnng von Wegen unb Planirung des

Terrains auf bem Bauplatze bcr Irren Heilanstalt sollen aus freut Submissions­wege vergeben werben uno siub bet siegelte Offerten bis

Touuabcud, ben 14. Decbr.,

12 Uhr Mittags,

bei bem Unterzeichneten, bei welchem das Nähere zu erfahren ist, einzureichen.

Marburg, ben 7. December 1872. 2841] Brüning, Baumeister feinsten Arrac- und Rum- O Punsch - Essenz L Flasche 17'/r Sgr. bei

2842] - A. Blencke.

Für die durch die Sturm« fluth in Noch gekommene«

Bewohner der Ostsee

bittet ber vai. r äudische Frauenvcrein um warme Kleidungsstücke je er* Art und Leibwäsche, b.sonbers für Frauen unb Kinoer Am Montag, ben 9. December werben die Sachen von Nachmittags 1 Uhr ab i n Rath Hans vorn Vorstände tu Empfang ge nommen. [2834

passenden Weihnachtsge- schenken empfehle ich alle

Sorten Briefpapiere mit Namen und Buchstaben. Gleich­zeitig bringe ich meine Weih­nachts-Ausstellung in Er­innerung.

J. Moebus, 2843] Buchbinder.

/ßjytro frische Helgoländer ® Schellfische

treffen beute ein bei

John Schneider, 2844] Wechenhausen.

Meine

Ausstellung in Weihnachts - Confcct, Honigkuchen unb sehr gute Baseler Lebkuchen ist von heute au eröffnet.

Georg Mardorf, 2845] Krtzerbach 455.

Unterzeichnete empfiehlt

seine Ausstellung in Weihnachtsconfect, Honig- und

Lebkuchen.

WUh. Kessler, 2846| Hefstadt.

Ball-Bouquets

in geschmackvollster Ausführung von 20 Sgr. bis 5 Thlr., Cotillon- Sträustcheu von lebenden unb von getrockneten Blumen empfiehlt bie Htanbelsgärtnerei von

Carl Deines, 2813] Gieße«.

As>eucn Nord - Laberdan bei 2819] Joh. Fr. Möller.

^ie Unterzeichnete kann von jetzt ob wieder einige Schülerinnen für Gesang- u. Pianafartc-Uuterricht annehmen.

2847] Clara Tclfchow

geb. Anschütz, am Grün 392.

(Cs werben 2—3 Leute auf Schlaf, stelle, mit oder ohne Kost, gesucht SteinwegA78,2Trepp hoch. (2848

Sonntag, den 8. December, im Saale des Cafe Quentin: GGUGLLU der hiesigen Wustkgesellschaft mit verstärktem Orchester.

Anfang 4 Uhr. [2849

Zur Aufführung kommt unter Anderem: Ouvertüre zu „Egmont" von Beethoven und „Zauberflöte" von Mozart; Serenade von Titl, Solo für Flöte und Horn; Lieder ohne Worte von Parlow; der Tyroler und sein Liebchen, Idylle von Zickoff.