ßr. 290.
ZNaröurg, Sonntag, den 8. Dezember.
1872.
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Oberhcssisihk .'jeititnit.
----------7—. ’TZT.n nnA gDnn. „nd Seiertaaen Breii für daS Quartal der Oberhesfischen Zeitung mit Krei-blatt durch die Expedition («och'sche taqUch auker de', Werktagen nach S rm »n»»« H Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer). !ür da« Ausland excl- Stempel 11 »gr.-
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verlautet, noch nickt gediehen, denn noch immer dauert die Miiiisterkrisis in Athen fort, und erst nach deren Beendigung werden Oesterreich, Rußland und England mit Vorschlägen an die griechische Regierung herantreten
tu ort einer Partei, welche jede vernünftige Lösung hartnäckig zurückgewiejen. Wenn übrigens Herr von Kröcher der Regierung den Vorwurf macht, daß sie aus rein mechanischem Wege daS Herrenhaus zu zwingen versuche, so ist auch diese Unterstellung als eine voll, kommen falsche zurückgewiejen worden. DaS Herren haus ist in der Lage gewesen, seine Bedingungen zu sollen. Allein es hat die Vorlage nicht nur abgeän dert, sondern auch schließlich en bloc verworfen. Erst nach diesem so durchaus negativen Verhalten hat die Regierung die Forderung sowohl an das Abgeordnetenhaus wie an das Herrenhaus richten zu müssen ge-
Laurionfrage scheint einem baldigen Gelingen entgegen zugehen. Jedoch ist die Meldung voreilig, dem öfter
Spanien wird fortwährend durch Aufstände beunruhigt, bald sind es republikanische, bald karlistiscke Die Emission der neu beschlossenen Anleihe von 250 Millionen Pesetas (a 9 Sgr.) ist auf den 12. December bestimmt.
DaS britische Parlament ist auf den 6. Februar k. I. einberusen. Die Befürchtungen, durch die au6= gebrochenen Strikes der Gasarbeiter London in Finster niß gehüllt zu sehen, haben nach den neuesten Tele grammen sich nicht verwirklicht.
Der ÄuSgleichSversuch in der griechischen
glaubt, die Vorlage unverändert anzunehmen. Jetzt sprechen die Herren v. Kleist und v. Kröcker sich für die gänzliche Unannehmbarkeit der neuen Vorlage auS, ja sie erklären sie für unannehmbarer als die erste, obwohl in der That manche wesentliche Aenderung mit Zustimmung des Abgeordnetenhauses in conservativeM Sinne erfolgt ist. 'Dian ist sehr gespannt auf die nächiten Abstimmungen, die das Verhältniß der Parteien klarslellen werden. Entscheidend sind dieselben übrigens noch nichi, da die Vorlage noch im Stadium der Vorberathung sich b>findel und erst die Schluß- berathung das definitive Resultat herbeisührt. Wie die „Eckers. Zig.* .meldet, hat der greise Herr von Fraiikenberg-LudwigSdorf in einem Briefe an Se. Majestät seine abweichende Meinung molivirt. Der König hat ihm in einem acht Seiten langen Brief geantwortet und die Unerläßlichkeit des Gesetzes dargelegt. Ter König spricht am Schluß die Ueberzeugung auS, daß die Loyalität den monarchisch gesinnten Mitgliedern deS Herrenhauses die Pflicht auferlege, sich wenigstens der Abstimmung zu enthalten. Dennoch finden wir den Namen des Herrn v. Frankenberg unter den Unterzeichnern von Amendements.
Karlsruhe, 6. Dec. Die Wendung zum Guten in dem Befinden des dentschen Kronprinzen schreitet gleichmäßig und rasch fort. Derselbe wird, sobald die Reise ohne zu befürchtende Rachtheile statthaft ist, sich zum Zwecke einer ärztlich für nothwendig krach- Uten Nachkur nach Wiesbaden begeben.
München, 5. Dec. Die in Folge des Dachauer BankichwliidetS eingeleiteten gerichtlichen Untersuchungen erstrecken sich, dem „N C." zufolge, auf zehn Personen, oie sich in drei Gruppen theilen: 1) die Bankhalter Herb und Lindner; 2) die Bankhalterin Pauline Dosch und Re-itSconzipient Brücklmaier; 3) Adele Spttzeder mit noch fünf Personen, worunter ihre „GefeUschafterin", bisher Besitzerin der „Villa Rosa*
Deutsches Strich.
•»* Berlin, 6. Decbr. Die heutige Verhandlung im Herrenhause über die KreisordnungS-Vorlage bestätigt die Annahme, die wir schon gestern über die voraussichtliche Haltung der Fraction Stahl geäußert haben. Weit entfernt, das Gewehr zu strecken, setzt sie vielmehr den Kamps gegen die Vorlage der Regierung mit äußerster Thätigkeit und Erbitterung fort Amendements sind von den Ultraconservativen nicht weniger als 37 eingegangen. ES wird sich nun aller dings fragen, ob dieselben Streitkräfte, die in der vorigen Session das Gesetz zu Falle brachten, sich diesmal wieder um ihre Führer schaaren und zu einem pure ablehnenden Votum vereinigen werden. Die Diebe des Herrn v. Kröcher, der aus der Annahme ter KreiSoronung Republik und socialistijche Anatchie entstehen sah, wurde vom Grasen Eulenburg sehr tr.ffend als Leichenrede charakterisirt. Doch kann es
sich bei dieser Leiche, um das Gleichniß festzuhalten, nur um einen Selbstmord handeln, um den Selbst
und eines Juwelensckmnckes von eminentem Werlhe. Die übrigen sind gewesene „Beamte" des erstgenannten Fräuleins, darunter Herr Homolatsch, gewesener österreichischer Cadetl und aus den Kurlisten eines niederbaierischen Bades vom vorigen Sommer bekannt als „Baron Napoleon Homolatsch*. Cooperalor Kannreuther hat in einer öffentlichen Erklärung zugegeben, daß er von Adele Spitzeder ein Darlehen von 10,000 fl. zur Erbauung eines Hauses für das katholische Easino in Giesing darlehensweise erhalten hat.
Straßburg, 5. Dec. Für die Tabak-Manu- factur lautet unter sechs Consortien das Meistgebot ves CommerzienrathS Cohn in Berlin und des Lau- quiers Schottländer in Breslau auf 7 Mill. Franken. Der Zuschlag wird erwartet.
Metz, 3. Decbr. Verschiedene Bewohner eines
seine Entlassung eingekommen sei. Auch Herr v. Selchow, glaubt man, werde noch während der LandtagSfesftoit
Politische Wochen-Ueberstcht.
Die abgelaufene Woche hat die lauge Zeit in der Schwebe gehaltene Entscheidung der Herrenhausfrage
Austrage gebracht. Vierundzwanzig neue Mn ’Lber haben des Kaisers Majestät inS Herrenhaus Lnen In der ersten Sitzung Über die Kretsord- Miiqsvorlage hat sich die befürchtete Opposition gegen iitielbe nicht geltend gemacht. OsficiöS sind dte Ge- «chte über eine Mimsterkrise, bereit Entstehung in btm Pairoschub man suchte, zwar bementirt, schwirren aier noch immerhin in ber Lust. Den Rücktritt des KticasministerS v. Roon hält man für nahestehend ,.Bh ai« Nachfolger wird bereits General v. Voigts „ „ , „ ..
«beeb genannt Ebenso soll Herr v. Jtzenplitz sein reichischen Cabinete set das SchtedSrtchteramt ange- Nortefenill ■ nur noch auf den ausdrücklichen Wunsch tragen und von ihm übernommen worden Soweit M Kaisers forlsührm, da er schon vor Wochen um j ist diese Vermittlung, wie auS ilaltetiijcher Quelle Jv f l I “ ______ - , a(. , u rtnili nirfct npbtphprt. bfltll llixil irttHlCr b CI LI fit
^Jn Ungarn hat sich ein Ministerwechsel voll- logen. Lonych ist abgetreten und Szlavy hat daS Ministerpräsidium, jedoch ohne weiteres PorteseuiUe, ibetnemmen. Graf ZichY und Hollan sind neu ein getreten und die übrigen Minister haben ihre Portefeuilles behalten.
Tie Rathe der schweizerischen Bundesversammlung sind am 2. December in Bern eröffnet
F In Frankreich dauert der Kampf um die Macht und um die Zukunft des Landes zwischen Monarchisten und Republikanern fort, und ist nun wieder die neueste Wahl der Commission für die Verfassungs- cherathungen der Regierung keineswegs günstig aus gefallen, wie lange diese« Spiel noch fortgesetzt wird, ist nicht abzujehen. Für den abgetretenen Minister des Innern ist ein definitiver Ersatz noch nicht gefunden. Reden dieser Versailler Abwickelung erregt das allge meine Interesse der erste Band des Enqueteberichtes über den 4. September, welcher die Regierung der Rational Verthcidigung inS Leben rief. Wie man der .Epen £Ug." mitlheilt, enthält dieser Baud, welcher jetzt in vertrauten Kreisen zur Vcrtheilung gelangt, eine sehr lange und bemerkeitSwerthe Zeugenaussage von Thiers, in welcher derselbe anerkennt, daß Preußen den Krieg eher zu vermeiden als zu bejchleunltzen stichle und daß die kaiserliche Regierung die alleinige Schuld an dem Kriege trug. Man darf dieser Zeugen -ussage, die wohl bald im Wortlaut erscheinen wird, gewiß mit großem Interesse entgegenjehen.
In Italien hat da« Ministerium den Oppo- fitionsangriffen im Parlament bis jetzt siegreich wider- standen, wenn schon die Stellung desselben keine sehr feste ist. ____
Ein Duell.
Aus den Erinnerungen eine« Arztes- «Fortsetzung.)
fiert Doktor, ich Hobe Sie getäuscht, nahm mein Begleiter das Wort, und ber Ton, den er jetzt an schlug, klang weniger höflich, wie vorhin, er ließ mich erkennen, daß ich in eine Falle gegangen war, aus der ich nicht mehr entrinnen konnte. Nicht einem Kranken, sondern einem Zweikampf auf Leben und Tod gilt Zhr Besuch, und wir verlangen von Ihnen weiter nicht- als Ihre Gegenwart, damit sie im Nothsalle bezeugen können, daß der Gefallene nicht ermordet, sondern im ehrlichen Zweikampf geiöctet worden. — DaS ist ein sonderbares Verlangen, erwieberte ich bestürzt wenn sic glauben... — Erlauben Sic, fiel der zweite Herr mit sonorer Stimme mir in’« Wort, was Sie sagen wollen, wiffen wir sehr genau, verschwenden Sie deshalb die Zeit nicht mit Einwen düngen und guten Rathjchlägen. Die Motive des Zweikampfes, sowie unsere Namen werden Ihnen verschwiegen bleiben, und eben , weil das Alles geheim bleiben soll, ziehen wir keine Secundanten hinzu. - Ich wollte ans Fenster eilen, ich war fest entschlossen, da« Duell ohne Secundanten zu verhindern. Aber ehe ich das Fenster erreicht hatte, sah ich schon die Spitze eines Degen« auf meine Brust gerichtet; ich las tu hem ernsten, drohenden Blick Beider, daß ich für die
AuSiührung meines Entschlusses mein Leben einsetzte. „Fügen Sie sich sckweigend unserem Wunsch, sagte der junge Mann, der mich im Parke angeredet hatte, hartnäckiger Widerstand würde Ihnen da« Leben kosten, während auf der andern Seite Ihrer eine glänzende Belohnung wartet. Wir werden die Waffen nach allen Regeln der Fechtkunst führen; sobald Sie bemerken, daß wir es nicht thmi, geben wir Ihnen das Recht, uns Halt zu gebieten. Und nun vorwärts!" — Tie beiden Henen legten aus, die schmalen, spitzen Klingen klirrten unheimlich. Ich hoffte, jetzt mich unbemerkt dem Fenster nähern zu tönnen, ich war noch immer entschlossen, es zu offnen und um Hülfe zu rusin Aber ich hatte kaum den ersten Schritt gemacht , als ich abermals die Spitze der Waffe auf mich gerichtet sah, und die wiederholte, ernste War nung, mein Leden nicht tollkühn zu wagen, bewog mich, meinen Entschluß fallen zu lassen und mich dem Willen der Beiden zu fügen. Die Erbitterung, mit welcher der Kamps geführt wurde, die wtlde verzehrende Gluth in den Blicken Beider, die unartifulirten Töne, welche dann und wann den Lippen sich entrangen , das Alle« li.ß mich erkennen, daß diesem Duell ein gegenseitiger, glühender Haß zu Grunde lag, ein Haß, den nur der Tod tilgen konnte.
Wohl eine Viertelstunde hatte der Kampf gewährt, als plotzl ch der Herr, ber mich in die Halle gelockt
hatte, mit einem lauten heiseren Schrei niedersank. Ich eilte hinzu, der erste Blick belehrte mich, daß die Klinge bas Herz durchbohrt hatte. Der Gegner beugte sich über den Sterbenden, er schaute ihm mit einem Blick deS leidenschaftlichsten HaffeS ins brechende Auge, dann wandte er sich zu mir. Wird er gerettet werden? fragte er, und der kühle, theilnahmlose Ton, in welchem er diese Frage an mick richtete, empörte mich tief. Er laS in meinem Gesicht die Antwort, ich sühnte mich nicht fähig, ein Wort über die Lippen zu bringen. Desto besser, fuhr er fort, für uns Beide hatte die Erde keinen Raum. Dort auf dem Tische finden Sie ihr Honorar und eine zweite Summe, welche Sie in den Stand setzt, den Todten beerdigen zu laffen. Forschen Sie mir nicht nach, Ihre Nachforschungen würben zu keinem Resultate führen, und ich sähe mich genöthigt, sobald dieselben mir unbequem würden, Sie für immer zu beseitigen. Leben Sie wohl. Ich hatte jedes dieser Worte scharf und deutlich vernommen, aber sie machten keinen Eindruck auf mich, erst später, al8 ich mich ihrer wieder entsann, lühlte ich die Drohungen, die in ihnen lagen. Ich bemerkte nicht einmal, daß der junge Mann sich entfernte, und doch wäre e« meine Pflicht gewesen, wenigstens den Versuch zu machen, ihn festzuhalten. Der Gefallene verschied in meinen Armen, er hatte keine meiner Fragen beantwortet, nur einmal hörte ich ihn