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Ularßurg, Sonnabend, den 7. Dezember.
1872
I Oderhessische Zeitung.
ing.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da« Quartal der Oberhessische» Zeitung mit Lrri«blatt durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 88; Lgr., durch die Postämter 87 ®gr. 6 Vfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für da« Ausland excl. Stempel 88 Gar. — In'ertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreau« nehmen Inserate au-
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»Deutsches Strich.
•• Berlin, 5. Decbr. Das heutige Volum des Herrenhauses, welches unter Zustimmung der Führer der äußersten Rechten gefaßt ist, ist wohl von großer Bedeutung insofern, alö dadurch ausgesprochen worden ist, daß von Seiten der Ultraconservativen der for- oieikit Behandlung der KreiSordnung keine Schwie- rigkeiten bereitet werden; allerdings schließt dieses Volum nicht auS, daß die sachliche Behandlung der Bvrlage mit etwas mehr Bedenken der Herren Kleist gtetzow und Consorten begleitet sein wird, wiewohl cd den Anschein hat, als hätten in der letzten Stunde die Rathschläge der Besonnenheit, die auch von Herrn p. Plötz unterstützt worden sind, Platz gegriffen. Es genügt daher für heute zu bekennen, daß das Votum de« Herrenhauses in Bezug auf den geschäftlichen Theii der nächsten Arbeit des Herrenhauses ein erfreuliches zu nennen ist. — Die Anwesenheit Graf Eulen durgS im Herrenhause straft die Gerüchte Lügen, welche von einer bedenklichen Krankheit desselben wissen wollten; der Minister konnte nicht nur im 'Herrenhause zugegen sein, sondern er hat ebenfalls der nach der Herrenhaus-Sitzung im Herrenhause abgehaltenen Mi- nisterberathung beigewohnt. — Fortwährend wird das Verhalten des Fürsten Bismarck wahrend der letzten KrisiS in der Presse besprochen, es muß daher nochmals wiederholt werden, daß die letzte Entscheidung des Staatsministerium« über die beschränkte Zahl der Pairs in vollem Einverständniß mit dem Fürsten getroffen ist und sind daher alle Gerüchte über Diffe- tenzen innerhalb des Ministeriums over über Differenzen de« Ministerpräsidenten mit dem Grafen Eulen- turg als jeder Begründung entbehrend zu bezeichnen. ♦- Das katholische Blatt „Germania" führt gegen die „Prov.-Eorresp " eine scharfe Polemik, daß daS halbamtliche Blatt das Centrum des Abgeordneten Hauses „katholische Partei" nennt. Wenn es überhaupt sonderbar erscheint, daß ein Blatt, daS die katholischen Interessen vertritt, gegen die Bezeichnung „katholisch" Opposition macht, so muß es in diesem Falle um so mehr lächerlich erscheinen, da der Gegenstand der Verhandlungen im Abgeordnetenhause, deren die „Prov Correjp." Erwähnung thut, rein katholisches Interesse hatte. — Die Arbeiten für den Bericht über die Ernte in Preußen, welcher von dem Büreau deS Landes .Oekonomie Collegiums zusammenzustellen ist, »erten jedenfalls vor Weihnachten ihren Abschluß
'Ein Duell.*)
Aus den Erinnerungen eines Arztes.
Ich war Badearzt. Zeder meiner College», der tiefe Stellung eingenommen hat, wird sehr gut wissen, Bit wenig beneidenswerth dieselbe ist. Jeder Badegast fordert besondere Rückstckten für seine fchätzenswerthe Person, jeder verlangt von der Cur seine völlige Ge »esung von Leiben, die nur zu oft in einer krankhaften Einbildung beruhen. Wie oft, wenn die Geduld mir rij, sah ich mich genöthigt, einer nervenschwachen Dame i» erklären, sie möge gütigst bedenken, daß ihr Hausarzt sie mir deshalb zugeschickt habe, um für einige Hoche» von ihren Klagen und Lamentationen befreit M sein! Das war grob, aber wie ost mußte ich schwei zwd Grobheiten anhören, die mich trafen, obscbon sie to Grunde an die Adresse der Verwaltung gerichtet U>aren. Sagte ich meinen Patienten die Wahrheit, so tonnten sie mich grob, ließ ich es bei halben Worten, totem Achselzucken und einer zweifelnden Miene beenden, so schalte» sie mich einen Ignoranten — Mich, nur hinter meinem Rücken, aber es wurde M dafür gesorgt, daß ich es erfuhr. Aber davon Mte ich ja nicht sprechen. Meine Patienten hatten ^><h an einem schwülen Sornrnertaze so recht in de« Wortes vollster Bedeutung gehetzt; Jeder verlangte ®it mir zu reden, Jeder wollte mich zu Rathe ziehen, hätten sie sich verabredet, mir heute einmal das «btn recht sauer zu machen. Der Herr Baron klagte *bet Zahnweh, die Frau Geheimrath litt an ihrem torvöje» Kopfweh, das gnädige Fräulein hatte Lang- ■tile, der Herr Commerzienralh, der sich seiner Lauf-
*) Nachdruck »erboten-
finden. Der Bericht wird dem „Reichs- und Staatsanzeiger" sowie den „Annalen der Landwirthschaft" beigelegt werden. — In dem Rudolphorum zu Wien ist eine große Anzahl von Zimmern zur Disposition gestellt, um von Lehrern, welche die Ausstellung besuche», unentgeltlich benützt werden können. — Aus Preußen sind im vorigen Jahre 74,600,000 (Str. Steinkohlen, 17,000 (Str. Braunkohlen und 1,632,000 (Str. Torf auSgeführt, was immerhin auf einen großen Reichthum des Bodens schließen läßt.
— Die „Krenzztg." erfährt, daß die Commission für da- Reichstagsgebäude das Expropriation« Ver- fahren hinsichtlich des RaezynSki'schen Palais am Königsplatze beantragt. — Dasselbe Blatt vernimmt, daß v. d. Heydt aus Gesundheitsrücksichten die Berufung ins Herrenhaus abgelehnt habe. — DaS Gerücht, daß der Laubrath v. Arnim Boitzenburg an die Stelle des Oberpräsidenten Stolberg nach Hannover treten werde, ist der „Kreuzztg." zufolge unbegründet.
Coblenz, 4. Dec. Die „Cobl. Ztg." schreibt: „In Lützel-Coblenz ist heute Vormiitag an einem aus Graz in Oesterreich eingeführten Mast-Ochsen die Rinderpest constatirt worden.
Stuttgart, 5. Dec, Nach einer zweitägigen Generaldebatte über den Gesetzentwurf, betreffend den Bau einer Eisenbahn von Stuttgart Über Böblingen nach Freudenstadt und einer Murrthalbahn verwarf die Abgeordnetenkammer heute den Antrag der Com missionS-Minorität auf motivirte Tagesordnung mit 79 gegen 8 Stimmen.
Ausland.
Wie», 4. Dec. Der niederösterreichische Landtag hat gestern den Antrag des Verfassungsausschnsses, betreffend die gegen die Jestiiten zu ergreifenden Maßregeln, nach langer Debatte fast einstimmig angenommen. — Der Kaiser hat dem Präsiventen des Abgeordnetenhauses v. Hopfen in Anerkennung seiner Verdienste das Commandeurkreuz des Levpoldsordens Verliehen.
Pest, 5. Decbr. Im Unterhaus kommt ein königliches Rescript zur Verlesung, durch welches Szlavy zum Minister-Präsidenten, Graf Zichy jun. zum Ha» delsminister ernannt und die bisherigen Minister der übrigen Ressorts in ihren Aemtcril bestätigt werden. Szlavy erklärt, das Ministerium werde die bisherige Richtung befolgen, so lange eS das Vertrauen der Majorität besitze, zählt die BeralhungSgegenstände der bahn als Hausknecht und ihrer Beschwerden nicht mehr erinnern wollte, verlangte, daß binnen kürzester Frist eine GlaShalle gebaut werde, eine Glashalle mit Palmen und andern Tropeugewächsetr, unter betten man bei solcher Hitze sich Kühlung zufächrln könne — kurz, Jeder hatte ein anderes Anliegen, und ich sollte die Wünsche eines Jeden befriedigen.
Erschöpft, in der reizbarsten Stimmung, eilte ich am Abend in den Park, um dort im kühlen Schatten der Eichen und Buchen auszuruhen, fest entschlosseit, für heute mein mühfaMeS Tagewerk als beendet zu betrachten. Ich faß nicht lange auf der Bank, als ein schlankgewachsener, junger Herr mit einem intelligenten Gesicht sich zu mir gesellte. Nach einigen kurzen, einleitenden Worten bat et mich, ihn zu einem schwer erkrankten Freunde zu begleiten, der feine letzte Hoffnung auf meine oft bewährte Kunst gesetzt habe. Ich wollte die Erfüllung dieser Bitte verweigern, aber der junge Herr richtete sie in einem so höflichen und gleichzeitig dringenden Tone an mich, daß ich nicht wohl mich weigern konnte. Wir werden freilich eine kurze Strecke zu Fuß wandern müffen, sagte er, als ich zö gernb mich erhob, aber Sie sollen für Ihre Mühe entschädigt werden. — Der Kranke liegt also nicht im Städtchen? fragte ich. — Rein, in einem nicht weit von hier entfernten Dorfe hat er sich einquartiert, sein Zustand verlangt die äußerste Ruhe — Wir traten eie Wanderung an; mein Begleiter war ernst und schweigsam, an seiner Einfylbigkeit scheiterte jeder Versuch, eine Unterhaltung mit ihm anzuknüpfen. Nach einer halben Stunde erreichten wir das Dorf. Der junge Herr führte mich in ein« der kleinen Häuser, die ein spekulativer Unbernehmer gebaut hatte, um sie
laufenden Session, darunter insbesondere die Regelung der Landesfinanzen, auf, kündigt Gesetzvorlagen betreffs der neuen Anleihe, sowie Vorlagen betreffs der Steuerreform an, bittet um die Unterstützung des Hauses und empfiehlt Mäßigung und Besonnenheit.
Luzer«, 5. Dec. Der hiesige Sladtrath hatte dem Professor Reincken« von Breslau die Frauziskaner- kirche auf heute Nachmittag bewilligt. Der Regierung«- rath erließ aber heute ein Gegenverbot.
Paris, 3. Decbr. Mehrere Blätter der englischen Hauptstadt haben specielle Berichterstatter nach Paris gesandt, da man in London meint, daß es hier baldigst losgehen werde. Seit der Freitagssttzuug, wo Thiers seinen Sieg erfocht, ist es aber sehr unwahrscheinlich, daß Frankreich in der nächsten Zeit wieder der Schauplatz von blutigen Ereignissen sein sollte. Die Lage ist zwar fartwähreud eine äußerst ernste; aber wenn Thiers nicht schwach wird, wenn er der Rechten entschlossen die Spitze bietet und seine Entlastung nicht gibt, so wird, wenn nicht ganz unerwartete Ereigniste eintreten, die Ruhe nicht gestört werden. In vielen Theilen Frankreichs, besonders im Süden, herrsche» übrigens auch große Besorgnisse, und Thier« erhält fast täglich die Besuche der angesehensten Leute au« Lyon, Marseille, Nimes u. s. w., die ihn beschwören, unter keinen Umständen zurückzutrelen, da sonst Alle« verloren sei. Die betreffenden Leute, die fast alle der liberal-conservativen Partei angehören (eS befinden sich darunter Leute, die 300- bis 400,000 Franken Rente besitze»), haben jedoch keine Furcht vor de» Radikale», die, wie sie wisse», sich ruhig verhalten wolle», sondern vor der clerical-royalistische» Partei, die im Süden Frankreichs vollständig organifirt und äußerst fanatisch ilt und welche die Demission von Thiers und die Proklamation des „Gouvernement de Combat“ dazu benutzen will, um über ihre Gegner, die Radikalen, die Republikaner und die Liberalen, herzufallen und sie niederzumetzeln, d. h. die ©eenen zu erneuern, welche in jenen Gegenden stattfanden, als 1814/15 die Bourbonen nach Frankreich zurückkehrten. So lange Thiers die Gewalt in Händen hat, ist von diesen Leuten nichts zu fürchten, da sie wisten, daß ein jeder Versuch ihrerseits von der bewaffneten Macht niedergeschlagen würde; trit aber Thiers zurück und kommt das „Gouvernement de Combat“ an« Ruder, so werden von der Geistlichkeit fanatifirte Leute sich nicht mehr zurückhalten lasten. An Rathschlägen, um an Badegäste zu vermiethen. Ich wurde gebeten, in einem Zimmer zu »arten, und glaubte, al« mein Begleiter dasselbe verließ, die Wahrnehmung zu madjen, baß er die Thüre hinter sich schloß. Da« fiel mir auf, ich eilte zur Thür und fand, daß ich mich nicht getäuscht hatte, ich war gefangen. WaS bebrütete daS? War es absichtlich ober in der Zerstreutheit geschehen? Weshalb hatte man mich nicht sofort an daS Lager des Kranken geführt? Ich fand keine Zeit, auf diese mich beunruhigenden Fragen eine Antwort zu suchen, denn schon »ach einigen Minuten trat der junge Herr wieder ein. Ein zweiter Herr begleitete ihn, und ich bemerkte zu meiner Ueberraschung, daß Jeder von ihnen einen Degen trug.
(Fortsetzung folgt.)
Die Eefchiitzfraße
steht bei allen Staate» des ContinentS im Vordergrund , seitdem im letzten Feldzuge die bomirurrnbe Bedeutung biefer Waffe burch bie Erfolge der preußischen Geschütze so zu sagen erst zur rechten Geltung gelangt ist. Es besteht in biefer Hinsicht ein mit mehr ober weniger Oftentation geführter Wettkampf zwischen den tonangebenden fünf Großmächten Europa«: Frankreich, England, Rußland, Oesterreich und Deutschland, sowie auch die Staaten zweiten Ranges, wie Italien, Spanien, Belgien, die Schweiz, die Türkei re. der Frage ein mehr als gewöhnliche« Jntereste widmen. Wen» wir die hier zufällig aufgestellte Reihenfolge innehalten, fällt unser enter Blick auf Frankreich, und correspondirenb erinnern wir uns zuvörderst an Trouville. Das Fiasko der französischen Ar- tiHerie ist zu offenkundig, um hier irgendwie bemäntelt