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r< 288. Marburg, Freitag, den 6. Dezember. L872.

"fcfieint tiialich außer den Werltagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal btt Oberhesfische« Zeitung mit Kreisblatt durch dre Expedition (Koch'sch» ^»uck druck er ei)-bezogen St) «ar., butti» die Postämter 27 ®gr. 0 Vfg. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), sur das Ausland excl. Stempel 1t »gr. Jnlertionegebühr für dir gespaltene Zeile 1 Sgr.. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

Deutsches Reich.

.. Derltu, 4, Decbr. Es ist in RegieruugS- steiftn seit einigen Tagen bekannt, daß Fürst BiS- «arck die Absicht hege, hn Laufe deS Monat« ®e= ttetber hier einzutreffen; wenn jedoch dieKreuzztg." w 15. «IS den Tag der Ankunft bestimmt, so bürfte hjks doch einigem Zweifel begegnen. - Die heutige Prov. Correfp." hebt in ihrem LeitartikelNeue Be «sungen ins Herrenhaus" nochmals die Motive her­vor, welche maßgebend gewesen sind, von dem Prä roaatibe der Krone Gebrauch zu machen, und bemerkt Mann im weiteren Berlauf, daß es sich zunächst M Durchdringung der Kreisordnung hierbei gehandel, habe daß aber im Allgemeinen durch diesen Act die Kuigliebe Autorität, der feste Entschluß der Krone au-gedrückt sei, die weitere Entwickelung deS Staats­lebens nicht zum Stillstand bringen zu lassen. Die frone hat aber bei dem Gebraute ihres Rechtes zu gleich eine Rücksicht auf die Ueberzeugung der bis­herigen Mehrcheit des Herrenhauses selbst gehabt, so schreibt das halbamtliche Blatt weiter, und gibt da durch zu erkennen, daß man allerhöchsten OrtS dem Herrenhaus habe Zeit zur Umkchr von seiner irrihüm liehen Auffassung geben wollen. lieber die Stet lang, welche Fürst Bismarck zu der Maßregel der jetzt ernannten Herrenhausmitglieber einnimmt, sind in ber Presse noch immer unklare Ansichten verbreitet lind wird namentlich behauptet, daß Fürst Bismarck «n der ursprünglich beabsichiigten Z-Hl von Pairs skstgehalten und hierüber eine Deickichrift eingefmet habe. Diese Auffassung ist durchaus irrig, Fürst vismarck hat sich mit der jetzt vollzogenen Maßregel Des PairSschubs einverstanden erklärt, sich aber, wie Western bereit« angtbetettt worben «t, die weitere Re- form des Herrenhauses unter seiner individuellen Seitmig Vorbehalten. Wenn in den Blättern Ba­rianten über die Namen Vorkommen, so hat diese Verschiedenheit nicht einen thatfächlichen Grund, in­dem Se. Majestät den Wunsch hegte, de» 25 ans der Liste stehenden PairS noch einige Namen hinzu- juiügen; dies ist geschehen, indem General v. Stein wetz vom Könige zugeschrieben wurde, so daß 26 neue Pairö waren, indem Herr v. d. Heydt und Dirkl. Geh. Ober RegierungSrath Wehner auS Ge smidheitSrücksichten die Zurücknahme ihrer Erneniiung liachgesucht haben, welchem Gesuche auch wohl Folge gegeben werde» dürfte. Daß Minister Delbrück nicht in der Liste verzeichnet ist, dürfte sich leicht dadurch erklären, daß man einen so sehr mit Arbeiten in An­spruch genommenen Beamten nicht noch mehr Pflichten Verlegen wollte. DieBoss. Zig." unterwirft mit bekannter rabicaler Geringschätzung die Maßregel

der Regierung und meint hierbei, die osficiöse Presie sei Schuld an der Geringschätzung, mit welcher jetzt diese halbe Maßregel ber Regierung krmsirt werde. DieBost. Ztg." scheint alle Nachrichten, die sich über den Pairsschub in der Presse gefunden haben, für officiös zu halten; würde sie die osficiösen Er­klärungen gelesen haben, so würde sie gesunden haben, daß diese gerade stet« vor allein Ungestüm gewarnt haben.

4. Dce. Die heutigeProv.-Eorresp." hebt hervor, daß bei der nunmehr vollendeten ersten Aus­hebung ber Militärpflichtigen von Elsaß - Lothringen die größte Ruhe und Ordnung geherrscht habe. Bor Der Musteruiigscommission erschienen 7455 Militär pflichtige; davon wurden 3392 svfsrt brauchbar be­funden, 553 wegen häuslicher Verhältnisse auf spätere Zeit zurückgestellt. Außerdem treten Freiwillige in ehr großer Anzahl ins Heer ein, namentlich Frei willige auf 3 bis 4 Jahre.

Kiel, 2. Dec. Nach dem ersten Gabenverzeichiriß deS schleswig-holsteinischen Prvvinzialcomils's für die durch die Sturmfluih besckädigten Bewohner der ichleswig-holsteinischen Ostküste, welches dieKiol Zeitung" veröffentlicht, sind 75,083 Thir. eingegangen, oavon sind in Schleswig-Holstein selbst ca. 62,500 Thlr. gesammelt.

Stuttgart, 4. Dec. Der Minister des Aus wärtigeit uno der BerkehrSanstattenj, v. Wächter, er­klärt in Beantwortung ber jüngst gestellten Inter pellation wegen der Mangelhaftigkeit des telegraphischen Verkehr« auf der Linie Siuttgarl-Frankfurt a. M. in ber Abgeordnetenkammer, daß eine Drahtverbindung über Hof den gerügten Mängch abhelfen werde.

®tr<r@bnrg, 3. Dec. Die Conscription ist be­endigt. Folgendes ist das Resultat: das Kontingent Elsaß-Lothringens würbe nach (einer Bevölkerung 5296 Mann betragen. Gestellt haben sich zur Musterung 7454. Hätte man es barauf angelegt, mit Zahlen zu prunken und in biesem Jahre schon baS normale Kontingent aruzubringen, es wäre, wie competente Urtheiler berichten, leicht möglich gewesen Man zog es vor, äußerste Milde und Berücksichtigung ber gegebenen Verhältnisse walten zu lasten und hob aus 3945. von denen 553 wegen häuslicher Verhält niste zurückgestellt wurden, während 3392 an die be­treffenden Abtheilungen distribuirt worden sind. Zu jenen 3945 kommen noch die Einjährig- und Drei jährig-Freiwilligen der Altersklasse, deren Zahl, welche aber mindestens 300 beträgt, man noch nicht kennt, so baß also die Gesammtzahl aus dem JahreScontingente über 4200 beträgt. Diese Zahlen sprechen so vernehm­lich, baß wir nichts mehr hinzuzusetzen haben.

Ausland.

Wie«, 3. Decbr. In neuester Zeit ist hier eine Serie neuer Bau-Actiengesellschasten entstanden in einer bisher ganz unerhörten Ausdehnung. Die Parcel- lirungS- und Baugesellschaft, die Militärbaugesellschaft, die Realitätengesellschaft, die Bau- und Miethgesell- schajt und wer weiß, was die nächste Zukunft sonst noch in dieser Beziehung bringen wird. Diese Er­scheinung ist ein Zeichen der nahen Weltausstellung. Die ungeheuere Thätigkeit, welche sich im Prater auf Dem neuen Weltausstrllnngsplatz entfaltet, die täglich eingehenDen Bestellungen von Wohnungen für Tau­sende von Fremden beleben Die Bauthätigkcit in einem bisher ungewohnten Grade, Wien sicht feit einem Jahre saft ein neue« Wien auf den bisher unbebauten Plätzen entstehen und die Wahrnehmung, daß trotz dieser ganz enormen Anstrengungen, Obdach für die in Aussicht stehenden Fremden zu schaffen, noch immer für daS Bedürfniß genug zu thun übrig bleibt, ver­leiht Spekulanten einen neuen Muth zur Gründung neuer Baugesellschaften Die Papiere dieser Gesell­schaften gehen reißend und der erforderliche Grund und Boden ist noch immer im Uebermaaß vorhanden, )o daß auch noch für die Folgezeit viele neue Bauge- ftllschaften Raum finden werden Bon ganz beson­derer Reichhaltigkeit und Anziehungskraft wird vor­aussichtlich die egyptische Abtheilung der WcktauSstel- lung werben. Professor Brugsch, der Leiter dieser Abtheilung, ist mit einem im Jistchristenfachc sehr wohlbewanderten Mann, Scheck Achmed, Herzog zu Ismail, aus Kairo hier eingetroffen, um Alles für Die Bollendung der egyptischen Ausstellung Erforder­liche anzuordnen. Der Scheik übernimmt die Aus­schmückung der Moscheen und dcS für den Khedive bestimmten Gebäudes. 2000 der werthvollsten Ge­genstände und seltensten Kostbarkeiten sind bereit« in Kairo catalogisirt und letztere zur Absendung nach Wie» bereit. ES befinden sich darunter Seltenheiten, die bisher nie in Europa ausgestellt wurden au« Khartum, Sennaar, Dongolo, Massaura, Sunkin u. s. w. Der Khedive wird daher den Ruf der Prachtliebe, den er schon seit längerer Zeit in Europa genießt, auf jede Weise zu rechtfertigen suchm. (D. Pr.)

Bern, 4. Dec. Laut Berichten aus Rom ist die italienische Regierung auf den Antrag Borelli's, betreffend Betheiligung der italienischen Ingenieure an dem großen Gotthard-Tunnelbau, als dem Vertrage von Bern zuwiderlaufend, nicht eingegangen.

Paris, 3. Dec. Man glaubt nicht, daß die Budget Kommission vor Schluß des Jahres ihre Aus­gabe beendet haben wird. Der Finanz Minister hat deshalb einen Gesetzentwurf vorbereitet, der ihn er-

Hytziknischk Eigenschaften der Kleider.

(Schluß.)

v. Pettenkofer Hat verschiedene Kleiderzeuge auf ihre Lufidurchgängigkeit geprüft und verglichen. Er hat zu diesem Zwecke die Zeuge über die Enden von Glasröhren festgezogen, deren lichte Querschnitte unter sich gleich groß waren. Tann preßte er au« einem Gasometer unter gleichem Druck in gleicher Zeit Lust durch diese Röhren und untersuchte, wie viel Luft ans dim Gasometer entwichen war, je nachdem die Röhren mit Wolle, Leinwand, Seide oder Leder rc. verschlossen Karen.

Auf diese Weise hat v. Pettenkofer gesunden, daß th einer Minute durch eine kreisrunde Fläche von 1 Eentimeter Durchmesser folgende Mengen Lust durch verschiedene Zeuge gingen:

durch Leinwand 6,03 Liter

Flanell 10,41

Buckskin 6,07

weißgarcS Handschuhledcr 0,15

, saemisches (Waschleder) 5 37

Seidenzeug 4,14

Man sieht daraus, daß ein Kleid luftig, stark luftdurchlässig und dennoch warm sein kann, und daß « bezüglich des WarmhaltenS viel mehr auf andere Eigenschaften des Stoffes als auf das Mehr oder Weniger Luft, welche« er durchläßt, aufkommt Lein dand und Buckskin lasten nahezu gleiche Mengen Luft

durch aber um wie viel hält letzteres wärmer al« erstereS. Da« sacmischc (Wasch-) Leder gibt angenehme warme Handschuhe und Beinkleider, während em Hand schuh von Glacs Leder erfahrungsgemäß viel weniger warm hält, obschon er nur ben fünfzigsten Theil Luft durchläßt.

Merkwürdigerweise läßt wattirteS Seidenzeug nicht weniger Luftmengen durch sich hindurchgehen als ein lache Seide. Und doch weiß Jedermann, daß wattirte Seide viel wärmer hält, als einfache unwattirte. Aehiilich verhält es sich mit andern Kleidungsstoffen Eine doppelte Lage ßeinwanb wärmt vielmehr als eine einfache; und dennoch hat die Verdoppelung der Lei- nenschichte auf die Hemmung des Luststromes keinen nenneirswerthen Einfluß.

Nasse Leinwand wehrt die Luft so stark ob, daß sie bei dem vorerwähnten Versuche in einer Minute nicht 10 Kubikcemimeter Luft hindurchläßt, wogegen trockene Leinwand bei demselben Luftdrücke für 6000 Kubikcentimeter Luft burebgängig ist. Und doch, wie kalt berührt uns die naste Leinwand, trotztet» sie uns die Luft fast vollständig vom Leibe hält, wogegen das trockene Seinen, obschon es 6U0mai mehr Lust zur Haut treten läßt al« Da« nasse, uns in angenehmer Wärme erhält.

Was also den Luftwechsel unserer Haut anbelangt, so brauchen und so sollen unsere Kleidungsstoffe so gewählt sein, daß sie die Stromschnelle der Lust zwtfchen

Haut und Kleidern nur bis zu dem Grade mäßigen, daß unsere Hauptnerven den Luststrom nicht mehr al« bewegten Körper empfinden. Wir bezeichnen diesen Grad der Lustbewegung al« Windstille, trotzdem er nichts weniger als eine Bewegungslosigkeit der Luft ist. Wenn wir im freien Windstille annehmen, be­trägt die Geschwindigkeit der Luftströmung einen halben Meter in der Sekunde.

Dadurch, daß unsere Kleider auf allen Punkten die eindringende Luft der bedeckten Körperoberfläche arretiren und ihren raschen Wellenschlag zur Haut hin brechen, befinden wir uns in unseren Kleidern so, als wenn wir nackt in der windstillen freien Atmosphäre bei einer Temperatur von 2430 Grad K. wären. Mit den großen Wärmemengen, welche von der nackten Körperoberfläche allseitig ausstrahlen und nicht weiter benutzt werden, Heizen wir beständig die durch die Maschen und Poren der Zeuge hindurchstreichende wechselnde Lust, indem die Kleiderstoffe die ausstrahlende Warme auffangen und längere Zeit zurückhalten. Unsere Kleider sind einer calorischen Maschine oder einem Ofen vergleichbar, der von der geborgten Abhitze unseres Körpers geheizt wird, damit er die über unsere Haut sich bewegende Luftschichten heize. Wir würden den Wärmeverlust der Kleideroberfläche als Frost empfinden, wenn die EmpfindungSnerven unserer Haut sich in die Substanz der Kleider fortsetzten; wir ver­legen aber durch die Bekleidung den Ort der A«S-