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sämmtliche Minister geblieben. DaS neue Eabinet hat auch schon seinen Namen. Die Abgeordneten nennen eS das ungarische Bürger-Ministerium.

Bern, 3. Dec. Der Nationalrach wies die Wahl- beschwcrke gegen Oberst Arnold als unbegründet ab und erklärte alle Wahlen, mit Ausnahme iämmtlicher Tessiner und der Sprechers (Graubündlen) für gültig lieber diese wird die Commission später berichten. Tie Betreffenden behalten inzwischen ihre Sitze. Zum Präsidenten wurde im ersten ScrutiniunrWirtb Sand (der bisherige Vic.präsident) mit 91 von 114 ©tim men, zum Vicepräsidenten im ersten Scrutinium Desor gewählt.

Paris, 2. Dec. Heute vor 21 Jahren führte Louis Napoleon seinen Staatsstreich aus: die republi- konischen Blätter weisen heule auf die Rechte hin, die schamlos genug sei,'sich mit den December - Männern zu verbinden, die ja doch auch von ihnen früher so furchtbar gebrandmarkt worden und welche der Ab­schaum der Nation seien. Namentlich sind die „Debats" über dieses Auftreten der Rechten im höchsten Grade empört, und es will ihnen nicht in den Kops, daß ihre ehemaligen Freunde durch ihren blinden Haß gegen die Republik ffch so weit vergessen, mit denen gemeinschaftliche Sache zu machen, die sie vor 21 Jahren in Mazao einsperrlen, und Rouher, den man vor sechs Monaten in der National Versamnilung nicht zu Wone kommen ließ, unter die Zahl ihrer Führer aufzunehmen. Die bouapartistischen Blätter sind, seit sie die Royalisten in ihre Reihen ausgenommen haben, frecher geworden denn je, und sie gehen heute so weil, den Staatsstreich wieder als eine vollendete Thal zu beloben. Die „Republique Franxaise", das Organ Gamdetta's, welche eine kurze Darstellung der Ereig- niffe deS verhängnißvollen December Monats von 1851 gibt, schließt ihren Artikel mit den Worten: „Zum Glücke ist Alles für die zu Ende, welche durch einerlei welche Mittel und einerlei welche Fahne einen neuen 2. December unter einem neuen Capet, einem Orleans oder einem Bonaparte versuchen wollten. Frankreich ist auf seiner Hut. Es erinnert sich fortwährend des 2.Dccernbers." Jedenfalls drückt sich das Gambetta'sche Organ aber mit etwas zu großer Zuversicht aus. Die Aussichten der Bonapartislen sind seit Freitag, d. h seit ihrem Bunde mit den Royalisten, viel größer geworden. Das Treiben der Rechten ist unter den jetzigen Umständen ein höchst gefährliches: eS ist nicht unmöglich, daß es ihnen gelingt, Thiers zu stürzen; in diesem Falle aber werden sie nur für die Bonapar- tisten ober die Radikalen gearbeitet haben und in dem einen Falle in's Ausland, in dem anderen nach Cayenne wandern. Thiers selbst kann trotz der ernsten Lage aus dem von ihm bis jetzt verfolgten System nicht heraus und zu keinem energischen Entschlüsse konnnen. Er war heute in Paris, um sein HanS am Platze St. Georges zn besuchen. Die Polizei hatte groß artige Vorsichtsmaßregeln ergriffen; es scheint, daß sie einen Handstreich befürchtet.

Rom, 29. Novbr. Seil dem 25. d. M. tagt hier der erste italienische Juristentag. Präsident des­selben ist Adv. Marchetti. Die Zahl der Anwesenden beträgt etwa 200. Zwei Tage vergingen mit den üblichen Vorbercitungsgeschäften. Die erste Sitzung sand eigentlich erst gestern statt Die Reform des Civilprozesses bildet das wesentlichste Thema der Ver­handlungen. Für die auszuarbeitenden Statuten des

Juristentags wurden die Statuten des deutschen Ju- ristentags als Muster empfohlen. Auch in der Er­öffnungsrede des Präsidenten wurde deö deutschen JuristentaaeS rühmend gedacht.

Washington, 2. Dec. Heute hat die Eröff­nung des Congresses stattgefunden Die Botschaft des Ptäsidenten erwähnt den tiefen Frieden, welcher im Innern und nach Außen herrsche, sowie das Wachsen der allgemeinen Landeswohlsahrt, welches nur vorüber­gehend durch das Bostoner Feuer gestört sei. Jrzend- welcke den Frieden störe de Eventualität sei nicht vor­handen , die Differenzen mit England seien in zu­friedenstellendster , Amerikas Politik entsprechender Weise ausgeglichen. In Folge der Entscheidung deS Kaisers Wilhelm in der San Juan-Frage sei auch der letzte die freundlichen Beziehungen zu England verdunkelnde Schatten geschwunden. Amerikas Regie­rung und Volk schuldeten dem Kaiser Wilhelm für seinen mit größter Sorgfalt und Mühe erwogenen Schiedsspruch besonderen Dank, ebenso den treu be­freundeten Mächten, welche die Genfer Schiedsrichter ernannten, bereit Würde, Geduld und Unparteilichkeit die Alabamafrage einer befriedigenden Löiung zuge führt habe. Amerikas Regierung und Volk hätten besonderen Grund, die freundschaftlichen Beziehungen zu Deutschland und Rußland, Amerikas treuen und beständigen Freunden, sowie zu Frankreich, Amerikas ältesten Hinten, aufrecht zu erhalten und könne deren ungetrübte Fortdauer mit Befiiedigung constatirt werden. Die bevorstehende Wiener Weltausstellung werde die Bande gegenseitigen Wohlwollens zwischen den Völkern fester knüpfen und den allgemeinen civili- satorischen Bestrebungen Vorschub leisten. Nach einein anerkennenden Rückblicke auf Juarez' Verwaltung spricht Grant die Hoffnung aus, daß der neue Präsident die an seine Weisheit und seinen Patriotis­mus g> knüpften Erwartungen rechtfertigen und die guten Beziehungen mit Amerika befestigen werde, was um so nothwendiger sei, als den gesetzwidrigen, die Grenzdistricte beunruhigenden Agitationen gesteuert werden müsse. Die Herstellung des FriebenSzustandes auf Cuba sei leider^ noch nicht abzusehen; bie Auf­rechterhaltung ber ©datieret sei der alleinige Grund der Fortdauer der Unruhen, und obgleich der Sieg des ÄusstandeS anscheinend aussichtslos'sei, scheine doch Spanien die Unterdrückung des Aufstandes auch nicht zu gelingen. — T as Repräsentantenhaus ernannte eine Commission zur Prüfung der gegen mehrere Congreßmitglieder gerichteten Anschuldigung der Be­stechlichkeit. Ein Bericht von Bouthwell empfiehlt bie Ausgabe weiterer 5pCt. Bonbs zu den früheren Be- bingungen.

Newyork, 2. Dec. Die Staatsschuld der Ver­einigten Staaten hat im Monat November um 13/16 Millionen abgenommeti. In den Staatscasen sind 68% Mill. Gold und 10% Mill. Papier.

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Fulda, 3. Decbr. Heute Nacht zwischen 2 und 4 Uhr herrschte ein orkanartiger Sturmwind. Man will zu^dieser Zeit ein dumpfes Getöse und erdbeben­artige Schwankungen wahrgenommen haben. Heute früh hatte das Barometer den außergewöhnlich tiefen Stand von 26 Pariser Zoll 10 Linien. — Während des heftigen Sturmwindes soll in RaSdorf ein starker Brand auSgebrochen sein und 18 Gebäude in Asche gelegt haben. — In der Nacht vom Sonntag auf

Montag wurde zu Hünfeld im AmtSgerichtsgebLudk eingebrochen und 250 Thaler gestohlen. (F. Am.) - "> ■■ .XDKU r-1. M ~v - - - --— ... ,, __ V V

Bom Landtage.

Berlin, 3. December.

In der heutigen Sitzung deS Abgeordnetenhauses tu welcher an Stelle des wegen bringenber Amtsge' schäste auf zwei Tage beurlaubten Präsidenten y Forckenbeck Herr v. Köller den Vorsitz führte, bt gann bie GeneraldiSkussion über den Staatshaushalts (Stat für bas Jahr 1873. Für die Vorlage wäre« 9, gegen dieselbe 4 Redner eingez-ichnet. Voti ben letzteren gelangt zunächst Abg Richter (Hagen) zum Wort, und stellte den Antrag, den Etat des Haus« ter Abgeordneten dem Vorstande des Hauses zur Vorprüfung mit der Aufforderung zu überweisen, b« grage wegen Erhöhung der Diäten in Erwägung iU ziehen- Er wies svbann auf die im Laufe bei nächsten Jahres zu erwartende Zahlung weiterer Lummen der französischen Kriegsentschädigung hi« und sprach die Erwartung aus, die zur Vertheilum kommenden Gelder in erster Linie zur Aufhebung bet Ltaatslotterie und zur vollständigen Erstattung der Kriegsleistungen an die communalen Verbände verwen­det werden würde,,. WaS den Etat selbst betreffe, so sei anzuerkennen, daß in vielen Beziehungen den Wünschen deS Landtages Rechnung getragen sei; ins­besondere zeichne sich der Finanzminister durch Klar­heit und Uebersichtlichkeit auS. Der Cultus Etat sei bestrebt gewesen, dasselbe Lob zu verdienen, indessen lasse er doch Vieles zu wünschen übrig; namentlich sei zri tadeln, daß nicht eine vollständige Trennuna des Kirchen- und des Unterrichts - Eiats dnrchgefühn sei. In dem landwirthschastlichen Etat stehe vollends Alles wie Kraut und Rüben durcheinander; wenn der Minister nicht in, Stande sei, einen so kleinen Etat übersichtlich herzusteUen, dann lasse es sich überhaupt nicht vor dem Lande rechtfertigen, für denselben jähr­lich 12,000 Thaler zu bewilligen. Wie der Minister des Innern die sociale Frage durch internationale Konferenzen auf alchymistischem Wege zu lösen versucht habe, jo suche der Handels-Minister diese Ausgabe durch inhaltslose Rescripte zum AuStrag zu bringen. Einer besonderen Berücksichtigung bedürfe auch die Lage der pensionirtei, Beamten; eine Ausbesserung der Ruhegehälter derselben könne natürlich nicht bei den hochstehenden Staatspensionären ein treten, denn diese sanden bei den „Gründungen" sehr erhebliche Neben- tieroienftc. Der Titel eines hohen Staatsbeamten auf dem Prvspect einer Gründung gelte als sehr wirksam; er spiele dabei dieselbe Rolle, wie der Schlepper beim Bauerufang, und der Titel „Excellenz" stehe für solche Zwecke in einem Courö, welcher das Gehalt eines activen Ministers um das Dreifache übersteige — Was die Steuerreformvorlage betreffe, so werde die­selbe nicht zu einer Erleichterung, sondern zu einer Erschwerung der Last der Steuerzahler führen. Alle jetzt in der niedrigsten Unterstufe befindlichen Personen würden durchs die Vorlage in der Steuer gesteigert werden. Die Lalzsteuer solle zwar beseitigt, aber durch Börsen- und Tabakssteuer in reichem Maße ersetzt werden; von einer Abhebung der Zeitungs- und an­derer Steuern sei nicht die Rede. Der einzige Grund, der sich für eine solche Aufhäufung von Einnahmen finden lasse, sei die Bereitstellung von Mitteln für eine weitere Erhöhung des Militäretats; schon aus

netzten Stücken Leinwand und Wolle nachzuwcisen Von einer benetzten Fläche Leinwand verdunstet das Wasser viel schneller, als von einer gleichen Fläche Flanell. Auch hierüber hat 6. Pettenkoser ausgedehnte Versuche angestellt und. die Ergebnisse in einer Tabelle aufgeführt. Um was sich eine Fläche Leinwand leichter benetzt, als eine gleich große Fläche Wolle, um das trocknet sie auch leichter. Die Verdunstung des Wassers aus der Wolle geht nicht so heftig vor sich, wie die aus dem Leinen, aber sie geht bei der Wolle in den einzelnen Zeiträumen ziemlich gleichmäßig fort. Ein zum Trocknen ausgelegtes Stück nasser Leinwand fühlt sich schon viel kälter an und ist in der Thal auch ab­solut kälter, als ein solches Stück nasser Wolle. Wir lernen also eine grabuirte WassersaugungS- und Wasser leitungSfähigkeit der Kleidungsstoffe als ebenso wich­tige hygienische Eigenschaften derselben kennen, wie deren Fähigkeiten, Luft und andere Gase zu beherbergen und zu leiten.

Da wir beständig Wasser, und zwar ziemlich große Mengen und ziemlich schmutziges Waffer aus der Oberstäche unseres Körpers verdunsten, und da dieser Dunst fortwährend m die Luft abgesühr. werden muß, so hat unser Leib das Bedurfniß. beständig von einer wechselnden Schicht zu- und abströmender Lust um- stuthrt zu fein. Alle unsere Kleidungsstücke setzen diesem Bedürfnisse unseres Körpers größeren oder ge­ringeren Widerstand entgegen, doch sind sie selten luftdicht ober wasserdicht. Bei dem Ausdruck „wasser­

dicht" denkt man nur gewöhnlich an dasjenige Waffer, welches von außen auf unsere Körperoberfläche an­bringt; dasjenige Wasser dagegen, welches ans unserer Haut nach außen hinaus will und hinaus muß, wird selten berücksichtigt. Daher die vielen bygienijchen Mißgriffe in der Wahl der Kleider, die verkehrte Sucht nach wasserdichten und luftdichten Hüten, Mützen, Regenröcken, Stiefeln und Ueberschuheu. Luftdichte Zeuge werden uns namentlich bei Bewegung, wo die Haupi- athmung zunimmt, für die Dauer unerträglich, trotz­dem sie der Lust an vielen Punkten Zutritt gestatten Lv ein Mackintosh Rock ist unten und oben und an den Aermeln offen, er hindert nur ben geraden seit­lichen Durchgang der Luft und der Körperdünste, und «doch wie leicht wird er uns lästig, selbst bis nir Un | erträglichkeit.

Zeder lebende Menschenleib veranlaßt durch seine Eigenwärme um feinen eigenen Umfang herum einen aufsteigenden Luftstrvm. Dieser Luftstrvm kommt uns nicht zum Bewußtsein, und gleichwohl ist er so be beutend, daß er kann gemessen werden. Wenn man ein empfindliches Anemometer in der ruhigen Lust eines Zimmers zwischen Oberrock und Weste hält, so bewegen sich die Windflügel des Instrumentes bei kalter Luft schneller, bei warmer Luft langsamer. An dieser immerwährenden Luftströmung nimmt auch die ganze Luftzvne Theil, welche in den Maschen und Ge­weben unserer Kleider und uumittelbar auf unsere Haut citculirt. Die Vorstellung, als wenn ruhende

Luftschichten sich in unseren Kleidern aushielten, erweist sich als ein Jrrthum.

Ueberraschend sind die Wahrnehmungen, wenn man den Widerstand mißt, welchen die verschiedenen Kleider­stoffe der Lust entgegensetzen. Mait findet nämlich, daß gerade diejenigen Stoffe, welche der Luft den leichtesten Durchgang zum Körper gestatten, erfahrungs­gemäß am wärmsten kleiden. Guter Flanell läßt z. B. unter gleichen Umständen fast noch einmal so viel Luft durch, als mittelfeine Leinwand. Der Unterschied also, in welchem unsere Kleidungsstücke einen größeren oder geringeren Luftzutritt zur Haut gestatten, spielt für unser Hautgefühl, für die Empfindung von Kälte und Wärme eine ziemlich untergeordnete Rolle. Man könnte dieser auffallenden Behauptung v. Pettenkofer'S die Anspielung auf den kälteren Luftzug eines durch­löcherten Beinkleides ober eines fadenscheinigen Rockes entgegenhalten. Ein solcher Einwurf bedarf kaum der Widerlegung. Denn jedes Loch, und wäre es noch so klein, bildet eine Lücke im KleidungSstoff, einen ^ubstaitzverlust am Kleide, sowie jeder Abschleiß des Tuches eine Verdünnung feiner Masse bedeutet. In beiden Fällen kann die Luftdurchlässigkeit eines solchen defecten Zeuges die Richtigkeit der v. Pettenkofer'schen Aufstellung so wenig beeinflussen, wie der Lustdurch- latt in einer durchlöcherten Glasscheibe die Lustdichtig­keit der unverletzten Glasmasse in Frage stellen würbe,

(Schluß folgt.)