1872
Marburg, Donnerstag, den 5. Dezember.
Deutsches Strich
3er Gentner zugleich eine Zollerhöhung von 2 Thlr.
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eines Cabinets vom Kaisers beauftragt, erbat sich für seine Liste einen Tag Zeit, den ganzen Tag dauerten die Besprechungen alten Ministern. Neu ist der Vorgang, daß bezüglich jedes Einzelnen auch die Führer
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Titel führt: „Gesetz über die Beurkundung deS Per- onenftanbeS und der Form der Eheschließungen" ist nunmehr, nachdem der beiheiligte Ressort-Minister über die Feststellung des Einwurfs sich verständigt, dem Staatsministerium zur Berathung vorgelegt worden. Man glaubt, daß im Staatsministerium eine schrift liche Votirung nicht stattfinden wird, sondern daß nur eine mündliche Berathung ersvlgen wird.
— Dem Bundesrathe ist vom Reichskanzler ein
umfassender Gesetzentwurf, betreffend das Unterrichts- wesen in Elsaß-Lothringen, Atgegaugeu, wonach das gejammte niedere und höheA Unterrichtswesen unter die Aussicht und Leitung der Staatsbehörden gelegt wird.
— Bon den Vorständen der deutschen Apothekervereine in Berlin, München, Hamburg, Breslau, Königsberg und Hannover ist bett» Bundesrathe eine Petition um baldige Regelung der Apotheker - Gewerbefreiheit unterbreitet worden. Derselben ist zugleich ein speeieller Gesetzentwurf beigefügt, welcher die Modalitäten festsetzt, unter denen die Ausübung des Gewerbes jedem approbirten Apotheker ohne staatliche Coneesston gestattet sein soll, und verlangt, daß die etwaige Entschädigungsfrage, sofern sie gesetzlich begründetet« Ansprüchen als auch den Billigkeitsrückstch- ten entspricht, als nicht Reichssache den einzelnen Landesregierungen überlassen bleibe, und daß das Gesetz mit dem Jahre 1874 in Kraft treten soll.
Karlsruhe, 2. Rovbr. Eine von 150 bis 160 TabakS-Producenten besuchte Versammlung hat gestern, unter dem Vorsitz d«S OberbürgerimWrS Lauter, den von Mannheim ausgehenden Entwurf einer Eingabe an den Bundesrath bezüglich der Tabaksbesteuerung mit einigen Zusätzen angenommen. Die Mannheimer Anträge gehen dahin: Es möge in Anbetracht der in der Eingabe geschilderten Verhältnisse und zur Abwehr der sonst wohl unausbleiblichen Schädigungen von jeder weiteren Besteuernng des inländischen Tabaks abgesehen werden. Sollte aber wider Hoffen der Bundesrath einen dahin zielenden Gesetzentwurf vor legen, so wolle mindesten a) die Belastung des inländischen Products eine so niedrige bleiben, wie nur irgend möglich und b) der Eingangszoll auf den ausländischen Tabak derart regulirt werden, daß unbedingt die inländische Production auf ihrer gegenwärtigen Höhe erhalten bleibt, daß also etwa mindestens zu dem jetzt bestehenden Satze von 4 Thlrn. per Gentner
der Linken, namentlich Tisza und Ghiczy, um ihre Meinung gefragt wurden. Zur Annahme eines Portefeuilles unter Szlavy erklärten sich Trefort, Pauler, Wenckheim, Pejacsevich, auch Toth bereit. Mit Letzterem erklärte sich jedoch die Linke nicht zufrieden. Diesbezüglich ist noch nichts entschieden. Auch Kerkapolyi bleibt. Koloman Tisza, der sich mit Kerkapolyi sehr zufrieden erklärte, wünschte blos ein selbstständigeres Vorgehen in der Bankfrage. Ludwig Tisza dürste aus Rücksicht für seinen Bruder ebenfalls bleiben. — Die „N. Fr. Pr." theilt weiter mit: Das Ministerium ist bereits complet. Handelsminister wird Graf Joseph Zichy, bisher Gouverneur von Fiume. Derselbe ist auch bereits hier eingetroffen. Honvedminister wird Hollan. Szlavy erhält außer dem Ministerpräsidium kein Portefeuille. Mit Ausnahme Lvnyay's sind
hädlich n G skn«, hnittel.
jer Gentner auf ausländischen Tabak nach sich ziehen, also einem Zolle für das Ausland von insgesarnrnt i) Thlrn. per Gentner gleichkommen würde. Die Be- timmung, daß für den ins Ausland gehenden Tabak die volle Steuer rückvergütet werde, wurde als felbfb verständlich angenommen. Schließlich wurde bestimmt, daß eine Deputation die näher zu rebigireube Eingabe bem Großherzoge unb dem Bundesrathe Überreichen solle.
Straßburg, 3. Dec. Eine kaiserliche Verordnung vom 20. November erklärt die Anlage einer Eisenbahn von Gclmar nach dem Rheine auf Grund des Expropriationsgesetzes für dringlich.
ÄuSluul.
Pest, 2. Dec. Gestern Mittags 12 Uhr wurde Deak vom Kaiser empfangen. Die Audienz dauerte eine volle Stunde. Deak schilderte dem Kaiser die Lage, alle Vorkommnisse seit einem Jahre, die Stimmung Der Deak Partei und gab schließlich seine eigene Meinung über die Gabinetskrisis. AIS die Besprechung beendet war, bankte ber Kaiser bem alten Herrn für seine gerabe, schlichte unb biebere Darstellung. Deak ging nach 1 Uhr sehr befriedigt vorn Monarchen fort. Ungefähr %2 erhielt Lonyay die Anzeige, daß die Demission seines Gabinets angenommen fei. Später wurde Szlavy in die Burg berufen und mit der
Ztg." gemeldete Rücktritt deS Kriegsministers zur Zeit das Doppelte deS etwaigen Zuschlags auf die inlän- Begründung hat, dürfte wohl sehr in Zweifel zu ziehen | dische Steuer hinzugefügt werde, so daß beispielsweise fein — Der Gesetzentwurf über Givilehe, welcher den eine Erhöhung der bestehenden inländischen um 1 Thlr.
•• Berlin, 3. Decbr. Tie gestrigen und Heu- : öaen Blätter enthalten mehrfache Mittheilungen über kl, Pairsschub, in welchem anerkannt wird, daß durch diesen Act der f6uigL Autorität öä richtiges entschei- Denbe« Wort für die Resormpolitik der Regierung gesprochen sei. Besonders die „National-Zettung" £i«t allen pessimistischen Anschauungen entgegen, indem fr vorzugsweise u. A. darauf hindeutet, daß die Zö- aerung, welche bei Ernennung der neuen Herrenhausmitglieder staltgesunden, gerade bekunde, wie sorgfältig diese für das Staatswohl ersprießliche Maßregel an allerhöchster Stelle erwogen sei. Welche Stellung das Herrenhaus in seiner äußersten Rechten nunmehr ein nehmen wird, läßt sich aus verschiedenen Anzeichen Vorhersagen, es zeigt sich die Ansicht, daß die Fraction Stahl den Kampf aujgebcn werde, als iticht richtig; denn der Ton, in welchem die „Kreuz Ztg." die Fraction Stahl zu einer Vorversammlung „gegenüber ber veränderten Situation" einlabet, spricht bafür, baß man auf dieser Seite ben Kamps mit äußerster Anstrengung 'sortzuführen gewillt ist, man erfährt benn auch, daß Herr v. Kleist-Retzow bie ganze Pha l,nx feinet ultra-conservativen Gesinnungsgenossen aus allen Provinzen zu beit Verhandlungen aufforberte, daß derselbe bie Absicht hat, sein Amenbirungsfieder triebet zu betätigen. ES ist deshalb durchaus geboten daß die Gegenpartei dieser Fraction in voller -jahl'aus ihrem Platze sei und die Pflicht der guten Presse ist eS, die Anregung hierfür zu geben. - Die Kreuz - Ztg." bringt einen „wunderlichen Artikel" Wohin kommen wir? Die „Spener'sche Ztg." hat auf diese Frage treffend geantwortet: Wohin fein ihr von der „Kreuz-Ztg." gekommen? Diese Frage ist sehr berechtigt, denn es ist doch klar, daß eine Anschauung über deutsche unb preußische Politik sehr schwer sein muß, man hat sich auf bie Behauptungen eines englischen, schlecht unterrichteten Blattes stützen müssen. Die tactlose Haltung beS sogenannten großen Organs der conservaiiven Partei scheint ihre Artikel auf eine Wirkung an den Stellen berechnet zu haben, an deren festem und geradem Eharakter derartige Insinuationen unfehlbar machtlos abprallen müffen, allerdings eine Eigenschaft, für welche woh nationaldiberole Blätter, nicht aber bie „Kreuzztg, ein Verständlich haben. - Dem Vernehmen nach hat Graf Stolberg mit Rücksicht auf seine Stellung im Hcrrenhause bei Sr. Majestät seine Entlassung,aus der Stellung in Hannover erbeten. Dieselbe bürste gewährt werben. — Ob ber von ber Berliner „Börsen
Oberhessische Zeitung.
■ aufiet den Werktaaen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal bet Oberhesfischt« Settuug mit «teWHatt durch die Expedition (Koch'sche rrschtiit tSg ch auber ve . ^erttogen naq P„st8mter 87 »ar 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und ,ncl. Stempelsteuer), sür das Ausland excl. stempel 81 ®gt. - «nchdruäerv,) bezogen 88, X gef’a *ne geil’ 1 Sgr. SSmmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
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Nachruf au E. Henke.
Am ersten Sonntag war es im Advent, Am Einzugstage in Jerusalem, AIS da es Nackt warb, in schon spater Stunbe, Schnell lief von Haus zu Haus bie Trauerkunde, Daß ach! ber Tob so heftig, plötzlich kam, Den Vater Euch, uns Frennb unb Lehrer nahm. So fällt der Blitz, ber einen Baum zerschlägt, Der, saftig noch, viel cble Früchte tragt. — O Henke, nicht in Titeln, golbnen Orben, Bestand. Dein Werth; es grübelte in Worten Dein reicher Gcist, ein wasserreicher Quell, Vom schönsten Farbenlicht ber Sonne hell. Du zogst Dir Schüler her von nah unb fern, Wer kam zu Dir unb hörte Dich nicht gern? Wie machtest Du bie Wahrheit ber Geschichte Zum treuen Bilb, zum herrlichsten Gebichte! Streng richtenb Unbarmherzigkeit unb Tücke, Mitleibiz mit ber Leibenben Geschicke, Streng unparteiisch, boch im Herzen weich, Hast Du geschilbeit, was geschah im Reich Des Herrn, ber hier ber Kirche Säulen stellte Auf Felsengrunb, baß nie ein Feinb sie fällte. Nicht an dem Starren, nicht an Formen tlebenb, Dich frei hinauf ins Geisterreich erhebend, Der Wahrheit mit dem Herzen zugewandt, Warst Du für leichte Irrung tolerant.
DeS Jüngers Arbeit gern willkommen heißend, Warst Du ein Meister, Hohes würdig preisend,
Vor keiner Mühe, selbst Dich opfernd, scheu, Dem Angefang'nen bis zum Ende treu. — Der Geiz, ber Tausenbe von Menschen plagt, An Deinem Herzen hat er nicht genagt, Die ew'gen Schätze, bie nicht frißt ber Rost, Sie waren früh unb spät Dir Geisteskost, Unb jeher Wanb'rer war willkomm'ner Gast, Fand Ruhe bei Dir, Liebe, Pfleg' unb Rast. — O weich' ein weiches Herz hat nicht beim Wort gebebt, Daß hier Dein Geist auf Erben nicht mehr lebt, Wer hat an sich, an's Ende nicht gedacht Und seine Rechnung mit bem Herrn gemacht? Nicht rauhem Eisen gleich, nicht hartem Stahl, Ein blühnder Baum in einem grünen Thal — Umschwärmt von Bienen, bie ben Honig saugen, Die echte Weibe sür dm Geist, die Augen, So sahen wir als Lebenden Dich an, So kannten wir Dich, segensreicher Mann. — Unb was Du warst, was wir an Dir besessen, Es bleibt in Näh' und Ferne unvergessen.
Uns raubt bie Zeit nie Deine goldenen Früchte; — Du blühe dort in neuem ero’gem Lichte! -r.
Hygienische Eigenschaften 6er Kleiber.
(Fortsetzung statt Schluß.)
Pros. v. Pettenkoser führt nun in seiner neuesten Schrift*) eine Reihe von Versuchen an, die er mit
♦) Dr. M v. Pettenkoser. Beziehungen der Luft zu Kleidung, Wohnung und Boden. Braunschweig 1872. 8.
verschiedenen Kleidungsstoffen in Bezug auf ihre hygroskopischen Eigenschaften angesteüt hat. Durch dies« Versuche weist er namentlich nach, daß der Feuchtigkeitsgehalt der Kleider zum großen Thcil auch von der absoluten Lufttemperatur abhängig ist.
Zwei gleichgroße Stücke Leinwand und Flanell wurden bei 1000 G. getrocknet unb in eine gut schließend.« Blechbüchse geworfen. Sie würben bann in verschieden temperirten Räumen ber Lust ausgesetzt, unb von Zeit zu Zeit wieher in bie Blechbüchse einge- schloffen unb gewogen Es ließen sich baburch bie Zunahmen unb Verluste an hygroskopisch gebundenem Wasser für Leinwand und Wolle für diese beiden wichtigsten Klcidungsstoffe leicht verfolgen.
WaS vor allem auffällt, sagt v. Pettenkoser, ist die viel größere, hygroskopische Eigenschaft ber Schafwolle gegenüber ber Leinwand. Unter ben verschie- benen Umftanben bleibt bie hygroskopische Menge Wasser in ber Wolle fast nochmal so groß, al» sie gleichzeitig in der Leinwand ist.
Was ferner sofort auffällt, ist, daß. die Leinwand hygroskopisch schneller arbeitet, daß sie ihren Waffer- gehalt schneller in einer steileren Gurre ändert, als Die Wolle. Die Leinwand nimmt aus der Lust viel rascher Waffer auf, als die Wolle; sie hört aber auch viel rascher auf, Waffer abzudunsten, als die Wolle.
Dieser Unterschied in der Verdunstungseile zwischen Leinen und Wolle zeigt sich nicht allein bei ber hygroskopisch gebunbenen Feuchtigkeit, sie ist auch bei bc-