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1872

Marburg, Mittwoch, den 4. Dezember.

»steint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da» Quartal der Oberhrsflschen Leitung mit KrrtSblatt durch die «rpedition («ach'sch. " B« ck»druclerei) bezogen 88; Lar., durch die Postämter 87 Lgr. 6 Pfg. fad. Vesteügedühr und ,ncl- «Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 88 »gr.- gr.iertiom-eebüb; für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sümmtlichr Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an-

DberhesMe Leitung.

Deutsches Reich.

« Berlin, 2. Dec. Ihre Majestät die Königin ^rd Donnerstag nach Berlin zurüctkehren; ob der Kronprinz bereits in dieser Woche Karlsruhe ver­lassen wird, ist unwahrscheinlich, wenngleich der Ge­sundheitszustand des hohen Herrn durchaus befrie-- digend ist. Wie man hört, wird der Kronprinz zu nächst aus vier Wochen nach Wiesbaden gehen, um dort die vollständige Genesung zu erwarten. Die Lösung der KrisiS ist in Betreff auf den PairSschub erfolgt, da Sonnabend AbendS Se. Majestät 25 neue Mitglieder des Herrenhauses ernannt hat. Mittags (Sonnabend) hatte eine vertrauliche Besprechung des Slaatsministeriums statlgehabt, nach deren Beendigung der letzte Bortrag über den PairSschub Sr. Majestät gehalten wurde, welchen Graf Ztzenplitz übernehmen muiite, da Graf Eulenburg bei einem Fall sich Ver l-tzungen zugezogen hatte. Wenn übrigens in der Pr.sse gesagt worden ist, daß der Hanbelsminister ein Gegner des Pairsschubs gewesen, so ist dem gegen­über zu bemerken, daß seit Beginn der letzten Krisis Graf Ztzenplitz für den PairSschub mit aller Energie eingetrelen ist. - Die Zahl der aus Allerhöchstem Vertrauen in das Herrenhaus Berufenen entspricht nicht ganz der zuerst in Aussicht genommenen, welche man auf 3040 bezifferte. Man motivirt aber den jetzigen Beschluß nicht mit Unrecht mit der Thalsache, baß sich in den Reihen der Herrenhaus-Opposition Zeichen bemerkbar gemacht haben, welche einen weiteren Wider stand gegen die Reformpolitik der Regierung nicht mit derselben «schärfe e>warten lasten als früher, und in dies.m Sinne kann der Beschluß Sr. Majestät vom 30. November als ein Sieg derjenigen Auffassung gelten, welche sür eine künftige ReglerungspoUtik ein getreten sind. Aber auch in einem anderen Sinne ist diese Maßnahme des Pairsschubs als ein Sieg zu verzeichnen; denn es ist dieser PairSschub als der Anfang einer Reform des Herrenhauses zu betrachten, die Entscheidung über die wichtige Angelegenheit bleibt nur der Z.it anheimgegeben, in welcher der Fürst Bismarck wiederum an den Bcrathungen des Staats- Ministeriums sich vollkommen betheiligen können wird und man kann daher mit Zuversicht aussprechen, daß diese Frage nur für den Augenblick vertagt ist; dieses

DrS Baterö Wunsch, des Sohnes Neigung. Erne Erzählung aus dem Leben.

(Schluß.)

Man machte sich auf den Rückweg. Adolph be­gleitete Albertine bis zur Laubhütte, und eilte dann hinab zu seinem Vater.

Ich habe Dir in meinem und der Tante Namen einen Vorschlag zu machen, lieber Sohn!" begann letzterer,der sehr annehmlich ist, und meinen Wünschen entgegenkommt. Eine Jugendfreundin meiner Schwester schreibt derselben, daß sie in der jungen Baronin v. Esten eine in jeder Beziehung zu em­pfehlende Parlhie für Dich gefunden habe, und es nur auf Dich «»komme, das Jawort einer schönen jungen Dame zu erlangen, welcher die Freundin be= reils ein vortheilhaftes Bild von Dir entworfen habe, Mas nicht ungünstig ausgenommen worden sei, und daß Deine persönliche Gegenwart die Sache voraus­sichtlich zum erwünschten Ziele führen werde. Die Taute kennt das Fräulein v. Esten persönlich, und kann sich kaum vergeben, daß sie nicht selbst aus diese Idee verfallen ist, die ihren vollen Beifall, jo wrr den meinigen hat. Was sagst Du dazu, lieber Adolph?"

Daß ich bedauern muß, einen Antrag nicht en- nehmen zu können, der zu spät kommt," entgegnete dieser.

Zu spät?" fragte der Oberst mit gerunzelter Stirne.

Ja, lieber Vater! und ich hoffe von Ihrem väterlichen Herzen, daß Sie meine Wahl billigen werden."

Wenn sie vernünftig ist, ja! obwohl es mir we­gen der Esten leid thut. Wer ist denn die Dame Deines Herzens?"

Albertine"

läßt denn auch wohl mit Recht die Erklärung zu. daß Fürst Bismarck zu dem jetzige» PairSschub feine Zustimmung gegeben mit dem Bedeuten, einen solchen nach dem gegenwärtigen Bedürfniß zu vollziehen. Was die Zusammensetzung der neuen Pairoliste an­belangt, so erfährt man, daß die Rangstellung der­selben der Qualität des Herrenhauses keinen Abgang thut; denn es befinden sich in der Liste 5 Militärs: 2 Feldmarschälle (v. Steinmetz und v. Herwarth), 3 eommandirende Generale, 2 Diplomaten: v. Below und v. Jachmann, active und inactive Oberpräsidenten, ferner Generalpostdirector Stephan, v. Dechcnd und Präsident Günther, überhaupt Beamte, welche sämmt- lich den Rang der Rälhe enter Klasse haben. Der Hamburgische Corresponvent hat derProvinzial Cor- respoiidenz" den Vorwurf gemacht, daß dieselbe au die feudalen Opponenten des Herrenhauses das An­sinnen gestellt habe, gegen ihre Ueberzeugung stimmen zu müssen. Diese Behauptung steht aber im entschie­densten Widerspruch mit den Auslassungen des halb­amtlichen Blattes, welches ausdrücklich hervorhob, wie die Opposition nur aus der loyale» conservativen An­sicht der Herren stamme.

Berlin, 2. Dec. Am Sonnabend Abend fand in einem der Commissionssäle des AbgeordlietenhauseS die Constituirung des deutschen Hilfsvereins zur Ab­hilfe des Nothstandes an der Ostseeküste statt. Die Zahl der Anweienden belief sich auf über 50 Personen. Neben den Landtags-Mitgliedern bemerkte man u. A den General-Feldmarschall Grafen Moltke, den Präsi­denten deS deutschen Reichstages, Dr. Simson, den Kammerherrn v. Normann, den Geh. Rath Wehrmann, den Polizei Präsidenten v. Madai, den Sladlverord- neten-Vorsteher Kochhann, eine große Anzahl von Ministerialräthen aus ollen Ressorts u s. f. Es wurde beschlossen, einen geschäftsführenden Ausschuß von 12 Mitgliedern mit dem CooptationSrecht zu wählen, und zwar fiel die Wahl auf das genannte Fünser-Comils und dann auf den Staatsminister a. D. v. Patow, die Geh. Regieiungs-Rälhe Wulffsheim und Marcard, den hanseatischen Wmster Restveliten Dr. Krüger, den mecklenburgischen Gesandten von Bülow und den Grafen Krastow. Der Abg. Dr. Friedenthal sprach als Vorstandsmitglied des valer-

Albertine von ? Nun, sie wird doch einen Familiennamen haben?"

Den weiß ich wahrhaftig nicht, aber die Tante gewiß. Sonst kennen wir sie Alle nur unter dem Namen Albertine."

Wie? Nein, ich will nicht fürchten, daß Du so vollkommen vergessen hast, was Du Deinem Stande und Deiner Familie schuldig bist. Wer ist diese Al­bertine?"

Eine liebenswürdige, bescheidene, schöne und ge bildete Person, die Ihnen selbst nicht gleichgültig ist; kurz, es ist die Gesellschafterin der Tante."

Eine Kawmerjungfer?"

Von der iiobelften Art, die in ihren natür­lichen Vorzügen eine Dame ersten Ranges zu sein verdient."

Der Oberst ging zum Fenster, sich von der Ueber- raschung zu sammeln, und wandte sich dann nicht unfreundlich zu dem Sohne:Dein Geschmack ist gut, Adolph! Aber Du wirst doch begreistch finden, vaß ich auf meine väterliche Liebe zu Dir nicht so srevelnd daraus lossündigen lassen kann, eine Kammer­jungfer in meine Familie als Schwiegertochter ein jchieben zu lassen.

So lasse ich sie adeln!" rief Adolph schnell.

Ich verweigere Gelb und Consceiz."

So entsage ich allen Familienverhältniffen und gründe einen neuen Stamm."

Aber nicht ohne meine Einwilligung und unter meinem Namen."

Adolph wollte aufbrausen, er besann sich aber und sagte schmerzlich:So bin ich denn überall zurückge­wiesen, auch von ihr, die des Vaters Einwilligung zur Bedingung der ihrigen gemacht hat."

Der Oberst sah ihn mit Blicken väterlicher Zärt­lichkeit an.Du dauerst mich wahrlich, lieber Sohn,"

ländischen Frauenvereins die Bereitwilligkeit deffelben aus, mit dem neuen Verein zu cooperiren, welches An­erbieten mit Dank aceeptirt wurde. Herr Dr. Fueden- thal theilt mit, daß der vaterländffche Krauenverein be­reits 15,000 Thlr. und verschiedene Sendungen von Kleidungsstücken an die Vereinsmitglieber durch seine 11 Hilfsvereine übermittelt habe. Man verständigte sich darüber, daß Mitglieder des Hilfsvereins aus allen Gauen des Deutschen Reiches herangezogen werden sollten und vereinbarte schließlich einen Auf­ruf, der in den nächsten Tagen in die Oeffeutlichkeit gelangen wird. Die Bestrebungen des Vereins richten sich in keiner Weise dahin, die Thäligkeit der Provinzial- und Lokal-ComitsS zu beschränken, sondern sie be­zwecken im Wesentlichen, denselben ihre Mitwirkung anzubieten und die Hilssleistungen von einem Central­punkt ausgehen zu lassen, wie dies in den Intentionen des ProtectvrS des Vereins, Sr. kaiserl. Hoheit deS Kronprinzen, liegt. Heute Morgen trat dann der gestern gewählte geschäftssührenbe Ausschuß zusammen, um die nächsten Arbeiten festzustellen und zu ver- theilen. Vor Allem wird sich der Verein eine Er­mittelung des Umfanges deS ganzen angerichteten Un­glücks lebhaft angelegen sein lassen und auf Grund amtlicher Quellen eine Uebersicht über den Schaden in Bezug auf Zerstörung der Gebäude, des Vtehver- lustes, der Versandung von Aecker», der Verluste, welche die Fischerei erlitten hat rc. ausstrllen und ver­öffentlichen, um die Punkte barzulegen, an denen die Hülfe einzutreten hat. Im Uebrigen sind dem Verein bereits Geldsendungen zugcflossen, so als der ersten eine die Summe von 500 Thlrn. von dem früheren Abgeordneten Freiherrn Georg v. Vincke. Der Verein wirb die ihm zufließenden Mittel sofort zur Verthetlnng bringen.

Darmstadt, 2. Dec. Die Prinzessin Ludwig von Hessen ist heute nach Mainz gereist um die deutsche Kaiserin auf ihrer Durchreise hierher zu begleiten.

Karlsruhe, 2. Dec. Die Besserung in dem Zu­stande des deutschen Kronprinzen schreitet in erfreu­licher Weise fort.

Ausland.

Wien, 2 Dec. DieMontags-Revue" melden

sagte er,daß Dir die Liebe einen so verzweifelten Streich gespielt hat. Indessen kann noch Alles gut werben. Ich habe mir die Freiheit genommen, bei Deinen geäußerten Grundsätzen, die alle Schranken der Stanbesverhältiiisse zusammenzuwerfen drohten, mich ein wenig in den Gang Deines Schicksals zu mischen, und Deinen Ideen eine Richtung zu geben, bie meine und Deine ^Absicht zugleich befördert."

Ich verstehe Sie nicht."

Du wirst Alles verstehen, wenn ich Dir sage, daß Albertine niemand anders ist, als Fräulein von Esten, die der Tante und mir den nie genug zu loh­nenden Gefallen gethan hat, unter einer zwar nicht ganz würdigen, ober zu unserem Zwecke vollkommen passenden Gestalt sie hieher zu begleiten. Der Erfolg hat gelehrt, daß wir auf Deinen gesunden Sinn und auf die Vorzüge Albertinens richtig spekulirt haben."

Adolph stand wie ein Träumender.

Hole Deine Brant!" rief der Oberst ihm lachend zu;doch da kommt sie selbst."

Sie hat mir so eben gestanden," sagte Frau v. Rolhann, die Hocherröthete an der Hand führend, daß sie mit Vergnügen Frau v. Halben werden will."

Adolph flog in die Arme der Lieblichen, die mit ihm vor den Oberst trat und um seinen Segen bat.

Den habt Ihr, lieben Kinder!" sagte dieser ge­rührt ;geht, und laßt Eure Freude lebendig werden."

Die gute Tante wurde in die Mitte genommen und jubelnd abgeführt.

Bertram trat mit den Worten ein:Da geht'» ja rasch her!"

Adolph ist Bräutigam!" rief ihm der Oberst entgegen.

Mit?*

Mit Albertinen."