werde dem Kaiser versichern, daß keine erheblichen An zeichen Vorlagen, daß das Cabinet nicht mehr das Der» trauen seiner Partei besitze. Es sei aber andererseits nicht zu leugnen, daß das Cabinet in den letzten Tagen von der Deakpartei nicht die gewünschte Unterstützung gefunden habe. Weitere Entschließungen seien stlbstverständlich dem Kaiser anheimgestellt.
Krakau, 27. Nov. Eine hier erscheinende Broschüre, deren Tendenz die Hervorrufung einer Judenhetze war, wurde confiscirt. Die Patrioten Galiziens wurden von Polen aus aufgefordert, eine Massen- Petition an die Krone zu richte» wegen Ertheilung des österreichischen Bürgerrechtes an alle polnischen Emigranten.
Pari-, 27. Nov. Die Aufregung hier wie im ganzen Lande ist sehr groß. Ueberall werden Adressen an Thiers unterzeichnet. Tie in Beauvais aufgelegte ist bereits mit mehreren Tausenden von Unterschriften bedeckt. Aus Clermont kam eine von 1500 Kaufleuten und Gewerbetreibenden. Ueber den Ausgang der Krisis läßt sich noch nichts Bestimmtes sagen. Jede der beiden Parteien (denn augenblicklich gibt cs nur noch zwei, nämlich Republikaner und Monarchisten) rechnet mit Bestimmtheit auf den Sieg. Thiers wird keine Botschaft an die Nationalversammlung richten, sondern morgen selbst sprechen. Das soll sein fester Entschluß sein. Alle parlamentarischen Vereine hielten heule wieder Sitzung. Das linke Centrum soll beschlossen haben, morgen, nach der Discujsion seinen Gesetzenl wurf über die Reformen auf den Tisch des Hauses niederzulegcn. Die Redaction der Tagesordnung hat sich die Negierung Vorbehalten. Es ist noch nicht fest abgemacht, ob in derselben nur ein Vertrauensvotum verlangt oder auch von den Verfassuugsreformen die Rede sein soll. Obschon die Dinge so weit gediehen sind, versuchen noch einige Dcputirte eine Versöhnung herbeizuführen und wollen morgen in einer Tagesordnung die Ernennung einer Commission Vorschlägen, Vie einen Gesetzentwurf für die Ministerveranlwort- lichkeit und die Verfassungsreform auszuarbeiten hätie. Dieser Versuch wird aber wahrscheinlich mißlingen. Die Sprache der republikanischen Blätter gegen die Royalisten ist äußerst heftig. Die royalistischen Biälier mahnen die Majorität zur Eintracht und fordern Thiers auf, sich der Rechten anzuschließen. Die republikanische Linke hielt heute Versammlung und beauftragte ihren Vorstand, mit den übrigen Vereinen der Linken eine Verständigung zu erzielen. Das linke Centrum faßte einen ähnlichen Beschluß. M.hrere Mitglieder des rechten Centrums sollen bereits von Barbfe abgefallen sein und nicht milstimmen wollen Die Nationalversammlung beschäftigte sich heule mit der Berathung des Budgets
Versailles, 28. Nov. Wie die „Agencc Hcrvcrs" meldet, so ist die Hoffnung auf eine Versöhnung noch immer nicht aufgegeben. Es heißt, die Regierung habe die Absicht, der Versammlung die Ernennung einer Commission vorzuschlagcn, welche die Aufgabe habe, Gesetzentwürfe über die ministerielle Verantwortlichkeit und über die andern in der Botschaft angedeuteten gesetzgeberischen Reformen vorzubereiten. Der Ministerrath wird heule Mittag zusammentreten, um das fernere Verhallen der Regierung endgültig festzustellen. Wahrscheinlich wird Thiers der heutigen Sitzung der Nationalversammlung beiwohnen.
rige Mädchen möchte sie sehen? Nun, der Herr Oberst haben vielleicht die Gnade, Dich mitzunehmen, nicht wahr, Bruder?*
Dieser machte eine freundliche bejahende Bewegung.
„Ich bleibe hier," fuhr sie fort, „wo es mir so behaglich ist, und mein Neffe hat die Güte, mir Gesellschaft zu leisten." (Fortsetzung folgt.)
General Changarnier.
(Schluß.)
Im Abgehen gab er einen drastischen Beweis seiner Bornircheit. Den 10. Januar, am Tage, nachdem er zum ersten Male in der Kammer gegen Bonaparte gesprochen hatte, wurde er in's Elysee be rufen; „Mon eher general“, empfing ihn süßlächrlnd der Präsident, „die erste Division soll ja dieser Tage dislocirt werden ... ich will, daß mein Äriegsminister Ihre Wünsche dabei berücksichtige . . . bitte, schreiben Sie mir doch gleich die Regimenter auf, die Sic statt der abgehenden nach Paris ziehen wollen . . ." Der Mann rennt blindlings in sein Verderben! dachte der General, nahm ein Stück Papier und registrirle gewissenhaft alle Regimenter, mit welchen er einen orleanistischen Coup wogen zu dürfen glaubte. Ohne eine Miene zu verliehen, nahm Napolon das Blatl und verneigte sich zum Abschied. Als Chaugarnicr nach Hause kam, fand er seine Entlassung; die Regi mentet aber, deren Namen er in seines Herzens Einfalt zu Papier gegeben halte, befanden sich zur Zeit dcS Staatsstreiches im Vaterlande der Kabylen, und
Rom, 27. Novbr. In der Kammer der Abgeordneten wurde die Berathung über daö Budget des Ministeriums des Aeußern fortgesetzt Der Minister des Aeußern will die klerikale Partei zu dem Geständnisse zwingen, daß sie nur die Entflammung eines europäischen Krieges behufs Wiederherstellung der weltlichen Papstmacht zum Programme habe; er betont das gute Verhältniß Italiens zu Deutschland, erwähnt, daß trotz der Mäßigung, welche Italien der griechischen Regierung gegenüber bewiesen habe, die Laurionfrage noch nicht beigelcgt sei und erklärt schließlich die Jnter- effen Italiens am Frieden, liberalen Fortschritt, Erhaltung der socialen Verhältnisse (?) für identisch mit den Interessen Europas.
Madrid, 27. November. Der Ausmarsch der Garnison ist von den Republicancrn Murcia's benutzt worden, um in die Caserne einzudringen, wo sie mit den wenigen zurückgebliebenen Mannschaften einen blutigen Kampf bestanden, der acht Gendarmen das Leben kostete. Heute keine Verstärkung. Die Aufständischen wurden mit großem Verlust wieder aus der Stadt hinausgejagt. . Die Truppen sind in Linares eingerückt, und die Aufständischen werden energisch verfolgt. Oberst Gurra hat die Aufständischen in Andalusien geschlagen und ihnen Pferde, Kriegsgerälh und einige Gefangene abgenommen. Die Bande bei Arcos de la Frontera ist vollständig geschlagen und zerstreut worden und verlor viele Gefangene. Trotz beunruhigender Gerüchte ist die Hauptstadt vollkommen ruhig.
Brüssel, 27. Novbr. Das Gerücht von dem Rücktritte des Kriegs-Ministers General Guillaume wird heute von dem Journal de Bruxelles in officiöser Weise widerrufen. Es war überhaupt unwahrscheinlich, daß ter Kriegsminister in einem Augenblicke abtrete» würde, wo seine Pläne zur Reorganisation des Heeres zur Berathung kommen sollten; er hatte der Kammer gemeldet, daß der Bericht der Militär-Cemmission in den ersten Tagen des nächste» Monats der Regiernng vorgelegt werde» würde. Voraussichtlich werden diese Pläne in der Kammer wie im Publicum auf starken Widerstand stoßen, den sie laufen auf allgemeine Dienstpflicht nach preußischem Muster und auf eine Vermehrung der Effeelivstärke des Heeres hinaus. DaS Ministerium befindet sich dieser Frage gegenüber in einiger Verlegenheit.
Petersburg, 25. Novbr. Fürst Gortschakow hat dem hiesige» griechische» Gesandten seine Bereit Willigkeit zu erkennen gegeben, die Vermittlung in der Laurion-Angelegenheit zu übernehmen.
Konstatiuopel, 28. Novbr. Reschid Pascha, bisher Generalgonveriieur von Syrien, ist an Stelle Khalil Paschas zum Minister des Aeußern ernannt worden
Bukarest, 27. Nov. Heute hat die Eröffnung der Kammer durch de» Fürste» Karl stattgefunde». Die Thronrede constalirt die befriedigendsten Beziehungen zum Auslande, sowie daß die Finanzlage so günstig sei, daß man keine Auleihe zu machen brauche. Bezüglich der Eisenbahnen bemerkt die Thronrede: Ueber 500 Kilometer Eisenbahnen seien im Betriebe, die Linien Piiesti-Krajowa Severin-Veijecowa würden in Angriff genommen. Die Linien Pitcsti Galatz Ro mau lassen ein solches Etträgniß hoffe», daß die budgetmäßigen Annuitäten vermiuderl werden könnten. Die
in den Kasernen der Hauptstadt lagen wcinselige Bonapartisten.
So ist es dem General immer gegangen, seitdem er der leider althergebrachte» Unsitte huldigte, Militär pflicht mit Politik zu verquicke»: permanente Blamage war seines Lebens Regel. Rief er nicht am Vor abend des 2. December mit ergötzlicheui Pathos: „Kein Bataillon, keine Compagnie wird sich herbei lassen, die Aera der Cäsaren zu eröffnen — berathet in Frieden, Vertreter des französischen Volkes!"? Und war er nicbt unter den Ersten, tie kurze Zeit daraus in einer Gefängnißzclle von Mazas aus dem unerklärlichen Wahne erwachten und bald in der Verbannung den Saamen aufgchen sahen, den sie mit eigener schuldiger Hand gesäet hatte»? Damals gelobte sich Changarnier, der Politik Valet zu sagen. Wie schade, daß er noch am späten Lebensabend seinem Versprechen untreu werden sollteI In die gegenwärtige, an Generale» reiche Nationalversammlung gewählt, ließ er keine Gelegenheit vorübergehen, widerwärtige Zänkereien zu veranlasse», und obgleich mit den Jahren Nestor'» gesegnet, geberdet er sich manchmal wie ein ruthebedürftiger Schuljunge. So oft eö galt, eine Knie herauszubeschwören, sei es in de» allerletzte» Tagen, sei eS zu Weihnachten des vorigen Jahres oder, im vergangenen Juni bei der Kundgebung ter Bonnets a poil, da sah man im Vordergründe der Händelsüchtigen den böSblickeuden dünnen Mann mit ter stereoiypeu Maske der Salonsoldaten, die dunkle Perücke knapp anliegend über die Schläfe gekämmt,
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Nescripte betroffenen Personen gehören Congregatione« mit einem geistlichen, in bestimmten Fristen zu wiederholenden Gelübde an. Wird das Gelübde nicht wiederholt, so steht derselben kein Hinderniß entgegen. Bei ter geringen Zahl der männlichen Schulbrüder komme« eigentlich nur Schulschwestern in Betracht. Das Gesetz macht aber dem Schulamte die Frauen nicht zugänglich. Das Gesetz kennt nur Männer. Wen« die Verwaltung aus Zweckmäßigkeitsgründen graue« zuließ, so kann dieselbe auch auf dem Verwaltungswege wieder Abänderungen treffen. Art. 112 der Verfassung conservirt die gegenwärtige gesetzliche Be- liimmung. Art. 4 schließt genauere Instructionen übet die Anstellung, wie beispielsweise die Prüfungsordnung, die Niemand verfassungswidrig nennt, nicht aus. Hebet den Ausschluß der Schulschwestern entschieden nicht aUei« pädagogische Gründe; und ich mußte fragen: Könne« Lchulichwestern zu Freiheit, Patriotismus, unbedingter Hingabe an die Zwecke des Vaterlandes erziehe»? Tie Regierung kämpft einen harten Kampf um die Schulaulsicht. Den Schulschwestern gegenüber, welche das Gelübde des Gehorsams gegen auswärtige Obere« haben und Rom gegenüber nicht selbstständig sind, konnte die Aufsicht nicht genügend gehandhabt werden. Das Rescript wurde nach reiflicher viermonatlicher Prüfung erlassen, nachdem ich aus de« Verträgen mit den Orden die Ueberzeugung gewonnen , daß eö so nicht weiter gehen konnte. Die Verwaltung meines AmrSvorgänger« trug theilweist
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! Berlin, 28. November.
Tas Abgeordnetenhaus beschäftigte sich heute mit der Berathung deS Mallinckrodt'schen Antrages, betreffend die Ausschließung der Mitgliedei der geistliche» Congregatione» von der Lehrthäligkeil an öffentlichen Volksschulen. Dem Vorwürfe des An-
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Thronrede verspricht endlich die Reform aller Verwaltungszweige. t -V7--X-. atrr-rr- .. -ima:e-jea :X'-Zi-X
Marburg, 29. Nov. Der Abgang der Bote»- post zwischen Marburg und Ebsdorf erfolgt von 1. Dezember c. an für die Dauer der ffiintermcnati aus Ebsdorf 2 Uhr Nachmittags und auS Marbur, 5 Uhr Nachmittags.
Marburg, 28. Nov. Das „Franks. Jour».« läßt sich aus Berlin Folgendes mittheilen: Aus authentischer Quelle erfahren wir, daß das Handelsministerium in einem Erlaffe sich dahin ausgesprochen hat, daß die Möglichkeit keineswegs ausgeschlosien sei, daß der preußische Staat die Bahnlinie Hersfeld-Alsfeh auf eigene Kosten baue. Soviel bis jetzt feststeht, wir» die Concession zum Bau dieser Linie, falls der Staat dennoch auf die Erbauung verzichten sollte, nur bet „Oberhessischen Eisenbahn Gesellschaft" ertheilt werde«.
benö — warum doch begnügt er sich nicht mit der Pflege seiner Person? Das Parfümerie-Kunstwerk, das sich in Changarnier verkörpert, bedarf jeden Tag mehrstündiger Arbeit; schon um 5 Uhr Morgens beginnt der General sich zu bemalen und zu bctleiftern, legt sich, um zu trocknen, wieder zu Bette, steht nach zwei Stunden auf, hantiert aufs Neue mit Schmink und Firniß, mit Puder und Pommade, und hat et wohl beim zwölften Glockenschlage so weil gebracht daß man ihn anrühren kann, ohne de» Eindruck zll bekommen, als steckte man den Finger in einen nassen Farbentopf. Seit neunzehn Jahre», behauptet ein französischer Humorist, arbeitet Changarnier an feinet eigenen Einbatsamirung. . . In rem Trochu'scheN 'Broceffe, gegen den „Figaro", in welchem unser Farbenkünstler eine episodische Rolle spielte, ließ sich ein Zeuge zu der wörtlichen Aussage bewegen: „Der General Changarnier ist ein seriöser Mann und kein a.teS Waschweib." Alles lächelte, und der Zeuge, dem man vielleicht gerne geglaubt hätte, wenn er nut nicht selbst General Changarnier geheißen hätte, staiid allein mit seiner Meinung. Besser schon eignet sich zu seiner Grabschrifl das Urtheil, das ein College ander Nationalversammlung über ihn gefällt: Unfähig, aber ehrgeizig!
der graue Schnurrbart kurz verschnitte», die Brust in das wölbende Corset geschnürt und das Bei» mil Baumwoüenfüllung zur rundlichen Wade geformt. Deut Zwischen Toilette und politischem Zank »heilt d« r— beinahe achtzigjährige Greis die letzte Zeit seines Le- ’
tragftellcrS gegenüber, daß das Ministerial Rescripl flüssij vom 15. Juni eine Verfaffungsverletzung involvi«;
erklärt der Cultusminister Dr. Falk: Artikel 24 dn Verfassung, in dessen Geiste ich bei dem Erlaß jene» Rescriptes handelte, anerkennt ein freies staatliche» BestätiguitgSrecht. Die Frage der Bestätigung häng, von der gewissenhaften Prüfung der Staatsorgane ab. Hält die Regierung die Anstellung gewisser Persone« im Lehramte für unstatthaft, so hat sie die Pflicht, dies offen auszusprechen. Die meisten der von des