un* gVr» 283 S 3Httc6urg, Sonnabend, den 30. November. 1872
v Oderhcssische Zeitiiig.
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Lrstemt täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da- Quartal bet Oberhesfische» Jettuug mit KreiSblatt durch die Expedition (Roch'sche Buchdruckerei) bezogen Mj Dar., durch di« Postämter 27 Dgr. 8 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für da- Ausland excl. Stempel 11 Dgr. — Jnjertlousgebübr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sammtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
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öCltVUllHDClI tuug für #e« Monat De- ttnber nehmen alle Postaustalte» und aus dem Lande jte Landpostbote» au, sowie tu Marburg
die Expedition der Oberh. Zeitung.
Deutsches Reich.
h •• Berit«, 28. Rov. Die wichtige Entscheidung,
der alle politische» Kreise mit Spannung entgegen ozl scheu, ist nun bald zu gewärtigen Der Bericht deö
Staatsministeriums ist bereits Sr. Mas. dem Kaiser **"3 zugrgangen, und «S liegt die Eabinetöordre zur Bern- »sgng einer Anzahl neuer PairS zur allerhöchsten Boll- i Ziehung vor. Die von der „D. R. -C." gebrachte | Nachricht, daß die Ernennung der neuen PairS bereits . der Reise Sr. Majestät nach der Göhrde vollzogen Un» worden sei, ist unrichtig. Ein entscheidender Beschluß
des SlaalSministeriums ist, wie wir gemeldet, erst in
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ei» Ereigniß, das man im Interesse einer gesunden Neubildung ecr Partei nicht gering schätzen darf. — Sc. Mas. der Kaiser hat für die durch dir Sturmfluth verunglückten Bewohner der Küstenstriche Pommerns und Schleswig-Holsteins die Summe von 10,000 Thlr. angewiesen mit der speciellen Bestimmung, daß bei der Vertheilung der Beträge hauptsächlich und zunächst die Minderbegütertcn bedacht werden. — Der Han- delrministcr hat an sämmtliche königliche Eisenbahn- Direclionen einen Erlaß gerichtet, welcher in Bezug
der vertraulichen Berathung am Montag gefaßt worden ; auch heute sind nach Schluß der Verhandlungen im Abgeordnetenhause die Minister wieder zu einer Besprechung zusammcngetreten, bei der es sich jedoch lediglich um die formale Erledigung der Sache gehau dell hat. Die schroffe Stellung, welche nach den unzweideutigen Kundgebungen der konservativen Parteiführer und ihres Organs, der „Kreuzztg ", die Partei im Herrenhause eingenommen hat, scheint auch bei den Canservativen des Abgeordnetenhauses Nachahmung zu finden. Es hat sich dabei im Schooße der Fraktion ein kleiner Staatsstreich abgespielt, welcher, für die Scheidung der Partei von maßgebendem Einfluß sein dürfte. Gewissermaßen durch Ucberrumpelung ist es
den Ultras gelungen, einen neuen Vorstand von lauter wirl Gegnern der KreiSorvnung einzusetzen, statt, wie üblich, ze de ben alten Vorstand durch Akklamation wiederzuwählen.
In Folge dessen haben unter den Mitgliedern, dir für die Kreisordnung votirt haben, unter Vorsitz des hrn. v. Wedell-Malchow, Berathungen über Formirung einer neuen Fraktion stattgesunden, die jedenfalls zu Stande kommen und circa 40 Mitglieder zählen dürfte, —
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auf die Vermerhung der Eisenbahn-Unfälle, die stricte Beobachtung der gesetzlichen Vorschriften und die promptste Ueberwachung des Beamtenpersonal« den Direktionen zur Pflicht macht. Um dem Einwande, baß die Beamten überbürdet würden, die Spitze ab- zubrrchen, sollen die Eisenhahn-Directionen dii dringlichen Obliegenheiten der Beamten nur nach ihren Kräften bemessen oder mehr Beamte anstellen, dieselben aber auch der strengsten Controle unterwerfen.
Gumbinnen, 28. No». Zuverlässigen Mittheilungen zuiolge ist die Cholera im Kreise Lyck als erloschen zu betrachten.
München, 26. Nov. Zu Mitgliedern des neu errichteten, mit Neujahr 1873 in Thäligkeit tretenden „Obersten Schulrath in Baiern" wurden durch königliche Entschließung ernannt: Dir Professoren von Giesebrccht und Christ von der Münchener und Urlichs von der Würzburger Universität, der Rector der Poly technischen Schule dahier, Hr. Bauerufeind und der Professor derselben, Herr Bischof, der Rector des Maximilians Gymnasiums in Ntnmberg, Hr. Herwagcn und der Rector der Industrie Schule dahier, Hr. Klein- silier. Der Vorsitz im Obersten Schulrath ist dem Cultusminifter und in dessen Verhinderung dem Hrn. Professor v. Giesebrccht übertragen. Der Schulrath ist demnach aus Männern zusammengesetzt, die in ihren Fächern als anerkannte Gelehrten bekannt sind, was freilich nicht hindern wird, daß sie von der ultramon tonen Presse alsbald werden angegriffen werden.
Straßburg, 27. Nov. Die „Libertö" von Paris bringt unterm 23. November eine Correspon- dcnz aus Straßburg, in welcher berichtet wird, daß M. F., d. h. Herr Fischbach die Autorisation der deutschen Regierung für eitr Journal erhalten habe Diese Zei:ung sollte, wie wir aus anderer Quelle wissen, „Journal d'Alsace" heißen, zweisprachig sein und in größerem Style angelegt werden. Die „Liberte" triumphirt, daß nun endlich ein Blatt komme, welches die französische Politik in gesunder Weise behandeln könne, „sie wird", schließt der Straßburger Correspon- dent — „ihre Leser auf dem Laufenden halten über das, was in unserem alten — nein, kurzgesagt — in unserem Vaterlande sich ereignet." Der Jubel war verfrüht, Herr Fischbach hat die Autorisation nicht erhalten. Allen und zwar sehr sicheren Anzeichen nach wäre die Zeitung ein Organ des städtischen Franzosen- thumS geworden, welches allerdings den lautesten und rührigsten, aber doch nur einen sehr geringen Theil der öffentlichen Meinung repräsentirt. Daß die Re
gierung nicht die freie Meinungsäußerung hindern will, zeigt der „Jndustricl alsacien" in Mülhausen und der „Niederrheinische Courier" sehr deutlich. Zugleich knüpft die Regierung, wie man hört, da- Erscheinen deS Blattes keineswegs an eine unerfüllbare oder willkürlich zu deutende Bedingung, wie eS etwa der Fall wäre, wenn sie erklärte, die weitere Beruhigung des Landes abwarten zu wollen, sondern an eine sehr leicht erfüllbare und klar formulirtc. Sie bestand und besteht darin, daß eine Anzahl elsässischer Notabeln zu einer Art von Zcitungscomite zusammentreten und gemeinsam ein Programm vereinbaren, deffe» Formu- lirung vollständig ihnen überlassen wäre. Bis heute ist diese Bedingung nicht erfüllt, und deshalb ist auch wohl Herrn Fischbach auf sein wiederholtes Begehren ein abschlägiger Bescheid zu Theil geworden. Zunächst wird darüber Niemand betrübt sein, als die FranzöS- linge und Gambettisten des Landes. (D. Pr.)
Diedenhosen, 26. Novbr. Wie bedeutend der Zuschuß ist, welcher als Staatssubvention zu den Letztergehältern unserer theilweise früher erbärmlich gestellten Volksschulstellen geleistet wird, möge man daraus ersehen, daß allein in 46 Gemeinden unsere- Kreises für das dritte Quartal d. I. 11,970 Franken zu diesem Zwecke zur Zahlung angewiesen worden sind. Die Znschüffe gehen von 180 — 400 Fr., um das festgestellte GehaltSminimum zu erreichen, und durchschnittlich beträgt demnach die Subvention von Staatswegen 69 Thlr. pro Stelle.
Ausland.
Wien, 28. Nov. Die amtliche „Wiener Zeitung" veröffentlicht ein kaiserliches Handschreiben an den Minister des Innern, durch welches der ReichSrach auf den 12. Dezember einberufcn wird.
Salzburg, 26. Novbr. Im Salzburger Landtage fand eine vierstündige erregte Debatte über den Gesetzentwurf bezüglich der Aufhebung des Schulgeldes an allen öffentlichen Volks- und Bürgerschulen des Kronlandes Salzburg statt. Hauptredner gegen den Entwurf waren Erzbischof Tarnoczy, Oberlanbes- gerichtSrath Lienbacher. Für denselben sprachen: Berichterstatter Harrer, Keil, Koster, Huber rc. Der Gesetzentwurf wurde mit 15 gegen 9 Stimmen angenommen.
Pest, 27. Nov. Einer Mittheilung deS „Pester Lloyd" zufolge ist Graf Lonyay »ach Wien abgereist, um dem Kaiser über die Differenz mit dem Honved- Obercommando und nebenbei über die allgemeine Lage Bericht zu erstatten. Das Blatt versichert, Lonyay
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Des Raters Wunsch, deS Sohnes Neigung.
Eine Erzählung aus dem Leben.
(Fortsetzung.)
Er suchte endlich das Lager in jener Stimmung, die »ns von der Erde in ein seliges Reich versetzt, bas wir ahnend im Busen tragen und der Schlummer- gett nahm sanft den Ermüdeten in die weichen Arme unb führte ein liebliches Traumbild vor dem inneren Gesichte des Glücklichen vorüber.
„Guten Morgen, Bertram!" rief Baron Adolph früh um fünf Uhr diesem zu, der über den Hof ging, mn sein TageSgeschäft zu beginnen.
„Wohl geruht zu haben, lieber Herr Baron!" antwortete dieser; „sind recht bald auf, aber" — er sprach leiser, t- „die Frau Baronin von Rothann stecken dort auch schon den Kopf zum Fenster heraus."
„Vortrefflich! ES ist aber auch ein himmlischer Morgen. Ich labe sie ein, auf unserem Belvedere zu frühstücken; bestelle, daß daS Nöthige hiezu hinaufge- bracht wird."
Adolph schlug dem Vater und der Tante einen Spaziergang vor, de» die letztere mit Vergnügen an- nahm, weil er mit ihrer Tagesordnung übereinstimmte.
Der Oberst wußte von dem neuen luftige» Schlößchen oben im Walde so wenig al« die Tante, die dem Neffen Einwendungen macken wollte, als dieser den Aieg nach dem Schloßgarten einschlug, den sie nach allen Theilen kannte, der sie weniger anzog, als eine Partie durch Feld und Wald.
„Wir kommen dahin, beste Tante", sagte der Führer; „wenn wir uns durch die steife geradlinige
Ordnung einer altadeligen Gartenanlage hindurch gelangweilt haben, winkt uns das frische Grün des ohne Kunst in die Höhe geschossenen Waldes, und uns all- «ählig erhebend über die platte Fläche der alten Regel, streift unser Blick mit Wohlgefallen über Berg und Thal, frei wie die Lüfte, die uns mit Wohlgerüchen umspielen "
„Recht poetisch l" sagte beifallnickend die Baronin; „ich habe dagegen nur zu erwiedern, daß diese alt adelige Gartenanlage, wie Du sie zu nennen beliebst, ec le Früchte getragen hat und noch trägt, die uns mit .feinerem Genüsse erfreuen, als die Früchte der Eichen und Buchen."
„In glücklicheren Zonen reifen an deren Stelle die köstlichen Orangen", entgegnete der Reffe, „die hier tn den Treibhäusern der Vornehmen und Reichen nur dürftig gezogen werden."
„Die Klugheit lehrt uns also", versetzte die Tante, „sich nach vorhandenen Zone zu bequemen und dankbar zu schätzen, was sie Edles darbietet."
Sie kamen an die trennende Hecke am Ende des Gartens, die, zu großer Verwunderung des Oberst, durchbrochen war, und ein gut geebneter Weg führte zwischen Büschen und Bäumen des beginnenden Wal- oeS auswärts bis zum sogenannten Belvedere, wo köstlicher Kaffee, unter Bertrams Aufsicht gebraut, ihrer wartete.
Frau von Rothann war wirklich von der ihr zu lieb getroffenen Einrichtung angenehm überrascht und bezaubert von der weiten Aussicht, die sich ihr öffnete.
„Siehst Du, liebe Tante", sagte Adolph, ihre
dankende Hand noch in der {einigen drückend, „so finde ich nach und nach alles heraus, was mirGrün- ftein zum angenehmsten Aufenthalte der Erde machen kann, indem ich zugleich das Vergnügen meiner Sieben zu befördern suche. Möchte in dem Augenblicke, wo ich den Schlußstein meines Glücks einfügen will, mir ein frommer Lohn werden!"
Der Oberst küßte ihn auf die Stirne. „An mir soll'S nicht fehlen, Adolph!" jagte er; „denn ich bin überzeugt, daß Du nichts thun wirst, was unserer Billigung entbehren müßte."
„Und meine Albertine äußert nichts über die angenehmen Erscheinungen dieses Morgens?" äußerte oie Baronin während deS Genusses des köstlichen Getränkes von Mokka.
„Ich fürchte, durch ein einziges Wort dieselben zu unterbrechen, die wie ein Traumbild mich umgaukeln", antwortete bas Mädchen mit lieblicher Schüchternheit.
„Wenn Du erlaubst, Bruder, so nehme ich an jedem heiteren Morgen meines Aufenthalts in Grünstein das Frückstück hier oben", sagte die Baronin.
„Nach Deinem Gefallen!" entgegnete dieser. „Ei, apropos, Bertram!" wandte er sich zu dem: „steht die sogenannte Druideneiche noch?"
„Unversehrt, wie ein alter Heldenstamm mit mächtigen Zweigen", war die Antwort.
„Die möcht' ich doch besuchen, weil ich ihr so nahe bin."
„Sine Druideneiche?" fragte Albertine leise, zur Baronin sich wendend.
„Ja, Kind!" antwortete diese; „und das neugie*