thungen führen, daß es möglich wäre, sich mit den StZbiben über ein ordentliches, für die gewöhnlichen Bedürfnisie ausreichendes Budget zu verständigen, welches als ein ständig zu bewilligendes anzufchen wäre, so daß die Budgelberathungen auf künftigen Landtagen sich nur auf das außerordentliche Budget zu erstrecken hätten. Sollten unsere getreuen Stäube geneigt sein, aus ein solches Verfahren ekstzugehen, worüber die dem gedachten Ersuchen vorausgegangenen ständischen Verhandlungen keinen Aufschluß geben, so würden wir den Gegenstand in ernste weitere Erwägung ziehen." .• • - - -----
München, 26. Nov. Hr. Zander, der Volks" boten " Redacteur und Spitzeder Freund, weilt glicht mehr in unseren Mauern; er hat sich bereits vor drei Tagen nach Salzburg verduftet. Als Redacteur des Volksboten fungirt ein Hr. Pollin, als Verleger die Druckereifirma „Kirschbaum und Schuh", welcher Firma angeblich Hr. Zander den „Volksboten" verkauft haben soll. Der leitende Redacteur, der jedoch nicht zeichnet, ist ein gewisier katholischer Priester Rittler, dem seiner Zeit der Erzbischof die Licurz, Mesie zu lesen, wegen Verletzung der AmtSwürde entzogen hatte. Viel Aufsehen erregte gestern die Verhaftung des Buchdruckereibesitzers Napoleon Homolatsch, eines der hauptsächlichsten und nun reichsten Mitglieder der Spitzeder-Sippschast. Die Aufregung in der Stadt ist nicht gering. — Die Verordnung bezüglich der Errichtung eines „obersten Schulraihes" (nicht „Studienraths", wie es bisher hieß) hat die Genehmigung des Königs erhalten und wird gleichzeitig mit der Ernennung der Mitglieder in den nächsten Tagen veröffentlicht werden. — Der Gesandte beim Papst, Graf Tauffkirchen, wird nach Beendigung des ihm ertheilten mehrmonatlichen Urlaubs heute Abend die Rückreise nach Rom antreten. Auch der Gesandte am würtembergischen Hofe, Frhr. v. Gaffer, kehrt jetzt nach Stuttgart zurück. — Die im Ministerium des Aeußern gepflogenen Unterhandlungen bezüglich der Ermächtigung zur Führung der Ulm Heidenheimer Bahn über baierisches Gebiet sind geschlossen, und der Präsident der würtembergischen Eisenbahnbau- Commission v. Klein und der würtembergische Ober Baurath Morlock haben unsere Stadt bereits wieder verlaffen. — Eine von mehr als 5000 Personen besuchte Generalversammlung des baierisch - patriotischen Bauernvereins, die am 25. d. in Deggendorf stattfand, beschloß gegen das Auftreten des Bischofs Heinrich von Paffau in drei Resolutionen zu protestiren. Als Redner traten u. A. Frhr. v. Hascnbrädl, Graf Prey sing und Pfarrer Pfähler auf.
Regensburg, 27. Rov. Der Jesuit Mesche- mostr wurde, weil er aus der Durchreise, obwohl er ausgewiesen ist, hier übernachtete, vom Stadtgericht gestern zu 3 Tagen Arrest verurthellt
«uSland.
Pest, 26 Nov. Die Gerüchte von einer hier, eingetretenen Ministerkrisis sind, der „Pester Corr." zufolge, durchaus unbegründet.
zu gehen, wenn in den Städten die Geselligkeit erst ihre Kreise zu suchen pflegt. . ", ,
Die dörfliche Stille, die in Schlummer gesunkene Natur ladet zu gleichem Genüsse ei», um mit dem jungen Tage zu erwachen und das Morgenlied der Lerche zu hören, die über den thaubeperlten Aehren feldern trillert, indessen die Restdenzler Noch unruhig träumen von den Vorkommniffen deS vergangenen Tages,, der erst nach Mitternacht endete.
Der Nachtwächter rief unten im Dorfe die neunte Stunde aus, als sich in dem Schlafzimmer der Ba ronin schon die weißen Roulcaux niederließcn, und um zehn Uhr war in der Hauptetage des Schlosses kein anderes Licht mehr sichtbar, als bei Adolph, der, am offenen Fenster liegend, in die sternenhelle Nacht hineinfchaute, und der Nachtigall horchte, die aus dem SchloßgarteN herüber das Weihelied der Liebe fang.
(Fortsetzung folgt.) ■ i.v.. —---------
General CH an garnier.
Unter den Mitglieder» der Rechten der französischen Nationalversammlung scheint General Changarnier wieder eine hervorragendere Rolle einnehmen zu sollen. Unsere Leser werden daher die nachfolgende der „N. F.P." entnommene Charakterschilderung, die vielleicht nur ein wenig zu stark aufetragen ist, mit Jnterrssc lesen.
Kaum sind die französischen Bauernvertreter in Versailles eingezozen, so ist auch schon wieder — man muß das populär sagen — der Teufel los. Die Aera der Scandalsitzungen, wie sie nur in Frankreich und Ungarn denkbar sind, hat sich wieder aufgetha»; gleich einer von Beelzebubs'S Orchester gespielten Symphonie hallt der wüste Parteilärm durch die sonst so stille, wohlbenanute Galerie des morts, und am Himmel drohen in gcwitwrschwangeren Wolken Conflikte, CabinetSsragen, Regierungskrisen und wie die Symptome
Bern, 27. Nov. Der Budgetvoranschlag der Eidgenossenschaft pro 1873 zeigt einen Einnahme- Uebirschuß von 170,000 Frs. — Der große Rath des Cantcns Luzern beschloß mit 82 gegen 40 Stimmen die Wiedereröffnung des Rovizilats im Frauenkloster Eicheunach.
Paris, 26. Novbr. Der Bericht Balhie's ist in sehr heftigen Ausdrücken verfaßt und zieht besonders scharf gegen die Radicalm, Socialisten und Communisten los Zunächst nimmt man Act von der Erklärung, daß Thiers stets bereit sei, demagogische Um- tri'be zu bekämpfen und die Ruhe energisch -aufrecht zu erhalten Sodann bezeichnet er die Unzuträglich, keilen, welche aus der Anwesenheit des Präsidenten der Republik in der Kammer entspringen, und verlangt die Einsetzung einer Commission, die in kürzester Frist einen Gesetzentwurf über die Verantwortlichkeit der Minister vorlegen soll. Alsdann wird die Erklärung der Minorität initgetheilt, die aber keinen förmlichen Antrag gestellt hat. In der Versammlung, welche das linke Zentrum heute abgehalten hat, wurhe nämlich beschlossen, die Ereignisse abzuwarten und dann entweder einen Antrag oder eine Tagesordnung zu stellen. Wie es scheint, faßte man diesen Beschluß, weil die Regierung der National-Versammlung selbst eine Tagesordnung vorlegen und darin die constitutionellen Reformen einschließlich die Verantworlichkeit der Minister verlangen will. Die Erregung ist in Versailles natürlich groß, zumal man bei den zahlreichen, sich wiedersprechenden Gerüchten nicht klar sehen kann, wie der Ausgang des Kampfes sein wird. Bei Eröffnung der Sitzung der Nationalversammlung herrschte die größte Aufregung. Nach Erledigung weniger unbebeu- tender Sachen trug Balbie seinen Bericht vor unb schloß mit dem Anträge, eine Commission von 15 Mitglieder» mit der Ausarbeitung eines Entwurfs über ein verantwortliches Ministerium zu beauftragen. Er beantragte, die Beralhung morgen zu eröffnen. Märtel, Mitglied der Minorität, will dieselbe auf Donnerstag vertagt wissen. Pasquier besteht auf morgen. Die Vcr sammlung beschließt aber mit 356 gegen 332 Stimmen: Donnerstag. Große Mißstimmung der Rechte». Es ist ihre erste Niederlage. — Die Minorität der Ker drel'scheu Commission versammelte sich heute um 10 Uhr, um ihren Gegenantrag zu stellen. Tie Herren de Lasteyrie und Ricard sind mit der Redaction betraut. Heute Nachmittag um 1 Uhr hielt die Commission wieder Sitzung. Die Minorität theilte darin ihre» Antrag mit und verlangte wiederum das Ein- rücken desselben in den Batbie'schen Bericht. Wie es heißt, besteht die Majorität aber auf ihrer Weigerung und will nur eine Analyse desselben aufnehmen. Bleibt die Majorität bei ihrem Entschlüsse, so wird die Mi norirät ihre» Gegenantrag der Kammer selbst mitthei len. Die gejammte Rechte hielt gestern Abend in Versailles Sitzung. Ungefähr 200 Mitglieder wohnten derselben an. Vollständige Einheit herrschte aber nicht unter den Anwesenden. Der eine Theil will, daß man ThierS ganz beseitigt, während die Anderen sich damit eines krankhaften Staatslebens alle heißen mögen. Vorboten des Todes! ... Lauge kann es die National, Versammlung nicht mehr treiben, und wer einzelne' typische Erscheinungen dieses Pandämoniums skizziren will, ehe sie für immer verschwinden, muß sich beeilen, zum Griffel zu greifen.
Mit dem letzten Athemzuge der Versailler Repräsentanz wird in der Thal mancher berufene Mann, der in dem Ränkespiel der Parteien eine voiderstc Stellung sich erobert hatte, ein- für allemal abgewirthschaftet haben; als Beispiel nenne ich nur den alten, breßhasten General Changarnier, einen der Unglücksvögel der französischen Geschichte, immer voran, wo etwas zum Unheil sich wenden soll, und auch dieser Tage der Erste wieder, mit seiner Interpellation über Gambetta's Wanderreden den bösen Hader vom Zaune zu brechen Wie Bonaparte, wie Offenbach und andere Sterbliche steht General Changarnier im Rufe der gettatura: was er anrührt, verdirbt — sein Blick weckt Unglück. Napoleon, erzählt man sich in der französischen Armee war verloren, als nach der Schlacht von Wörth Changarnier seinen Degen ihm zur Verfügung stellte, und des TroupierS Aberglaube wirkt beinahe ansteckend, wenn man des seltsamen Mißerfolges sich erinnert, dessen sich jede von dem General vertheidigte Sache zu erfreuen hatte. „Ich habe die Gewohnheit, zu siegen, und bitte die Republik, meine Ergebenheit auf die Probe zu stellen", schrieb er in eigensten Worten an die provisorische Regierung des Jahres 1848. Lamartine, vielleicht aus Furcht vor dem bösen Blicke des Generals, beeilte sich, seine Ergebenheit in Hundertmeilenweiler Entfernung von der Hauptstadt zu erproben: er ernannte ihn zum Botschafter in Berlin. Aber Changarnier schlug den Posten ans, blieb in Paris, und das Unheil begann über die junge Republik hereinzubrechen. Die Junitage tarnen und brachten dem
begnügen wollen, dem Präsidenten ein Ministerium! aufzuzwingen. Auch wurde der Antrag gestellt, dir Armee bircct unter die Befehle der Versammlung zu stellen, d. h. diese zu ermächtigen, den KriegSininister, der nur allein vor ihr verantwortlich sein würde, selbst zu ernennen. Bei Thiers waren gestern Abend viele politische Persönlichkeiten, ohne daß jedoch ein eigentlicher Empfang stattfand. Marschall Mac Mahon blieb bis 11 Uhr.' Thiers schien sehr erregt. Ec sprach viel davon, was er alles Mr Frankreich gethan. Die Zahl der Adressen, welche gestern im Präsident schasttichen Palais einlief, beträgt an 300. Allgemein fällt es auf, daß baß osficielle Journal heute zwölf Spalten von Verleihungen der Ehrenlegion an Mili- tärs bringt. Das Decret trägt das Datum vom 20. October.
Versailles, 26. November?' In ter National Versammlung wird der Bericht Batbie's über den Antrag Kerdrel verlesen. Derselbe hebt die Verdienstc des Präsidenten hebvor und leugnet, bemfefben feindlich gesinnt zu sein. Er erklärt, die Conservativen könnten abep dic Gründung einer conservativen Republik »ich, unterstützen, so lange die Regierung mit den Radicalen, oen geschworenen Feinden der öffentlichen Ordnung, den Erben der Commune, paktire. Verantwortlichkeit der Minister sei die Hauptsache. Die Nationalversammlung habe Thiers gegenüber, der die Frage der Ministerverantwortlichkeit in eine Frage über den Fortbestand der jetzigen Regierung verwandele, nicht die genügende Freiheit der Entschließung. Die Gründung einer zweiten Kammer sei gleichbedeutend mit dem politischen Testamente der Versammlung. Dic Majorität der Commission wolle die Frage, ob Republik ober Monarchie, jetzt nicht zum Anstragc bringen, aber sie protestire gegen bie Jkigenbe Flnth bcmagogischer Barbarei. Die Commission beantragt die Ernennung einer Commission von 15 Mitgliedern zur Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes über dic Ministerverantwortlichkeit. Die Discussion über diesen Antrag wird von der Versammlung auf den 28. November festgesetzt. — Die „Agence Havaö" meldet. Der Ministerrath wird heute über die Beschlüsse be- rathen, welche der Bericht Batbie's nach sich ziehen soll. Die vertraulichen Besprechungen zum Zwecke einer Verständigung haben nicht aufgehört. ThierS wird der morgigen Sitzung wahrscheinlich beiwohnen. Ueberaö herrscht vollständige Ruhe. — Das Journal des Debats sagt, die Majorität von 24 Stimmen bei der gestrigen Abstimmung, welche ein Vertrauensvotum war, ist keine Majorität, mit welcher man regieren kann. Thiers hat nur Eins zu sagen, nämlich: gebt mir die nöthige Gewalt, um zu regieren, ober regiert selbst. — Das Sieele betrachtet ben Bericht Batbie's als eine Kriegserklärung aus Tod tutb Leben.
London, 27. Nov. Den mip’ber westindischen Post einlaufenden Nachrichten zufolge hofft man ans eine befriedigende Lösung der Streitigkeiten zwischen Chile und Bolivien. Die peruanische Regierung trifft Maßregeln zur Förderung der europäischen Einwan, General die erwünschte Gelegenheit, ben Parisern handgreiflich zu zeigen, wie er während feiner langen Saniere in Algier die Beduinen behandelt habe. Er trieb fein Schlächterhanowerk mit solcher Meisterschaft, daß bie Regierung, ihm zum Lohne, nichts Bessere- zu lhun wußte, als ihn schnurstracks nach Algerien zurückzuschicken.
Seine Wahl zum Volksvertreter rief ihn wieder nach Paris, wo ihm Cavaignac in seiner Verblendung den Oberbefehl über bie gejammte Streitmacht ber Hauplstabt übertrug und bamit baß Schicksal ber Republik mehr ober weniger in die Hände eines ManneS legte, der als ein entschiedener Feind der republika- nijchen Regierungsform bekannt War. Die Monarchisten frohlockten und küßten um die Wette ben Säbelknopf des Generals — zu früh! Denn dem Soldaten des OrteaniSmuS, dem fiLblinge des Herzogs von Aumale kamen plötzlich andere Gedanken; er liebäugelte mit napoleonischen Bestrebungen, und bann unb wann prahlte er auf bie Allmacht pochenb, bereu Schein ihm von bem Präsidenten Lcuis Napoleon gelaffen wurde: „Wollte ich, ich könnte mit der Leichtigkeit, mit der ich diese Cigarette rolle, das KaiferthuM wieder Herstellen." Der Geck! In den Händen Bonaparte's und seines schlaueren RathgeberS Morny war dieser militärische Bramarbas eine willenlose Marionette, bie man bei ber ersten selbstständigen Regung in Stücke brach. Als ber General gegen Anfang bes JahreS 1851 die orleanistifche Fahne wieder auöhing und aus Gründen, bie zur Stunde noch nicht aufgeklärt find, von ber Politik beS Elijäe sich abwenbele, ba ward er auch alfobalb feiner Würde entsetzt. . ,a *>,
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