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Marburg, Donnerstag, den 28. November.

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9berhess!sche Zeitung

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Wiesbaden, 26. Nov. Der Kronprinz des deutfcben Reichs wird Anfang- Dezember hier ein- treffen und mit Familie Winteraufenthalt hier nehmen.

Kobnrg, 25. Nov, Prinz Alfred von Groß- stritannien ist heute Abend zum Besuche deS herzog­lichen Hofes hier eingetroffen.

Stuttgart, 26. Nov. DerSchwab. 'Hierfür" veröffentlicht eine Reihe von Berichten aus der oberen Neckargegend über einen Sonntag Nachts wahrge­nommene« Erdstoß in der Richtung von Südwest nach Nordist.

Mönche», -25. Rovbr. Eine Versammlung der hiesigen Anwälte, veranlaßt durch die gegen StandeS- genossen erhobenen Anklagen ungeziemender Unter­stützung der Adele Spitzeder mittelst juristischen Bei- ratheS, beschloß gestern die Einsetzung einer Commission, welche die Aufgabe hat, die Thatsachen zu prüfen und über die Ergebnisse an die Plenarversammlung behuf- weiterer Beschlußfassung zu berichten, ebenso der Presse die erforderlichen Miltheilnngen zu machen. Die Thätig- keit der Commission hat sich auch auf die als Con- cipiente» beschäftigten Staatsdienst-Aspiranten zu er­strecken. Als Mitglieder der Commission wurden die Anwälte Dr. Freytag, Louis und Jahrsbörff« mit dem Rechie der Cooptation bestimmt. Die Mitglied« der hiesigen Anwaltschaft waren nahezu vollzählig er­schienen und die gefaßten Beschlüsse wurden von alle» Anwesenden als bindend erachtet.

Mülhausen, 20. Nov. Herr Schwartz-Köchlin, der bekannte reiche Mülhausener Industrielle, hat der französischen Regierung eine Million Franken ange­boten, um 200 Familien, »ach vorangegangener Wahl, in zwei oder drei Dörfer» in Algier anzusiedeln.

Uttölantz.

Wien, 26. Nov. Der VersassungSauSschuß des niederösterreichischeu Landtage« nahm in seiner gestrigen Abendsitzung einen Antrag an, die Regierung um un­verzügliche Vorlegung eines Gesetzentwurfs zu ersuchen, wonach die Mitglieder des Abgeordnetenhauses künftig nicht mehr aus jden Speciallairdtagen entsendet, son­der» vom Volke direkt gewählt werden sollen. Der Ausschuß nahm ferner den Antrag an, die Regierung auszufordern, bei Einbringung der interkonfessionellen Gesetze dem Reichsrathe einen Gesetzentwurf vorzu­legen, durch welchen der Jesuitenorden im ganzen Um­fange der vom Reichsrathe vertretenen Länder ver­boten werde.

Lemberg, 26. Nov In der gestrigen LandtagS-

einige Sitze warteten auf die Besitznahme der R»he- suchenden, und Bertram behauptete, daß e« , versteht sich mit dem nölhigen Mundvorrathe versehen, sich hier recht angenehm bivouakiren ließe.

Die Tutte muß sehen, daß wir natürlichen Ge­schmack und, was die Hauptsache ist, Aufmerksamkeit sür sie haben," sagte Adolph,sonst hält sie nicht lange hier auS; denn aufrichtig gesagt, Ellernrode ist ein Paradie« gegen Grünstein, das in der letzten Zeit ziemlich vernachlässigt worden ist."

Wie so ManchesI" brummte Bertram, dem auch die Gartenzucht anvertraut war, und den somit der Vorwurf traf.Das kommt all.« von der heillosen Junggesellenwirthschaft her," fuhr er lauter fort, bei der man ost nicht recht weiß, wo eS einem fehlt und wo man anfangen soll, um den Tag auf recht­mäßige Weise zuzubringen. Darum gehört eine Frau nach Grünstein, die rem langweiligen Wesen eine ver­nünftige Wendung gibt; und wenn Sie nicht bald dafür sorgen, so bitte ich den Herrn Oberst Papa, daß er selbst noch einmal in das Ehestands-Regiment als Volontär eintritt.

Adolph lächelte und sagte:Nur vorwärts! auch Dir würde eine resolute Frau nicht übel anstehen. Einstweilen muß die Tante sür Unterhaltung sorgen."

Und vielleicht auch für den fehlenden Artikel," setzte" Bertram hinzu,denn sie kennt die halbe weid liche Standeswelt de« Landes, und was sie aussucht, ist wahrlich ausgesucht."

Ich suche selbst, Bertram."

go suchen Sie doch in des Himmels Namen, denn" hier in Grünstein finden Sie es nicht/'

Warum nicht?" fragte Adolph,der unbeachtetste Winkel der Erde birgt oft einen Schatz."

Holla!" brummte Bertram,der wird doch dem hübschen Bauernmädchen nicht nach streiche», mit dem er vor wenigen Tagen so angelegentlich gesprochen hat? Das hieße die Herablassung doch ein wenig zu weit treiben. In einem Baueriihause kann man schon einmal im Ouartier liegen, aber zur Garnison taugt es nicht. Wer wird sich an die Feldrose mache», wenn man Centifolien haben kann? Indessen, der Gusto ist verschieden. Ich denke, die Frau Baronin v Rochann wird Mittel und Wege finden, den Geschmack auf etwas Annehmliches zu lenken, und wenn das geschieht, so soll sie uns herzlich willkommen sein."

Nach einigen Tagen rollte ein zierlicher Reisewagen aus den Hof, empfangen vom Oberst und seinem Sohne, die beide bemüht waren, der Dame aus dem Staubmantel zu Helsen und sie auf Grünstem« Grund und Boden willkommen zu heißen.

Es ist gegen alle Ordnung", sagte sie mit ange­nommener Ernsthaftigkeit,daß die Tante dem Neffen zuerst Besuch macht, der in der Fremde seine nächsten Verwandten vergessen zu haben scheint; aber ich hoffe, sonst Alles hier in Ordnung zu finden, und so grüße ich Dich denn mit mütterlicher Zärtlichkeit, die, wie man weiß, ja ohnehin nicht so streng richtet."

Adolph drückte die dargebotene Hand der Tante an die Lippen und sagte:dieses mütterliche Herz hat meinen Fehl« leichter entschuldigt, als es mein Mund vermocht hätte; doch betheuere ich, daß nach dem väterlichen Empfange Ihre Gegenwart die angenehmste I Empfindung ist, die mir seitdem geworden."

Deutsches Reich.

,, Berit«, 25. Nov. In der heutigen Sitzung ht« Abgeordnetenhauses fand die dritte Lesung des KreisordnungsgesetzeS statt. Ueberraschend war die Haltung der Conservativen extremer Richtung. Pa­thetisch erklärte Herr v. Cranach, seine Partei werde nicht nachgeben, sondern lieber ht Ehren untergehen Jin Allgemeinen entsprach der Verlauf ter Verhand­lung und Abstimmung den gehegten Erwartungen. Die Fortschrittspartei, vertreten durch Herrn Virchow, blieb ihrem Vorhaben treu, auch trotz der Ablehnung der Amendements für die Vorlage zu stimmen. Die konservative Partei dagegen entwickelte eine Heftigkeit und Energie gegen die Regierung, wie man sie kaum vorausgesetzt hätte. Sogar Herr v. Gottberg trat so enragirt aus, daß der Herr Minister des Innern sich zu einer sehr scharfen und entscheidenden Kritik ver­anlaßt sah. Aus dem heutigen Auftreten der Confer vativen «hellt, daß es mit dem Umschwung in der Stimmung derselben nicht viel auf sich hat. Sie hielten fest zusammen mit ihren Parteigenossen im Herrenhause, so daß sie durch ihr Verhalten einen Maßstab gaben, nach welchem man die angebliche jur Nachgiebigkeit geneigte Umstimmung der Herren­hausmehrheit richtiger beurteilen kau», und die Un­sicherheit des von den Führern «»gestrebten Compro- miffeS klar in die Augen fällt. Obwohl dieKreuzztg." die von uns mehrfach berichtete» Versuche der Con­servativen , durch Concessionen den PairSfchub abzu­wenden, jetzt fortwährend dementirt, sind dieselben doch als Thatsache conftatirt, und ist durch das heutige Benehmen der Partei im Abgeordnetenhause hinlänglich bewiesen, daß die Regierung im Rechte war, aus ihre Anerbietungen nicht einzugeheu. Es wird übrigen« berichtet, daß selbst der Präsident Gras Stolberg, sowie liberale Elemente des Herrenhauses sich an den. Persöhnungsversuche beteiligt haben. Es mögen hieraus die Gerüchte zurückzuführeu sein, welche von einer angeblichen Meinungsverschiedenheit im Schooße des Ministeriums sprachen und in die Oeffentlichkeit gelangt sind. Namentlich sollte Gras Roon hinsichtlich de« PairSschubS die Meinung des Grafen Eulenburg nicht teilen. Es versteht sich von selbst, daß diese Gerüchte ihren Grund lediglich in vagen Vermu-

thungeii haben Ueber den PairSfchub, den Se. Ma- estät genehmigt hat, kann in dem Ministerium keine 1 Meinungsdifferenz bestehen; höchstens könnte es sich um die Zahl- und Personensrage handeln. Uebrigens ind die Personen der neuen Patrs schon festgestellt; ie gehören fast alle dem hohen Beamtenstande und dem größeren Grundbesitz an; natürlich werden die Ernennungen bis zur «folgten Sanktion Se. Ma­jestät geheim gehalten. In ben. Organen der vor­geschrittenen Liberalen wird jetzt häufig die Unzuläng­lichkeit der Diäten d« Abgeordneten abgehandelt. Die Regierung würde, falls ein bezüglicher Antrag im Landtage gestellt werden sollte, sich durchaus nicht ab­lehnend verhalten. Herr Enge» Richter, beffeit eigentümlichen Geschäftsbetrieb mit Corresponbenzen seiner Mache wir bereits an ben Prang« gestellt haben, wirb heute auch von ber liberalenNat.-Ztg verbienterinafjcn abgekaitzeit. DieNat.-Ztg." erklärt, daß sie von de« osficiösen Mitteilungen Gebrauch mache, um vor den berüchtigten Corresponbenzen des Herrn Richter, den sie für böswillig ober urtheilslos erklärt, gesichert zu sein.

Behufs Verhütung eines ungerechtfertigten Austritts aus den Schullehrer-Seminarien ist seitens des Cultusministers angeordnet worden, daß die in das Seminar eintretenben Zöglinge einen Revers aus stellen, in welchem sie sich verpflichten, nach Beenbi- gung ihrer AuSbilbung unweigerlich unb sogleich jebe Lehrerstelle anzunehmen unb wenigstens biei Jahre lang zu verwalten, welche ihnen übertragen werben sollte. Im Weigerungsfälle soll bie Regierung berech­tigt fein, alle währeub des Aufenthalts im Seminar an die betreffenden Zöglinge gewährten Geld ober Naturalien - Unterstützungen von beren gegenwärtigem oder zukünftigen Vermögen baar zurückzusorberu unb außerdem an Unterrichtshonorar für jedes halbe Jahr 10 Thlr zu fordern. Denselben Verpflichtungen haben sich bie Zöglinge für bie Fälle zu unterwerfen, baß fie aus bem Seminar vor der Beendigung ihrer Aus btlbung in demselben, ohne durch ihren -GesundheitS zustand dazu gezwungen zu fein, ans eigenem Willen auStreten, oder daß sie durch ihre Führung zur un­freiwilligen Entfernung Veraniaffung geben sollten. - ; »zugleich ist angeordnet worden, daß ber Vater resp i Vormund de« betreffenden Zögling« diesen Revers al« Selbstschuldner mit zu unterzeichnen unb bie Orts- . polizeibehörbe denselben hinsichtlich ber Unterschrift bei Letzteren zu iegalisiren hat.

auf die vberheffifche Hei- tun# für den Monat De- «mb« nehmen alle Postanstalten und auf dem Lande Ke Landpostbote» an, sowie tu Marburg

die Expedition der Oberii. Zeitung-.

DeS Bitters Wunsch, deS S-h«kS Rriguug.

Eine Erzählung aus dem Lebe».

m:- (Fortsetzung.)

Bertram war mit diesem Besuch weniger zufrieden; d« alte Soldat konnte bas gezierte seidene Wesen ber Baronin, wie « es nannte, nicht leiden, die beständig musterte,' ohne von dem wahren Commando einen Begriff zu haben, das Tausende n gleichem Moment gleichförmig in Bewegung setzt; auch wußte er vor längst, daß sie feine Geradheit nie tn besondere freundliche Affectiv» genommen hatte, waö « nbri gen« aus Liebe zu feinem Herrn damit zu entschui- digen suchte, daß Frauenzimmergeschmack immer bizarr unb er eben auch kein großer Liebhaber von weichge- backenem Brvde sei Ab« redlich nahm er Theil an den Veranstaltungen, die Adolph traf, die Tante mit irgend etwas zu überraschen.

Ter Grünsteiner Schloßgarten grenzte an ben Wald, der sich hinter ihm sanft bie Anhöhe hinauf zog, unb es beburfte nur ber Durchbrechung ein« Hecke unb ber Anlegung einiger zwischen beit Buchen unb Birken sich durchschlagenden Wege, um zu einer hervorspringenden'. Stelle zu gelangen, wo man eine wunderliebliche Aussicht über Schloß und Dorf Grün stein und da« Flußthal mit seinen gegenüberliegenden Femen gmoß. Hi« wurde mit Hülfe einig« Arbeiter leicht und zierlich eine Hütte von angenehmer Form und ziemlicher Größe anfgeschlagen, solche dicht mit Tannenzweigen bekleidet unb bedeckt; der geebnete Fuß­boden mit zusammengefügte» Brettern überlegt und und frische Heumatten, nnt« Adolphs Aufsicht ge flochten, darüber gebreitet. Ein einfacher Divan unb

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' »«chd-«ckere» bezogen «, K., dur^U. lostämter^«gr.^^ W je ^nnone-n«area/s nehme» Inserate an.